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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 42. · p. Seite 322

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1888-01-01
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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-i ■’ Hoheit trab in der Hingebung — und der Tempel de» deutschen Laiserthum« ist geweiht für alle Zeiten, wie durch die lange ruhmreiche Regierung bst Kaiser» Wilhelm L, fo auch b'c dreimonatliche Regierung Kaiser» Friedrich. Wo war der Schmerz um den Heimgang de» Kaiser« Friedlich« am brennendsten? Ist e» eine Ueberhebung, wenn wir sagen: im kreise de» Judenthum«? Reinl Dem» nicht darum war er im Kreise de« Judenthuw« am brennendsten, weil der «erstorbene dem Judenthum ftenndlicher zugrthan war, al« andere kreise de« deutschen Bolle«, sondern weil er ihm freundlicher zugeihau war, al« andere Könige. Kaiser Friedrich war ein Deutscher und ein Christ, aber al« solcher ein Mensch, der die Idee der Gleichberechtigung frei von jeder Einschränkung, die di« Idee der Gleichberechtigung ja ihrer Natur nach auch gar nicht vertrLgt, in stimm wahrhaft königlichen Herzen trug. An der Bahre de» Kaiser» Friedrich durften wir — solch« Rückschritt« hette der Geist de« IS. Jahrhundert« ge» macht — unser« «Schmerz nur gemäßigt« AnSdruck verleihen. Denn die Schmarotzer de« deutschen Bolttleben«: die Antisemiten, sie hatten um die Person de« erhabenen Thronfolger«, unsere» Kaiser« Wilhelm 2. rin trügerische« Gewebe von Gerüchren gesponnen, die Ihn al« den Bunde«- genossen dieser mittelalterlichen Bestrebungen hinstellten. Bon de« nun auf den deutschen Kaisrrchron von der Borsebung berufenen jugendlichen Herrsch«'! erwartete — so hatten tic Antisemiten die öffentliche Meinung düpirt — alle Welt al» erste Rrgierung«- ake: Einschränkung der politischen Rechte der Juden. Wir durften darum unsre Klage um den Heimgang de« Kaiser« Friedrich nicht so laut anstimwrn, au« Furch», unsere Klage würde al« rin Mangel patriotischer Ergebenheit an den Kaiser Wilhelm 2. mißdeutet werden. Die antisemittschen Kreise, Führer und Organe waren nur zu sehr bereit, auch noch eine solche Anklage gegen da« Judenthum zu erheben. — Heute, da unser Kaiser Wilhelm in den wenigen Tagen seiner Regierung durch Wort und T h a t die Darstellungen der Antisemiten und ihrer Verbündeten über seine erhaben« Gesinnung« Lügen gestraft hat: heute darf da« Judenthum seinem Schmerze um Kaiser Friedrich ganz uneingeschränften Ausdruck geben. Dieser Schmerz ist zugleich der Ausdruck der innigsten patriotischen Hingebung an die erhabene Person unsere« jugendlichen Kaiser» Wilhelm 2., der im Geiste de» «dien Later» seine eihabene Aufgabe zu lösen begonnm hat. Kaiser Friedrich ist heimgrgangen, dem deutschen Volke lebt er in seinem Werke: der Einheit de« deutschen «olle« al» Kaiserreich, deffeu Idee der hohe Geist de« Heimgegangenen zuerst gefaßt und verfochten hat; nn» soll er leben in unverbrüchlicher Treue und Hingebung an Kaiser und Reich I' Aüfeitige Gerechtigkeit. Eine religiöse Betrachtung, zugleich ein Äedenkdlatt auf den hochseligen Kaiser Friedrich III. .jum 18. O.tober 1888. B«« Dr. Treilel-Uarlsr»he. .Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit sollst du lt-chjage-t. aus »ab du lebest. (V.