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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 41. · p. Seite 315

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 41.
Date
1888-01-01
Page
Seite 315 (sequence 3)
Language
German
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ka extreme« Politisch«, mb cMtfcfflracfa Parteiauschaouugcu welche «um tn kn ftanat dieses Hbfttrkutra zu knüpfe« pflegt. Darüber bestehe »olle, «zweideutige Klarheit. - Graf Donglas versicherte sodann, daß es eine Dreistig» Ceit sei, kn Kaiser wir kr antisemitischen Bewegung in Berbindnng za bringen. Allerdings entsinne fich der Kaiser Nicht, eine Aeußer uug gegen kn Untisemitismn« gethan zu Laben, »elche die .Berl. Börs.-Ztg.- chm. vor einigen Wochen tn kn Mnvd gelegt hak, er nehme aber leinen Unstand, sich zn kr Rnsfassung zn be'enncn, welch« in jener Aenßerung enthalten sei. — Hoffe!» wir also das Bestei Tbg. Hkrlin, 1. Oclbr. (Or.-Lorr.) Mitten in die Festagsmstung fielen einig« von dem Berliner kunstverständigen Publikum mit Spannung erwartete Errigniffe, die der Haupt- Persönlichkeiten wegen, die eine Rolle dabei spielen, auch in einem jüdischen Watte registrirt zu »erden verdienen. Ich «eine die Eröffnung der beikn neuen Theater, deren Schösser Inden find. Es kweisen solch« Erscheimurgen. daß Tüchtigkeit und ideale» Streben, das die Gründer der nenerrichteun Kuuststätteu erfüllt, immer noch Anerkennung, Ruhm und Gewinn ernten dürfen selbst wenn dir der Sache des .heiligen- Anttsemittsmns nicht zu gewinnenk Natur Inden «tt diesen schätzeuswerthen Eigenschaften bedacht hat. Oscar Llnmenthal und Ludwig Barnah sin' mit Lob und Beifall flirmlich üklschüttet worden; die sympathische Theiluahme an kr außergewöhnlichen Energie und den Glanzleistungen der beiden bühnentnudigen Männer ist eine so allgemeine und nugetheilte, daß man ganz vergißt daß der Weizen anttsemittscher Aussaat jetzt za blühen nnd sichtbar in die Halme zn schießen beginnt. Nur sehr wenig« vereinzelte Stimmen wagten bei der allgemeinen Verehrung dieser Meister ihres Faches in übelwollendem Sinne laut zu werden, die aber chrer notorischen Parteilichkett wegen erklärlicherweise keine Beachtung fanden. Eine grwiffe Gemrgthnung über di« Lhatsache, daß endlich dem Manne, »bei besten Nennung jedes Deutschen Herz anfgeht-, auch ein fichtbares Zeichen der Dankbarkeit, das uns nur ehren kann, erstanden ist, darf den Juden besonders nicht verwehrt werden zu empfinden. Und Oscar Blnmeuthat hat seine Pietät und einen seinen Tact dadurch bekuudtt, daß er. entgegen kr Tendenz des Lesfing-Theaters, nur die neueren, lebenden Dichter auf demselben zu Worte kommen zu lasten, doch mit .Nathan de« Welsendasselbe eröffuete. Und .Nathan der Weisemacht noch immer Eindruck in Berlin wie überall, wenn das Stück auch noch so vielen tauben Ohren predigt und um mehr als 100 Jahre zu ftüh gekommen ist. Di« Anhänger kr jetzt von allen Seiten, und von den Mächtigsten zu allererst, feindlich umtosenden Toleranzlehre gewinnen doch Trost und neuen Muth in de« Bewußtsein, daß sie als Erben des gewaltigen Geistesrrckeu gelten dürfen. Der Lnnsttempel Oscar Blumenthals ist jetzt die vornehmste Bühn« tu Berlin nnd repräsentirt fich anch in seinem Aeußeru als «in Prachtpalais, tu schönster Lag« hingezaukrt. Allerdings vom religiösen Standpnnft ans haben wir leider keine Veranlassung, stolz ans unsere glanbensgenösfischeu Jünger Thalia'« zu sein. Ich ftndirte eigens zu« Zwecke der Berichterstattung für Ihr Blatt die Theaterzettel kr Königlichen Schauspiele an den Nüftlageu zn den hohen Feiertagen. Ader unsere jüdischen Schauspieler und Sänger waren nicht beurlaubt. Herr Lieb an, ans Galizien, Sohn eines Schochet, besten Vater gleichfalls hier wohnt, scheint vergesten zn haben, wann wir bas Jom Kippur kgehen; kt genügender Wieder»uffrischnng seines Gedächtniffes würde er sich doch erinnert haben, welchen Obliegenheiten, zwar auch gesanglicher Natur, sein Vater als Dhasan sonst zn Kol Nidrr zn genügen hatte, vielleicht würk er fich weniger in km »Lokalgeirrt nud di« Werthschätzung des Salomonischen Wetshettssprnches: „Alles zn seit« Zat" kgristrn haben. Herrn KammersängerNoth wühl konnte man, wenn anch am Nnejahrsfrstr, so doch zn Kol.Nidr« «nf dem Theaterzettel nicht kgeguen. Ob ans Zufall? Es scheint ans Absicht/ denn die Warschauer religiöse Ader mag bei ihm noch nicht ganz versiegt sein. - - Ladwia Barnah's »Berliner Theaterwark, wahrscheinlich mtt Rücksicht auf da« versöhnungsfeft, erst einen Tag nach denselben eröffnet, während Siegwert Fiedmanu wie ein echter Heldendarsteller keinBedürfniß zur Aussöhnung mtt irgend Jemand empfand. Mreolan, 1. Oetbr. Die »Bresl. Morgm-Ztg.