Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 40.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
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ttflnua. >» L Dctofcr twrk kt Wart«, fdwr sch»«» Kkftiaraaai äkricka. Jkrfis. Dt« Tranerfekr «« ka v«r. «»che »er» storbme» Stadtrach Alexaukr «»lff hatte »tele Hunderte voo Leidtrageak» i» de» Tranerhasse (Victoriastraße IS) vereiuigt. M« Füll« herrlicher Blumenspeudeu war im Trauerranm ui^»«grlegt all letzte« Zeichen der Lieb« «rt Aurrkevuuug, di« der Entschlafene t» de» Kreise» der Glmrteu»« geuoffe«, in sein« der Stadt gewidmete» Thätigkett, i» feinem bü> gerlichea Berns errungen. Der Magistrat »ou Berlin ließ durch den Stadtrath Barchardt einen blum engeschmückten Lorbeerkranz überreicht», der auf sch««rz»eißer Schleife die Widmung trug. Die Mitglieder de« Kollegium« hatte» fich satt vollzählig zur Feier «isgeftmdea, au ihrer Spitz« der Oderbürgermeister voi» Forckeubeck, die Stadtverordnetenversammlung hatte zehn Mitglieder abgeorduet. Der unter Leitung de« Herrn Lev in sau stehende Synagogeachor au« der Kaiserstraße ervsfuete die Feier mit Mendel«. s»hu« ,E« ist brstimmmt in Gotte» Rath". Rabbiner Dr. Matzbaum widmete dem Verewigten sodauu eine recht »arm empfundene Sedächtaißrede. »»rauf der Thor mit LewandowSki» Lied -Kehre .zurück meine Seele" den Be» dächtuißakt schloß. Der Sarg wurde hierauf »ach dem Fried- Hof in der Schimhauser Allee überführt und hier nach den rituellen Gebeten und Gesang beigesetzt. Leipzig. 24 Septe»d«7. Bom Landgerichte Marburg war der BolkSschullehr« Ferdinand Feuner au» Marburg wegen Beschimpfung der jüdischenReligioo«gesellschaft zu zwei Wochen Gefäugutß derurtheilt worden. Am 8. December 1886 hatte Fenn« in dem Dorfe Marbach bei eine: antisemitischen Be^ammlung Folgeude» gesagt: ,Bom erste« Jahre seine« Lebe»« begbw. d« Jod« zu betrügen und die Gojim über« Ohr zu hauen. Wenn so ei« Mau« dann 80—60 Jahre alt geworden ist, wie soll er e« da nicht können. Die Jude» fressen da» Marl de« deutschen Bolle«. W« in der Stadt lebt, der weiß e» nicht, wie e« die Juden machen. Mein Brud« ist Landwirth; « kaufte von einem Juden zwei Oqsen, welch« von ein« ganz seltenen Ra« sein sollten, während sich »a«yh« herauSstelltr, daß sie im nächsten Dorfe eingttauscht waren. D« Talm»d ist da» höchste Gesch d« Juden. Daria steht, daß da« Gesetz Most» auf die Gojim keine« Bezug habe. Handelt dcr Jude danach, so ist « ein Schuft, thut et r« nicht, so ist et in den Augen d« anderen Juden eia Schuft, ober ein Schuft ist « auf alle Fälle." Der Borsteh« der jüdische» Gemeinde tu Marburg. Strauß, hatte wegen dies« Aeußerung Sttaf. antrag gestellt. Da« Landgericht nahm au, daß eine Beleidigung hierin nicht gesund« werdeu könne, weil die incrimmirte» Worte zu allgemein gehalteu feie». Wohl ab« fand d« Gericht«h»f darin eine Uebertretuna de« § 166 (ReligwaSvergchev.) S» wurden mehrere sachverständige Professoren, dantnt« ein Jude, vernommeu üb« die Kragen, ob d« Talmud die Gruudlaqe der jüdischen Religion sei und ob die vom Augeklagt« bchauptetr Lehre vo» d« Behcmdluu, d« ssticht-Jude» darin enthalten sei. Da die Gatachten mcht ülxreiustimmmteu »nd sich zum Theil widersprachen, so vahm da« Gericht dav,u Abstand, tu dies« Richtung eine sZeststtllong zu treffen, erklärte ab« gleichzrttig, daß e» hinauf nicht ankomm«, dom e« siehe außer Zweif«, daß d« Angeklagte ein au sich beschimpfend«» Wort gebraucht bade. m»d zwar nicht in Bezug auf die Rare d« Juden, fanhctn a*f chre Rrligio»«gesellschast, und daß « die Absicht gehabt habe, die letztere zu Ixschimpfeu. — Die Revision de« Angeklagte», welche heute de» ersten Strafsenat de« Reich«, gericht« beschäftigte, rügte Lerkeuaung d« rechtliche» Natur de« im ß 166 aufgesttllteu Thatbestandr« und behauptete, e« l ege nicht eine Beschimpfung d« Religio««gchellschaft, sondern d« Mitglied« derselben vor; letztere« sei ab« nicht strafbar. Der Talmud enthalte außer religiöseu Sache» »och »leie andere auf