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Jüdisches Familienblatt · 1888-01-01 · 1 (1888) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1888
Issue
1 (1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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M 0r«atatt( cfiwl Strüflings asf, und Me «keuche» *cr* fee» ihn meiden, ait et«, Sölchteten. Mit den Juden »erfahr «US also. I« eile» emepäischen Länder» fest maßte derJ«de etae eigräartizeTracht trage» M-azwang ihn lange Kleider. Msweista ans bestimmte» Farbe», za träfe», jeO* »der rathe Flecken aas die Brnft ober «f de» Rücke» ft heften, die er noch, wie unter Philipp dem Dreiste», a»f e a mußte, — eine originelle Steuer für die eigene Schande! — Narrenkappen anfznsetzen. Ja Rom matzten fie gelbe Mütze« tragen . . ." .Pfnil Welche Schande l" rief Daaiello empört aus. .Welch nichtige Strafe!' bemerkte Etzmieluickt verächtlich. .Finden Sie dstle Strafe ungeaügrad?" frag der Doktor, finster. .Sie habe» mich viißverstanden, Do» Pedro. Ich wollte nur sagen, daß man mit einer ähnlichen Schaljangenstrafe die Schuldige» nicht avr nicht bessert, sondern i» Gegeutheil a»ch verdirbt.' .Seien fie ganz unbesorgt, Pan Lhmielnicki; hei dieser eine» Bosheit blieb eS nicht. Die Demüthiguagea wurde« größer, gefährlicher. Auf die Wirksamkeit und Persönlichkeit Ml Juden war ein noch schmachvollerer Stempel gedrückt, als a»f seine Kleidung. Ja Deutschland und Frankreich wurde ihnen das Würfelspiel, in der Provence der Besuch ösfnttlicher Badeanstalten untersagt. In Avignon war den Jaden and de» öffentlichen Dirnen verboten, Eßwaare» auf dem Markte zu berühren, in Spanien auf keinem andern Lhiere als nur auf Eseln zu rette», «ud da» ohne Steigbügel. Die Juden durften nicht mit Lhristeu unter eine« Dache wohnen, und wurden in schmutzigen, verpesteten Vierteln, die mit einer festen Mauer)und nur eine» Xusgang versehen waren, zusammengepfercht. Dort maßten fie fich au jäten Schmutz gewöhnen, von dem fie sich in später», besser» Zeiten nicht mehr trennen mochten. Selbst Brunnen waren für die Jude» besonder» »bgetheilt, wie für Aussätzige. Unter Karl de« Kahlen waren die Juden verpflichtet, alljährlich am Lharfreitage eines der geachtrste» Gemändemitglieder. in der Eigenschaft eines Deputirtrn, zu «tsende», um au he» Lhüre des Domes im Namen der ganzen jüdischen Gemeinde öffentlich einen Backenstretch zu empfange». Und für diese hohe Ehre durfte der Deputiere bis »amitrelbar an sie Domthürc auf den Kuieen rutschen, begleitet von einer zahllosen wilden Menge, die ihn mit Hohn »ud Spott überschüttete. I» der Grafschaft Limoas und in der Ehampag«: mußte jeder Jude, der an der Wohnung eines Signors oder auch nur eines Fermer» varbeigiug, eine tiefe Verbeugung mache» und als Dank für sei« Ehrerbietung war er verpflichtet, einen Backenstreich entgegen zu nehmen." .Das ist entsetzlich! Warum find die Juden nicht aus» gewandert, Papa?' .Ja, ans viele» Städte» wurden fie vertriebe», aber selbst gehen durfte» stk nicht. Und wo sollten fie «nch hi»? Üeberall wurden fie gleich gehaßt und »erfolgt, nirgends »nrden ihnen Besitz« und persönliche Rechte zurrlmrat. Jedes Lrergutß, sei es et» elementare«, politisches aber religiöses, jede Epidemie entlad fich über die Häupter der naglürvicheo Jude» in der unheUvollstea Weife. Die Krenzzüge find die fürchterlichsten Momente in der Geschichte der Inden. Dt« Verzückung am herstreiche» der Bolkshorde», die geleitet von eigenmttgen dunkeln Jllnfioue» and gehetzt von fanatische» Geistlichen waren, kannte» in ihre« ungestüme» Willen Mac Grenzen. Ueder ull, »ahtu nur der Gedanke an die Krenzzüge gedrungen wer, spielte» sich über die Inden die dtnttgsten Präludien j» de,« künftige» Heldenthate» ab. . I» XvL Jahrhundert hat jener rasende Fanatismus, der das Schtr» de» «olle« «ichültertr, den beftmnten Bauer», krieg verMlitßt Ganze Band» non Bauer» nnd Hirte» ergossen fich über Frankreich, <«f ihre» Wege Alle «d