Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 888 — lafteten Gemeind« Geuugthnnng die Lommnualstew» erlaffm wordeu. Dem freiwillige« Verzicht der Stadtbehördev auf die Eommuaallteuerleistnug det Rabbiner* steht keine der allegirteu gesetzliche« Bestimmungen, eiuschließljch de* MtnisterialoRescript«, entgegen; überall ist »nrda* Recht de» Rabbiners, vie Befreiung zufordern, negirt, keineswegs aber den Behörden verboten, billigen Rücksicht« Rechnungz» tragen. ThalsÜblich hat auch noch keine der gedachte« hochherzigen Comwuuen aus dem citnte» Rescript veranlafsung genommen, die etngeführte Lommunalsteuerbefreiung der Rabbiner aufzuheben. Demnach dürste ich wohl der Hoffnung Rau» gebe», daß Wohllöblicher Magistrat; meine unvorgreifliche Luseinandersetzuag in Erwügung ziehend, meiner gehorsamst wiederholten Bitte: „Die mir birher gewährte Communalsteuerbefrriurg auch für die Folge fortbestehen zu laffrn, geneigtest defrriren werde.* Dies Gesuch wirkte; bereits unterm 11. Mai 1880 girg mir folgendes Magistralsschreibe« zu: „3n Folge Ihrer Eingabe vom 7. b. M. haben wir dir Sämmerei-Aaff« angewiesen, die von Ihnen erforderte Gemeinde-Einkommensteuer in Abgang zu stellen.* WaS den übrigen» humanen Brandenburger Magistrat veranlaßt haben mochte, mich wiederholt mit Eommunalsteuern belasten zu wollen, dürfte aus der damalige» Zeitströmung unschwer zu erkläre» sein. — Seit jener Zeit bin ich in Brandenburg von städtischen Steuern befreit geblieben und ist auch dem dortige» jüdischen Eantor Steuerimmunität gewährt. Zum Schluß möchte ich noch unmaßgeblich Vorschlägen, in einer etwaigen Massen- Petition de» Umstand aus- und nachdrücklich hervorzuhebeu, den ich de» Brandenburger Magistrat uur au gebrütet: daß die öffentlichen Steuern der jüdischen Gemeinden de« evangelischen und den katholischen EultuS sowie manch« andere chrfftlich« Institution »st unterhalten und es schon deshalb nur ein Sct der Gerechtigkeit wäre, di« Tultusbeomten der Juden von städtischen Steuern zu befreie« oder doch wenigstens dieselbe» zu ermäßige«. Rabb. Dr. PH. Aron er-Berlin. (Wir danken de« gesch- Eollegru für sei»» intereffantea Mittheilungm in Betreff des Steuererlaffrs und bitten um solche auch von andern Seiten.*) Di« Rrdoctioa.) «riefe a«» RmtzUmd. Petersburg. 22. October 1888. Sie find verstummt, völlig verstummt. Ans der ganun Front der Iudeufreffer herrscht tiefes Schweigen. Die Stimmbänder lehnen es ab» Verabscheuung»werthe» Gedanken liebe,t und Ausdruck zu verleihen. In den Drüse» der Schlange ist der Sistvorrath erschöpft. Die Salle bedarf der erneuten Sammlnng. Die Mrur«, di« dt« Spuren des »Ewigen Inden* «nansgesetzl »erfolgt, ist erschöpft. schweiß« triefend und schmerathmend hat ste sich auf die Erde niedergelegt und shaut mit Unheil verküudende» Ang« de« immer weiter enteilenden Ahasver «ach. Roch nur klein« Weile — und sie wird wieder aufsprtnge», di« Preßmeute, de« Inden Nachsehen, ihn rinhole», an seine Kerfe» sich festklma- ') Vieh» ,»ch „Nr .4ch,«l»«m»hl*. (»».) «er», an seine Brnst springen, sein Seficht mit ihre» riechenden Athe» morden nn» ihn pt Prsteffche». » erwürge» suchen. Und wieder wird der Jude die «ende mit seine» Wanderftab abwehre» müssen, wie»« werde, in der «elt-Düste mtderhalle* Stöhne, de» SchmerP«, Lech» der «nth »der Bitte« um Ruh«, aber nicht einestqiges Mal wir» er einen 8wt der Verzweiflung »der et» <hebet n» den Tod vernehme» lass», de» der Ewige har et gelernt, da« Leben