Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5956484--6895-5372768- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Icheint tmi absurd, kam fie ist soviel als di« Anstorderuag pan Selbstmord; aber Me Kartells« hake», mochte« st« auch früher, deoor st« durch Graf Doaglas ul Andere erführe«, mir der Kaiser Wilhelm Ü. «ad di« Regierung Ükrr de« Autijemitismns dockt, ihre Achtung »»r de« Grundsatz« da politische« Glrichdaechtignug alla Bekenntnisse etwas zurückhaltend pSnßat habe». später al» fie da Zafttmmung da lriteud«» Kreise sicher waren, habe» fie jedenfalls mit lanta Stimme sich zu Gunsten da Jude» zeänßert. Live Niederlage i« Wahlkampfe habe» einzig die Deutsch' Mrifinnigrn erlitten, und da diese Partei stet« auf's Wärmst« für die Rechte der Jude» ringetreten ist, j» kau» uus diese Niederlage nicht gleichatUig sein. Die De»1sch-Arrist»«i-e« find nahezu ganz verdrängt «mdr», dom »au den 40 Sitze», d e sie besaßen, habe» fie 11 eingebüßt und find auf 29 zusammeageschrumpst. Wie ist dies gekommen? Wir conftaiiren, daß i» de» Ervrternngeu da Preffe über diesen Zusammensturz die Judensieuudschaft da Partei hi» und wieda als Element des Restes thra Kraft angesehen wird, nirgendswo wird behauptet, daß fie auch aur in einem einzigen Kreis« untalegen s-i, »eil fie fich da Juden angenommen habe. Die Forlschnttsleute habe« zweifellos »trthschastliche Fragen zu sehr in de« Bordagruud gestellt; so lange nicht eine erhebliche Bertheuerung des Br ödes durch Getreidezsll« eiulritt, ist di« Frage: soll ei« Zoll aus Getreide gürgt werden »der nicht, nicht geeignet, die Gemüther da Maste zu erregen, vielmehr wird bei einer Bevölkerung, dt«, wie dw preußische, zur prvßern Hälfte eine ländliche ist, die Auficht leichta Auklaug finde», tie Einfuhr ausländischen Getreides wüste erschwert werden. Ferner ist dadurch daß die Eisenbahnen i» Staatsverwaltung üdagegaugen find, die Zahl da von da Regierung abhängigen Wähler gestiegen und diese Wähla find nicht 'geneigt, eiua Partei fich anzuschließen, tie m schroffstem Gegensatz zur Regierung steht. Und dabet ist diesa Gegensatz persönlich zagespitzt, denn tiefgehende sachliche Differenzen bestehen genau genomme« nicht zwischen den Freisinnigen und da Regierung; wir Wunen den Freiste nigeo nicht ins Herz schasin, um zu erfahren. ob fie iw innersten Gemüth« den Starz de« Fürsten Bismarck wünschen, vor da Welt leugnen fie damtige lb> sichten und es bringt «tue Oppofitiou in eine schiefe Stellung, wenn fie nicht einmal die Neigung hat, die Regie,nag zu stürze». « Ls wag fich für die Partei empfehle«, in ihrem Prograu» den wirthschaftlichen Liberalismus zu opfern und nur den politisLe» sefizahalten. Alle» in Allem ist der Grund des Ntedagaug», daß heut« in Deutschland nicht leicht Jr- »and aufkommrn kann, den Fürst Bismarck nicht gelte« läßt. Wenn in Baliuer Zeünngen Engen Richter und die .Freisinnige Zeitungfür den Mßasotg »aantworüich gemacht werden, so weiß jeda Einsichtige, daß bei diesen Boi würfen zumeist da Brodneid da« Wort führt. Mir «ns ist es nur wichtig, zu coustatire«, daß dt« Meinung Treitschke's, das .international« JnOuthum" sei ei« wesentlicher Bestaubtheil da Fonschrittspartei, durch die Wahle» thatsächlich widalegt wird. Werfe» wi, zuerst ei«eu Blick ans di« Wahl da großen Städte. In B r e s l a u bilde« di« Jude» nahezu de» zehnte« Theil da Bevölkerung, tu B e r l i« de» süufuudzwauzigsteu Lyell; dennoch war die Wahl in Breslau kartellistisch; auch in P »s« « ha cte dekanntfich di« «ationallibaale Partei einen Borspruug, und doch fiu» dt« Inden dort zahlreich und durch ihre Intelligenz und ihre Wohlhabruheit fast entscheidend. I» einigen ländliche« Wahlkreise« Schlesiens, Sachsens und da Rheiuprovioz haben di« Drulsch-F, eifinnrge» gesiegt. Dies« Sieg« gebe» zn