Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 3)
- Language
- German
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ttc tortfcfc Lttttratm da|«*H»a|t taton, Bernstein» Zutoigischtchttu au» toi preußischm Ostproviuzm laste» uur tal fxtttturu jurM, tofi er Jciue gewandte Feder nicht »ster iu Mt fotfU da» Ghett» getaucht hat. »« von all de» Hnmvr und de» Gouüthsreichthum seiner Glauben»« Geuosten uu» |i erzöhim. tMBpctt »ob Bernstein lassen tot Eindruck zurück, daall dde dag« asb Beschränktheit, van der fi« melden, iu raptdem Rückzug begriffen lind, daß die Kultur siegreich diueinschreitet tu di« mge Gaffe uud immer »ehr von ihr Besitz ««reift; sie tmram die Hoffnung, daß e» vielleicht «<88*01 »erd«, die Gemüthßtiefe, de» Aamilimstunn uud da» Humor da» Ghetto hiuüberzurettm in die beffern und ltchtru Zeiten. Ga hat iu den Gchtldenmgm dies« Intoren selbst der Fauatismu», die Bildung« feiudschast der Judmgasse kaum etwa» Schreckhafte»; «er wird einen Sterbenden, rtneu in Lvtoßzuckuugeu Bin «enden fürchten? Und al» in den letzten Zügen liegend schildern nn» diese Männer den bösen Geist der -insterniß; der Widerstand gegen die Kultur ist bei ihnen mehr lächerlich al» gefährlich. Darum find diese Kulturbilder von Kvmpert uud Berupetu uu» doppelt lieb; nicht nur, daß sie schön «zählen, sie «zählen auch Schöne», sie künden stoh« Botschaft von alter Lugend und neuem Geiste, und da» Ghetto gefällt uu» um so bester, al» wir Gott sei Dank nicht.»ehr darin find, al» auch die Juden Böhmen« uad Pafru» längst «tt deutscher Kultur den innigsten Bund ge> schloffen haben. Frauzo» dagegen «zählt, wenn « den europäischen Oste» schildert, zumeist Dinge, über die nn» da» Herz blutet; « ist »in au«gezeichuet« Schriftsteller, « weiß die einfachste Anekdote mit einer Leb«u»gluth zu «füllen, daß d« Leser an allen Personen den »ärmsten «ntheil nimmt: ohne sich auf lauge und laug»eili«r Schilderungen einzolaffen, weiß « »tt »euigeu Strichen Land und Leute so deutlich zu Seichnen, daß »tt «einen, sie mit unfern Ingen wckhkzunehmm; e jede Stimmung vermag nn» d« Autor zu versetzen, d« üb« dtt »ärmsten Tön« der Empfindung ebenso gebietet, »tt üb« da» übermüthige Lachen de» Humor» und üb:r die scharfen Pfeile d« Satire;, wir zürnen, wir lachen. wir Satte», »tt immer e» to Dichter will, aber der Grmvton ein tttstraurtger, uud fast jedesmal, wenn wir mit einer Gvgähluug zu Ettd« sind, ist un» zu Mathe, al» habe uu» der Dichter var «tuen Abgrund geführt, in dessen Tiefen Menschen oh« Hoffnung auf Erlösung seufzen. Und dennoch ist e» «nt. laß Frauzo» sein Talent nicht au»schlttßltch der Schilderung ftvhlich«er Menschen und Läud« zuwendet, daß « immer wieder zu diesen gequälten und «rdüsterten Bewohnern de» Osten» zmückkehrt; denn httr erfüllt « ei« K nltnrpflt ch t, httr ist er mehr al» ein gnttr Schriftsteller, hi« stchl « al» Ankläger vor ganz fftoapa und stellt die Mtß»ttthschast, den Fanatttmu» und btt Rtttotracht au den Prang«, die «anze Böller in ein adgruudtttse» Elend gestürzt haben. Franz»» bleibt, obgleich sei« glänzend« Begabung auch auf säe« antoru Gebiet« d« «zShlenoen Dichtung sich zu tooöhren vermag und sich mannigfach bewährt hat, vor Wttm d« Schttd«« von Halbasten, und da tu dttsem Bälttrgewirr dtt Juden et« große Roll« spielen uud Frauzo« al» Jude diese sei« Stamme» geuoflen am besten kennt, ist « to Dichter de» halbastatischen Ghetto. Lichtvoll uud Nur, »tt selteu ein«, schivedt « über Nacht und Finstnniß. Die deutsche Kult« ist dtt Erlösung für dttseBölttr, dtt iu Barbarei seufze»; eine ganze Zeit hatte e» den Anschein, al» »ürb« dtt Herrschaft der deutschen Kultur im «mapätschen Oste» immer mächtig«, al» dräng« sie dort iunptr tiefer und immer »eit«. Mau hat da» Jahr 1850 al» da» Jahr tttftr deutsch« Ebuttdriguug bezeichnet, »eil da«al» Prmßm