Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
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»ärmer, die ihre Wrhlthätigkeit uiemal« auf ei« Confessio u beschräskeu, vielmehr ihre Ettftnngm in einer Weise de» frönten, die gerate ihren eigenen Glanbmsgmoffm am wenigsten in gute kommen. Erst in diesem Jahre hat der Generalkonsul Behrend der Stadt Berlin 830.000 Mk. zu demselben Zwecke, wie das verstorbene Frl. Koch gemacht, nur mit dem Unterschied«, daß kein Ansehen der Lonfesfion ftattfinden soll. Demselben Swecke dient bereits eine andere von dem verstorbenen laubensgmofsm Kr« fft hinterlaffene Stiftung — vielleicht die riesigste, über die die Stadt Berlin verfügt. Stiftungen, obwohl von Inden vermacht, find leider so eingerichtet, daß Jüdinnen, von denen wohl viermal soviel als bei andern Lonfesfionen unverhttrothet bleiben, nur selten von den Wohlthaten derselben genießen. Es wäre gar nicht so uneben, »enn jüdisch« Teftarorm in solchen Fällen selbst einen, wenn auch noch so geringen Prozentsatz für bi« eigenen Glaubmsgenoflen bestimmten, sonst sind sie von den Benefizien, die allen zn gute kommen sollen, so gut wie ausgeschlossen. Die liberalsten Verwaltungen stad einerseits in dem Wahne befangen, Inden können gar nicht so bedürftig sein, während letztere wiederum auf Wohlthatm, die von andern als jüd. Behörden stammen, wegen der härtern Form, in der sie geübt werden, gern verzichten. Aerkin, 9. Der. (Or.-Eorr.) Zu den Ansführungen des T. 0.-EorreSpondmtm in vor. Nr., denen ich übrigen« zu« großen Theile beipflichte, gestatte ich mir Einige» zu bemerken. Die Gemeinde B'ne B'rith hat sich nicht etwa, wie au» den Ausführungen jeder mit den thatsächlichcn Verhältnissen nicht genau Bertrautrr aunehmen muß, die Aufgabe gestellt, im Osten nur eine Synagoge zu unterhalten, sondern hat stets ihre besonder« Sorgfalt der Erhaltung einer Religio ns schule zugewandt. Wie sehr gerade die Religion«- schnle. namentlich seitdem sie unter der vorttefflichen Leitung de» Rabbiner« Dr. Kroner steht, Anerkemmng findet, geht ans der beständig wachsenden Schülerzahl hervor und darf sie ruhig den Religionsschnlm der großen Gemeinde an die Seite bestellt werden. Freilich hat auch die Gemeinde »B'ne B'rith' niemals ihre Schule als .melkende Kuh' betrachtet und hat manchen Groschen au» den Gemeindemitteln zngestmert; dafür hat sie aber auch das schöne Bewußtsein, so manchem Kinde, welches sonst ohne jeden Religionsunterricht anfwachsen würde, gratis diesen unterricht ertheilen zu lassen. G. 8p. (Or.»Eor.)E« ist eine der traurigsten Eischeinnngrn, sogenannte Krebsschäden, wund« Punkte, die sich bei Religion»- und Berufsgmoffenschaftm geltend machen, zu oer- I allgemeinem und so über eine ganze Confesston und einen | ganzen BerufSstar.d dm Stab zu brechen. Daß man sich! hmtzutage so seltm einer ruhigen und streng objcktivm Be- «tthetlungswetse befleißigt, muß wohl in der nervösen Hast begründet sein, mit der min sich in Fluge rin Unheil bildet über Tagesand Zeüfragm, die sich in ihrer Bielheit drängm und zu bnun man doch möglichst schnell Stellung nehmm muß. G» entsteht dann di« Spezies der heißblütigen Pndlirist«, zu te«n selbst die »Kölnische Zig.' dm Professor Treitschkr zählt, und wahrlich, er verdimt dieses Epitheton in vollem Umfange und mit ihm fei« Anbeter und Nachtreter. Sobhe und ähnliche Reflexionen stellten wir an, als wir jüngst dm in Driuk erschienenen Bortrag des Herrn Felix Eo d lenz lrfen, der manches Wahre enthält, da« allerdings tererts genugsam von älterm und erfahrmrrn Lehrern ausgesprochm word>m ist und wir geben anch zn, daß diese Wahrheiten nicht oft gmug ausgesprochm werten können; aber Wahrheitenk Amioua Soorate«, nmioos Plato, a«d magu amisa T«riUa. Herr Eodlenz verfällt in dm Fehler, dm er bekämpft: wenn er Herrn Rabbiner Dr. Ro thsch tld -Alzey zu» Borwurf «acht, daß dieser durch gmerette Behauptungen dem gesammtm Lchrrrstand etwas zu-nah« getrrtm fei, so »erfährt