Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1888
- Issue
- 1 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
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Kurz, beide wurdra vna der Bevösternaz innig verehrt, und e« »arm Jude» — d sun beide Jude»!- Li« Jahre kamen und ginge», d« Familie de» Arpe« vergrößerte sich; drei frische Kinder nannten die Gatte» ihr neue« Eigenthum. zwei »nntere, kräftige Knabe» mit duokclbraunen Locken und alb jüngste» ein anmnthige» Mägdlein, dessen feine Züge vo» kastanienbraunem Haar einganhmt wurde» — es wäre fast «in „Füchilleia" geworden, wie der Doktor so gern seine« Weibchen sagte. — und schelmisch nickte sie ihm Seifall, denn sie war selbst fast ein ,Füch»- tein" an Haarfarbe, und seine Worte erinnerten sie an ihr Plaudern, ihre Luftschlösser an» früherer Zeit, war doch fast alle« [fo gekommen, wie beide e» herdeigesehnt I — Wa» fchlte auch ihrem Glück? Sie führten rin sorgenfreie» Leben, besaßen drei wnntere liebe Kinder und die Liebe und Anhänglichkeit ihrer Mitbürger! — Und so rollten noch einige Jahre dahin; der Arzt »urd« älter und seine Kinder ebenfall»; sie waren Haan»« gewachsen, und wenn sie auch eine ziemlich gute Schule besuchten, so genügten sie dm Eltern doch nicht für die Ausbildung ihrer Lieblinge. — Jetzt galt e» zu Händeln, mau mußte Opfer bringm, Opfer für die Kinder; und wmn e» dem Doktor und seinem treuen Weibe auch schwer wurde, dm Ort zu '»erlassen, in dem sie so viel Glück, so viel Freud« genossm hattm, so mußten sie sich doch schließlich mit dem Gedanken vertraut machen; und e» wurde überwunden im Hinblick auf ihre blühenden Kinder, von dmm sie sich nicht trmnm wollten. Der Schwager de» Doktor», der vor kurzem feine medizinischm Studien bemdigt hatte, übernahm die Praxi» in dem freundlichm Städtchen, und bald daraus siedelte die Familie nach jener Stadt über, derm wir im Eingang gedachten. — Auch in seinem neuen Wirkungikreise hielt der Doktor an seinm früherm Gewohnheitm und Anschauungen fest, und so gewann er sich auch hier bald da» Vertrauen und di« Liebe seiner Mitbürger, bei allm, ohne Unterschied de» Stande« und der Toufession. Mit der Zeit kämm chm auch die übrigen Aerzte der Stadt freundlich mtgegm, obgleich durch chn jenen viele ihrer Patienten mtzogm wurden; aber er gewann die Eollegm durch sein offme» und ehrliche» Wesen, und selbst die, welche ihm anfangs fast feindlich entgegmgetretm warm, wußte er allmählich durch seinm bieder« Charakter doch umzustimmm, auch sie mußtm schließlich gesteh«, er sei ein ehrenwert her College, der chre Achtung und Freundschaft reichlich verdiene. — Und auch sein Weibchm gewöhnte sich allmählich an de« neue Umgebung; «au wunderte sich jedoch allgemein über sie, denn seltm sah mau sie allein außerhalb chre» Hanse», sondern fast immer nur in Begleitung ihre» Gatten; und wo sie zusammm «arm, da hielt sie sich eng au seine Seite, al» wollte sie chm sagm: »Du sollsttz mich stützm in dieser »mm Umgebung!" und er zeigte «» in jenm glänzenden Salon», daß er auch dort nur chr gehöre. — Darüber also wunderten sich die Leute ebm, und oft sprach mau unterrrnander in der Gesellschaft darüber; aber jede» llrtheil war falsch, kannte man doch die Vorgeschichte der Gatten zu wmig! Später eooch,al» «au ei» wenig tiefer in da» Lebe« der Doktor-Familie hatte blick« kinnm, erkannte man, ein wie herrliche», beneidenSwerthe» Berhältuiß zwifchm dm Gatt« selbst lürd zwischm dies« und ihr« Kindern bestand l — Da empfanden wohl viel« jener Saloudamm arg« Rech über solche» Familimglüch da» sie aufang» nicht einmal hattm versteh» können. Wenn aber jetzt der Doktor mit seinem Weibe in einer Gesellschaft oder dergleichen erschien, so versuchte niemand «ehr, sich zwischen sie zu dräng«: jetzt Wichte «an, da» »arm Lentr, die sich nicht hierher gezogen fühlt»; sie kamen, um da Freundlichkeit des Gastzcha» zn folgen, und um sich, »ach da RücÜrhr daha in ihrem Ironien Heim wieda um so znsritdena, um so •****+— m üMak ,R»r «in Weibchen, wie Du bist, konnte ich gerbrauch«," sagte bann oft da Doktor, al» sie wieda «wer sich warm. _. (&•*»!