- schreibt: E« ist uns eine Rel« »errathur worden, welch« kr Stadtverrrdneten-Eandidat drs Bürgervereins der Schweidnitzer Vorstadt, Herr Dr. öafinski, gehalten hat. Dieser Landtdat, besten dentschfteundliche Gefinnmiz lange nicht jo deMlich erkennbar ist als dessen Anttsemittsmns. hat's gut vor. Er will zuvörderst die lüdischen Aerzte au« km Allerheiligen- Hospital hinauswerfin, indem er behauptet, es seien höchstens zwei christliche Aerzte an der Anstalt. Die übrigen seien alle Juden. — Wir würden davor nicht zurückschrecken, wenn die Sache fich so verhalte, denn die Behandlung kr Kranken hat «tt kr Eouiesfion absolut gar nichts zu thuu. Aber es ist auch nicht wahr, was der Eaudidat behauptet. Nach der »Bresl. Ztg.- find von den neun in den Abtheilungen des Hospitals angestellte» Aerzte« nur drei jüdischen Glaukus. Diese drei jüdische» Aerzte aber verdanlen ihre Anstellung im Hospital lediglich nnd ansschließl ch chrer durch di« besten Zeuguiffe erhärtete« hervorragenden Qualifikation. Einzig und allein! tt Beschaffeuhttt der Zeugnisse der Bewerkr um Primärokr Assist«uzarztstellen ist für dtt Hospilaldirectttu entscheidend bei kl Unterbreitung ihrer Vorschläge au kn Magistrat. Herr Dr. Lafinsli muß in Breslau noch sehr fremd sein, wenn er glaubt, mit solchen oratorischeu Leistungen reüsstreu zu können. eosschütz, 1. Octbr. (Or.-ikorr.) Als ein Zeichen des hier zwischen den verschiedenen Eoufesstonen bestehenden friedlichen Einvrrue!>men< berichtt ich Folgendes: Am 28. v. M fand zu Ehren des zum Direktor an das Erziehung«- und Waisenhaus zu Pankow bei Berlin berufmen von hier scheidenden Predigers Herrn I. G r n nwald ein Abschiet-smahl statt, an welchem nicht nur dtt Mitglttder hiesiger Gemeinde nahezu vollzählig, sondern anch di« Spitzen kr virschiedeurn städttschen Behörden, der katholischen und evangelischen Geistlichkeit, das Gymuafial- Eollegiu« nud andiue Honorattoren thrilgenommen haben. Herr Grunwal» hinterläßt durch seine langjährige hiesige Wirksamkrtt als Sielsorger und Religttnslehrer, durch seine treue Hingabe zu stimm Berufe, durch seine lttknswürdigen Umgangsformen nicht nur in der Gemeinde, sondern bei kr ganzen Bürgerschaft ein ehrendes Anknken. Sein Scheiden wird in allen Kreisen aufrichtig bedauert. Während kr Tafel eröffuete den Reigen kr Toaste Herr Grunwald, indem er die Lttk und Verehrung zu Sr. Majestät Kaiser Wilhelm EL zum Ausdruck brachte. — Ihm folgt« Herr Lomme^zienrath Teichmann, welcher Namens der Gemeink btt Verdienste des Scheidenden pries, dtt herzltchften Segenswünsche auf seine» ferneren Lebensweg «ttgevend. — Herr Kaplan Moch sprach Herrn Grunwald im Namen des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Herrn Eanouicus lvreßler den Dank dafür ans, daß er »ährend der 12 jährigen hiesigen Thätigkeit den religiösen Frieden in den drei Lttnfelsionen, der seinesgleichen zn suchen ist, zu wahren gewußt hat. — Herr Snperirttendent Schnltz gedachte der Worte, die Herr Grunwald am Tage seiner Einführung als Sup rintendent d.-r hiesigen Dttzöse zu ihm gesprochen. Es ««reich« ihm zur besonderen Frenk, daß diese Worte in Erfüllung gegangen mtb ein friedliches Nebeneinankrgehen bestinden hat. Er wünsch«, mtt de« Nachfolger des Herrn Grunwald in ein gleiches Bertzältniß zn treten, nm den religiösen Frieden tt einer Zeit, wo dtt Gegensätze fich s» schroff zugespitzt, anch fernerhin zn erhalten. Er forderte dtt Fi^ttheilnehmer aui, auf das fernere friedliche und brüderliche Einvernehmen »er getrennten Eonfesfioue»

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