Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 7 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.Unter mir CottTafe, vor «ir die freie Steppe, iw mir der Wille etaeft Kosaken, mit mir ei» wohlgestählter Säbel — toen sollte ich da fürchte»? Bist D« auch sicher. Jan, daß sie diese» Weg das Juvenmädel geführt?" »Ha ha ha! Ob ich'» sicher km! Ich habe die Juden« bvde nnige Werft begleitet, um zu ersabren auf welchem Wege sie autrikfen. Daao kehrte ich zurück, meine» Herrn zu benachrichtigen.- .Bist ein Prachtkerl, Ja», uod ich danke Dir. Aber «erden wir sie amh eiuhol<n?- »Sie einzuholeu ist keine Kunst. Aber wozu das? Wir möchte» ihnen lieber in einer gewissen Entferauug. folgen, eine» günstigen Moment abpaffen und geschickt unsere Sache zu Ende führe«. Mag sich der Herr auf Jan Woickowski nur getrost verloffe»; er versteht seine Sache.- „Run, Mädchen,- sagte Ehmielnicki lächelt». »Nimm für alle Ewigknt von deinem Judenpick Abschied und liebe nunmehr einen Kosaken. D. du wirst ihn schon lieben! dafür stehe ich ein. Aber ein leckerer Bisien ist e» schon, nicht oafc Jan?- ,Ei» solches Früchtchen habe im Leben noch nicht gesehen. Glaube« Sie mir, Herr, in dem Moment — wissen Sie es noch? — als ich sie unbeabsichtigt mit meiner Peitsche niedergestreckt und sie auf der Erde liegen sah — da wurde es mir so finster vor den Augen — so finster . . . O, ich war von dieser diaboltschen Schönheit geblendet. Eine wahre Judenschönheit!- »Nein, denk' Dir nur, Woickowski, welch eine Satisfaktion! Ich spucke auf den Dienst des edlen Pan, entreiße seinen Zähnen eine so kostbare Beute und ... ha ha ha! 's ist zu« Lachen! — in seinen Armen lasse ich eine alte, zerteilte, abgelebte Mähre. Wohl bekomm' es. erlauchtster Pan Potocklk Gedulde dich aber noch ein wemg; wir haben unsere Rechnung noch nicht abgeschloffen. So Gott will werde ich mit dir noch abrechueu nach unserer, nach Ko« sakenart!- ,Und auch ich werde ihm noch einen Schlachtizendienst erweisen.' Diese Schwach! Schmutziger Juden wegen einen ehrenwertheu Schlachtiz, wie ich, zu beschimpfen, ihn wie eine» unbrauchbaren Houd davonzujagen eines krätzigen jüdischen Schenkers wegen!* »Ru. Jan, säubere jetzt diesen Schenker von seinen jüdischen Krisen. War eü nihr er, der die Judenweiber gefahren .Er, er! Der Winh der geschenkte» Arrende in höchsteigener Person. Ha ha ha! Ich werde schon mit ihm theilm. Ich werde ihm lebend das Fell abziehen und es mit Schweinefleisch fülle». O, ich male mir so reckt diese scheußliche Jud.nfratze au«, wenn ich. unerwartet, unverhofft, dem .Pan Arrendatorm>t meiner Reitpeitsche über den ausgefressenen Saurüffel fahren werde . . .- .Run, Jan, genug de» Geplauder». Wollen uns in Trab setzen . . .- Hinter dem schwachen, hilflosen Lamm zwei reißende Wölfe. Neunte» Kapitel. Me Aalaßroptze. »Bester R b Zodek. wäre es nicht schon Zeit, die Weiter« reffe anzutreten Pfrug Rahel schüchtern, fast schmeichelnd ihr«, .Beschützer-. .Für Euch, Alte, giebt es nur Weiterreise und lvieder Weiterreise. Aber daß meine armen Pferde schon fast schwindsüchtig und völlig entk-ästet sind — ja das scheret Euch «uhts. Und ist es oenn ein Wunder? Die ganze Bude fft mit allerhand Plunder vollgestopft uod da soll man jagen uud jage«, ohne d«e Pferde ordentlich verschnaufen zu laste». - »Aber ich bitte Euch, Red Zotxk! Ihr füttert die Pferde täglich zwei Mal, Nachts fft immer geholten worden, und da sagt Ihr noch, daß mau die Pferde uicht ordentlich avsruhen laste!