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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 52. · p. Seite 403

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 52.
Date
1888-01-01
Page
Seite 403 (sequence 3)
Language
German
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’fT ’ ■ (•8 — »it s> greller Sbmllichkeit »«geführt wurde, hat «»< s» tief beschämt «ab «tmuthigt. Nur et» Insasse de» Tollhouse» glaubt heute noch au bi« inuere Berechtigung de« Duell«; und deuuoch besteht diese verbrecherische Sitte fort und fordert ihre Opfer gerade tu dem ftrrijc der Nation, der am ehrsteu für vorurtheil«- frei gelte» sollte, »ou der studircudeu Iugeud. Wofür fiel Hugo Blum? Für da« »»«spreche» einer Uederzeugung. die mit oder ohu« Srlaubuiß de« Herr» Sichler Unzählige hege«; t* ist eiae Schande, wenn die Verfassung de« Lande» die Jude» al« gleichberechtigte Bürger htustellt, uud junge Studenteu die Frechheit habe», die Jude» al« «»deutsch zu bezeichnen; ja, wi^ mau sagt, sollen die deutschen Studenten nicht nur den jüdischen Glauben, sondern auch da« jüdische Blut m die Acht erklären; wir find i« diese« Kodex de« Blddstnn« nicht so wohlbewandert »m ganz Sichere« melde» zu könueu; dann aber wireu sogar die ersten Mäauer der deutschen Justiz, der Prästdeut de« Reich«gerichtS und der preußische Justiz« «lutster keine Deutschrn. Blum sprach, wa« recht uud wahr ist. al« er diesen Zustand eine „Schande" nannte. Sein Unrecht begauu, al« er, der Jude, auf den Bode» der Barbaren trat, al« er da« sechste Gebot vergaß: Du sollst nicht morde«. E« gehört mehr Muth dazu, gelassen den Borwurf der Feigheit zu ertragen, al« fich der Kugel eine« Barbaren zu stellen; diesen höher» Muth eine« religiösen Menschen hat der zwetundzwanzig» jährige Jüngling leider nicht besesse«. Wir begreifen die«, »brr wir beklage» diesen Mangel an Religion. E» ist ein leidiger Trost, aber e« ist doch ein Trost, daß der Jude der Gemordete and nicht der Mörder gewesen ist. Gewiß, wäre Sichler gefallen, Blum'» Gewissen wäre nicht so schwer belastet gewesen, al« jetzt da« Gewissen de« reiublütigm Germanen e» ist. Denn Blum war der Angegriffene. Sichler war nicht einmal nach dem tollen studentischeu Ehrbegriff zur Forderung gezwungen. Dennoch, wenn scheu ein Opfer fallen sollte, so gönnen wir e» dem Jude», daß er jetzt im dunklen Grabe ruht und nicht mit solcher That belastet lebt. Schlimmer al« der einzelne Fall ist die Thatsache, daß der Wall de« Unftnn« und der Rohheit zu mächtig ist, al« daß selbst solch« Schrecknisse eine Bresche darin legen werden. Der Rector ruft den jungen Leuten ein paar schöne Worte zu, an deren Wirkung er wohl selbst nicht glaubt. Im Uebrigen wird — fortgemordet. _ Gerichte und Gorrefpouderr-en. Deutschland. Zterli», 16. Dezember. Hier hat fich ein „Verein ehe» maliger Zöglinge de« jüdischen Lehrerseminar« zu Berlin" koustitain. Derselbe hat de» Zweck ein Einigung«baod für alle ehemaligen Zöglinge de« Berliner Lehrerseminar» zu bilden. Wa« vereinte Krafc allein oder leichter zu schaffe» vermag für da« Wohlergehen der engeren Eolleaen. da» soll die Aufgabe deffelben bilden. Der Verein läßt sich besonder« die Unterstützung bedürftiger, stellenloser Kollegen, sowie den Rachwei« von Vakanzen an dieselben angelegen sein. Der Berei« will alle ehemaligen Zözltnge» wo und in welcher Lebensstellung dieselbe« sich auch befinden, zum Sintrirt gewinnen. So ist eiae moralische V-rpflichtung aller Derer, die ihre Ausbildung dem Berliner Seminar verdanken, ihre Unterstützung dem aufstrrbmdeu, so edle Zwecke verfolgenden, Verein zu leihen. Ganz besonder» wendet er sich, zu« baldige» Beitrttt einladend, an die ehemaligen Zöglinge de« Berliner Seminar», di« Inhaber von Amt und Würde sind. Da provisorische Vorstand de« Verein» ist überzeugt, daß mü da Gründung demselben riue« wahren sehr fühlbar« BrdÄifaiß abgeholfeu wurde und daß dersrlbe darum von de« Lollegea mit Freud« »ad Geuugthmrug willlomme» geheißen