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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 42. · p. Seite 323

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1888-01-01
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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atyt sch»« gmng sei« Hmb «nf oü gelistet? Urb bennich b*# flktot; .Da sollst »ich der Aeäbftltgkett gegen den Nr-Hpler «acholtea^. San« e» liater, einbrmgkicher, als es i» diese» Beispiele« geschehe», uns«« Zeit gepredigt werben: .Ueöet Gerechtigkeit »s« Volk za Volk, frSatirt, verunglimpfet krtaea ob seiner Nattvnalität, bach be» ehemalige» Nationalfeind« gegenüber beobachtet ei» aufrichtiges Vergeben »nd V«gefst» . Unwürdig einer edle» Nation ist es, be» Natioaalhaß »nf Losten des Saftr:cht«, der Gefittaag, der Menschllchleit zu schüren, volle» wir freventlich neue Krieg« heraufbefch«obren? .Voll denn bas Schwert ewig am Marke der Völker zehre»?"') Und was anderes muß die Folge sein, wenn, wie es vielfach g^chieht, feindselige Stimmung gegen de« Nachbar, »eit dem wir einst in Krieg verwickelt waren, von Nene» tu brr Presse, auf Rednerdühnea, zu« Theil selbst anch in der Schuljdebe geweckt wird, aus Unverstand und falsche» Patriotismus, Wohlan denn, Israeliten, uns lasset festhaltn» au de« Grundsatz: .Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit sollst du nachjagm, auf daß du lebest". Ja, Gerechtigkeit ist Lebe». Gewalt ab« und U»g«echttgkeit ist Krieg, und Krieg bedeutet Tod. Sin Patriotismus, der ungerecht macht gegen die fremde Nationalität. ist kein Patriotismus. Das mögen ftch alle Diejenige« merken, bi« de« Juden so gern den Borwurf »eache», baß « nicht deutsch genug fühle, bloß weil « von dem wüsten Treiben des Nationalhaffes voll Abscheu fich abwendet. Jst'S nicht vielmehr an d« Zeit, den Nationalfeind. den Neid« uns«« Macht, unseres Rahmes, in einen Freund zu verwandeln, auf daß wir, wie es das Ziel b« beiden letzte» Kais« gewesen, des Gewonnenen in friedlich« Entwicklung froh werden? Ist» nicht endlich Zeih daß die Hölk« statt in v«keu der Zerstörung miteinander zu wetteifern, wodurch sie nur gegenseitigem Ruin rntgegeageführt »«den, in gegensettiq« Förderung, >« wohlverstandenen eigene» Jutereffe ihr H«il suchen? vir, wir Israeliten, wollen es im Sedächtutß treu bewahre« und im Leben be- 'folgen, bas letzt« lheure Lermächtniß des ach so früh dahingeschiedeueu Kaisers Friedrich, .baß es besser sei, statt »m de» Glanz ruhmbringeuber Thateu z» geizen, et» wotzlthäter seines Volkes zu fein durch Mehrung des Friedens". ' ' II. .D«Gerechtigkeit, b«Gerechtigkeit sollst du nachtagen. «nf baß da lebest". Gerecht sein nach d« Lehre tsraelttisch« Religion btifct ferner Geiechtigkrtt unter eiaand« üben, jene An von Gerechtigkeit, die sich zur Menschen-, zur Nächstenliebe entfaltet. Beachten wir in dies« Begiehung eine» Wink den uns die Sprache selb« giebt die Sprache, in bcr alles Hohe und Haline niebe«elkgt ist, die hebräische ob« heilige Sprache. Sinnig bezeichnet sie «st dem Ausdruck npTJt beide», dar Doßlchn» fowoal wie di« itteuge Gerechtigkeit. Ist da» nicht ein düUUcher Wink, daß iLohlthun gar nicht mehr ist, als die voll« ganze Gerechtigkeit gegen den Nächsten? vir spreche» hentt s» viel von der sociale» Frage, wir Alle «viffen, baß es Ungleichheiten in d« Gesellschaft giebt, — dieselben sind einmal in der Welt, wie sie ist. nicht z» vernrrtbeu — wisse», baß so viel Gesellschaft-Nassen es giebt. es anch eben so viel Standes- »nd Sonderiutereffe» giebt. Mit fast ängstlich« Aufm«ks»«keU »«folgen wir t» öffentliche» Leben die Veftrebungeu, di« geeignet wären, hie widerstreitenden Juteresieu d« verschiedenen Gesellschastsklafieu z» versstzuen. Jed« Einsichtige weiß, wie viel dieselbe» für Erhaltung des Frieder,-, b« gesellschastliche» Ordnung betxulen. Na», m. Antz„ da- Alles find ad« nicht «st Fragen oea heute und gestern. Aach der mosaische Staat hat, wenn »a» so sag«, darf, seine sociale Frag« gehabt, hat sie haben müsse» nach dem Gottesspruch:*) .Es wird nicht Mangil sein an Arme» »nd Bebürftigon." Anch dgr mosaisch« Gt«at hat sei« dienende, besitzlose Klaffe gehabt, die Leviten, tzis galt ab« auch ihnen gegenüber der Grunbsatz, daß »an d«n Leviten nicht verlaffe« dürfte, daß «an für ihn zu sorgen habe, ja, daß «an chn in Ehren zu ballen habe. Sie waren eben kri»e Parias, keine Ausgestoßenen d« Gesellschaft. Da war kein Fest, kein Opfermahl, keine Freude, bei bn man nicht dä Leviten gedacht hätte. Und nicht etwa so. daß « die chm gereichten Ehrengaben in einem abgeschiedenen Winkel im Land« zu »«zehren gehabt hätte, vielmehr schreibt die heil. Schr. vor: »Dean du dich freuest an deinen IZestea, mit de«, was dir Gott be» schieden, so thue es niiht allein, sondern freue dich mit dem Leviten, d« in deinen Thoren, der Waise, d« Witwe, die unt« dir lebt." Und. m. And., giebt es denn auch einen and«en Weg als den lwr Liebe, die hinuntersteigt zu dem Nirdrigergestelltea, ihm näh« tritt im socialen Verkehr, um die Kluft »u üb«brückro, di.» die Ungleichheit, sei es des Besitzes oder de» Standeauf Erden bestehen läßt. Ein« Gabe dem Arme,«, niftr Herz ab«, uns«e Theilnahme jedwedem Stande, da - v'isöhnt Hoch und Niedrig, da» ist auch praktische« Judenthum und da» die idealste Lösung d« socialen Frag.'. Oder kann e» znm Gedeihen des Ganzen, ja auch nur zum eigenen Gedeihen diene«, sich ab« S sperren gegen eiaand rr »ach Standes» und Klassenutiterirdrn? Wie «innert man sich auch da wi-d« g«n des Beispiel» von echt« Staatsweisheit, da« der nur zu früh Heimgegangene Kais« Friedrich, der Edle, mit seinen eigeuen Söhnen gab. Nicht int Hause, nicht getrennt vom Volke, nein! in d« öffenilichen Schule, gleich de« Sohne des schlichten Bürg«», empingm sie ihre» Unterricht, wo sie ja neben dem Sohne de» Kaufmann», des Handwerk«», wohl gar d« armen Wittwezn sitzen kamen. Glücklich da» Zeitalt«. da» solch« Fürste» hervorgebracht, noch glücklicher dq», in welchem solch« Beispiele nachgeahmt werd««. Da müssen vor Allem dir öffentlichen, die Gemeindenschulen blühen. „Star Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit jag« «ach, auf daß du lebest." Ja. daß du, dn Reiche od« Hochgestellte ia Jsratt, lebest. Dean Lebe« fft es, Lieb« zu gewinne«, Lieb« um Liebe. Sie ist nicht »st mit dem neuen Glauben entstanden, die Lehre, daß Geben selig« sei als Nchmen. Da lehtt R. Joso«, gewiß eia utwerdLchtiger Zeuge de« asten Glaubens: „Grüß« ist, wa» d« Begüterte von dem Richtbesttzeudea zurückrmpfänqt, als wa» « ihm giebt."') Gewiß, um so viel größ«, als Liebe gewir neu mehr ist, denn materielles Tut, und wöhlthun beglückender ist, als blo» haben. HL „Dn Gerechtigkeit, b« Gerechtigkeit jage «ach, aus daß du lebest " Grrrchtwkeit im Sinne de» Judenthums ist endlich, anch gerecht sein gleichsam gegen de» Himmel, was nichts anderebedeut« als Gottesfurcht haben. Indem die heil. Schrift von Abraham unserem Stammvat«, erzählt, wir « auf seine Glaubensstärke, kein Gottoerttaueu geprüft ward, da rühwt sie von chm mit demselben Ausdruck nproT?n3VITn „und « rechnete es chm an zur Ge - r e ch t i g I e i t. Also, nur g«echt sein, gerecht nach allen Seilen, heißt es. Religio« zu haben und dieselbe in allen Lage« z» be- Ihätigeu. Machen »st uns dies an eine« Beispiel« klar. Was geschieht, wenn wir aus einem »ohlgestimmteu Instrnwent auch nur einen Ton herausmhmrn? Der Wohlklang, die Harmonie ist »eg. Und also, mag b« Eharakter eines Menschen anch ein streng rechtlich« sein, mag derselbe äußerlich keinerlei Answß gebe», fehlt bart» die Gottesfurcht. es ist nimm« b« harmooisch ausgeprägte Eharakt«, nimm« b« ganze, harmonisch» vol» und ganz sich auslrbenbe Mensch. Und find nun die uatur- Alt ‘»an svlldn (• ♦p*n arpo jtok ‘rP nö '21» 'an 02 nws 'Jsn'Jsn 07 rrens rran .10017N' (' JT2n («tbaw Gchit» »bb. » X»

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