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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 2 (1888) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
2 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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rannten Korporationen nehmen theilS ungern Studierende Deiner Confessiou i» ihre Mitte auf. theilS aber ist deren Aufnahme jetzt überhaupt gegen ihr Princip. — Man würde vielleicht eine »Ausnahme* bei dem einen oder anderen machen, aber ich kenne Dich zu gut, dazu würdest Du keine Veranlassung geben, denn könnte man sich da wohl fühlen, wo man höchsten- »geduldet* wäre? Aber Du verlierst auch bei genauerer Betrachtung der Verhältnisse nichtdadurch, denn wisse, cs würde Dir unter Umständen doch recht viel Zeit darüber verloren gehen; und Du mußt ja nicht glauben, daß die jungen Leute, die so keck und stolz mit ihren bunten Mützen einhergehen, alle auch innerlich so recht zufr-eden wären; nein, da fehlt eS oft, recht oft, denn manche von ihnen gehören zu der Kategorie von Studenten, welche sich alle möglichen Arte» von Vergnügen schaffen, dabei aber den eigentlichen Zweck ihre- Aufmthaltes an der Universität, ihr Studium, für einige Semester wenigstens, aus b:ri Augm verlieren. Andere von ihnen halten sich auch wohl nur in der Absicht dort auf, die Vergnügungen de« akademischen Lebens zu genießen. Hier also ist nichts für Dich zu gewinnen — aber Du mußt doch auch eine Erholung und Zerstreuung haben! — Den eben besprochenen .Verbindungsstudenten* steht die sogenannte »Wildenschast* gegenüber, das heißt: die Studierenden, welche keiner Verbindung angehörc». — Auf diese also wirst Du Dich zu beschränken haben; aber auch hier mußt Du vorsichtig sein, wenn Du Dich keinen Unbilden und Unannehmlichkeiten auSsetzen willst, denn auch unter diesen herrscht, auf der einen Universität mehr, auf der andern weniger, da« böse Borurtheil, ja, wchl gar die Geringschätzung gegen die Anhänger Deiner Lonsejston. Deshalv wirst Du am zweckmäßiostm handeln, wenn Du Dich gegen Deine christlichen Cammilitanen zurückhaltend verhSlst, laß Dich von ihnen suchen, aber dränge Dich nicht zu haben; es giebt leider viele Juden, die gleichsam ihren Stolz darin suchen, zu sagen: »Wir haben nur christlichen Verkehr, jüdischen gar nicht!* — Die Thoren! (Fortsetzung folgt.) Der Rakbi und die Pan's. «nUurhistorische erzähl»«,, aus'tze« XYU. Jahrhundert. Rach dem Russischen von A. Levin-Sagan. 21) (Forn'etzung.) «utorlftrtt Urtfrf,»uiis.) (Sa$&ru< » ertdte».> »Zur Ehre der Mmschheit und der Christenheit sei es gesagt, daß es gute Menschen und ehrliche Christen zu jeder Zeit gegeben. Unter diesen befanden sich Könige, Magnaten und sogar Päpste. Doch waS bedeuteten diese einzelnen wohlmeinenden Menschen gegenüber Millionen von grausamen Frinden? Berrheidiger der Juden waren die Päpste: Calixtu«, Eugen, Alexander, Clemens, Cölestin, JnuocentiuS IV., HonoriuS, Piu« IV. und andere. Wenn alle katholischen Priester von einem solchen Geiste.der Gerechtigkeit und Nächstenliebe beseelt wären, wie diese Päpste, die Juden häuten keine Beranlaffung, ibr Loos zu beklagen.. .* »Und würden täglich Gott gedankt haben, daß er sie nicht al« Christen erschaffen*, unterbrach ihn Chmielnicki ronisch lachend. »DaS ist nicht wahr*, antwortete Don Pedro kurz. »Die Juden danken Gott dafür, daß er sie nicht aü Götzendiener erschuf. Dieser Dank entsprießt dem reimen Monotheismus, der der Eckstein der jüdffcheu Religion ist. — Die Juden wurden nicht allein von den Christen verfolgt. Al« Italien die Beute der Barbaren geworden, begannen die Lestgothen die Juden »ft einer gleichen Wulh wie die Inquisition zu verfolge» Die Musel« ssnen zwaugeu die Judeu in der Witte de» H hsudert« jk Ibaitpr dch^ZßlW, »it.tzer in ftgend einem arabischen Buche