Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 37.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
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tonra Hdt eine Religion, aat eine, Glaube». ant ei, Vahältniß zwischen Gott und Mensche» Geben? Ihr kremt «me Line» — da» Lurige. — Aber wen« Ihr da» Eurig« wirklich kenntet-Ihr »Qfjfct dann auch, daß jede» Herz eine eigen« Welt ist, z» dem ein besonderer Schlüssel gehört, in deffen Besitz wieder nur jede» Herz selber ist. Rur selbst kann jede» Herz fick öffnen.-»Wer ist ei, vor dem ihr euch reinigt, o Israeliten, und »<r. dcr euch Reinigung gewährt? Euer Vater im Himmel"! — Sollte e» nicht mißbraucht werden können? Sollte «an ton seinem „Vater im Himmel" fich nicht auch verzeihen lasse» können, «a» man gegen seinen „Bruder aus Erden' gesündigt? Sollte nicht auch derjenige, der seine Pflichten gegen den Nebenmensche« verletzt hat, der Dieb, der Mörder, der Ehrabschneider, der Betrüger sich auf seine „Aussöhnung mit seiuem Baerr im Himmel" berufen könnm? Berufen-ja: aber sein Herz wird ihn Lüge« sttafev. Sein Herz wird ihm sagen: Ist dmn Dein „Vater im Himmel" nur Dein Vater und nicht auch der Vater seiner andern Menschenkinder? Sollte der Vater Dir verzeihen können, was Du gegen den Bruder verbrochen? Jo, sollte der Vater Dich als Lind lieben wollen, wrnu Du den Bruder nicht lieben willst? Sollt« er Dir B»r« söhnung gewähre», für da», «a» Du alt Lind gegen den Vater gesündigt, so lange da» Unrecht gegen Deinen Bruder au Deinen Händen kleb»? Da» wagst Du selber nicht zu hoffen, dein eigenes Herz wird dir da mit lauter St'wure die Wahrheit zurusen: Du betrügst dich selber! Und deine» Herzen» Stimme wird nur da» Echo sein einer Stimme, die schon vor Jahrtausenden au» dem Munde eine» alten Lehrer» in Israel erklungen ist: „Der B e r» söhnungStag kann nur Sühn« bringen für die Sünden zwischen Mensch und Gott! Für die Sünde« zwischen Mensch und Mensch kann der BersöhnuugStag keine Sühne bringen'.") Da» sind die Schranken de» Versöhnung»» tage». — Leider kann man nicht sagen, daß düse Schranken gewissenhaft io» Auge gefaßt werden. Ja, die Erfahrung lehrt, daß man nicht selten sogar in d e n -reis«», in denen der Versöhnungstag mit der minutiösisten Gewiffenhoftigkett gefeiert wird, sich mit Leichtigkeit über die Sünde« gegen Rebenmeuschen hwwrgsetzt. — Sollen wir Beispiel« onsühren? Wozu? Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, der sieht e» urd hört es selbst. — Mögen dies« Schrank»« nicht unbeachtet bleiben! dann wird der VersöhvungS'ag wahrhaft eine Quelle der Bersöhnuvg werten für Israel; eine Quelle de» Frieden»; ein« Quelle de» Heil»! — Der Sriegs-iewst der T«de«. Die verächtlichen Bemerkungen über da» Verhalte» der Jude» zum Lriegsdienst, welch« unter Führung der „Lrzztg." die antisemitisch« Presse in de» letzte» Tage» gebracht hat. haben uns schon mehrfach »«raulaßt, au» de» Lri«^ 1870/71 sowie an» den Befreiungskriegen von 1813 bi» 1815 thatrar nros ,"«aö dtp mpo*? otk par rrros <• ♦TB» 2- P* rnrT? DTK sächlröx Belege dafür beizndrttm», baß «ch die Jnben in diese» Lriege» »oll io» ganz ihre Schuldigkeit de» Staate gegenilber gethan Hab«. Nachdem solche Erörltrnnge» einmal «umesteLt warben find, »st iw» großem Interesse eine amtliche Denkschrift, welch« iw Jahre 1847 de» oeretuigtrn Landtag vom Minister tx* Juner, über de» Militärdienst der Juden oor^legt wurde. Damal» hatte da» LriegSmtuistrrin» bei fämmtlichru