Ille» -vernichtend. Das erste Opchr waren selbstredend die Inden. •j*; w, Südstankreich und in lüuskonie» fanden grauenerregende Jvdengemetzel statt und hielte» so lange au, bis Krankheiten and Unglücksfälle diese wunderlichen Mörderbaude» anflöste». — I« Jahre 1348 warbt Europa da» Opfer einer furchtbare», unerhörte» Epidemii, unter de« Name» .Schwarte Tod'. Diese Plage des Himmels, die in Indien ihren Lusgangspnnft hatte, überschritt das Mittelländische Meer, zog verheerend dnrch Syrien, Griechenland und Aegypten nnd wurde von einigen Flüchtlinge» aas dem verpestete» Laude in Sicilieu eingeschleppt. Bo« dork aus verbreitete fich die Seuche weiter, drang in Italien, Frankreich, Deutschland, England, in die Niederlande und in Dänemark ein, mähete überall eine vrrdlüfiende Anzahl von Opfern nieder, die blutüberströmt im Laufe v,u zwei, drei Tage» ihre, Geist aushauchten. Die Inden aber wurden von dieser Seuche am wenigsten heimgesucht. Dank ihrem nüchternen, mäßig« Lebe» und dem unter ihnen verbreiteten medizinischen und hygienischen Wissen. Ob dieser unerwarteten Geißel und deren mörderischen Folgen entsetzt, beschuldigte der abergläubische Pöbel aller Länder tie Juden, die Brunnen, die Flüffe und selbst die Lust durch Gift uud dämonische Beschwörungen verpestet zu habe«. Und dies führte zu einer allgemeine» Adfchlachtuug der Juden, zur Räderung, zu Folter« und Hinrichtungen scheußlichster Art.' »Run berarttge Beschuldigungen sind allerdings sinnlos", sagte Lhmielnicki; .allein diese Erscheinung ist eine höchst alltägliche, dem Pöbel eigenthümliche." .Ja. Aber über Nieinand haben dwse wilden der Uawiffenheil und dem Aberglauben entsprungenen lügenhaft» Beschuldigungen sich so schwer entladen, wie gerade über dir Juden; mental» wurden fl: von der Geistlichkeit und den Spitzen de« Volke« in so schadenfroher Weise geschürt und gefördert, wie damals, als sie Juden betrafen. Al« i« Jahre 1171 in oer Loire zu Orleans der Leichnam eines ermordeten Ehristenkaaben aufgefischt wurde, ließ man eine Menge Jude« ohne jede Untersuchung verbrennen. Starb der Bischof von Tier» »lhrend der Liturgie, eines plötzlichen Tode», entstand in einer stanzöfischen Provinz eine intensive Fecklseuche, so turnt es wiederum die Juden, die durch Zauberei den Tod de» als wüchmden Judenfreffer bekannten Prälaten und die Seuche der ihnen verhaßten Ferstl veranlaßt baden — und die Juden wurden verbrannt. Ihre Unschuldsbetheuerungea galten als Verschlagenheit, Hartnäckigkeit und führten sie.aus die Folter, von der Folter in den Tod; denn entweder waren sie standhaft und erlagen de« Martern, oder sie waren schwach, .gestand« Alle» eia" und endeten vif de« Galgen, auf dem Scheiterhaufen. Und während bet: Pöbel die Jaden mordest, zogen die Könige und Fürsten uud Berwaltnage» ihr Berlnöge» ein — traten sie doch dir .gesetzlichen" Erben der Gemordeten I Und es fand fich tzstemand, der der zügellos« Willkühr des Pöbel» Einhalt geihaa hätte. . . Namentlich war es die Blutbeschuldiguag. die in Frankreich, Deutschland, Italien und andern christlichen Ländern Tausenden von Juden das Leben kostete. .Und waren diese Beschuldigungen wirklich alle falsch, Papa? Das wäre ja entsetzstich k" .E» ist ja möglich, >«ß auch jüdische Bösewichte bisweilen eine» Mord begansL« habe», aus Gewinnsucht oder Rache. Jedes Volk hat seine schlechten Mensche». G» handelt fich aber darum, daß sehr gewöhnlichen Verbreche« ein gewisser religröser, nationaler Charakter beigemessen wurde, in der Annahme, laß diese Verbreche» von der fistliaion nicht nur gebilligt wurden, sondern sogar vorgeschriebe» seien. Und diese kopflose» Behauptungen führte» nicht etwa die Bestrafung einzelner, möglicherweise Schuldiger, sonder» ein allgeiraines nationales Eiend Herdei. Dari» besteht eben das Unglück' des jüdische» Stammes, daß das Vergebe« eine» Einzelne» ei» unauslöschbarnr Schandflecken für die ganze Ratio» wird.-

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