Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 41.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 6)
- Language
- German
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Salomo lehrt, so habe» sich auch um fbtcfen Herr» einige entschiedene Anhänger geschaart, unter denen einige ungarisch« Joden am liebst« ein« orthodox« Eonventikel nach de« Muster ihrer Heimath etablier« möcht«. Al« uuv die Neuwahlen eine entschiedene, wohlkouseroative, aber nicht orthodoxe Bertretung «gab«, remonstriert« die Orthodox« bei der Statthaltern gea« den r«« Borstand, weil der« selbe „die Religiosität mit Stumpf und Stil ansrott« wolle-. Al« Repressalie ordnete der n«e Vorstand an daß da« Sch ul klopfen aufzuhörm habe. Da« Oberhaupt der Orthodoxie stellte aber au« eig«« Mitteln ein« Schul» klöpfer an, der vor dn onhodoxm Thür« d« Beginn de« Sabbath« durch die hergebrachten drei Schläge mit dem Holzhammer zu verkünd« habe. Der Lultusvorsteher ließ jedoch dem Schulklopfer durch die Polizei da» Handwerk leg«, worauf die Onhodox« beim Bezirkshiuptmann Hilfe sucht«, der «tschied, e» dürfe jedermann zu jeder Zeit nicht nur vor seiner eigenen Thüre Ichrm, sondern auch vor seiner eigen« Thüre klopf« und klopfen lassen Der Ge» meiadevorsiand suchte nun durch Absetzung de« Beth-Hami» drrsch»Vo'stande« die Orthodoxen mürbe zu machen, aber die Wühler t»agm immer nrara Zündstoff zusamme,', so daß da« Ende de« Kampf,« gar nicht abzusehm ist. Der traurire »rfolg brtfcr zum Theil bornietteu. zum Theil boshaft« Opposition ist aber, daß die Gemeinde seit vier Jahr« d« vaeant« Rabbinattpostea nicht besetz« kann, weil die Gegeupartei durchs»« ein« Orchodox« Hab« will. d. h. ein« von jmer Sorte, der um irgend eine« Brauche« willen dm Fried« der Gemeind« fortwährmd stör« möchte, ganz im Gegensatz« zu dem sel. R. Abraham Placzek, welcher trotz seiner Frömmigkeit und staunen«- werth«, talmudffch« Gelehrsamkeit, immer dem Fr ed« da« Wort redete. Die Orthodoxie zeigt hier von u«em, daß sie überhaupt nicht Gemeinden, sondern höchst«« Partei« bilden kann, daß ihr »berste« Priocip die Rechtdaberei ist und daß chr die heiligst« Gebote der Religion gleichgUtig sind, wenn sie nicht ihre Herrschsucht befriedig« kann. R. Simon b. Lokisch hat freilich gesagt: Ihr sollt keine Partei« billm S. Mos. 14,1), sondern eine einheitliche Gemeinde fft eine ründuug de« GotteSstaatc» auf Ecd« nach de« Prophet« Amos (S.S) Ausspruch (S. Sisie zu v. Mos. 14,1 und Jebam. 13,6) — aber war denn R. Simon den Lakisch ei» Orthodoxer? Hatte er eine unwiderrufbare ilNNN? 8. Hqüerreich^Kctzkeße». Au« der Rede, die der au« Amerika zum Besuche nach der Heimach gekonnume Dr. Han» Südlich jüngst i» Jägerndorf unter stürmffchem Beifall der zahlreich« zu d« chm zu Ehr« veranstaltet« Festlichkeit« Erschi««« gehaltm, sei eine Stelle hier wiedergegebe». „Nehmt Euch in Acht vor diese« Füchsen (stürmischer Anfall), welche die Arbeit der Tleriealen und Feudal« verriebt«. Sie beschäftig« sich mit der Lösung de« social« Problem« und glaub« alle Leid« und Sünde» cnrir« zu köuu» dadurch, daß man die Juden aufopfert. Ein Jude hat sich schon gefunden, welcher die Menschheit erlöste, warum sollen wir von den Jud« abermal« ei» Ctofct verlang«? ES wäre an der Zeit, daß au« der deutschen Ration Jemand ersteht, der sich zum Opfer erbittet. Allein ich glaube, nach einer solch« unnützm Opferung der Jaden würd« noch immer »«schlich« Dummheit. Faulheit und Liederlichkeit zurückbletben, und wmn diese nicht geopiert werdm, wird auch uiemal« der Reichchum in all« Hüttm und Häuser nnzieh«. (Beifall) Diese — gelinde gesagt — Verirrung« sind desto »ehr zu bedauern und zu verwert«, well sie der ideal« Begeisterung der Jugend für die deutsche Rationalität eine Beimischung ged«, welche dies« Begeisterung beschmutzt, und erniedngt (Beifall); ich verzeihe e« jedem deutsch« Jüngling, wenn er für seine dvüsche Ratio» nalität mid für sein deutsche« Vaterland so hoch wu möglich schwärmt; da« ist ein große«, edle« Gefühl. Allein diese« rem«, edle Gefühl, dies« hell« groß« Enthusiasmus, der D«rschland geschaffen und groß gemacht, zu vermisch« mit der schmutzig« c,offtisch« antisemitische» Bewegung, da hört alle Ged«» auf. (Aadauemder Beifall.) Eine Be». Fs weguug, die daga da ist, da« so mühselig geeinte Dentschthu« wieder au«eina»der ,n reiße», Berbffteruag, Gehässigkeit, . > Gemeinheit und Beschmutzung in die Bevölkerung z, trag«, da« fft kein D««schcham «ehr, da« ist di« Thal «ne« Judas Jschariotl" . r « Die Bewegung, welche sich «ach dies« Wort« unter d« Zuschauern erhob, fft schwer zu beschreib«; tansmd» w stimmige Hochrufe auf Südlich! wechselt« mit d« Ruf«: - Wahr ist e«! E« war? eine Schande! und dazwffch« wird« die Ramm der Führer der antisemitisch« Bewegung in nicht , . schmeichelhafter Geffe g«a,»t. Schwel). Zargan» 28. Sept. Letzt« Sonntag war« in Brugg vertrttee vo» Thterschutzvereine» versammelt» um über die Schächtfrage zu »erhaudeln. In der Di««lfioa erwähnte Herr Schlachth cusdtrettor Sigmund von Basel, daß «an in Deutschland große Abneigung gegen das Schächten hege» rieth aber davon ab. di« Frage jetzt schon vor da« Volk z» bringen, vielmehr solle «au die Erledigung de« Rekurse« der Aarg. Israeliten bet« V«ade«rath abwartcu Herr Pfarrer Wolff in Weiaiugm, Prästdmi de« schweiz. Thierschatzvereius, hatte folgende Anträge gestellt, die auch augeaomm« ward«: 1. E» sei zu Häud« de« Aarg. Thierschutzverein» und unter Billigung de« bi«herigm Borgeh«« de« Borftaude« desselben der Beschluß zu soff«, d« Erfolg der neuestc» Verordnung der Aarg. Regierung vom IS Gq»tember 1868 (verbot de» Schächten« tu Baden «ud Bremgartea »ad nur noch an»uah«Sw«ise Gestattung in Eudiogea und Leagaan). bi« nach Erledigung jene« Rekurse« abzuwart« und z» überwach« «ud dann später an d« Eantoaal-Lorstaad Bericht zu erstatten. 2. Der Sentraloorstaud de« schweiz. Thierschutzoereins ist beauftragt und bevollmächtigt, auf Gruud de« Berichtes de» Aar». Thftrschutzoeretus ei>e velegirttn-verscunmlung der schweiz. Thierschutzveretue riuzuberuf« und »ach Maßgabe der Sachlage eine Unterschriften Sammlung bei« schweiz. Volke iu« Werk zu setz«. — Au« den Verhandlung« de« Reg.»Rath« vo« IS. September theilen wir folgrnd» Paffa» ausführlicher mit: „E« fft die Frage entstand«, welche« der ^otnbao qoott der; Schächtfrage" sei. bi« »ud so lange der Rekurs der Israelit« gegm die Schlußnahme de« aarg. Große» Rathe«.. bttr. Aufhebung de« Ausnahmegesetze« vom Jahre 1888 uud Einführung eine ausnahmslos« Schächt-Berbot« Seit»« der Bunde«behörd« behandelt sein wird. Der Reg^Rath «ffcheidet an der Hand der bestrhmdm Gesetzgebung diese Frage dahin, daß während der bestehende» Pendeazznt da» Schächt-Berbot gegenüber denjraigm Gemnadm, die nicht durch da« Ausnahmegesetz vo» 18üö pcivilegirt stad, aufrecht erhalte» uud durchgeführt werde» soll und erläßt in diese« Sinn an die Bqirksämter von Bade« und Bremgartea die erforderlich« Weffnnge». Vermischt» »»> «e«ste AsschrichteN. Sekt» Profeffor Dr. Albert Frinkel ist biersettst^ agfftrat zum Leiter der städttsch« Siechmanstalt gowäh>t worden^welcher bisher Profeffor Dr. Ewald, der gegmwärtig« Dirrkwc der Station für innere Krankheiten vorgchandm hat. Profeffor Fränkel fft in Fraakfnrt o. O. in de» Märzlag« de« Jahre« 1S48 gedor« und steht somit tm 41. Lebmsjahre. Derselbe widmete M in Berlin gegen Ende der 66 er »ud Anfang der 70 er Jahre dem Stnoin» der Medizin und hatte ein« speziell« Freund and Beschützer an sewem am 11. Aprü 1876 vafftoebewn Oheim, dem «-vergeßliche, Amt und Gelehrte», Profeffor Tranb«. Nachdem Fränkel ü» Jahre 187V zu» Doktor pronuwttt