Nachdenkei:, dorn die lllei hältrstss« liegen in deefe» Kreise» nn Wesentliche» nicht mchos als in da Akeige» Monarchie und es kan» sonach Ht; Landes Hut. Nordhanse», Hage» möglich' fei, anch oudowärk» passt re« kk«-a. Dt« lfiorchtigauß diesa »anmchung brauche, wir «icht zu »ntosncha. Judeß wird Krina behängten, daß in diesen Wahlbezirk« bin jüdische Bevölkrnmg irgendwie von Belang.ift. Mr sehe» sonach, daß sie Greg« und Niedolage» des Fressin» t» Stad« «nd Land nnt da größer« ««d g«ri»ga« Zahl da süd ts ch « » Bevölkrruug in »e» betresfrude» Katsai «icht zusammeuhüug«. Di« Juö« sdck eben kein Staat im Staate, sonder« siche« in Reih« n»> Glied «nt den übrige« Bürger«. Da-n» fibide» wir sie bet alle« Partei«« außer bei de« Kutisonite» und de» autiirmtitisch gefärbte«, tfialltr» fich eisige Jude« auch dorthi« valause» habe«, da»« kö»en es freilich «nr solche sei», dir vagesten Hab«, fich taufe» zn laste». P. P. «l-issifche Briefe. Petersburg. 14. Novemd«. .Dem Badienste seine Krone" ... Das ist rin deutsches Sprichwort «nd mog ia Deutschland stritte beobachtet »aden; bet uns scheint man eine ganz eigenartig« Vorstellung vom' .vadicnst" zu habe», »nd so kommt es den», daß die .Kranen" oft rin ebenso eigenartiges Kussehea haben. — Ich hatte Ihnen in einem meiner früheren Brief« berichtO, daß .«>»" für de« frühaea Stadt,abdtna in Odessa, Dr. Schwabacher, eine Peusiou uachgeslicht habe; ich hatte diese Nachricht, Obefla'a Blättern entiiommen, und nun scheint »man" daran — — vergessen zu haben. Oder hat ein« bestimmt« Ab- - ficht dabei abgewattet? Glaubt .man", daß da schwach« Greis, von drei .Kronen" brreits belastet: — dm da Krone der .Weisheit", des .Grciseuthums" und des .guten Rnses" — eiua vierten nicht grmochseu sei?- Da hätte .man" doch bedenken sollen, »aß diesa gebrechlich« Greis bis vor Knrz em noch eine vierte Rmie getragen: die des .Priester thnms* und nun man ihm dies« genommen, hätte .mau" ihm »hu« Bedenken jene, nicht talmudische, sonder» deutsche Krone, di« de« vadieastes zuerkenaen solleu Uad da dieses uicht geschah, mochte fich Dr. S. sogr», daß dm Berlust eiua Kraue nur da ameffen könne, da eiue Kröne trägt, und richtete ei« Immediatgesuch au deu Zaren, mit da Bitte, ihm zur Erlangung seines Lerdienstrs Lohn behilflich sei» ' uvd die Odesta'er Judengemeiad« eutwida zur Zahlung eina fortlaufenden Penfion »der zar Aashöndtguug eiua einmaligen Absieduugsfumme ans da. Fleisch steüerkaffe" orr» »Waffen zu wolle». S«. Majestät gaben de« Gesuche statt und beaustragten deu General-Gonoirneur wtt da Ausführung. Allein hier geschah, was bet «ns oft geschieht »nd was sür das Berwaltuugstalent da russisch« Behörden uachgaade typisch geworden ist.... Als da Allerhöchste 7 Befehl ans seine» Instanzenweg de« Stadthauptwan» erreicht Haie, lastet« a, daß. eine Lifte aus gelegt werden solle zur Aufnahme von — freiwilligen Zeichnungen für den n» Dienste da Religion und da Gemeind« Obeffa agranten ■: und geschwichte« Rabbiner Dr. Schwnbachail... Da» die . Weisheit »nd das ihr Lohnll? Und trotzdem waden di« PfoUen da Hahr» Uutarichts» auftaltru, da fie da größten Anzahl da Einlaß Begehrend« durch das bewußte Gesetz geschlofl« bleibe», fast gestürmt. Und olle Mittel »erd« in Bewegung gesetzt, um i« di« heilige Hall« z» gelange», mtt mehr »dar minder Erfolg. So hat fich vor Kurze» ein junga Mensch in Eharko», dem es durchaus »icht geling« wallte, in irgend «ine Untoersttüt anfgruommm zn werde», « den Kntser «tt «ine» Biltgesnch «m Aufnahme gewendet, und diesa S'Mge wurde da Petent dnrch ein Telegramm des Rector» den Untvrrsttöt z« Kiew beglückt, der ihm mtttheilt«, daß a «uf Allahöchp« Befehl imnmaiknllrt wvrb«. Dir Fräide de« Glücklich« sMl jeder Beschreibung gestmttet Hab«. Sie