Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 41.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Errichtung, die gerade innerhalb der evangelische« Kirche ans da« verschiedenste benrtheilt «nd von der Mehrheit der Evangelischen Berlin« rutschigen vrrurtheilt wird. Erst wenige Tage find verflossen, daß gegenüber der Bettelei für die Stöckersche Stadtmissioa die vereinigte» kreiSkhnoden Berlin« in einer Resolution proteftirt haben .Legen die Au> nähme, al« ob di« evangelisch« Bevölkerung Berlin« außer der vom Patronat zu leistenden Beiträge fremder Wohlthätigkeit bedürfe". Da« Organ der Katholiken, die„Germania",schreibt darüber: „Was man in Berlin doch nicht alle« erlebt. Sogar Juden mußten zur Dotirung eine« protestantischen Jn^ itut» beitragen. Wir geräuschlos und prompt arbeiten dagegen unsere Katholische») Bincenzvereine." ,Reich«bote", „Krmzzeitung" und Geuoffen ärgern stch, daß Baukpräfident Dechend nur van „Humanitären Zwecken" gesprochen und ausdrücklich betont haben soll, daß Hofprediger Stöcker mit der Benoeudong de? Gelder nicht« zu thua haben werde. Da« bezweifelt die .Lreuzztg." und schreibt u. A.: „Sollten aber a»ch jüdische Firmen Beiträge gezeichnet haben, so würde da« selbstverständlich auf die Haltung, Arbeit und Leitung der Stadtmisfiou nicht den geringsten Einfluß haben. Für den Hofprediger Stöcker würde deshalb sicherlich auch nicht im Allergeringsten die Berlegeuheit bestehen, welche die „Boff. Ztg." nach ihrem eigenen Empfinden annimmt, wenn ihm Geld augeboten würde, an welche« Bedingungen grknüpt wären, welche mir dem Beist« der Stabtmisfivu irgendwie im Widerspruch ständen. E« liegt gar keine Beraulaffuug vor, die Baben auf die Person de« Beber« zu untersuchen. Da« ist nirgend» Usu«". „ES ist intereffant , bemerkt hierzu da« .Berl. Tagebl.", „zu sehe», wie sich das fromme christliche Blatt hier zu der Maxime de« heidnischen Kaiser« Befpafiau bekennt. Aber sein „von ölet!" wird dem .ReichSboten" nicht viel helfen. Den» nur zwei Dinge find möglich: Entweder Herr von Dechend hat, woran wir nicht zweifeln, die volle Wahrheü gesprochen, und daun hat Herr Stöcker nicht« mit den gesammelten Geldern zu chun. oder Herr» Stöcker steht eine Stimme im Kapitel über diese Dinge zu — dann dürft« die vorläufig nur gezeichneten Beträge, ttotz de« „non ölet!" schwerlich zur AuSzadlung gelangen. Denn hier heißt «»: Alle« ohne, — nicht« mit Stöckerl" Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: „Niemand kämpft so entschieden gegen den allgemeinen „HumauitätSdusel» und für streng coufesstouelle Scheidung auch auf dem Gebiet« der 8ieoe«thLtigkett, wie gerade Herr Stöcker und die ihm nahestehende Presse. Sie würden t§ sicher mit scharfen Woneu mißbilligen, wenn etwa ei» adeliger Landrath die adelige» Gutsbesitzer seine« Kreise« versammeln uud zur Unterstützung -me» Hospital« für jü di sch e Wöchnerinnen aufforder» würde. <H wir« gewiß auch unter denen, dir für da« Stöckrrsch« Werk Stzmpathie haben, Biel« gebe», die da« jetzt ringeschlagnw verfahr» nicht billigen. Wer einst dir Geschichte totem charakterlosen Zeit schreibt, wird di« Beiheilignng jüdischer Fttumzmänuer a» de» Werke der Stadtmisfion al« «tu deachtenSverttze« Sywpto» oerwerthe» müssen". — Unser „Berliner Corresp." theilt un« über die Stimmung in jüdische» Kreise» Folgende« mtt: „Berlin, 7. Oktober. (Or.