Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
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Sr ist ei auch, der ei viele» in ihren politisch« Ansichten sehr gemSßiqten jüdisch» Männern so sehr erschwert, sich der nationalltberaleu Partei auznschlteß« Diese Partei hat ein Doppelgeficht; Bennigsen anznerkenn» ist leicht, anch die Freisinnig» Hab» niemals gefürchtet, dieser Mann könnte dem liberal» Gedanken untr» werden, fände» ihre Sarge ging nur dahin, er möchte unbewußt Zweck» dienen, die er nicht billigt; tun ihm versieht sich kein Jude einer antijüdisch» Maßregel, eine Begünstigung jener Barbaren, die entweder selbst nach in verrottet» Borurtheilen leben, oder gewiffenilo» diese Bornrlheile ausbent»; aber wmn wir uns vertrauenlvi.ll der Partei, die ein» Benuigs» zum Führer hatte, anschiießen wall», um ein jedrr nach seiner bescheiden» Kraft tüchtig «itzuarbeit» an de« politisch» Lageswerk, so schreckt uni ein Lriitschke zurück, dessen nationale Schminke uni nicht täusch» fonn über feinen hart» grausam» Sinn. Wie geschickt ist die Bosheit, zu schreib», daß die freisinnige Partei u. A. für sich hat: die »allerdings ansehnliche Macht des iute»ational» Judenthums." Da wird erstens die unwahre Behauptung aufgestellt, daß die Inden deutschfreisinnig find; Thalsache aber ist, daß in dm sechziger Jahren die Juden fast durchweg nationalliberal gewes» sind; das ist auch durchaus erklärlich, dem» die Judm, so lange als Fremdlinge bettachtet, war» glücklich» mitzuschaff» an der Srnecerung des deutschen Staatslebens; nur einige ältere Männer, die in ihr» Ansicht» zu eingerostet waren, und einige andere weitblickmde, die d» baldigen Umsturz der liberalen Herrlichkeit ahnten, hielt» sich zurück; es ist als« garnicht wahr, daß das deMsche Judenthu« von Hanse aus zu den Deutschsietsinnigm gehörte, es ist nicht einmal j.tzt richtig, wo die Kameradschaft wi: Treitsche b» Rational- Uberal Smus uns verdächtig macht, soade» unzählige Israelit» vxrd» bei dm Wahl» ihn Stimm» für gemäßigtt Kandidaten abgeb», sie köuu» dies nach der Rede des Graf» Douglas n« so freudiger thun. Sodann ist zweitens dir Macht des Judenthums auch keine ansehnliche; Lreitschke hält wahrscheinlich, wie viele seiner Jünger, jeden jüdisch» Haufirer für ein» verkappt» Millionär; viele thnn auch nur so, als wenn sie uns für mächtig hielt», damit die Deutsch» das Gruseln lern»; woher käme unsere Macht? eitw« vom Velde? Gerade unsere Millionäre find zumeist keine groß« Chartere; ein Irnmmer Rück» kann, wie es scheint, die Million« besser trag»; die paar Richter und sonstige Beamt» jüdisch» Bekenntnisses, die es in Deutschland Mt, halt» chre Zugehörigkeit zu uns hübsch verborg»; nicht gerade, daß sie sich unserer schämen, aber sie mein», es nützt ihn» wenig, vor den Leuten ein Jude zu sein; Männer wie Herr Arnold Kalischer find in dies« Kreis» nicht häufig; nicht seit» wird mitgeschimpft, um doch geg» ttgeudweu d» Lroll zn äußern für manuigsache Zurücksetzung. Herr Treitschke soll uns doch nur einmal sagen, wie unsere Macht sich zeigt; er wird vergebens auf d» Rahm der Tapferkeit Anspruch erheb», well er geg» uns anktmpft; weit eher wird er Tadel erfahr», »eil er nicht verschmäht, auf die Schwach» zu