Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 38-39.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 5)
- Language
- German
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297 »Mb«. Bekanntlich hat aber kt ottfrkoft varstand btt heutsch-israelstischeu •cmciubt selbst, Gestützt auf die gegentheillgr Ansicht ander« Raibiuer, sich -e>ea die Meinung de« Herr» Oberrabbtna Stern -««gesprochen. Selbst dt« Ehewra Kabstcha (die Beerb ignog«. Brüderschaft), deren Orth»« b»$k über jede» Zweifel erhaben ist, erklärte fich mit allen gegen eine Stimme gegen die Entscheidung de« Herrn Ober, radbiner« Stern und nahm die vorgeschriebenen Teremoaieu auf de» verpdutru Ohlsdarfer Friedhöfe vor. Nun kann «au man r« dach de« tsraelttische» Semetadeoorstaud nicht verdenken, »«»» er den unten Rabbiner verpflichten will, dev Friedhof der Semetnde. d. h. den Ohlsdorfer. aaznerkennen und den dort Begrabene« die letzte Ehre zu erwetsen. War e« nicht kränkend für die Mitglieder der Synagogen-Ge» «eindr, daß ihre thenren Lerstorbenen ohne jede« Wort de« Rachruf« ihre« Geistliche« begraben werden mußten? Gell dieser unnatürlich«, inhumane »ad uncultivirt, Zustand tu Permanenz erklärt werden. Herr Oberrabbiuer Gteru hat keinem Tadle«, der ans dem Ohl«dorfer Friedhof begrabe« wurde, ei« Wort uachgerufe«. Wir sind weit entfernt davon, die Urdrrzeugungs treue und den Glaubeoseifer de« Herr» Stern, der stet« mit Maunesmuth und ohne jede« Privattntereffe für seine Lostcht gekämpft hat, irgendwie bezweifeln zu »ollen? Di« Gemeinde wählt aber jenen Geistliche», den sie will, und mau kann es ihr nicht verdenken, wenn sie ihn verpflichten will, für da« hohe Einkommen, da« fie ihm gewährt, ihre« främwste» und berechtigtsten Wünschen, der Ehrfurcht vor den Tobten. gu entsprechen und ihnen die letzten Ehren z« erweise». Wohl gemerkt, e« find orthodox- Mitglieder der Gemeinde und der Ehewra Kadischa. die fich einstimmig für den Friedhof in Ohlsdoff erklärt haben, und keine grriagrre Autorität, al« die de« Wortführer« der jüdischen Hachorthodvxie in Deutschland, de« Dr. I. Hilde«, heimer, stand ihnen darin seiner Zeit zur Seite. (Auch Herr Klaastabbiner Fink sprach fich in einer Schrift in demselben Sinne an«.) Wa« will mau also? Glaubt der Redacteur de« »Jeschornn", Herr Isaak Hirsch, daß fich die groß« und ehrwürdige Hamburger Gemeinde «m seine Prtvatanstchten Ichrerea wird? Mt welch' vergifteten Waffen aber diese« Blatt kämpft, mag an» folgendem Satz de« Separat-Abdruck« hervorgehen: »Wir haben ihn hinausgetragen, den Mann, beste« Seist «ngrbeagt hervorgtng au« dr» Kämpfen für Wahrheit und Recht, den er — nicht gegen die Feinde des Gottesgesetze« —. den er gegen dir Verblendung seine« eigenen Kreise« zu führen hatte, dem aber ob diese« Kampfe« da« Herz gebrochen war.* Letzterer schwer« und jesuitisch« vor» »nrs ist einfach — unwahr. Herr Oberrabbiner Stern er. lag «ine« tückischen, laugwtrrige»— Uaterleibsleide«. Nur so viel zur Kennzeichnung de« Kampfe« der iutoleraute« Orthodoxie, di« aber doch »och so viele Anhänger, spectell in kleinen Kreisen der Gemriud«, hat, daß der »Jeschur uu" vielleicht Recht behält, wenn er. ein Gchi««a prophezeiend, sagt: »Welcher Zukunft aber eine Gemeinde entgegmffieht, in welcher also bi« höchst« Autorität de« Rettgiousgesetzes und de« Gemetuderabbtuer« mißachtet wer den kan», da« ist ein« Frag«, di« wir alle» Gesetzestrrueu Hamburg« bringend an« Herz lege» »Achten. Täusche» wir uns nicht, so ist mit diesen Vorgängen der erste Keim zu einer Umgestaltung der Heandnrger Berhältuiste gelegt. Die gegenwärtige» habeu sich al« unhaltbar erwiese». (?) Sie habeu tu erschreckendem Maße gezeigt, zu welchem Unheil dt« widernatürliche Stellung ein«« jüdische» Geweinwesl-n« führt, tu welche« die eigeutltch« Gemeinde fast eonfesfionslo« (uuwahr l) ist »nd die Autorität, de« durch de» Rabbiner i» seiner Integrität zu wahrenden Religiousgesetze» durch die Omuipoteuz sei«« Vorstandes tllusortsch grmacht werden kann."" -teiptzig. Der Ätchhändler EmtlFritzsch hier uebst Genossen war wegen Verübung groben llasug« augeklagt. Den