Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 5 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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•«BU?" ~ „ISait Ihr doch selbst gesagt: Der Mensch verles t sich rfebi« Jftegcr, ohne daß es so Obe«, bestimmt märe . . ." „Wun, »äs weiter?" ' »Wenn, das Gottes Will« ist, so wird er sich vollziehe», '-was Ihr a«ch dagegen thut, was Ihr auch unternehme« Mvget. Senn der Pa» . . ." '»Schweigt!" »Ihr selbst habt es mir »och gesagt: — wißt Ihr es Bach? Dazumal, als ich. Narr, 'mich «mfhäage» wollte — »Was der Herr thut, ist »um Buten." Nun, wer weiß? Möglich, daß es Eurer Esterka von Gott bestimmt, das zu sein de« Pa» Polocki. was unsere heilige Esther, dir Nichte Mordechai's zu den Zeiten Haman's war. Möglich« rweise wird sie ditrch ihre Schönheit und di« Liebe des Pair de» Lnden helfen, wie . . ." »Hinaus mit Dir, undanlbarcs Geschöpf l" donnert« der -Rabbiner, den Schenker fassend und zur Thür htnauswcn^end. »Danke, daute Euch, frommer Rabbi, für dt« Gastfreundschaft für die Ehre l . . . Werden'« nicht vergeffen, soncheru es mit Zinsen znrückzahlen Dir, Bettler, Schnorrer, ,|a i« »Zahle, röche Dich, Geldfreffer? Geh, lauf au den Hof H«s Pa» und »errathe mich! Bring' die Haiduke« her, Ser» -rötherl Mord« eine hilflose unglückliche Familie I Was bedeute» Dir, dem gierigen Schenker, drei Leben, drei jüdische Seelen? Wenn nar Deine Schenke nicht darunter leidet! / Ha ha ha!" lachte der Rabbi wlld und fiel auf «tue« Stuhl, ■. «it aller Wucht di« Stirn an eine Saale de« rteflgen Tisches ,-Ftoßend, und verstümmle. Und tu der Wohnung des Rabbiner« herrschte Grabes» -stille. Der Greis lag mit dem Sopfe auf de« Tische, Rahel t Pand starr, unbeweglich in der Mitte des Zimmers, ihr«; jKtt anfgeriffanea Augen in die pechschwarze Nacht bohrend. »Was hast Du gelha«, Beuiamtn? Warum giebft Du -chas Sin» de» Brr derben Preis? «kr ist in das Schloß ge» laufen. O, ich Unglücklich« l B.mjaroin, Du schweigft? Was M Dir? Antworte!" »Was?" frag der Greis, den stopf langsam erhebend und -»it verstörte« Blicke uw flch sehend. »Was ist »orgefalleu? t« ... Ich erinnere wich ... Ich Hab« mir de« Kopf verletzt . . . Hat nichts zu sagen . . . Wird vorübergeheu ... Ist schon vorübergegaugen ... Ja — was ich doch gleich sage» wollte ... Wo ist Esther? wecke sie, weck fl«!J »Um Gotteswilleu, Benjamin, beruhige Dich! So«« -wieder zu Dir!" »Wecke sie. sag' ich Dir! Diese» Lngenblick noch Meck sie!" »wozu das Sind erst ansrege«? Laß es doch sei«." »Ich »erde zu Fuß mit ihr flieh«. Ich werbe sie »auf meinen Arm« trag«. Und sobald ich «in Dorf erreich«, verstecke ich fie, und dann . . . mögüch, daß ich Jemand §nd« . . . nnd rette sie vor der Sri mode «ab dem Verderb«, rette ihr« Seele und ihr« Leib. G» find j, nicht aste solche Ntchlswürdigr, wie dieser Schenke,'. Sieb hin, sagt der . Berwoffen«, gieb htu beit leidliches Siud dem lüstern« Pan i als Opfer, zur Schändung! Nichtslvürdiger! Sein« Schenk« ist ihm thenrrr als «etn Sind! Rein, so lang« ich leb«, wird «ettmn Sind« kein Haar ans de« thenreu Söpfch« stkkrüuunt «erd«. Erschlägt «an «ich, zerfleischt man »ich, —. nno, da ist es der Sill« Gotte«. Seck fl«, Rahel, weck fie!" Ja diese« M»»:«t üdergoß den Blitz d« nanze» Marktplatz «it eine« Feaermeer; «in wüthender Sturm drang heulend durch di« osfen gebliebene Thür« in das Zimmer des Rabbiners und löschte da« Licht ans. Ein gewaltiger Donnerschlag betäubte ftist dm Rabbi und sein -Weib. »Himmlischer Vater, steh uns bei!" schrie Nah«! entsetzt