Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 47. · p. Seite 365

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1888-01-01
Page
Seite 365 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/5369809-5935050-5956484--6898-5372771
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

unfern Provtng ptfaum möge ihre Thätigkett i» Zukunft immer «msossmder und feftuttn^a in gestalstu. Pnüfnrt, 16. «ov. (Um lebhafte Versammlung war r«, vir gestern Abew» i» »rohen Saale der Stützen, bürg hier vom »Deutsche» Resormvereiu" in «firn znr Anhörung eine« vo,trage« de« H'rm Liebermann von Sonnender» uv» Berlin über „Was wollen wir »«ttsemitm1" veraustaltirt war. Je den hiesigen Zeftnvaen haben wir eine Bekannindichnng nicht gefunden; di« Ein« ladnng erfolgte blo» durch Bertheilung von Zetteln in die Wirthschastm. Ihr Berichterstatter hat in seinem Leben schon sehr vielen Versammlung« aller Art beigewohnt. aber so van Herzen gelacht, wie gestern Abend, noch in keiner. Die Versammlung bestand nämlich keinelweg» nur an« Anhängern der ontismttüschm Sach« und gab diesen ihren Charakter oft ans recht drastisch« Weise zu erkennen. Herr Liebermann ist em sehr gewandter kstedner, da« muh ihm sein größter Feind zuaeben, allein gestern Abend in Duisburg hat ihn da« Glück schließlich dich verlassen. Der Bortrag, dessen Inhalt in seine« Thema schon ou »reichend bezeichnet ist, wurde noch ziemlich ruhig anaehört, nachher aber betraten abwechselnd mehrere Sozialdemokraten die Redner. bühne und behandelten da« Thema von ihrem bekannten Standpunft au«. Doe gewaltig dagegen pcotestirend« Herr Lirbennann ward einfach nirderaeschrieen. Er selbst lieh A-uherungen fallen, die wir von eine« so geriebenen Agftator nicht erwartet bätten uad irdenfall« am Rhein sehr unvor« sichtig waren. Sein Auüdruck »der vierte Stand" z. B. wurde von seinen Gegnern wetdl'ch au«gebeutet. -östlich warm di« Zwiegespräch« zwischen Herrn Liebermann und der Versammlung. Da unterbrach ihn einer mft dem Rufe: »Christus war auch rin Judel" Herr Liebermann antwortete schlagfertig: »Nein, Ehristu« war Gotte«sohn." Auf seinen Au»ruf: »Wie machen wir den Inden zum Deutschen!" erscholl unter ungeheurer Heiterkeit au« irgend einer Ecke die Antwort: »Sckwtd em de Rö« af l" In solcher Weise ward hdt- und hergrschrun bl« der Schluß der Bersammlung gegen Mitternacht erfolgte. 'Der Antisemiti«mu« mag, wie jede« Ding auf kur Welt, auch seine gute Sette haben, aber von ähnlichen Wiederholungen möchten wir, wenigstm« für Dui«- bürg, denn doch wohlurtomd abrathen. Statt Zeichen für die »Wiederbelebung de« Anttsrmitigmu« in Duisburg", ge staltete sich die Versammlung eigentlich zu einer sozialdemokratisch« Partei-Kundgebung. In dieser klaren Voraussicht hatten sich denn auch di« wenigen' wirklichen Antisemiten in Duisburg an oer Versammlung nur spärlich betheiliqt. Jedenfall« hat die jetzt in Ouitburg stattgehabte Eröffnung de« im vorigen Jahr« schon angekündigteu antisemitischen Feldzuge« am Rhein einen sehr kläglich« Erfolg zu verzeichne«. München, 16. »!«». (Or.-«orr.) Am 9. d. M. ist di« Baronin Laroltne non Hirsch, wtttw« de» vor drei Jahren verstorbeueu Baron« Joseph von Hirsch, im Alter von 81 Jahren hier «ft de« Tode abgegangen. Diestlbe hinterläht vier Söhne und zwri Töchter. Der bekannt« chgohlthäter Baron Moritz von Hirsch, ihr ältester Sohn, chatte sich »ft allen sein« Geschwistern zur Beerdigung ein- «fanden, die am 11. Naihmfttag« unter ungemein zahlreicher ethettigung stattfand. f)err Rabbiner Dr. Perle« betonte in seinem der verblich«« gewidmeten Rachrufe mtt besondere» Rachdrncke de« Irenen Festhalten« derselben an der väterlichen Religion urd allen, auch den rituellen Borschristen derselben. AirauLfurt a> Ml., 18. November. (Or-Corr.) Bist welchen Mitteln «an unseren lieben gutherzigen Gstürben«- brüdern da« Geld fürPalästtna au« der Tasche zu locken versteht, zeigt folgend«» Borkmmnuih. Al» Hanplzugmtttrl muh bekamttlich immer da« »Retz der Misst«" herhaste», welcher Jude giebt nicht gern keinen Obolu»,»mn er dadurch