ThcUbrstand de« gvobe, Unfugs hatte die Staatsauwaltfthast in der Berbnsttnug antisemitischer Fluaschrtfteu (»Brrnmnd« Fragen", ,Bi»«arck", »Kaust bei keiue« Jaden I") gesehen, in denen, wie läe Anklagedehärd« heworhebt, »die Verkümmerung der siaat«l>ürgerlichen Rechte und die geschäftlich« Jfolirung der Jaden angestrebt »ud insbesondere durch di« heftige und hämisch« llasdrucksweis« die Erbitterung der Juden, wie auch da« Mßfallen der vom antisemitisch« Fanatismus nicht ergrtffmen christlichen Bevvlkeruaq erregt wird." Di« Angeklagte» wurden damals vom Schöffen» qericht« fteigesprochrn, da e«, wie das Uttheil besagte, »vielleicht alle« Andere, aber gerade ein« Verübung groben Unfug« in den Schriften nicht erblicken könne." Gegen di« Freisprechung Fritzsche'« hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eing-legt, welche am vergangenen Sonnabend zur Berhandlun, kam. Fritzsche wurde, wie die »Leipziger Gerichiszeitung" meldet, in dieser zweiten Instanz unter Aufhebung de« erstinstanzlichen Urtheil» zu 60 Mart Geldstcast eoeutuell zu sechs Tagen Haft und Trrgang der Kosten verurtheilt. Außerdem vvrde di« Beschlagnahme sämmtlicher tlatten und Exemplare der Flugschriften aageordnet. Die »klage war durch Herrn Oberstaatsanwalt Häntzschrl persünlich verttetea. welcher Bestrafung wegen groben Unfug« m>1 Beziehung ans eine jüngst gefallene reichsgerichtliche Lnt> scheidung beantragte. Wie ich erfahre, war die Klage gegen F. im Aufträge hiesiger alaubruSgenüssischt Geschäftsleute von Herrn Rechts» anwUt Dr. jur. Paul Werthau er. dem Sohne de« Bemeiudevorstchrr» Herrn Bo uk,«r Alex. Werthauer hier, geführt worden. Nur der unermüdlichen Energie und der Schneidig, feit de« jugendlichen Anwalt« ist es zu danken, diß die königlich« Staatsanwalischaft. uachvem sie auf die erste Aazeig« hin. da« Verfahren gegen F. abzelehat, die Anrufung der königlichen Oberstaatsanwaltschaft ohne Erfolg geblieben war, die ersterr am Ende selbst argen die vom Schöffeuaericht erkannte kostenlose Freisprechung de« Angeklaqten Berufung «iairgte. In Folge deffm hatte fich da« hiesige königliche Landgericht mit der Sache z« befassen. Rach gescyloffennc Beweisaufnahme beantragte den» auch Herr Staatsanwalt Häntzichel die Bestrafung de« Fritzsch in Gemäßheit von 8 860. 11 de« R-8t.-G.-B., welche« Anträge sich der Gerrchtsiof anschloß. Ls ist lebhaft zu würscheu, daß u u s e r e Rechtsanwälte, namentlich in Preußen, dem Beispiele de« Herrn Dr. Werthauer folgen und mit ullrm Eifer für die gerechte Sach« eiutreten, dann wird sicherlich dem schändlichen und schäm» losen Treiben der aniisemltische« Presse »im Ra men de« Gesetzes« Einhalt geboten. München, 16. Lcpr. (Or.-Lorr.) Eine bemerken«, werth« «eugeruag dt« tzkrzbischof« von Müucheu-Fretstug, Dr. ». Sreichele, verdient mitgetheilt zu «erden. Der genannte Kircheufürst feieite vor rtaigeu Tagen sein fünfzig, jährige« PriesterjubUäu«. Bet der Gratulatiouscaur au« diesem Anlaß »ar auch Herr Rabbiner Dr. Perle« erschienen uud betonte in seiner Ansprache, daß fich der Jnbllar durch sein Dirken i« Seifte de« Fadens und der Ber» söhnlichkeit über die Kreis« der kathallscheu Gläubigen hinan« Bekehrung erworben Hai«. Der Erzbischof daufte aufs freundlichste, sprach von seinem rege» Jutereffe für hebräische Sprache uud Litteratur, von der Zufammeugehörigkett des Judeuthuws und Ehristeuchum« und schloß mit den Worten: »Unser« Meister und Lehrer waren ja Israeliten» uud so lasten Sie na« denn auch ferner in Frieden zusammeugeheu." Aßor», im Sepleml«. (Oc.-Korr.) Durch da« a» 5. d. M. erfolgte Ableben de« Herr» Adolf Gieldzinski hat unsere Gemeinde men herben vertust «litte«. Der Berblichene war wie Wenige d-ru berufen, mit an da Spitze ein« Grmeiudrverwaltnug zu stehen, den» sei« klatschend« Geist, sein gerecht« Sma uud sein milde« Urtheil ließen cha nur zum Heil uud Segen in dnselben wirken. Sein Wohl, thuu linderte manche» Kumm«; et hatte ein warmes Herz für die Roth All«, aleitzviel welchen Glaubens. Seiurm humanen Sinn »erdautt aach da »Israelitische Kranken- und Brrcdiguags-Verr»" sei» Brstche», den a tu'« Lebe» ge.