«. R. 16, SO.) Dw Ankunft erlauchter Person« pflegt der zur Begrüßuog harrenden Menge durch ein« Mlreiche, dem Zage vorangehende oder ihm nachfolgende Dienerschaft i« gernlhu» 'J licheu Leben auaezeigt zu werdeu. Und so lassen di« altpu Lehrer auch Religion und Glaub« Israel« von einer . den Dienerschaft, nämlich den Engeln de« Acht» gefügt '»mb begleitet sein. .Religion". so s-g« fle, .und Glaube ftch« in der Attte und voran geh« und folg« nach die Seht» de« Recht» und der Gerechtigkett".') Fa. oa» die wärmend« . und leuchte«de Gönne i« große» Deltgebäude, b*4 ftab Neligiou und Glaube und ihre Ausstrahlungen find. Recht und Gerechtigkeit, hernievergeseadet, zu weckeu die taus«d und abertausend Keime gesellschaftlichen Leb«». Freilich» was diese Religion selber, ihrem innersten Wesen nach sei. da» läßt unsere heilige Thora «ehr ahn«, al« daß sie «» ausdrücklich nennte, wie wir ja euch die Königin am Himmel, die Sonn«, mehr ihren Wirkung«, al» ihrem Wes« nach kennen. Also lieg« auch vor und bestimmt, zahlreich und mannigfach di« Ausstrahlungen finaittscher Religion, die Lehr« de« Recht« und der Gerechtigkeit vor. wie im B«he der Echora überhaupt, so insbesondere tu Abschnitt« wie „Sohaftim“ oder „Misohpatim“. E« sei nun Gegenstand unserer religiös« Betrachtung, >» erkennen, was die von Israel» Religion gelehrte Gerechtigkeit sei, was fle fordert und welche« ihre Segnung« find, wozu uns al» Motto di«« möge da» Wort p"Bt P"flt rmn »fnn .der Gerechtigkeit, der Gerechtigkett sollst du nachjagen, auf daß du lebest. Auf di« Frage, was Recht und Gerechtigkett sei, »ch der Lehre sinaitischer Religion könnte man kurz antwort«: Gehrt hin. Jung und Att, leset unsere Thora, insbesondere die Abschnitte vom Recht, leset fle aufmerksam, Ber« um Ber«. und ihr werdet erkennen, daß httr der Versuch gemacht worden, ein ideale» Recht und einen ideal« Staat zu begründ«. Nun könnte man uu» ein wenden: aber da» find ja zum groß« Theil Rechtsformm einer uutergegangeu« Zett und ander» find Zeit- und RechtSverhöltniffe geworden. Und da sollt« wir von erster« lern«? Müht denn Leb« au» Ruin«? Allein in jenen Rechtsformen, die scheinbar einer untergegangen« Zeit angrhbr«, ist doch auch ein Bl«ib«de», von der Zeit Unzerstörbare», eiuEwige», da» heraus» zuhören man fteilich versteh« muß. E« ist der für alle . Zetten und Rechtsverhältnisse fich ewig gleichbletbeude Geist unbestechlicher Gerechtigkett die nicht Unterschied« macht, nicht der Person, nicht der Abstammung, nicht der Rationalität. Die Form zerbricht, der da» Kunstwerk verhüllende Mantel fällt, was liegt daran? wenn nur du» eigeutlich« Werk ersteht und besteht. Kleidet d« Geist in andere und wieder andere Form«, ist nur der Geist derselbe geblieben, so - werden auch seine Wirkung« die gleich wohlthuend« geblieb« . . {ein. Bleiben wir für ein« Angenblick bet der höchst« ~ Aeußeruug der Gerechtigkeit, wie fie von Volk zu Volk geübt wird, wa« lehrt da da« Jndenthmu? Da lehrt e» ,. B. iu Bezug auf dm Edomtter: „verabscheue dm Edomtter nicht, denn er ist Dein Bruder, verabscheue den Aeghpter nicht, denn Gast warst Du in setne» Laube."*) .Hör« wir weiter! Dteselb« Thora lehrt tu Bezug auf d« Ausländer ganz allgemein:') „Dm Fremden, der nicht von Deiner Natt« ist, sollst Du nicht kränk«, nicht betrückeu", nicht kränk« mit de« Wort, nicht bedrück« «tt der Thst. Und dttKrone dttser ganz« Gesetzgebung bttdrt wohl der von derselb» ' Thora gepredigt« Grundsatz:*) ^»in Recht sei euch für alle, für den Ausländer »tt stir d« Einheimisch», dm» ich der Swtge bin «er Sott", der Ewige aber ist »er Vater ■ ider fremd« Ration sowohl »tt deiner ei,»«. Und hat nicht Aegypten auch Feindseligkeiten mit uu» eröffnet? Hat rmraa ttti itjb*» rm mxa mvn e n«n -u o n«a asrvißh *rn ttr v» »nn uh c Brno. tfrfrn mi nun uv-mc .Dan*?« n ’Jiro .T)T m«3 -co ca1? rrmnapero {* «

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