aus, fich au den Gatt« klammwnd und am ganz« Leibe Witternd. »Ach. wieder so «in« schreckliche Rächt, wie damals... weißt Da es noch, Rahel'? Auch damals war ich wie betäubt. . »Schweig, B«ja«tu! stiriuner« «ich nicht! Mir ist fünhterltch! Licht! . . . Licht! ... Ich komme von Sinn«! . . ." »Ja, mach« Licht, ich »erdt die Thüre schließen." Da« Zimmer «urde »ie!»rr erleuchtet, die Thüre durch einen Riegel versperrt. Ein betäubender Donner rollte auf allen Seittn des Horizonts, eia Sturmwind riß an kn Fensterladen und heulte wie ein Wolf in den Schornstein«, ei« heftiger Platzregen drang durch die Ritze« der nicht festanschließeu>en Laden und schlug geg« die Fensterscheiben. Die am ganzen Leibe zitternde Rahel ttat an ihr« Gatten heran, faßte ihn an beide Häv de und führte ihn an den Tisch. (Kottsetzun, folgt.) St« Besnch -ei de» indischen Inden. (Sihluh). Die Judm aus Bagdad trag« in Bombay immer noch die arabische Kleidung, Turban, weite weiße Pluderhosen, aber allmählich begiuul das heranwachs«de Geschlecht fich nach europäischer Sitte zu kleiden. Die Frauen trag« ebenfalls ungeheuer weite Hosen und seidene Hemden mit mehirrm Schmuckstück« an Halt und Ohr«, sie Hab« ein« Shawl, der sie bedeckt und sie hüllen damit ihren ganz« Körper ein. Aber auch dies« G »»Hoheiten verlier» sich nnd wir «erden in Zukunft diese wunderbar schön« Weife sich zu kleiden verschwind« sehen. Doch ich glaub« genug über die Judm aus Bagdad geredet zu Hab«, di« eine große G.'meind« zu Bombay btuwu» welöze sich «ehr «ad mehr onter der Hwrschift der Engländer. «userer wahrhaften Wohlthäter, entwickeln wird. Geh« wir jetzt in di« Schul« und Synagogm der Beai-Jsraöl. A« solgmdm Tage hatten wir. Herr Rajpurker und ich, uns entschlossen, dev Schul« der Beni-Jsraöl ein« Besuch abznstatt«. Ihr« Schule ist in einem groß«, i» mehrere Sale getheiltm Gel Sude.. Der Direktor wird von der «gltsch« Regierung desnldet, er ist schon Sü Jahve i» Dienst« nnd heißt Luller. Er hat uns reckt herzlich empfang«. Le hat mir gesagt, daß die «eist« seiner Schüler »Beat Jsraöl" und »Schwarz« Jnd«" auS Koch« feien. Die Vevi Jsraöl Hab« nicht die Adlernase wie di« Jnd« an« Bagdad. Ihre Sesichtsecken sind weniger scharf als die der Jsvorlitt» von Bagdad, an« ihr« Lug« blickt di« Geistesschärfe weniger, ihre Haut ist nicht so weiß und chr Kölpermui weniger hoch als der dir Bagdad«. Meine erste au sie durch Vermittlung des Herrn T aller gerichtete Frag« lnutrte: ,©.t leid ihr uad wo seid ihr h«. gekoaun«?" Die Antwort auf die aste Frage war sehr posttiv nnd genau: »Wir find von d« Smdern Israel« und sind stolz, diesen ruhmreiche« Ram« bewahrt zu haben; wir stad d« Rachkammra der zehn Stämme, die von den König« voa Riuive und Babylon i« die Sefangeaschaft fortaeführt word« stad". Snf die zwcite Frag« »urde in folgender Weise geantwortet: »Wir sind von Mesopotamien bis aas Mecw gekommen und übers Meer noch Indien, wo «ehreve Pfiiinzstätten gezrüadet »iirden, wovon die bedeutendste Kocizin. Der Rajah von Köchin hat d« Ankömmling« Freiheiten und Reckte bewilligt, indem er ihn« «in Stadtviertel einräumte, Synagogen und Wohnhäuser zu tau«. Sir »urde» schr hoch geachtet und ihre Bedimsteteu, die dex niedrigsten Kaste der Jalnr angehLrttn, bekehrt« sich zum Judmthum, der Religion ihrer Herr«: derart, drß sie die Gnaeind« der schwarz« Jude« blldet«. Di« israelitische Grneinde zu Kochin hatte sich immer durch 'neue Lnlömmltuge aus Bagdad und Kimm verstärkt, wo sie zu Mohammeds Zeit vielen Leifclgungeu ausgesetzt waren. Die