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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 6 (1888) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
6 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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khn herbeirufen, und wenn ich daun fliehe, so kan» er sofort an meine Stelle treten. Aber wohin wollt Ihr meine Familie bringen. Red Zodek?" .Wißt Ihr wa«, Rabbi — Ihr wollt ja Eure Familie au» Polen bringen, nicht wahr?" „Jawohl, unbedingt." „Verlaßt Euch in diese« Falle ganz auf mich. Ich Habe einen leiblichen Bruder in Choral, sein Rame ist Reb j Hersch, sein Familienname Kahan. Er unterhält die Arrende 'in der jüdischen Kolonie Shmiren, und dorthin werde ich Eure Familie bringen. Sie kann bei ihm bleiben, bi» Ihr hier lotkommt und von dort könnt Ihr siebringen, wohin Ihr wollt. Allerdings, meinem Bruder wird man schon zahlen müssen. Er ist zwar rin frommer Jnd, ein reicher Mann, aber ein wenig geizig, geldgierig — nicht so wie ich . . ." „Zu zahlen bin ich bereit, so viel man fordert, und meine Rahel geht nicht mit leeren Händen in die Welt. Euer Plan, mein Bruder, kommt mir ganz aus der Seele. Und so führt sie denn dahin, schont die Pferd« nicht, sputet Euch, haltet unterwegs nicht länger an, als es näthig ist; von der Geschwindigkeit hängt hier Alle» ab. Bedenket, mein Bruder, ich vertraue Euch mehr al» mein Leben an — die Zukunft unsere» altehrwürdigm Geschlecht«, denn mit dem Tode meiner theuren Enkelin erlischt unser dereinst so zahlreiches und wohlhabende» Geschlecht." „Bei Bart und Peie» schnüre ich Euch, sie zu behüten, wie meinen Augopftl. und Ihr könnt ganz ruhig sein. Rabbi; Zodek ist ein zuverlässiger Mensch, der seine Sache versteht." „Danke hrrzlichst. Ich glauhe Euch und rufe den Gott, der Daniel au» dem Löwenrachen gerettet, um Hilfe au für Euch und mein Kind. Allein, wir müsien erst die Kostenftage erledigen. Wie viel soll ich Euch für Eure Mühe geben. Reb Zodek? Ich töiQ e» im Borau» entrichten. Versteht mich» recht: ich bezahle Euch nur für die Mühe und Arbeit, die Ihr habt; für die Wohlthat aber und die Rettung, die Ihr meinem Kinde erweiset, bin ich nicht im Stande, Euch zu lohnen. Besäße ich alle Schätz« der Erde, ich würde sie hingegrben haben. Sprecht also und genirt Euch nicht." „Die Mühe ist groß, da» läßt sich nicht leugnen, auch da» Risiko ist nicht gering." ,N»n sagt, bestimmt!" „Rein, Rabbi. Ich kann kein Geld von Euch annehmen!" „Warum denn nicht?" „Meine Frau hat mir'» verboten. Wenn Du von Rabbi auch nur eine Kupftrmünze annimmst, sagte sie, so darfst Du Dich vor mir nicht seheu lassen; ich werde Dir in» Gesicht spucken, Dir die Augen auskratzen, hat sie gesagt, nnd ich fürchte mich vor ihr. Rabbi. Sie ist bei mir da» Haupt. Und wie sie mich füttert l Wenn Ihr wüßtet. ...* »Ich mag Eure Dienste nicht umsonst. Reb Zodek." „Ich nehme kein Veld — meine Frau hat mir'» vervrrboten." .Wo» soll ich anfangrn? Wäre«» nicht eine so schreckliche Lage, ich würde Eure Dienstleistungen zurückgrwirsen habe». Jetzt girbt e» aber keine« Au»weg. Handelt, wie Ihr denkt, mein Bruder." -Nein, Rabbi, ich nehme kein Geld an! Meine Frau. .. . . Rabbi, seid Ihr eia ehrlicher Mann?" „Gott weiß e«. Ich glaube — ja." »Und. hallet Zhr ein gegebene» Wort?" „Unter allen llmständm." „Und würdet Ihr meiner Frau nicht» verrathen?" ,Wa» denn?" „Wenn ich von Euch Geld aunähme?" „O, neiu." „Run, wenn e» so ist — so gebt e» Herl Der Weg ist ein weiter — die Arrende acht schleif. Sinder Hab' ich «inen ganzen Hänfen, wenn Ihr wüßtet, Rabbi, wa» die gottlo» ftch«. rein wie in Hunger»jahren. Glaubt mir/ Alle», wa« da war. haben sie aufgrfrefsen. E» sind ja ihrer eilf Slück, alle gesund, und kein» von dm Kindern ist bei mir gestorbm, seitdem meine Familie sich zu vermehrm anfing — ach!" Keine halbe Stunde vergiag. als Alle» fertig war. Dink der Energie Rahel« und der thatkrästigen Mitwirkung der Frau Zodek», die sich die Lage der Rabbinerfamilie sehr zu Herzen nahm. Und alS Alle» in die Bude gelegt war, weckte die Greisin ihre Enkelin durch Liebkosungen und-Küsse. „Wa« giebt's, Großmütterchen." „Wir wollen.fahren, mein Kind. Sich auf, Estherchen!" „Ach, fahren, fahren!" Freudig err-gt sprang das Mädchen vom Lager, auf welchem sie, völlig angekleidet, schlief. Und nach wenigen Sekunden bildete sich in dem Vorderzimmer de» Rabbiner» eine nicht sehr heitere Gruppe. Der Rabbi hielt seine Enkelin auf den Armen und preßte seine L'poen an ihr Köpfchen- Rahel lehnte sich an die Schüller des Gatten und schluchzte unaufhörbar, da» Gesicht an die Seite gewmdrl. um ihre Thränen vor dem nervösen Kinde zu verbergen. Die Frau Zodek» weinte mit. Alle schwirren. Rur durch die geöffnete Thür drang da» schwache Knurren eine» fernen Donners und das laute Wiehern der ungeduldigen Pferde, die Zodek mit allerhand jüdischen Kutscherw'tzen zu beschwichtigen suchte. _(Fortsetzung folgt.) Die zehn Stämme. Folgender Drilf macht durch alle hebräischen Blätter die Rund«: „Port Said a m Suez-Kanal. Bor einigen Tagen! kam ich hier in Geschäst»angelegmheiten an und traf uner»! wartet den sephardischea Chacham Rabbi Jsaac Hilevi aus ■ Liberia», der von seiner zweirm Reise zur Auffindung der „Söhne Mose«" und „zehn Stämme" zurückgekehrt ist. In einem M». von R. Joseph Tianzag, Zeitgenosim de« R. Joseph Karo, welche im Besitze de» genannten I. Halevi sich befiudet, heißt es: „Der König Messias wird von dm Söhnm Mosis und mir ihnen zugleich kommen; sie woham tm östlichen Indien und nicht wei» von ihn, in den Gebirgen der Flnsterniß. wohnen die 10 Stämme." Chacham Jsoac Halevi hat nun die entferntesten Orte in Jndim und China mit Gefahr seine» Leben», unter wilden Stämmm, derm Sprachen und Sittm ihm fremd waren, durchreist, und ist e» ihm auch nicht gelnngm. sichere Resultat« zu erzielen, «a» er besonder» durch Mangel an Subsistmz-Mitteln nicht er» reichm konnte, so hat er dennoch sehr werthvolle (?) Berichte mirgebrocht, die der Veröffentlichung werth find. In Kalkutta fand er gegen 200 Nichtjuden au» dem Reiche Nestal (?), wrlck»e die Heimath der Söhn« Most» genau kanntm. — Diese beschrieben ihm die Richtung und die Umstände der Reise dahin bl» zum Strome „Samdatioa", indem flr zugleich ganz absichttlo» erzählten, daß dieser Strom 6 Tage mit Gebrau« dahin rollt, sodaß er Steine mit seiner Strömung herauSrrißt, während er am 7. Tage ruht und sein Bett e trocken ist, so daß man nur am Sabbath über ihn setze» Der Fluß sei von t«r Stadt Laffa im Lande Tibet ungefähr 10 Taqerrism mtfrrnt, und stet» seien Karawaam von Laffa nach dem „Sambalion" unterweg». An diesem Fluss« wohne« gegen 5 Millionen von den Söhnm Rosi», und diese leim die Herren de» Lande» China (?), welche» Land eine« jährltchm Tribut an dteselbm zu bezahlen habe. Bor ungefähr 32 Iahrm habe rin großer i»tacl Kaufmann an» Babylonim Geschäft« in China gemacht, und da sei sein Geschäft verunglückt, so daß er mir Schuldner mit 25,000 Raab» blieb. Di« Gläubig er übergabm e» dm chinesischm Gerichtm und e» drohte iM strenge Strafe. Da satztm ihm die Männer von Chira: Sei furchtl»«! In wmlgea Tag» kommt der Fürs, der Moses-Söhne, um dm Tribut eulzukasstrm. Lr ist sei» Glaubensgenosse und wird dir ge-

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