erzählt »erde, die Juden hätten zur Zett Mohamed'S gelobt, dm Turban zu nehmen, so im Berlauf einiger Jahrhunderte ihr Messta« nicht erscheinen würde, und nur durch große Geldopfer gelang e« dm Juden, sich lo«zukaufm. — Ich fahre fort. Solcher Priester wie die genanntm Päpste gab e» sehr wenig, der Fanatiker aber zu allm Seiten .unb ln allen Landen sehr viel. Und diese Fanatiker beherrschten dm Verstand der Könige und deS bechörten Volke« oft noch mehr al« selbst die Pchrste Als in allen Städten SüdspanienS die Inquisition mdgiltig errichtet und der Prior de« frommen Dominikanerorden« Torqurmada, zum Haupte de« »H.iligen Officium-* enannr wurde, ächzten die Spanier im Allgemein« und dir Juden im Besonder» unter dm bluttriefenden Tatzen dieses zweibeinigen KrvkodilS. der grausam wie ein Tiger» gefühllos wie eine Granstsäule war. Und der fromme Dominikanerorden, der erbittertste Fand de- Judenthums, versuchte mit allen Mitteln, nicht nur den jüdischen Stamm, sondern sogar das Genie, die Unsterblichkeit seiner heroor» ragenden Männer von der Bildfllche der Ecde verschwinden zu lasse». Im Jahre 1559 entsendete Die römische Inquisition den fanatischen Dominikaner Sixtus aus Siema nach Cremo.ra, und dieser nme Omar verbrannte dort die ganze kostbare jüdische Biblioihek. die gegen zwölflausend Bände umfaßie, ohne auch nur ein Buch, eine alte Handschrift zurückzulaffm.. .* »Das ist hart,* stimmte Chmielnicki bei. »Allein e« ist schwer zu behaupten, daß dergleichen Maßregeln nur von dem Fanatismus, dem Aberglaubm und der Gewinnsucht der Feinde gelestet wurde. Sicherlich haben die Judm jelvit zu diesen Boshetten Beranlaffung gegeben.* »Ich sehe nur unschuldig verfolgte Menschen*, trat Daniello für die Juden ein. »Mein Sohn, laß Dich nicht Hinreißen. Da« Mitgefühl für die Leiden seiner Nebenmenschen ist ein schöner Zug, allein die Gerechtigkeit muß bei jedemehrenhafien Menschen obenanfiehen. Die Wahrhest ist wichtiger denn Alles. Die Judenhest hat auch ihre Mängel und Eigenheiten, die allerdings traurigen historischen Begebenheiten und ökonomischen Bedingungen verschiedener Zeiten entspringen und deshalb zu entschnl - bi gen sind. Auch Jndäa war zur Zeit seiner politischen Selbstständigkeit und Macht den Fliegen gegenüber eine Spinne, wie e» alle andern Spinnen sind. Al« diese mächtige Spinne dereinst im Glücke fett geworden und geschwächt war, da wurde sie von dm anbetn abgethan. Da» ist. wie ihr euch übeczmgt ganz erklärlich nach dem natürlichen Recht der gemeinen Macht. Aber die Spinne Judäa hatte sich nicht mit einem Male ergeben. Mehr al» ein Mal wurde sie zu Bodm geholfen, verwundet, mit festem Svinngewebe gefesielr und g e« würgt mit den Klauen der Knechtschaft, allem die zähe Spinne wehrte sich verzweifelt, erhob sich jählings und stürzte sich mir Macht aus ihre Feinde. Und ihr verzweifelte« Ringen brachte die Feinde noch mehr auf. und sie wurde noch fester gefeffett» noch grausamer gewürgt bi« sie mdlich fiel lind ihre besiegten, gedemüthigten Nachkommen, zu einem Lebe» der Abhängigkeit verurtheilt, büßten im Laufe der Zest die Kraft ihrer Ahnen und drm Charakter ein und meramorphosirteu sich in eine schwächliche, schüchterne Fliege. Aber wie sollte sich diese ängstliche Fliege Nahrung verschiffen? Sie konnte nur unhörbarm Scheute« an die Speisen Anderer sich herauschleichen und ein kleine« Krümelchm davontragen. Da begann man aber die Fliege wie eine Diebin zu verfolgen; mau stellte ihr eine spinnewebe»? Falle — sie ging hinein ... Au« der Falle sich lo-geriffen, wurde sie vorsichtiger, aber auf die fremden Speisen verzichtete sie nicht, sie wollte ja auch lebml Und die schlaue Diebin wurde noch heftiger verfolgt, und je «ehr mm« si e verfolgt«, desto verderbter warb chr. Charakter, und je ver,Z

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