werden wird. Wa den Segen einer geordneten Beruf«thätigkeit zu schätzen weiß und zuglebdie Gefahren der schreckliche» Stellenlosiakeit entweder an sich selbst empfunden hat oda uur theoretisch kennt, wird gewiß bereit sein, sich einem Ber» bande zuzugesellen. der denselben Vorbeugen will. Die Zügliuge de« Berliner Seminar« haben mehr Grund wie die alle: andere» sich zur Selbsthilfe zusammrnzuschlleßen und sich die Wohlthateu zu sichern» die nur ein Verein von Entlegen seinen einzelnen Mitgliedan bieten kann. Denn «asa Seminar fft naturgemäß nicht in der Lage, dm austretenden Zöglingen Stellungen nachzuw isen, »oeil Berlin nicht wie die andam Seminare, da« Eentrum hundert«! kleiner Gemeiadm bildet; die Provinz Brandenburg hat gar keine und die Provinz Pommau nur sehr wenige Lehrecstellrn. Da „Verein ehemaliger Zöglinge de« jüdischen L-Hrersemiaar« zu Berlinwird darum gewissermaßen eine Ergänzung in da Organisation der BildnngSanstalt bedeuim und, wenn er die richtigen Mittel und Wege gefunden haben wird, sehr segensreich wirken, wozu da Beitritt sämmtlicher ehemaliger Lollegea die unerläßliche Vorbedingung ist. Die Statuten vnsenda Har Lehrer Peritz in Pankow da Baliu. Die geehrten Haren Sollegen werden ersucht, die Anmeldung baldigst zu bewirken, damit da Verein alsbald in den Stand gesetzt »ade. sich in kräftiga W'.fe seiner stellenlosen Mitglieder an» zunehmea. — Etwaiae Kundgebungen de» Baein« werde ich in diesem dem L:hra stand stets aufrichtig zugethanen Blatte mitthrilen. Bernhard Traubenberg. Zgerki«, 20. December. (Or.-Sorr.) Dem Dutzmd »der mehr jüdischen Lehrern, die h i e r ohne Stellung etu kärgliche« Dasein fristen, wird e» seltsam oorgekommeu sein, schwarz auf weiß in vor. Nr. zu sehen, daß Lehrerstellen au« Mangel au ge» eigueten Kräften unbesetzt bleiben müffm. Da Satz in Paranthese. der von der R ». d. Bl. jener Behauptung äugefügt ist, überhebt mich in treffender Weise de« Gegenbeweise«. Au Lebrau ist thaisächiich kein Mangel, wer da« sagt, kennt einfach diese Bahä tr iff« nicht, e» sei denn, daß der Nachdruck auf „geeignete' Kräfte zu legeu ist. Nu», darüba find die Aafichten erschieden, schmeichelhaft wird man'« nicht nennen können, wenn Leute, die iw Vorstand« fitzen, und von denen man die »enntniß vorau-setzen muß, dm au» dem Seminar herangezogenen Lehran die Qua» lification zum Unterricht absprechen, da» ist auch für die Bilduug»aostalt nicht schmeichelhaft. Bekannt ist e» ja, daß die hiesigen jüd. Religion tschuldirectorm seminaristisch ge» blldetm Lehran die Fähigkeit, einm guten Unterricht zu gebm, nicht zuerkenaen waten, sie vielmehr in ersta Reihe Studirendm jeglicher Fakultät zusprechm. Aber daran, sollte man meinen, fehlt'« noch weniga, wie will man also einen Mangel an „geeigneten Kiäften" httleiten? E« mag sein, daß für die Prioatreligiou«schulea die Lehrer fich zu gut dünken, für ein erbärmliche« Schund- Honorar. da» allesammt bezahlen, fich von eiuem höchweiseu Borstaude schulmeistern zu 'affeu, wenn'« irgcud ander« geht. Da« ist trotz aller EMgegnun.en so. De» PrivatrkligioaSgejcllschaften ist die Schule eiae wilchlieferode Kuh, die Herren Borstände hintertreiben geradezu DiScipliu und Ordnung mir ihren naive», mit gelehrten Mienen erthe-lten Anordnungen und machen diese Stauden für den Lehrer zu wahren Marterstuudm. Wenn fich ein Lehrer dazu nicht cergeben will, so ist da« Jedem, da billig dmkt, verständlich nur jenm Schulpascha'» nicht, die dem Lehra alle« zunmthru zu könum glaubm. Der Lehrer ist sozusagm auch «in Mensch und will fich für die paar Lampmgroschm nicht terrorifiren laffeu. Wmu »der ein Ge» «eiudevertrerer behauptet, e« mangele an „geeignet«- Ktäfteu, so sollte er erst erläutern, r»a« er eigentlich unter „geetgnetversteht. Mmsurro und E-chmiffe, vielleicht stad diese die erst« Bedingung der Qualificatiou, oder, wie ich Gmnd habe auzunetmen, eine große Praxi« tu A.ohil*a tropft» uud

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