über Alle« lieben, endlos glaube, nu» greuzmsts hoffen. Ob auch seine Unsterbttchkrtt sei, Fluch ist, er hofft st« zu einem Segen für fich «nd die Meuschhest Pt mache», ob auch seine Gabe» beispiellos sind — s, hat er sich dmh di« seltene Gabe -»geeignet. aus den übernatürliche» Qual«, der Vergangenheit neue «röste zu schöpfen »nt nnbetrrt immer vanoärt« z» streben, immer vorwärts . . , Und s> schreitet er einher, eMstästet, staubbedeckt, abgeriffea. — der allerorten fremde „Ewige Inde" . . Glückliche Reffe! . . . Doch »ohtn dt» ich gerathen! Ich wollt« nur jene, drafttscheu Rapport zum Ausdruck brtu^u: — .Herr Lomma»- daot, ich melde gehorsamst, daß ich nicht« z» melden habe,* »nd da kam mir dir »big« lang-thmige Ttrad« ans der Feder! Ja im Lager nnfcrcr Indövphobeu ist «Schabbes*, und da am .Sabbat Speis« nicht hergertchtrt werden dürfen," s» müffe» Sie. geehrter Redaltenr, heute wtt einer Art .Schalet" kürlieb nehmen, d. h. mtt eine« Gemisch »erschst. deuer Rachrichte». Der Tod des Finanziers Brad ski in Liew wir» ihm» Lesern berrtt« Inkannt sein, von derartige« vorftüm nimmt die polttische Preffe aller Länder sehr gern Rotiz. und erüdrigt es nur zn bemerke» daß Bradski wcht imr reich, sonder» auch sehr wählt ättg war. Sa ist das jüdisch« Srankeuhans in Sirw fast ganz aus seine» Mitteln herPestellt, ebenso da« Gymuastn» in Slatopol — einem Seine» Stiütcheu. dem Biodski entstammte «nd da» fast «nsschlteßlich von ihm erhalten »nrdr. — Allein gar kein« Rotiz — wie ich fth« — haben felgst jüdische vlötter von eine« ftrudigeu Errtgntß, welches wohl werth gewesen »öm, wtt einigen Zeilen ermähnt z» »erd«». Ich meine das fiebenzigjährt^ Jisttlän» de» großen Hebräistea und zieldewnßte» Vorkämpfers für die Zivütsatton der rnffischea Inden — S. I. Kinn in «tlna. Am 4. d. M. hat diese Feier unter Thetlnahme von Verehrer« Iw« Inbtlars aus alle» Gegenden. in desie, Hanst st-ttgrstab«. I, da« ist «ohl immer das Schicksal des geistig«, Rilchth»»«, der materiell« Reichthn« erstatt sich immer einer mW«, Behandttulg von Sette, der Preffe; da nimmt ste Kotig von all«» vortomnmtffr» ans diese« Gebiet«, »hu« Rist sicht daran s, wer und was darhttttersteckt. Und f» erlebten wir es, daß uenlich sogar ein Bettler das Glück halst, tnrch gst Finger der Pnblictste» tu dst getzetttgtr» Spalte» Iwr Preffe zu gelange». Und wadnrch? Dmnh de» Mamnw». Da stand zn lese», daß dieser Tag« in Odessa et» OHähriger Jude, Ramens Lhat« Beazelewski, gesstebe» sei,!«r stchin den letzten Jahre, durch Holzhacken ernährst, äst führst et« arbeitsreiches »nd entdehnmgsvalles geh«», gsttn, woutgea Ersparnisse demahrt« er in der kaiserlich« Istaeek ans. viele» mar sei» .Geiz* «nverstündltch, de« er »n nnven» heirathet; allein all« vorwürst nach dieser Rtchtnna hin beantwortete er mtt eine» stillen Lächeln. Der:polzhachr starb und bei der Eröffn»»« des Testaments stritte sich hmaus, daß er seine Grsparnfffr in der Höh« von 8000 RuM« den Armen in Odeff, vermacht. Sei» geben lang hall der Man» gearbeitet und entbehrt, um sei« Srspmntffe de» Gemeinwohl zu opfern. Me selten find solch, Maischen, und wtt gönn« ich de« edlen Arme», daß sei» Anbmstn «ch von eine« weitere» »reist gesegnet wird! —Es ist dm pnm Zufalldaß ich in demsttbea Artikel über zwei verßmAr« «ohlthöter berichtet habe. Vst stelle» «uvillkstrttch ver» gleich« an und gel«we» P, der alte» varhett, daß lnstr den Armen ein größer WohlthätigkrÜsfin» herrscht, als „ de» Reichen.