*#«»> M*.> Der fttttt ««d Me JM*'#. Knlinchtßortfche Grzätzlnn» en» de« irll. Gchrhnndat. Nach de« »nfsischea von >. Levtn-Saga». sq (Fonse»nng.)j 0t»u,« »»lirilirt« l»,ch»r,e »er»«>«».> „Ich verdamme ja auch diese Spinne nicht, wie ich ,» «llgrmeinm die Handlungen de» Einzeln« nicht taxiere. Ich habe Ihn« nur historische Facta mitgetheilt und die unabwendbare Lage de» jüdisch« Stamme», der die Rolle einer Fliege übernommm, gezeichnet. Zappelle sie tu ihrem Rehe, dann wurde sie al« Meuten» behandelt und noch festa verwickelt; lag sie ruhig und agab sich in ihr trauriges Loo», dann saugte man sie au», verschlang man sie nach de» Rechte de» Stärkeren. Man verschloß dm Jud» die militärische und die wissenschaftliche Earriae, untersagte ihn« dm Erwerb von unbeweglich« Gütan, die Unterhnltung von Knrchtm und somit dm Betrieh von Landwirthschaft und Ackerbau uod verwie« sie hindurch auf da» Gebier de» Handel«. Wendeten sie sich aber dem Handel zn, dano wurdm sie da Exploitation (der Aa»nützunda Andan) beschuldigt und al» gefährliche Exptoilmr« vernichtet. Hielt« sie ihr Geld fest, gaben e» nicht an» den Händen, weil sie sich durch ttautige Erfahrungen vor eine« Geschäft-Verkehr, da auf Eredit beruht, in Acht »ahmm. dann wurdm sie für herzlose, egoistische G.izhälse aehaltm. ließm sie sich auf Credit ein, so wurden sie al» Sucher« verfolgt und baaubt. Al« die Juden, infolge ihr« zahlreich« religiösen Ge» und Verbote, von dm Christ« sich nach und «ach ifolirtm, beschuldigt« man sie seiadl'cher Anschläge grgm ihre Laad«leute, und dabei hattm die geift. lichm Synodm e» dm Ehriftm selbst verboten, mit Jude, zu efsm, trink«, badm und überhaupt mit ihn« zn verkehre« — Da» Amßerr da Inden wurde gebrandmarkt, damit et nicht unerkannt unter dm Ehriftm sich bewege; man vabot chm da« Trag« von Waffen, um chn nnch schutzlos«, unbeholstn« zu machen und verspottet« chn jetzt ob sein« Tracht nnd jma Furchtsamkeit, die man syiwmansch in chm großgezogen. Man nah« chm all« Quelle» da Existenz, jede Hoffnung auf« Dasein und forderte von ihm stet« D-renhaftigkät, Broßwmth. Sein Besitz, seine Ehre, ja sei» Leben standm außerhalb de« Besetze», von chm ab« verlangte «an Zutraum, Offmheit. Herzlichkeit. Wa» «und«, daß diese feindselige Behandlung da Judm in diesm ei« gewisse Erbitterung, Entfremdung und Verschlossenheit wachrief» und dm Geist de« Znsammmhaltm» untereinander, fürdm man sie manchmal mit »echt tadelte, schuf." ,Wieso mit Recht. Papa?" »Well a in da That besteht und well die Tadelnde» sich nicht für verpflichtet «achteten, dm wirklich« Grund zn ersotscheaund jene Schuldigen, die dies« Geist geschaffm, al» schädlich für die Rebenmeuschm zu bezeichn«. Eft« Erzähl« kan» ab« in diese» Falle ein obiectiva Nicht« sein, »ud wer die Geduld und die Lust hat, sich mit hiftnrtschm Fakt« bekannt za machen, wird eher bedauern al» verdamm«." .Bin in da That begierig, dies« Fakt« tmnm zn , lern«," sagte Ehmielnicki, sein« Stuhl näh« an Dm» Pedw haanrückmd. .Wollen wir mtt de» Amßerm de» Jndm beginne»; e» ist die« sehr wichtig. Bekleid« Sie dm vornehmft» Pa» mtt eine» schmutzig« Hemde und «I sei« fein« Mantam werbm nicht allein ihre imponirrnde Bedeutung verlier», sondern sie werd» sogar Hohn «Nd Spott herondfoeden». Bekleid« Sie dm ernsteste» Denk« »tt ei»e»R»rrm-C»Däm- und « wird sich, trotz seine« tief» Berstnnde», «tu« Rnrrm »«wandeln. Präg« Sie dem eh rüchflm