Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 37.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
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287 lk ffMbinOm «nlM^n. *1» i» späterer Zeit fich riiuual Gerüchte «Mkrtitttta, »iß Mt Inden »v« CrkflHndt ausgeschlsffe» »erde» solltt», wurden gerade dt« jüdischr» Ge- »et»de» alsbald htergege» osrftellig. I» vielfachen Jmmediat- Gesuche», so heißt es i» dem anttltche» Bericht, welche« die jüdisch» Gemeinde» »ud die Borst Sode derselben bet de« entstandenen Gerüchte, al« sollte rtue solch« Maßregel ge troff«» »erde«, a» Se. Majestät dev König richteten, drückt stch die Furcht vor einer Ausschließung von der Kriegspflicht sehr bestimmt »ud übereinstimmend an». Ls ist T Hatsache, so heißt e< an einer andern Stelle de« Bericht«, daß auf eine lediglich an« unverbürgten Zettuug«»echrichten entstandene Besorgniß hin fich sofort die größeren jüdische» Gemeinden an« «Hi» standet«heile« mit ihren Bitte», sie nicht von der Miütärpfiicht «»«-»schließen, an S«. Majestät de» König »endete», »nd nicht »enigrr stad diesfällige besorgliche Anfragen bei de« Kriegsmtntstrrinm erfolgt. Am Schluffe faßt der Bericht nochmal« alle Erhebungen dahin zusammen daß die Juden in der Zeit der Gefahr nicht hinter de« christliche» Ei«»»hn«ru zurückgeblieben sind, sondern an der Vaterlandsvertheidignog Amhell genommen habe», daß ihrem Verhalten in den Befreiungskriege« auch, s»»ett bekannt, die Snerkenuuag nicht versagt »erde» darf, »nd daß fl« feitde« im Friedensdienst fich überall zur Zufriedenheit geführt habe». Der Bericht folgert daran«, daß die Militärpflicht der Juden In Preußeu auch dort eingeführt »erden soll, wo sie damal«, wie in Theilen de« Großherzogthum« Pose», noch nicht bestand.*) Gerichte rmd GarrrfPO»deiye«. Demtschlemd. MaGdeö»r§. Gegenüber der Judenhetze der »Kreuzgeitnng* richtet di« ,R«iffrr Zeitung", ei» hervorragende« Organ der Lentrnmsprrtei an da» katholische Volk die Bitte, die Hand obzuloffen von der Judenhetze, sich an der Berfolgrng der Juden in keiner Weise und ktaer Form mehr zu betheilig«» damit man nicht die Schmach erleb«, dag da« in der Minorität b fivdliche tacholisch: Volk, nachdem e« jahrelang sttedrücknngen, Berfolgnngen und Zurücksetznnge» erfahren und dwserhalb vor aller Welt Klage ge- Ästhet hat, sich von den Krrnzzeiumgtlrute« und ungläubigen Jnbenhaffer» zur Hetz« »idir die Juden gebcauchen laffe. »Der Geiste« kampf soll allein gelten, — so schließt da» »itrawwntane Blatt—b> flecken wir unser ruhmvolle» B inner nicht d»rch Theilnahme au Genwltmoßregrla plumper Major täte»-." (Möchten doch die Protest. Blätter sich ein Beispiel nehmen I) D. Werkt», den 3. September. (Or.-Eorr.) Jahr für Jahr find »ir Zeug« der beschämenden Schauspiele, die sich hier z»m Ergötze» »ohl keine« Theils de« jü». Publikum» v»n de» Hatz«» Feiertage» abwickeln und doch ist nicht abznsetze», »caa t» deffer «erden wird. Ma» ist darüber entrüstet, die jü». Zeitung«» warne» vor solcher Herabwürdigung der heiligsten Fest«, jeder nimmt fich jedesmal vor, e« koste »a» e« »oll«, nur ei» auch »ährend de« gauzeu Jahre« heilig »»d «gemeffeu gehaltene« Gotteöhau« aufzusnchcu — «ud dach bleibt alle« bei« Alte», oder besser beim Renen, denn nnsere .Alten" würde« fich die Haare «usranfcu, die Kleider zerreiße» und fich in Sack und.Asch«'hüllen, «en» «au ihnen z«n»the» wollte, in Lempän, die Amor und Venns, Baech»» nnd Terpfichore und.Eousorten geweiht find, ihre heiligsten «ad tiefst«, Gefühle anszuschüttea, eine» neue» »ab strengere, Bnßnnd Sühnetag würdru sie ob solcher Blasphemie dt« Pflicht fühl» «uszurufen. Da» find die »«den»» Heiligthämrr an Israel« hehrste» Feiertagen. Die Halle» der Wollnst »nd stnnilethörender Freuden, in denen der Gatt de» Himmel» »nd per Erde, der Richter der Staub¬ *) Sfcfem kr »Kreil, g».