Irmrecorp» und Truppeatheile» umfaffend« Ermiirelnagen über de» Militärdienst der Jade» in der preußische» Armee angestellt. Da» Ergebniß dieser Ermittelnage» ist zunächst für den Dienst i« Frirde« »»rtllch folgende» »rwesnr: „Die Führung der Inden bet» 1. und S Armeecorp» wird mit einige« Ausnahme» «I» sehr gut bez-ichnet; bei« 3. Armeeeorp» desgleichen, sowohl dienstlich al» außerdienstlich, als gut; beim 4. Armeeeorp» de» größere» Thcile nach zur Zufriedenheit und ohne wahrnehmbare Verschiedenheit vo» de» Soldaten christlichen Glauben»; bet» 5. A'weecorp» mtt nur geringen Ausnahme« al» gut; bei» 8. Armeecorp» ist vorherrschend guter Wille und aukmrrksame Pflichterfüll«»» anerkannt — unter 587 Manu wird die Führ«» von 24 Mann schlecht, bei 73 mittelmäßig, bet 400 Man« aber g»1 und sehr gut genannt; beim 7. Armeeeorp» wird ihnen in moralischer und dienstlicher Beziehung mtt wenige» An»» nahwm da« uagetheilteste Lob gegeben; bei« 8. Armeeeorp» ist ihre Führung fast ohne »uSnahme durch Gehorsam, Dieustwivigkeit nnd einen gniea, moralischen Leben»««del auSgezeichnrt gewesen; bet der Artillerie gut, theilweise sehr gut; bet den Pioniere» werde» sie al» ordentlich »ud gehorsam bezeichnkt. Beim 1., 2. und 8. Armeecorpt wird übrigen» noch besonder» hervorgehobeu, daß fi« fich z» de» Landwehr- Übungen pünvltch gestellt haben, «ad bet» 8. Armeeeorp», daß fie fich dabei durch große Kolgsamkett « d stille» 8c» nehmen aut gezeichnet." lieber da» Verhalten trr Juden im Lriege Hobe« die Ermittelungen de» Lrieg«»inistertum« zu keine» Refaltat von der wünscheuSwertheu Bollftändigkett geführt, weil bei drei »rmeecorp» und bet der Artillerie die Asten der Zahl der jüdischen Soldaten nicht »»»zumittel» gewesen find mW bei drei andern »rmeecorp« in Enuangelnng der erforderliche» Notizen keine Auskaust über ihre Führung hat erthetlt werde» können. Der Bericht beschräntt fich daher ans folgend« Bemerkungen: „Judeffeu hat fich doch ergebe», daß bei« 2., 8. und 5. Armeeeorp» etwa je 40 Mann, beim 6. 00 Mann, bet« 4. 80 Mann jüdische« Glaubens gedient habe», «nd e» ist besonder» auogeführt, daß fie beim 0. «nd 3. Anneocorp» fast sämmtltch resp. größtentheil», bei« 5. Armeeeorp» wenigsten» die Hälfte, beim 4. Armeeeorp», »ater den überhaupt 80 Manu 2 Man» als stetwillige Jäger etngetrrte» find, während bei« 1. Armeeeorp», »bscho» die Aste»-fehlen, doch al» feststehend bezeichnet wird, daß sich im Lriege mehr Freiwillige al» i« Frieden gemeldet habe«. Ihr« Führung i« Lriege wird bei« 2. uud 3. Armeeeorp« al» gnt bezeichnet, und bei» letzteren wie bei« 2. Armeeeorp» wird anerstomt. daß fie zum Theil mtt besonderer Auszeichnung gedient haben, wie denn auch bet« 7. Armeeeorp» ihnen da» Zrngntß gegeben wird, fich dem Feind« gegeoüber sehr brav benmnme» zu haben; «nd vom Generalcommaud« de» 1. Armeeeorp» angeführt ist, daß ihre im Lriege geleistett» Dienst« gelobt würden." Al» Resultat der erfahruug»«Sßige« Ermittelung» faßt der amtlich« Bericht zusammen, daß die Inden de» prrnßtfchen Heere» vo« de, Soldaten der chrtstuche» Bcvslkrrnng st» allgemeine« nicht rrfennbar unterschiede» find, daß fie st» Lriege gleich de» übrige Prenße» fich bewährt, i» Frieden de» Übrige» Truppe» nicht nachgestmwe» habe». Zn« Militärdienst zulasten worden find dl: Jnd« in Preußen üderhanpt erst müh Erlich der Berardnnnß vom 9. sstbruar 1813, »ährend da» preußische TinttonilriGtMNt >wm 12. Febrnar 1792 dt« Inden »an der Elazilchm», t.