E. in derselben Weis«, indem er die ... »Jsr. Wochmschr ist'. einzig und allein deshalb, »eil sie di« Artikel von Rabbiner Dr. Rothschild gebracht, di« ja auch viel Wahres und Belehrendes enthielten, als — risum teneatii amioi! — .lehrerfeinvlich' bezeichnet und dabei die Thatsache ignorirt, daß gerade dieses Blatt seit seinem 20 jährigm Bestände stets warm für dm jüdischen Lehrerstand etngetrrtm ist und unzählige Artikel für die Hebung und Förderung tessellxn gebracht hat. Herr C. kmnt offenbar unsere jüdische geitungslitteratur sehr wenig; er kennt weder die vom Redakmr der »Jsr Wochenschrift' als Beilage zu dieser herausgrgebme .Jüdische Schulzeitung', noch die von diesem in Gemeinschaft mit de« Seminardirektor Dr. Kroner herausgegebmm »Jüdisch« Lchrerzeitnng'. Er kmnt auch die herrlichen Artikel- Serim nicht, die unser Klin gen sie in in dm letzten Jahrgängen der .Jsr. Wochenschriftveröffentlichte, die — man braucht e» wahrlich dm meistm Ikollegen nicht, erst zu sagm — von einer begeisternden Liebe und Frmrdkchaft für dm gesammten jüd. Lehrerstnnd erfüllt sind, li otz mancher, diltem Wahrheiten, die er darin dm Lehrern sagt. Und da hat Herr C. die Kühnheit, dieses um die jüd. Lehrcrwelt so vielfach verdiente Blatt als »l e h r e r f e i n d l i ch' zu verschreim. Wa» übrigen» diesm so leichtfertig hingeworfmm Borwurf betrifft, so hätte Herr Eoblenznach päpstlicherGepfloqmhttt gleichwie di« »Jsr.Wochm« schrift' auch die »Allgem. Z-it. d. Jud.' von PHUippson auf dm Inckan lidrcirnrn proUrbitorurn setzm müssm. Er lese z. B. dm .Orimt' nach, worin der dm meistm rheinisch-westfälischen Eollegm rühmlcchst bekannte Leeser- Lübbecke — damals noch in Bernburg — in einem offenen Brief an Dr. Philippson u. A. bemerkt: »e» ist ihm nicht gmug, mich seiner Wuth zu opferu, nein, über den ganzen Lehrerstand schwmgt er Nr. 31 die Geißel seine» Grimmes in folgender Philippika: .Der Lehrer Leeser in Bernburg wird wisftn, daß in seiner Lorrespondmz... btt Seite gelegt werden.... Dir» zur Antwort und die Bemerkung obmdrttn, daß solche Leutchen doch nicht zu anmaßend an die Ocffentlichkeit sich drängen sollten.' Der sel. Leeser knüpfte daran die Frage: .Hatten Sie das Recht, mich und meinm Stand in dm verächtlichen Ausdruck .solche Leutchen' hiueinzubüadeln? oder schaut da nicht vielmehr der Pfaff n Hochmuth Humor, der in sttner Arroganz dm armm Lehrerftand mit ttnem Fußtritt aozufertigen vermeint?' O>>er, wenn wir nicht so wttt znrückgrttfm wollen, so «hme Herr E. den Slingmstttn'schen .Jsr. Lehrer' zur Hand, um in einem Smdschreibm an Hrn. Dr. PHUippson von Wolfsdorf-Erwitte zu lesm: »Wenn ei« solche Behänd.ungswttse Euch — den Lehrern nämlich — ein PHUippson-kein Bedenken trägt, was habt Ihr alsdann ei st von dm diia minorum gentium zu erwarten? Nun. banket Sott, daß wir in Israel noch keine Geistüchm in dies.'« Sin« Ijaten", die nämlich vielen Sttstltchm anderer Confttfioneu ähnlich die Lehrer hachmüthig dehantele u. s. w. Older er lese in Nr. 9 des »Jsr. Lehrers" vom Jahre 1871 die Eorrespordmz aus Oberhessen von R. Rabb. Dr. Rothschild-Alzey, worin di« von PH. auf dm Lehrerstand gemachten Angriffe trefflich zurückgewiesen werten, u. A. httßt es daselbst: »Herr Dr. Ph. möge doch auch «in Mal vor eigener Thür kehren. Sind dmn die Rabbiner alle unt> ohne Unterschied so außerordmtlich gebildet? Erfüllm sie alle ihren Beruf? Sind sie alle tem» selbm gewachsen? Girbt'S keine Unwürdige unter ihnm? Ich will kttne Parallele ziehen; ich möchte noch oitt wmiger dm et len Gliedem de« Rabbiner-Standes zu nahe tretm-. Dies« Reminiscmzen aufzuftischm wäre wittlich kttn Grund vorhanden gewesm, van und nicht das oberflächliche Urthttl des Herrn C. gar zu sehr angewidert hätte. Wir mußtm btt« L-sm der Broschüre wirklich an da» jesajanische Wort (3,6): |pQ "WT HTT dmkm, woran der jugmdlich« Herr E. sicherlich nicht >>edacht hat, sonst hätte er, bevor er sttnm Barttag drucken ließ» sich erst «in wenig mehr orimtirt. —