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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 51. · p. Seite 396

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 51.
Date
1888-01-01
Page
Seite 396 (sequence 4)
Language
German
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Ich erkläre Ihnen ausdrücklich, daß jeder anständige Stndent — »ad ich schmeichle mir, »ährend meiner fünfjährige» Studentenzeit tu Berlin viele anständige Studenten kennen gelernt zu haben — das jetzige Gebahreu antisemitischer Student» ans tiefster Seele verachtet. M. H.k 9t ist eine Schmach für die deutsche Studentenschaft, daß e» an unserer llaiversttät noch immer Vereine giebt, »elche ihr« Daseinsberechtigung allein durch autisemüische Kundgebung zu doknmentireu suchen und das Wort national in einer Weise für sich in Anspruch nehmen, welche den Unwillen aller Kommilitonen erregt... Da Herr »Uri. jnr. Singer (•eis Verein Deutscher Studenten) Herrn Blm» dahin verstanden hatte, daß er es für eine Schmach «klärt habe, de« Verein Deutsch« Studenten aazugehöre», s» bemerkte Herr Blum zur sachlichen Berichtigung, « habe gesagt, es sei eine Schmach für die deutsch« Studentenschaft, daß eia Verein wie d« Verein Deutscher Studenten an d« llaiversttät existier, »ad jed« anständige Student müffe das Sebahreu dieses B«eius verachten; « habe nicht gesagt, daß es eine Schmach sei, diesem v«eiae anzugehvreu, wolle ab« auch nicht das Gegrutheil behaupten; « laste seine Ansicht hieräb« einfach offen.- Der Vorsitzende »tack, mntir. Loose nllärte, auf Zurufe au« d« Versammlung, de« Red»« einen Ordnungsruf zu ertheile», daß « dazu in kein« Weise Ber» anlostung habe, weil nicht rin Mitglied des Ausschusses. sondern eine Korporation b« leidigt sei. Darauf glaubte d« Vertreter des Vereins Deutsch« Studenten, d« Stack, ftiad. Sichler zur Forderung auf vistoleu mü 10 Schritt Distanz und dreimaligem stngrlwechsel schreiten zu wüsten. Rach einem von Eichler zurückgewiesenen vnsShnungsversuche wurde Blum bei» dritten Lngelwechsel in die Leb« gettoffen und verstarb wenig« Minuten, nachdem mau ihn in den baeitsteheude» Wagen gebracht hatte. (£« dem Duellunwesen znm Opftr Gefallene ist elternlos, am 18. Januar 1866 zu Thoru geboren und hat 8 unmündige Geschwist«, deren Stotz und Hoffnung « war. I« Alt« von kau« 18 Jahren machte « das Abiturieutenexrme» und bezog Oster» 1884 die Bali»« Universität. Der so jäh Dahtngrrasftr beabsichtigte demnächst das Stoa1S«ameu abzulegen. Anfang diese» Jahres hatte « sich verlobt.) — Der Rector der Universität, Prof. Dr. Gerhardt, batte sämmtttche Autschußvertteter vorgeladen, um denselben » ein« längeren Rede sein tiefe» Bedauern üb« den Vorfall anszndrückcn. Er verwies darauf, wtt der, der dtt Blutschuld auf sich geladen, sich dadurch für sein ganzes Lebe« unglücklich gemacht. Schließlich stellte « da» ««laugen, daß alle anwesend«» Ansschußmitglieder ein Schriftstück unterschreiben, indem sie durch Ehrenwort versichern, daß sie web« ans vorh«gegangeueu »och zukünftige» Verhandlung«« des Lusschnstrs Veranlassung z» eine« Zweikampft nehmen wechen. Die Anwesenden entsprachen diesem verlangen. Nachdem die Unterschriften abgegeben waren, entließ d« Nestor den Ausschuß mit folgenden Worten: „Und nun gehen Sie hi», weine Herren, und wirke» Sir in d« Studenteaschnft für die Erreichung all« Ideale, wirke» Sie für Gleichheit nnd Freiheit unter den Studirrndeu zur Ehre unser« Hochschule und d« ganze» deutschen Studentenschaft!