-Lorr.) Die hiesige» Juden habe» die Empfind»»«, daß e« sich »» wett mehr »l« etueu unangemeffeneu Borgang handelt, denn alle habe» die Ueberzen,o»g. daß die großeutheil« von jüdische» Bankier« gezeichneten Summen für -de» .evangelisch-kirchliche» Hilf«verein" «f diese» U tu »ege Herrn Stöcker zugesühtt werde». Aber gleichviel, ob e« sich um Beseitig«»« eine« kirchliche» Rothstaude« »der »» die christliche Krankrupflege handelt, ob Herr Stöcker dabet eine Rolle spielt oder »tcht. in jede» Kille ist Pie Farm, der» mau sich zu bedien» beliebte, eine so «gehörige, daß fie »tt parlamentarisch« Andrücke» gar »tcht näher zu bezeichn» ist. E« ist nicht nnsere Sache, M untersuchen, ob ei» kirchlicher Rothstaub vorhani» sei» So« *vTf alle »ichtptetistisch» evaugelischeu Blätter vaneiiwu. ja RNmehr behaupte», die Lirch» »tleerm sich iisacr mehr. «a« an« betrifft, so ist e« Thattzche. daß wenigste»«'an d» hoh» Festtag» et» schrecklicher «othstaod htrrfch» . Der Staat gewährt un« hierzu in keiner Weise irgendwelche Mittel jkt «Hilfe. Also nur daß unser «nthell an« b» aützemein» «t»e» für ein» fremd» Salta« verwendet wir», sucht man auf unsere jüdische» Finanzier« ein» moralisch» : Drücker anSzuLben, zm Beseitigung de« kirchlich» Roth ft an de« Summ» z« zeichnen." vom str»g rechtliche» Standpunkte der gesetzlich garanttrt» Parität wird stch ge^u di« Auffassung unsere« Sorrespouvent» schwerlich etwa« ein wenden lass», aber wir Hab» e« hier ja mit einer, wie »an allsettig versichert, — die sonstigen Borgänge i» der Wehnnug Herr» Reich»baukdirrctor« von Dechend entzieh« stch unserer Keuniuiß — rein humanitären »ngelegmhrit zu thuu» uud da halt» wir e« für unsere Pflicht, vom Standpuntt de« Judeuthum« au« zu erklären, daß daffelbe sein» Bekenne» die wirksame Mitbetheiligung an Wert» der Humanitär, wie Armenuud Krankenpflege, selbst in de« Falle, daß dies« aaSschlteülich Bekenne» anderer Religion» zngnte komm« sollte», nicht nur nicht »»tersagt, sauber» sogar zur Pflicht «acht; ja daß e« gerade der von Stöcker und Gmoff» sa arg verleumdete Talmud ist, der d» hohn, ethischen Grundsatz un« eiuprägt. „zur Unterstützung selbst heidnischer Arm», znr Pflege auch heidnischer Krank» nach best» Lrästm «itbeizutrag«". — In WahlthätigkeitS-Angelegenheiten soll» wir dm Zweck uud nicht die Person in'« Luge fasten. Gerichte ««d G»rresP0«>e»§e». MagdeSurg^ An« de» Vortrag, welch« der Graf Douglas, Mttglieb der freicaufervativ» Fractto». in einer Wahlversammlung in »sche r«lr br u über Kaiser Wilhelm II. gehalten — Graf Douglas hat dekanutlich viel am Hofe de« jetzig» Kaiser« und früher» Prinz» Mlhel« verwhrt — «tnehmm mir de« Bericht der „Magdeb. Ztg." einig« di« Leser nnsere« Blatte« besonder« interesstrend« Stelle«. Graf Dougla» versicherte, daß Kaiser Wilhelm all», Kvterte- »»» Lamarillawes» attschied« feind sei uud keine Partetregier»»« »alle. „Sr »«'laugt von seiner Regier»»« fachliche« Handel». »hur Rücksicht auf kleinliche perfistUtche und Partetiurerrff», uud er hat eS wiederholt ausgesprochen, daß sei» Leb» de» gauzea Bvlkr gehört ahn« Unterschied b«S Glauben«, der Abstanwn»« oder der palittsch» Parteistellnug." Die Berufung de« Prof. Hanoack bekund« „unwiderleglich die U«- befangercheit. mtt der unser Staatsoberhaupt die sich krenzend» Sttömnng« dieser Art zu de herrsch» versteht, «n» ste bei knudet zugleich in erf rötlicher Weife das Fest halt» des Kaiser« a» dem alt» hotzeazollerusch» Grundsätze, daß di« Wissenschaft frei »ud von d» Strömuugeu^ber Partei unbeetuflnßr bleib» soll." Graf Daugla« erwähnte sodann. . daß Koster Wilhelm sich sehr für tzamaaitörr Zwecke, in«- blonder« für di« Frag« der Arbeiterwohnang» »nd die Förberrrg der LolkSbtbttothek» iutrresüre.— Kaiser Wilhelm Hab« in der bekannt» Versammln»« beim Graf» Waldaser »ach dm Notiz» de« Adg. ». Beuda wörtlich gesagt, »baß e« sich für th« um Bestrebung« haubelr, welche jäe« «iw» fettig» kirchliche» Gtaudpuuktr fa» lieg».' Graf Dougla« erkliftte daß er e« für ^bat» halte, »zu coustatr». di« Beziehung», welche der »aiser Wilhelm pt dem Hof- . predi»r «iScka mttrrhalt» hat, nur frhr varübergeßmd« warnt, die sich lediglich auf je« echt hu««»«, »gl echt , chripthche Bestchbuug» bchuf« praftstcher HilftlristuUtz bet d» «lttr» Klaff» ihm Nätzlag« gegenüber beschränkt habe«. Darüber hiuau« hat kri« Babtu»«« »ft de» H^grediger; Gtöcke, beftaude», nutz a» wenchstr» huldigt uuftr Mafia