- .Aal Anstatt eine« Meufcheu dankbar zu fein, t«r Alles hat stehn und lieg» laste», um zu retten — »riß Gott: wen . . . weiß der Zenin; wofür, brnmmt und krächzt sie beständig und ist mit nichts zufcirdeul' .Aber ich bi» ja mit Euch sehr zufrieden, stieb Zodek Hab' ich «ich scho» jemals beklagt r“ .Ru — warum hetzt und treibt Ihr mich immerfort? Ich weiß besser als Ihr, wann es Zeit ist.- »34 bitte Euch, seid uicht böse. Wir stad hier Freitag Mittag angekom«en, Ihr wolltet über Sabbach hier bleiben, habe ich auch nur eine Silbe dagegen eiugewendttP- .Eingewendet! Ihr hättet es Euch nur uuterstcha sollen! Was bi» ich den« bei Euch? Euer Kutscher etwa oder btt> gleichen? Habt Ihr «ich geduugeu? Zahlt Ihr i«ir viel?- . »Ich denke, «ein Mann hat Euch vor unserer Abreise im Voraus bezahlt?" »Wer hat bezahlt?- rief der Fuhrmann frech und stellte sich drohend vor Rahel auf. Diese fuhr euffetzr jgrrück und stotterte: »Mir schien nur. . .- »Mag es Euch nicht scheinen. Euer Mann fft großmüthig mit dem Munde. mH frommen Redensarten, den Beutel hält er aber fest und sammelt und summelt. Bezahlen!.. Ra ... so Einer! . . ." .Warum habt Ihr Euch bereit erklärt, uus zu fahre», wenn es Each nicht angenehm war?" .Warum? Weil ich ein Esel war — das ist die Sache. Weiß der Teufel, warum ich mich da wie ein altes Weib geberdet und mich in's Joch habe spannen lass«! Uab fahrt man schon Jemand au» Gaade uod Barmherzigkett, dann sollte man'» zum miadestru anerkennen und den Mund hatten. Hier aber wird man gehetzt und getrieben, wie der erste beste Bauer!* .Glaubt mir, Reb Zodek, wen» mein Man» Euch noch nicht bezahlt oder uicht hinreichend bezahlt hat, «erde «h ihn veraulaffe», auf Heller und Pfennig mir Euch abMrechne».* »Veraalostenl Wozu da aufschiebr»? Ihr habt ja selber Geld bei sich. Ru. da giebt «au doch wenigsten» dem Fuhrmann etwa» auf kleine Auslagen. - ,Mit Vergnügen. Reb Zodek. Sagt nnr, wieviel?- »Wieviel I Was biu ich den», eiu Mrnschensckünder oder dergleichen? Ich bin ein ehrücher Jud'; und was Ihr gebt wird dankbarst angeaommen.- Rahel versenkte die Hand in die tiefe Tasche, hotte einige Gulden hervor und händigte ste Zodek eia. ,Nu, Alte, das scheint doch nicht Euer Ernst zu sein? Bin ich denn der erste beste Bettler? Wenn Ihr schon gebt, so thm's anständig — man muß doch auch Gott i« Herze« haben!* »Sagt wieviel ich Euch geb.m soll. Ich »erstehe ja diese Sachen nicht - »Nu. was soll ich mit Euch haodeln, gute Rahel? Soviel Ihr gebt wird dankbarst angenommrn.- Rahel versenkte nochmals die Hand in die Tasche, holte eine Handooll Silbermünzen hervor und üb«gab sie, ohne z» zähle», dem Fuhrmann. .Und nun Reb Zodek, jetzt glaube ich eia klein« Recht zu haben, Euch um Beschleumzuug der Wtttwrrise zu brtteu.- »Rrin, was Ihr doch komisch seid, »irüich. Was eitt Ihr so? Was «not Ihr über Hals uad Kopf? 19ir habe» die polnische Grenze schon Hutter uns. Jetzt fiirchte» wir die Paos nicht mehr und können uns rin wvrig ansrnher:.- ,,E» ist langwellig hier, Großmütterchea!- mischte sich Esther zum ersten Male in die Unterhaltung. »Und wir halten hier schon volle zwei Tage. Und .was güdt es hier für Mäuse und Wanzen! . . . Bar! Rein. GroßuHtterchen, wollen wir fahre» und wenn es auch in der Raöjt ist." »Mädchen, Du hast Dich nicht eiuzumffck«,, wen» ältere Leute reten,- fuhr sie Zodek au. Esther eristhete uu» biß sich auf die Lippe», während ste ihre stackste» Auge« auf die alte Fra» richtete. .Scheuet ste uicht, Reb Zodek. Sie fühlt dieselbe.