und dtt Deutsche» zu politisch« Ohumachr verurcheilt waren nab fremd« Fürsten da» entscheiden de Ware üt« Deutschland sprachen. Kein Deutsch« »ird dies« gettai zurückwüuschm, ottlmrhr sch« nur »tt Schrecken daran denken, daß vor »eulgru Jahrzehnten solche Schmach möglich gewesen ist, ad« gleichst« zu» Tröste für »tt» politische Elend läßt sich feststem, daß damal» to Etusiuß der deutschen Kultur über de» ganz«» Osten fast unbest ritte» »ar, ja daß er sogar auf der ganze» ttattenischeu Halbinsel vormattet«. So weit Oesterreich» Haud reichtt. so »eit »aren ldmtsche dt« Inhaber der Regttrungsgewalt, dtt interefsanien Nattouantiten »aren entweder damal» noch ganz urbekaunt od« mit«drückt. und iu Rußlaud »aren dtt Herren vom deutschen Adel dtt Nächsten zu» Ezareu. Da» hat sich seitdem sehr »räubert; di« Deutsch« find intensiv stärker geworden, extensiv haben sie verlor», find sie an» Gebieten gedrängt worden, aa sie seit Jahrhunderten die dort wohnenden Nationalitäten nur al» untergeordnete Bolk»- ttasten betrachtet hatte«. Dies« Rückgang bentschen Einflüsse» hat am härtesten die zahlreich« Jndenschaft de» Osten» gettoffm, denn diese war, ahne bet der niedrigen Bildnng»stnft» ans welche sie von to Barbarei' berabgebrückt worden, sich beste» bewußt zu sein, im Wesenttichen deutsch,die Inden haben dir deutsche Sprache, bi« sie an» Schwaben nach Polen und Rußland Mitnahmen, noch hente nicht ganz »«geffen, ebensowenig wie die Nachkommen d« strantschrn Inden im Morgenlande dtt Sprach« der pyrmäiscktm Halbinsel; ist auch d« verderbte Jargon der Inden de» Osten» mit der Sprache Göche'» nur sehr eutferut verwandr, dtt Verwandschaft ist vorhanden, der deutsch« Beamte kannte sich «tt den Inden am ehesten verständigen, jo, wie in diesen nngeblldeten Länder» nahezu Alle« einen abergläubischen »nd lächerlichen Charakter an» nimmt, sv hat diese» Kauderwelsch, diese» mit hebräischen, polnischen, russischen Woittn vermischte, mit sonberborenStil» und grammatischen Gesetzen aulgestattete und alte, sonst ver» schvllcnc Gprachrrst« enthaltende Deutsch iu dm Augm der dortigen Juden eine» lieiligm Charakter. In neu«« Zeit aber kommen dort Sprachen ans, die dm Juden fast ganz fremd waren. Die Sul ur ist zurückgrgaugeu und die Feindschaft gegm die Judm ist gestiegen. J.'doch auch im iuneru Leben der Judm habm die Finsteraiß, dtt Uuduldsamkett dtt Ob«haud gewauum. So hat dmn Frauzo», d« iiuerbittttch dtt Wahrheit berichte», nnr Bö>.» zu meldm. Ja einem „8on»ottt* zu seinen neuesten siulturdtldern *) gicbt « sein« «uerschütterltchm Ueberzeugung riom schönen Ausdruck, daß sich, sowohl wa» die Dmtschm, wie wo» die Judm .de» europäischen Osten» an betrifft, noch Alle» zum Guten »mdm werde; al» ein vorsichtig« Muun verkündet er die Erfüllung sein« Prophezeihuog für Jahrhunderte, denen w r noch sehr fern find; wir hvrm dtt Botschaft, allein der E lande fehlt; in unserer raschlebigen Zeit ist über da», wat nach Jahrhunderten geschehen wnch, leicht und schwer zn piophezeihm: leicht, »eil dtt Coutrott frh'.t; schwer, weil schon dtt Emwicklnng von Jahrzehmdm sich kan« übersehe» lägt; wer Hot vor vt«ztg Jahrm da« heutig« europäisch« Stiatmdild auch nur ahum können? Die G grnwart der Inden de» Ostm» ist voll düster« Trau«. _' Gerichte ttitb VsrrrfpondeRße». .'Deutfcfelanb. MugdeßHrg Wm erhallen kurz vor Schluß de» Blatte» folgende 'ür unsere Lestr in Rußlaad rrftmluh« Mitiheilung: mehreren L»chm Hab« ich i» Ihrem gesch. Blatte Stimme aus Rußlau) gelrsm, welche der Stiftung de» Baron M. Hirsch in Betrag« von 50 Millionen Franc» zur Förderung vom Unterricht, Handwerk uud Acknbau unter dm russtschru Juden «inen ander« Wirkungskreis »uweism möchtt. Ich bin tu i« Lage Jhrm mssischm Lesern »tt verstchrrung zu gevm, daß Herr Baron Httsch dtt Zwicke *) An« der große» fltou. Knlmrbllttr.