trete» Und was soll zum drill« die Redensart: internationales Jndenchnm? Das Wort stimmt und ist « sich harmlos, aber hinter de» Sorte Versteckt sich die Tendenz, uns was am Zeuge zu sticken, d» Sindrnck zu erwecken, als könnt« oder als wollt» wir nicht national sein, vir kenn« t» die Ansdrücke: »die rothe Internationale" »die goldene Jntew nationale". Jetzt fügt Lreitschke hinzu: die »jüdische Inter, nationale". Geoiß ist das Jndenthnm nicht an ein bestimmtes Sand geknüpft; daß wir über die r anze Erde zer. str»t find, giebt uns die Zuversicht, das JuIteÄhn« »erde dune», anch wenn es gelinge, in einzeln« S«d» die Jud» zu unterdrück». Wenn Herr Tr. erwägt, daß das Hebräische nur sehr w»ig von deutsch» Jnd» gekannt ist, daß keine religiöse Bchörde etwa wie da» Papstthu» und das Kardinal- Kollegium über uni» Gewalt hat, so muß er etnseh», daß das internationale Jnd»thnm nur tu der Bibel und in sonstigen religiös« Schrift» besteht. Freilich wenn viele unserer Sandsleutt de» Her» Tr. glich», »ran nicht von Zeit zu Zeit ein Wort ans de» Munde unserer Fürst», wie das des hochselig« Kaisers Friedrich »der wie die oom Graf» Do »glas berichtete Kunde über die Gesinnung unseres jung» Kaisers uns die Berficheruug gäbe, daß Dentschland nicht aufhvr» wird, anch sein» jüdischen Bürge» gegenüber ein Rechtsstaat zu sein, so würde unsere Vaterlandsliebe aus harte P»b» gestellt werden. Herr Treitschke bringt übrigens das internationale Indenihn« in sehr gute Gesellschaft, d»n er rechnet zu d« Bestaudcheilen der Fortschrittspartei anch .einzelne in die Politik verschlagene Gelehrte". Das ist offenbar hauptsächlich ans Birchow gemünzt, von dem sei« Bielseitigkeü ebenso bekannt ist, als seine Gründlichkeit; daß aber Treitschke nicht diel mehr ist, als ein hochbegabter Pub'tcift, der in Geschichte dilettirt, wird von viel» Sachkundig» angenommen. Der erschwert es d» Jnd» mehr, gute Patriot» zn sein, als Tr. und seines Gleich». Seine Methode uns national m>d patriotisch zu machen, kommt ja beinahe auf die Methode Friedrich Wilhelm L heraus, der sei« Berlimr prügelte und ihn» dabei zmtef: .nicht fürcht» sollt Ihr »ich, lieb» sollt ihr mich". Daß die Dratschfrrisinatg« war» für uns eingettettn find, wird chnen auch der Jude nicht vergessen, der sonst sich politisch von ihn» unterscheidet und etwa geg» sie stimmt. Herr Arnold Kalischer hat d» Much, »ff« tzeranszntretra; viel», ja den meist» seiner jüdisch« Speztalkollegeu fehlt dieser Much. Jedoch ist er geg» sein» Adreffat« offenbar zu höflich gewesen. Tr. hat b» gebildete« Sttnd« den Freibrief, antisemitisch zu sein, ausgestellt. Dentschchnm ist etwas anderes als Leutontsmus; Treitschke ist nur der Prophet jenes überspannt» Tentonismus, der hatte wie in d» Jahr» nach dm Freiheitskrieg» d» Judenhaß gezeitigt hat. _ Die nenefte» ,^ß»lt»rbUPer" vor»!Url G«ll Ar«»-»-. L Franzos ist ein Manu, der uns Jnd« zu hoher Ehre gereicht, aber das, was er von d» Jud« berichtet, gereicht fett« « unserer Ehre und zur ErWnng unseres Ruhmes. Biele Poet» Hab» lttterarische Erfolge gewmuirn, »eil sie in s Ghetto ging» und von de«, was sie dort sah», Bericht erstatteten. Unvergeß« sind Komperts liebenswürtiige Dichw»en. die die böhmische Jndengaße in