- Lerli», 12. Dezember. (OQ-Corr.) Seil de« Wied«, aufblüh«» der Jndenhetz« uut« dem moderne» Namen Antisemitismus hat dieft Schmarotzerpflanze «och nie so ihr Unwesen «Kirbe» wie gerat», jetzt; allüberall sucht sie ihre gifttge Saat auszustreuen, aus d« d« finsterste Haß und blind« Wahn unvermridlich in die Halme schießen muß. Als echte Schmarotzerpflanze verschmäht sie es, selbst in das All« reichlich nährend« Erdreich hiuahmsteigen, um da« straft nnd Lachsthum zu sangen, nein, Ander« frttd- Ache» Gedeihen ist dem Antisemitismus eia Dorn i» Auge, und statt sich in de» Bode n d« Ar best zu verpflanze», er» « es für süß«, de» Saft, den Andere ihr entrnuge», »nb ansznpreste». .»jrpVaw'i- De» jüdischen Fleiß und der jüdischen Arbeit wird oxf alle; mögliche Weile der Erfolg zu liutrrbinden gesucht nud «an scheut dabei die verwerflichsten Mittel nicht. Zettel antisemitische» Jnhatts ergießen sich wie eine Flut über alle Theile der Stadt, um die Weihnachtseiukäuft bet jüdischen Geschäften zu »«rhiudern. Die unverschämten Bert heil« d« schmutzige» Pamphlete haben sich, gewiß im Auftraze ihrm saubere» Führer, als Ort ihr« Wirksamkett gerade de» Eingang von Geschäften jüdisch« Inhab« ansersehen. Die Poltzei steht de« Unfug, dnrch de« das einkaufeade Publikum unausstehlich belästigt wttd, mit all«, ein« bessern Sache würdige» Gnnüthsruh« und mit verschränkten Armen zu. die Ladeninhab« stick diesem Treib«» gegeaüb« völlig machtlos und wenn wtt auch das chkstliche Publikum nicht für so vorurtheüsvoll haften, um diesen modernen Wegelagerern und Raubrittern ttgeich welche Beachtung zu schenken, so ist es doch ein betrübendes Zeichen bet Zeit, daß eine so frivole Störung, sobald sie zu ungunste» d« Juden geschicht, ungeahndet bleibt, ja sogar vor den Pforten dedeutschen Reichstage« toleriert wurde, bis eia konservativer Abgeordnet« doch Anstoß an dieses schmutzige« Gebabren nahm und einen Schichmanu Holk, um den antisemttifchea Zettel» käg« wegzatreibea. Freilich, um die Wechuachtszett «achte sich das Unwes« dies« Ränbahorde schon sett einigen Jahren fühlbar, ab« so rücksichtslos und so ohne jede« SchaMefühl möar» st« es noch nicht getrieben haben. Wie «rfs öffenttiche Leben wirft auch auf de» Reichstag selbst d« Antisemitismus seinen traurigen Schritten «ud nur d« unbeugsame» Energie des Präsidenten ist es zu danken, baß d« Deutsch« Rnchstag vor Skaudalscene«. wie sie in d« österreichstchen Reichsrachskaom« sich nur zu oft abjpirle», bewahrt wurde. Auch btt obligaten Radau-Versammlungen fchlen jetzt wttd« nicht und an eine« und demselben Abend fiaben oft zwei derselbe» statt, in den« den zur stetterei geneigten Herren uusauberu Anttsemtteu uattr Herr» Stöcker und den — wtt Herrn Böckel beliebt — saubere», wollte sage« reinen, Antstrmiten Gelegenheit geboten »ich. ihren sanften humane« Gepflogenheiten genüge zu thnu und in sattsam bekaunt« Weis« ein« zarten Ausdruck zu geben. Dtt verschämten antisenutkschen Blätter, dtt sich vor dm Wahlen in Puncto Jndmhetze größer« Zurückhaltung befleißigt«, lass« jetzt kein« Zweifel an ihrer Gesinnung»- tüchtigkett sondern Hetzen mtt derselb« bewuubernswerthm Verve und Virtuosität wtt dtt Letborgane des Heren Böckel zum streuzzugr gegm dtt Semite». »starlchm Mießaick, besonders erfahr« in der Luust des Fttbenschillerns, bricht jetzt auch jede Gelegenhett vom Zaune, um dm Iudm eins zn versl-tzeu, obwohl b« »Kladderadatschin seine« Iuserateutheil zumeist von jüdische» Gelbe sich ernährt. Ist es ihm doch nicht zu niedrig, dtt großartige KaiserjElumsspende des ebtt» Baron Hirsch in gemeiner Weise zu verdächtigm und das »Deutsch« Dagebl." ist jetzt noch das mildeste von den judeufeindlicheu Zeikmgea. von der .Kreuzztg." und de» andern bernfsmäßige» auüse- «tttsche» Blätter», dtt tu schmutziger Glückseligkeit schwelgen, ganz zu schweigen. Unter solch«, Zeichen trete» wir in das neue bür^rltche Jahr ein. Hoffentlich wird das deutsche Judeuthnm, da» in der Rrichshauptstadt sich aus de« ei» halb Jahrhundert währeude» Schlummer msrütteft, dtt Lehre, ans de» bereits z« den Tobte» gezählte, Gespenst« des Antisemitismns z» ztehcu vermögm und dtt Indenhett, deren Solidarität ettw derühntte Fabel ist, zum engeren Anschlnß nnttr einander sich veranlaßt fühle». Merk». In einer soebm (bei Georg Reimer hier) rrschttneae» Schrift »Vorgänge der innerm Politik fett der Thronbesteigung des Kaiser Wilhelm IL“, derm Ursprung auf den Graft» Douglas zurückgeführt wird, wird über Stöcker «ud de» Antisemitismus in folgender Weise abaourthellt: .Herr Stöcker wendet sich an dm selbstsüchtig« a- - - - -

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