da» private und rechtliche Leben kr Jude, dezüglthe Drage, e« sei ab« »icht fefcheMh daß der LkqeAak, «ad. de» nligiüse» ZW de« Tälxvck Bk schimpft habe. D« Berthertiger, ««chtganwaki Klöppel vo» hi«, iwrüirtett die Revision i» länger« Rrte. hatte aber keine» thfolg damit, denn da» Reich»a«ich1 verwarf t» llebereinfttmnmng mit dem Anträge de« Reichäanwalt« die Revisio». - — JUMfilttl Da» Scicheubegit»g»tß de« Setz. Kvm»erzi«»rach Si»»n, dessen Tod aw 7. Septnnkr nicht in sein« Vaterstadt erfolgte, fand am Souutag, de» 16. Septemb« statt. U herrscht nxt et« Stimme darüber, daß «vuigskrg eine derartige Thetluahm« a» ein« Trauerfeiet kam» je znvur gesehen. All« «reise kr Bevölkern», eutsandte» «m dl« zwölst« Stunk ihre vertret« zu kr Bestattung. Soweit die» «rgäugig, fanden dieselbe, Aufnahme in dem Trauersarle, wo die Familie de« Entschlafene«, a» ihr« Spitze die drei Söhue, am Sarge Aufstellung geuomme». Die edle, schw« geprüfte Eattt» hatte chre» Herzeu«»»»sch, bei kr Be«dig»ug anwesend §u sei», unterdrücke» müsse»; ei» Leide», da« ste in Folg« de» schmerzliche, Kretguisie« heimgrsucht, hält ste »och fern vou kr Hetmach. Uni« denjenigen, die fich i» Saale eingesunden, war«» alle Stä»k und -reise vertrete»: man bemerkte da» Borsteh««ntt der Kaufmannschaft in plraa, den Oberpräfidente» vou Schlieckmauu, den Oberbürgermeister Selke, den Kauzl« rum Holleben, kn Poli^ipräfideute» vou Brandt, de» Ko«, fistortalprästdenteu vou Dörnberg, de» Stadtkommaudaute» von Fischer, de» Oberst Ptrscher, Bertttt« kr Regienmg und kr Universität, di« gesammte Kvaigökrg« Kaufmannschaft, die Direktion kr Ostprenßische» Südbaho mit dem stellvertretenden vorfitzeuku de» Aufsichtdrath», Hrn. Bar«» o. d. Goltz.Kalle« ».Am. — Auch au» kr Provinz, an» v«lt«, au» Frankfurt waren Freunde «schiene», am de« Berstor denen die letzte Eh« za erweisen. Rach eine« ergreifende» Gesaug de« Oberkautor» Herrn Birnbaum und de» Chor» hiett Herr Rabbi»« Dr. vamderger ein« frierltche Ansprache. Sie gab in knappe« Umriffe» «in warme» Eharafterbild de» Vnstorbenev, eia gettene» Bild auch kr allgemeinen Trau«, welch« sei« Dahtnscheik» hervorgernfe». S» folgte hinauf di« Ueberführuug kr Leich« auf de» alte» jüdischen Kirchhof. Al» kr Leichenzug fich durch die Sttaße» kwegtt, vermocht« «a» klar z» übersehen, welche» -an, uugewöhuliche» Eharaft« die Thetluahm« »» de, v«lilft Moritz Simon» augeuommeu hat. Wat fich tu dies« Stunk in den Straßen unser« Stadt abspielte. war kr Autdrnck rin« spontane», einem allgemetueu Gefühl entströmenden Bo Hstrauer. Dean nicht allein diejenigen, die in ein« unabsehbare» Reihe km Sarg« folgte». neit>, die viele» Zehntausend«, die aus dem ganzen Wege vom Trimerhanft bi» zum Kirchhof atf den Straßen «ad an de» s fenstern in ernst«, feierlich« Stimmung au km 8«icheakgä»g»iß theilnahwe», trugen chre Trauer »m de» Dahngeschiedeüe» zur Schau. So trmnrt di« ganze Bevölkerung ein« groß«» Stadt «n einen ihr« Edelste» und Beste». Dem Leichenwagen voran fuhren allein vier Lquipage» mit Kränze» und Bl»»«», de« Zug« folgten 88 Wage». In diese» selbst befanden fich, durch umfiorte Tafel» kenntlich gemacht, Depu1atto»e» all« d« gewerbliche» »ad industriellen Etabüffauent». die wtt dem verstorben«» t» geschäftliche» Beztrh«»gen st ende». Rach ein« kurze» Trauersrierltchkrit auf dem Friedhoft, wo Hr. Okrkautor Birnbaum «Ü seinen Sänger» wiekr schöm Trane»» weise» austiuunt«, »urk di« Leich« in dem Erbbegräbntß, da« kr B-rstorbene bei Lebzeiten für fich und die Seinen Hai ansführm lasse», beigesetzt. D« Rabbin« sprach de» Gegen »ad schloß mtt de« Worte»: D« Rame Moritz Simon wird sei» »ad bleibe» ei» Antrieb zn allem Edlen «nd Gute»! ^äönlgchöerß i- Pt. Wie di« .Kkfigsb. Hart. Zig." mittheilt, hat Geheimrach M. Simon in seinem Testamente n. «. fvlkak Legate ««»gesetzt: 1. kr Stadt KSuigäber, 800.000 ML, »u» zwar 100,000 ML für k» Siechoch««. 800,000 ML zn dmwr»k» «ohlchättgöettö^kstalte, »nd 100,000 ML für «nnstinstitute. 2. kr jüdische, ' ... - ...