Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 51.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 5)
- Language
- German
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Instinkt der Zuhörer, an dagemeine Bedürfniß de» Haffe- und an den gemeinen Glauben, daß die Ursache aller Ueoel irgendwo verkörpert sein müsse, so daß man sie mit einem Schlage zertrümmern könne. We- Nebel kommt von den Aristokraten und ihren Helfern, sagt« man im Jahre 1793; all« UebA kommen von de« Juden und Judengenoffen, sagt Herr Stöcker. Wenn die Macht der Juden gebrochen ist, oder wenn sie audem Lan!)e vertrieben sind — Herr Stöcker sagi nie, wa» er mit den Juden vor hat — dann soll ein Paradies errichtet werten, von dem Herr Stöcker einige Umrisse zeichnet. Alunentbehrlich« Kräfte soll es da ein Königthum, orthodoxe Prediger und Zünfte geben. Andere Dinge sind zulässig, aber gleichglltig oder entbehrlich. Die GeisteSerzeugnisie der Dichtung und Wissenschaft sind auszusperren. Herr Stöcker begann seine öffentliche Laufbahn damit, daß er die Töchter de- Landebeklagte, well sie Manches von Gliche, aber nichtvon der Geschichte des König» Hi-kiaS wußten. Wenn wir uns die Regierung des deulsthen Balles auf dieser Bildungshöhe und von diesem Gesichtskreise umfangen denken, so überkommt uns Frost und Fiebergluth. ES hat damit keine Roth. Aber Die Schichten unserer Nation, wflche unserem geistigen Adel sich verwandt fühlen und aus seinen Schöpfungen ihr Seelenleben nähren, die können auf ihren Schild nicht Herrn Stöcker erheben, sei diese Erhebung auch uur als Demonstration gemeint. Ebensowenig darf die Regierung auch nur einen Tag den Schein annehmen, Herrn Stücke,- Banner zu folgen, dma die ganze deutsch« Bildung würde sich bedroht fühlen." <schärfer kann wohl Stücker'S Treiben nicht verurtheilt werden. (Graf Douglas war, wie die Zeitungen berichten, Sonnabeud vom Kaiser zum Frühftück eingeladeu) v. 2. Werkln. (Or.-Lorr.) Was in den jüngstm Rümmer, der .Jsr. Wochenschrift" über die Wirksanckeit des Herrn Rabb. Dr. Ph Krön er berichtet worden, gereicht Vi'len und sicherlich niäst den schlechtsten Israeliten Berlin« z> besonderer 8efitrbignng; Berlin ist so arm nicht an Juden, we'ch« Rabbiner von wissenschaftlicher und pädagogischer Befähigung und ethischer Tüchtigkeit zu würdigen Nisi», Ein wie vorzüglicher Schmldirigent Herr Dr. Kroner ist, gehr nickt nur daran» hervor, daß die Zahl der Zög- Itrge der B’ne Frith»Rrligionsschule fest seinem Amt», autiitte erheblich arwachim ist und »och immer zuaimmt, sond.ru auch au» der liebenden iöerehruug, deren er sich in der Schule wie in der Gemeinde, bet Jung und Alt erfreut. M n fühlt r» herau«, daß er nicht Maschine« bilde» will, sondern Eharaktere, lebendige Israeliten, feit und klar, mild und »adr; daß er Bertiesimg schafft» will, sittlich-religiösen Einst Sinn für die Ideale des jüdischen Leben«, die der Lebe Werth sind, Frömmigkrst in aller Freiheit und Freihett tu aller Frömmigkeit. Dieser warme Herzr>»ton klang auch durch dt« Worte hindurch, die Herr Dr. Kr. auf dem Feste sprach, das seine Gemeinde Fa» ffrith ihm zu Ehren am Abend des ersten Thanukulaqrs beging. Gestatten Sie mir; sehr geehrter Herr Redakteur, jene beifäll'gst aufgenommenen Worte, die in mehrfacher Hinsicht chmmfteristsch sind, ihre« ungefähren Inhalt nach hier »iederzugeden: Herzliche» Lank, »et»« -re»ud«, für die Beravftaltnag dieser schsarn Fei«, dnrch dt« Sie »ich ,»» mein H«n» z» eh«, ^dichien. Sie »»«ilten, Wf> ich »ich nicht fremd sshllr »nter gdvrn «ld Mm mir in finniger vckse Tcke-mhett, eine» ansehnlichrn Thckl, Ntelletcht der Vtehedeit «einer ldemetndenrDchdri-m nich« t» trete». Ich! die »ollste vitrdignng stk da» schiia« Empfinde», da» diese» endliche» «»tge^nlmn»«» z» Ormid« UrM. Lern» erschein« ich i >»>» nor Ihnen. Es M«r »me jeher GM» in Isrvck, daß die . »ls«r»er nicht in. schena: Weltfinch« sich atsanMre», sonder» in Mnrmer »,«he>lmchm« «n de» Ergehe» der ihrer aeistltche» Ods»r>» Nm»d»r>tirn dum Knmcllersest» aern mit segnende» Herm» mitfeterte». Trotz «nncker «enernny» hat sich dt«ft schön» Sitte »och «tznltrn nnd stmnmer Sin» lehrt gern z» ihr zeröet. tvnrnm nehme tch Ihr« sm»n»rdtsch» Enndnetan» zn» gnien zvichrn für »mim Mckftm»,i tn Gtzrer «tue- «sh, es »Ntl dchhtMr, fiw, «echt ch» Licht. nnd Frendensefi« zn seiern. pMcknsa» mit «aenesmnth nnd tapfere» «in» Gleich den MaSndüe.hel den cknzutnte, für dl« identen Güter de» Leim«, fir demahrm nnd knUtn in «ine« «andel ohne Fnrckt nnd Tadel, chne F^Ich und 8«dl. so »ah sich erfüll» das «ort de« GmpHeien: Sticht dnrch itnßer, Macht nnd Gemalt. s»»M» dnrch dm Gottesackst, der t, ihm motzal, «ird Israel fiem«. »nck ckn Gemckm nnse», »I« das uaserige, dm» in diesem Geist« kräftig sich «omickelt, tridck die «ürgschest taner»!