- aUnommme» Lnikrl taff« wir in . der nach»«» Nr. «ine» .»brr dl» Aosschlichnng der Jade» vom Osftperl räqafolge». (Stb) gebar«»«» Gericht halte» soll. Kanu e» eine größer« Ironie 8be»? fich die üu vbat, abznklapfe» vor den nackteste» k tun er- und Franengestatte« a» Wänden «ud Decke, verstoßen diese Gemälde nicht gegen jede» Wort der Sündenbekeuntniffe? Kana man imsrr» netten Dame» znmnthen, von de» Prachtspiegelwänden keine» Gebrauch zu machen? Die ist r» da zu verwundern, daß diese herrlichen Räume Jom Kippur zu« Rendezvong-Lummelplah schmachtender Pärchen betrachtet und willkommen geheißen »ird? Ich habe schon zu »st über den Ernst «ad die Ruhe «nd Würde, die hier herrscht, geschrieben, »»» «ich nicht zu wiederholen, aber e» kann nicht dringend und »st genug vor solcher vergiftenden Weise der Begehung der furchtbar ernsten Lage gewarnt werde». Ebenso widerlich find die Borbereitungen. Da »erde» alle. Trommeln der Reclan« geschlagen, in de« Zeitungsa wochenlang annonciert und.Anpreisungen erlaffe». In diesem Jahr find »och einige Mittelchen hinzugekommen, man vertheilt Zettel und überfällt eine« mit Billet« auf offenen Straßen. Roch 3 große Synagogen nnd der Unfug müßte fich in die äußersten Winkel der Riesenstadt znrückziehen, »ährend die Gemeinde einig« der anstärdigsten Säle mterheu sollte. Ich möchte hier die maßgebenden Semetudebchörden darauf Hinweise», daß fie selbst im Lefitz« eine« schöne« und großen Saale» find, der zu diese » Zwecke sehr würdig verwendet werden könnte, ich meine die Aula der jüdischen Gemeindekuabeuschule, die ja auch während de» Umbaue« der alten Synagoge al» Interims-Synagoge eingerichtet war. Der Saal fast 6—800 Personen. Dana aber sollte die Gemeinde nicht dulden, daß von ihr angestkllte und außerordentlich gut dotierte Beamte diese Speculatiou betreiben uud auch Gemeinde spielen, e» widerspricht ein solche» Verhalten einen jeden Anstand, de« mau dem Bradgrder schuldet, wenn mau ihm Eoncarreuz macht. Zwar thut es der Gemeinte keine» Abbruch unter den jetzigen Umstände», mau bedenkt aber die Moral, daß Gemeinde« beamte die Lorruptioa in so ernste« Dingen mit verschulde», al« deren berufener Bekäwpfer ihre fie bewachende Behörde gellen soll. Kalle a. K. (Or.-Torr.) Am 3. September, am . zweite» Lage der Selichoth, wurde hier der allverehrte Rabbiner Dr. Fröhlich S*3 zu Grabe getragen. Der Schmerz über sein plötzliche», wenn auch nicht ganz unerwartete» Hinscheiden war eia so ttefn, die Bekehrung für ihn eine so große, daß es eine Pflicht ist, ihm auch an dieser Stelle eia Andenken zu berellea. Roch ist zwar der Schmerz zu frisch uud zu gewaltig, «m liu «ach allen Setten hin klare» und getreues Bild seine» frooimen Wirten», seiner edlen Persönlichkeit zn entwerfen, noch lebe» w r zu sthr unter dem lebendigen Eindrücke seiner 28 jährigen Thätigkcit, um zu übersehen, wa» er alles der Gemeinde gewesen war. Aber das, was wir jetzt schon chm »achzurustn haben, wird chm «ine Ehre and Andern «in Segen sein. Am Fasttage Gedaljah des Jahres 1831 wurde er in Boskowitz in Mähre» geboren als Sohn des dortigen Cultusbeamten <7*0 f"V). Erzogen um herangebildet in der Liebe zur heUigen Lihre und der Uebmrg der Gebote besuchte er die Lehrstätteu der Rabbiner in Prag, Nikolsburg uud Eiseustadt, unter deren Leitung er fich mit allem Eifer dem talmudisäte« Studium widmet:. Um auch allgemeiues Wissen fich zu erwerben, besuchte er eine Klosterschul« in Prag, welche er mit d:m Zeugniß der Reife verließe Später »audertr er nach Breslau, um zu den Füße» des Dr. Frankel S*JB seine rabbinischeu Studien, sowie seine allgemeine Auttüldung zum Abschluß zu bringen. Darauf ging er nach Berlin, so er tu rrgem Verkehre mit Dr. Sach« stand uud in» Umgänge m t dortigen Gelehrten fich weiter dem Studium hingab. Im Jahre 1800 folgte er de« Rufe der Gemeinde Halle, uad verheirathete fich. «Seit jener Zeit wirkte er in dieser Gemeinde, unterstützt von seiner jetzt trauernde« Gattin, dir ihm in allen praktischen hu»