imschuldtge Kinder au« dm Schlingen der Mission in reihen betttagm kann! E« ist ja auch mäunigklch baaunt, welche« uuwesm die »Seelmsäugrr" gerade i» heiligen Laude treiben. Nm ihn« da« Haudwerk zu lege», lourden dort < Schulen, Watseuaustastm, Verein« ge» gründet, ifc reichlich Don Deutschland an« subventiouirt werden. Insbesondere ist e« der vor einig« Jähem geqrüu» bete Lerttn „blara» Ililöaodiw" der sich der verlassen« und verwahrlostea Kiodr annimmt, damit sie nicht tn die MiffianSsäpilm und von da zum Taufbecken gelockt werd«. Herr Rabbiner Dr. Sttvendi, der keine »Spmdmlisteu für Palästina" nicht dl-«» —so wie da« Wort — besagt, mtt Oatttaugen über die rechlich fließenden Spenden füllt, son» dem kein Mittel unbenutzt lägt, um da« jüdische »Rachmauu«" rege zu rrhalt-n. füllt viele Seist» dieser Gpmdmlisten auch mtt allrrhanl» SchreckenSnachrichstn au« Palästina, über Hungersnot!,, Rez>nmangel, Minemst. ÄkrzzoSthmerung u. dgl, se«te mtt Berichten über Kolonisation PrläsÜna's» über gerettete Seelen, brinqt n u. ft. in brr Spendenliste vom 3. Oktaber rinnt »erste, Bencht" über dm zmannstn Verein 12 in welchem ein Herr Ephraim Lohn au« Ineusalem Folgmde« au« der abgeiwlünm Generalversammlung b richtet: »Dreißig S elen. darunter dreizehn unschuldige Kinder, die au«?»erzweiflnng „der durch trügerische B.'ilockunqm in da» Retz der M'sston gefallen, wurden au« demselben befreit. Diese« war nicht immer eine stichst Arbeit. Bei der Rettung einiger Sinder au« brt: Schlingen der Mission mußte sogar die Hilfe de« Gmeral-Goaoeraear« angerufm w.iden, wttche dieser auch in der hun>anst n Weise gewährst. Unser Gouverneur. em strenger, aber gerechter Man« und folglich auch ein Fe nd der Pmselyrenmacherei. würde de« Treib« der M sf.on weit größere Schranken entgegensetzen, wenn nicht leider viele egyptische Juden demselben Vorschub triften möbim! — Äelch' traurige Tvatsache, daß noch gegenwärtii in der enal'tü v'ot ftanttiche» Missionsschule allein LSL jüdische Bimbet erzöge« werde«, welch« auSschließlrch au» Egypten (Aexmonm und Kairo) von ihr« afchstnasischcn Vätern oder B'> wandten hierhergebracht und au« elendem Egoismus der Dttffio» verkruft wurden l I" Wie e« mtt der Wahrheit dieser Mittheüungm aussieht, erl»ellt au« einem Proteste. welch« 8 ehrmwerthe Männer aus Tairo in einem Berliner Blatte veröffentlichen, der wie folgt lautet: „Um die von Herrn Ephraim Cohn in dem der .Jüdischen Presse" vom 3. Oktober l. I. beigegebmen Spendenblatt des Herm Rabbiner Dr. Salven di geg« die Aschkenastm AegyptmS erhobene schwere Anschuldigung zu widerlegm, bitten wir Sir, folgmde Zetten in Ihrem gesch. Blatte aufnehm« »u wolle«. Genannter Herr erdreistet sich anzugebrn, daß sich in der mglisch-proststantijchm Missions- Schule zu Jerufalen 185 Kinde» befinden, ,chie vonihrm Aschkmasischm Estern in Aegypstn der Mission verkauft wurdm" Welch' freche Lüge von einem Juden gegm Judm erdacht' In Aeghptm wohnm keine 300 Aschkcnasim, diese habe« zur Zen keine 2V0 schulpflichtigm Sinder, wie sollstn dieselbm von diesen 200 Sindern 138 „an die Mission verl!aust hakend In Wirklichkeit befiudm sich in »lle« MsssiimS-Schulm JerusalmtS höchsten« LN, sage süufzekm Sinder auS Aegypstn, und diese kämm anganz besonder« Umständen dahin. Die hier eingewanderstn aschkmasischm Juden sind größtmtheilS Handwerker, frisstn ihr Lebm sehr kümmerlich, bewohnm di« ungesundessta Stadttheist und sink daher von der ägyptischen Landplage, der Au,Mkrankheit. am stärkstm heimgesucht. Um seinem Sind« das bedrohst Augenlicht zu retstn, ist" so mancher Bater gezwungm, dasselbe aus Aegypstn fortzubringm. Wohin soll er e» führen? Nach Europa zu fahrm, reichm seme Mittel nicht, es bleibt ihm nur da« nah« Jerusalem, wo er sein Sind m die Allianceschust unstrzubringm hofft. Dies ist aber bi« nun nrch Seinem gttungm, da er von dort in derRmck mtt derAatwott abgmncsm wird, daß kein Platz sei. 'Was soll nun der Bater mft seinem kranken Sind« «achm? Soll er t« nach Aegypstn zurückführm und de»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.