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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 7 (1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
7 (1888)
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 7. 1888. $Utt H.-rau««»gkben ron Dr. ». Rahmer in Magdeburg. I»r Klllkrhaltllvg i Kklthrvllg fiir dir ißraelUch,' Fßwilit. t f. Der Rabbi u»d die Pan'». Kulturhistorische ikrzähluug au» dem XVII. Jahrhundert. Ruch dem Russischen von >. Levin »Sagau. .VüPAltl (Aorisetzuna.) — Zwei Briese Brnhold Auerbach« an Wilhelm Wolssohn. — Eine noch unbekannle Rothschild-Anekdote. — Neschllst«» ** Logik. — Rllthsct-Aufgaben und RSthsel-Ldsungen. Der Rabbi «ab die Pan'S. «ulturhiftvrsschc Grzthlu», aus dr« XYIL Jahrhundert. Rach dem Russischen von A. Levln-Sagan. at»tl,e »»lortlirte Ueterte«»».! <n»ch»ruck »erdet«»., K) - »Doch ....«« ist Zeit." sagte der Rabbi fest, das Mädchen von feinen Armen lassend. .Wie man auch zögern mag — geschieden mutz sein. Nun mein Kind", sagte der Greis, indem er seine Hände segnend auf daS Haupt des Mädchens legte und die thränenfeuchten Augen zum Himmel erhob — .Ich segne D'ch im Namen aller Waisen und Wittwen, im Namen des erhabenen, heiligen Göltet. Er möge Dich vor Sturm und Drang behüten, vor Kummer und Sorgen; er möge Dich retten vor Deinen Feinden und vor den Feinden seine« Volke»! Leb wohl. Rahel! Behüte unser Kindl Schreibe oft, mit jeder Gelegenheit und erwarte mich in Bälde alt Bast. Lebt wohl! Gott mit euch!" Hphel ergriff die Hände chreS Galten und wollte etwa« sagen, doch Thränen erstickten ihre Stimme. .Grobmütterchen, warum weinest du? Wir fahren ja zu Besuch!" — .Ja. mein Kind ... ja, aber wir lassen Grotzväterchen so ganz allein zurück! Benjamin bei wem laffe ich Dich?" .Und wo bin ich 7" frug die Ren dar in unter Thränen. .Ich schwöre Euch bei meinen Kindern, Rahel. ich schwöre Euch bei Gott, daß keine Schwester, keine Tochter fich so um ihren Bruder, ihren Vater mühet, wie ich es um unser» theuren Rabbi thun werde. Seid ganz unbesorgt. Rahel!" .Ich danke Euch, meine Schwester, aber ich brauche nicht»," sagte der Rabbi freundlich lächelnd. »Wenn ich nur mein Kind in Sicherheit weiß, dann bin ich auch gesund und glücklich" All« ginge« auf die Strafe. Der Sturm wüthete noch wie vorher, aber der Regen hatte aufgehört. Der Himmel war schwarz, finster. Rur auf der östlichen Seite des Horizont» begann e«, sich zu klären. .Mein Gott, welch' entsetzliche Finsterniß!" stöhnte Rachel, während sie ihr« Enkelin auf den Wagen setzte und mit Betten verpackte. .Ich dünke Dir, o Gott, für diese Fiosternib!" sagte der Rabbi. .Sie entziehet meinen Schatz den Augen der Barbaren . . . Bevor der Tag anbricht, seid ihr schon weit weg von dem Neste der Gewalt. Nicht wahr, Red Zodet?" »Natürlich. Es wird mir blo« schwer, unbemerkt durch da« Städtchen zu kommen. Dann ist aber der Weg wie auf einem Tisch. Wir werden davousausen, daß un« selbst di« Haiduken »a« niesen können. Meine Pferde stad so frisch, einfach Goldgäule . . . Lo«l Ahu! Wjul" .Mit Gott!" rief der Rabbiner zum letzten Male und bleckte da« Gesicht mit beiden Händen. — Geräuschvoll rollte der Wagen voa