«» gesegnete, Bestandes in fich. De» Stütze» diese« unsere« Bnndi«, den Mir mit »,«l, dm Brnderdnnd nmnen, nnd dieser gnnm» heiteren Tasckrnnd« sck diese» Gln» gewckht. 8x. Werkln, 16. T«z. (Or.»Eor.) Die verschiedenen Besprechungen, »Ache diese »Wochenschrift" über die von Herrn Weinberg auf» neue angeregte Bewegung auf Vermehrung von Synagogen und Religionsschule» gebracht hat, ließe« sämmllich einen Pinkt ganz außer Acht, der wohl wichtig genug ist, öffentlich diScurirt zu werden. I» allen stattgefundimeu Bezirksverfammlnugeu, wurde von den anwesende« Repräsentanten, namentlich von Herr» Sachs, Klage darüber geführt, daß es überaus schwer hält, geeignete Kräfte für den Rrligiousuuterricht zu bekommen, ja daß sogar ein« Stelle unbesetzt bleiben mußte. — Läßt das nicht .tief blicken"? ist da« nicht ei» .wnuder Punkt", der dringend Abhülfe erheischt? Es wäre doch wünscheuswerth, die Gründe, woher solcher Zustand ringe» treten und die Mittel, w,«dnrch eine Besserung zu erzielen ist, von berufener Sette .zu erfahren. (Daß in Berlin, »« 1 Md. Lrhrerbtlduugsanstcclt. 2 Rabbiner! ildnugsanftale» und tatti qaftnti stellenlose Prediger und Lei,rer vorhanden, fich keine geeigneten Kräfte ftcr Md. Religionsunterricht finden kaffen sollt«, ist doch geradezu unbegreiflich.) HPpek», 16. Dezbr. (Or.-Lorr.) In der a» 13. d. M. stattgehabteu öffentliche« S'itznog der Stadtverordoetru »urd« der zum Stadtrath erwählte, langjährige Stadtverordueteavorsteher S. Frtedläuder für sein neue« Amt vereidigt. Das hiefiq« .Wochenblatt ' berichtet darüber wie folgt: .Nach Eröffnung der Sitzung durch den stellvertretenden Stadtverordueteu-Borsteher, Herrn Fabrrk-Directar Kortzer, gedachte der Herr Bürgermeister Tr ent in in herzlichster Weise dsr Verdienste, welch« das umuuehrig« Magistrats- Magistrats-Mtt-lied, Herr Dampfbrauerei.Besitzer G. Friedläuder, fich dnrch 22 Jahre als Stadtverordneter und Stadwerordueteo-Borstehei um btt Commune erworben, und hob insbesondere seine strmge Unparteilichkeit nnd edle, versshnltche Gesinnung hervor, btt eia stete« gutes Liuveruehme» zwischen den städtische« Behärdeu ermöglicht, und der Ge» sammthett zu« Segen gereicht hat. Redner hvsst, baß diese Harmonie auch nach dem Ausscheiden drs Herrn Friedläuder als Letter des Stadtverordueten-Lollegillms bestehen bleibt, und ist ihm dankbar, daß er der Lommune durch Annahme der Wahl zu« Magistrats-Mitgliede auch bttses Opfer gebracht, uul> ihr somtt seine schätzeusmerthe Kraft tu de« neuen Wirknugskreise erhalte» bleiben wird. — Hierauf wurde der neue Sladtrath vereidet, und brückte «ach diese« feierlich« Akte der stellvertretende Stadtoerordaeteu-Bvrsteher Namens der Versammlung, sowie der gesammteu Bürgerschaft, dem nunmehr aus dem Collegium Scheidenden für seine langjährige, «mfichtige Leitung und Pflichttreue den herzlichste» Dank aus, de» dt« Anwesenden noch durch Erhebe» von de« Plätzen bethätigteu. — Tteftrgriffm dankte Herr Stadtrach Fri edläuder «tt bewegter Stimme." Herr Stadtrath Siegfried Friedläuder ist fett einer Reihe von Jahren Präses der jüdischen Gemeinde, und leitet deren Angelegenheiten in l ««selben Geist, der Brrsöhnlichkett nnd Umsicht. Dar obige Zeugntß, da» du oberste» Vertreter unserer Stadt ihm t» iffentllcher Sitzung gegebru^iz erster Reihe den Man» ehrt nnd nicht minder aber auch die Stadt selbst, in »elcher des schönste Einveruehmeu und Entge-enkvmme» unter d» Bürgern der drei Coaftsfioae» herrscht. Matchen, 9. Dezbr. wr^Evrr.) Am 4. d. M. »nrde in hiesiger Synagvgengmmnnde et» seltenes Fest, »ämltch di« Etnwethnng einer kncs Lhararvlle gefeiert, und zwar in einer Weift, wie sie erhchender nicht gedacht werde»