dannen. Plötzlich blieb er mit einem mächtigen Ruck stehn. »Wa« ist vorgefalleri?" srug der Rabbiuer entsetzt. »Keile l" schrie Zodrk, jegliche Vorsicht außer Acht wsseud, »Keile, hüte die Schenke und verzieh mir die Kinderchen nicht! Futtre sie nicht mit Fleisch, sie könnten sonst vor Fett platzen! . . . Wju! Kinderchen! Ahu!" .Was ist der für ein Geizhalz geworden. Rabbi, es ist kaum zu glauben. Seinen leiblichen Kindern gönnt er da« trockene Brot nicht. Es ist sündhaft vor Gott, weiter nicht«." Der Rabbi hatte nicht« gehört. All sein Denken, all sein Fühlen folgten der theuren Familie. — Als die Schenkerin fortgegangen und die schnell dahinsausende Bude verschwunden war, kehrte der Rabbi tief ausathmend, wie eia Mensch, dem soeben eine shmere. seinen Kräften nicht angemesse Last abgenommen wurde, langsam in seine Wohnung zurück. Die Thüre sorgfältig hinter sich schließend und seine Wohnung, die durch das unerwartete Ereigniß in eine gräßliche Unordnung g«bracht war, mir einem traurigen Bllcke i.iusternd. näherte er sich mit bedächtigem Schrrtte der kleinen Lade, dem Behälter der Gesetzrollen. die er eigenhändig ge« schrieben. Den Brokat-Vorhang, der das Heiligthum bedeckte, ehrfurchtsvoll zurückzieixnd. legte er das Haupt ia da« Innere der Lade, preßte die L ppen an die Pergamentrollen und sprach laut: .Gepriesen sei d.in Name, Eloha, Ewiger Allbarmherziger! Mein Kind ist qeretter. verleihe Du mir, o Gott, Kraft, um diese schwne Trennung ertragen zu können." Lange, lange lag das greije, voa Sorgen gebeugte Haupt de« vereinsamten in der heiligen Lade. Der Rabbi schwieg, aber seine Lippen bewegten sitz. Ec betete in Gedanken. aber heiß, innig. Da« Geber erfrischte seine Seele, heilte seine Wunden uns fein Gesicht drück'« Hoffnung, vertrauen und stille Freu >e au« — sein Kind war ja gerettet I. . Ja — gerettet! . . So hoffte der Arme. Wenn er eine Weile später auf den Marktplatz g-schaut, wmn er die leise geführte Unterhaltung zweier Reisenden gehört hätte — sein Herz wäre ih u gesprungen vor Furcht und Verzweiflung; er würde zu beten aufgehört und seiner Famllie nachgesetzt haben, um sie zurückzaführen in eben dasselbe Nest der Gewalt, au» welchem sie kurz vorher geflohen . . . Der Himmel klärte sich. Der Stur« legte sich, vom Osten ergoß sich helle Morgenröthe. Und immer mchr erblassend zogen die Sterne am Firmament sich nach und nach zurück und entschwanden. Die Hähne erwachten und verküadetm laut den Anbruch des Tage«. Auf dem Marktplatz erschienen zwei Reite: auf kostbaren Pferden — der junge hmffchaftliche Stallmeister Zenobiu« Bogdan Ehmielnicki und der uu« wohlbekannt,: Schlachtiz Jan Woickowtki. .Erhitz' Dick nicht, Conrad." sagte der Erflere, da« .schöne Thier leicht c.uf den Hals klopfend. .Laß uu« erst die Ebene erreichen, die Steppe; dort sollst Du freien Lauf habe», vi« dahin l«ruhige Dich, Freundchen. Ein stolzer Kosak schleicht sich nie ein Dieb von dannen, wa« bist Du beffer al« er?" »Jndeß," flüsterte Woickow«ki, .ich dächte, wir könnten doch ein wenig schneller retten. S« llärt fsich schon ganz auf. Daß «an «nti am Ende nicht doch noch bemerkt!"

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