Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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W Gleichgemicht« bei bca vrperlicheu Fmlktionen, ber voL. kommenen Mäßigkeit web Kernhattnug etugepflauzter und «geerbter Fehler febirgt sei. Di« Wahrheit dieser Behauptungen cttatnnt wir in der Erhaltung de« jüdischen Bolle«. Die llederlegenheit der jüdischen Raye in dieser Beziehung ist ein« allgemein anerkannte Thatsach« und da« Geheim, iß derselben finden wir in den oben erwähnten, bei demselben vorhandenen Bedingungen Da« Jndenthum hat bi« heute nicht nur al« eine Religion, sondern auch al« ein Ges»mdheit«codex gewirkt. E« hat ebenso, wie den geistigen Fortschritt snmer Bekenner, auch deren phyfische« Wohl befestigt. Der Pentateuch und der Talmud haben beide ihr Beste« gethan, die körperliche Gesundheit der Israeliten zu conserviren und die Raye mit den Eigenschaften anSznftatten, weiche zu ihrer Erhaltung unerläßlich sind. „fngterbte Eigenschaften- und da« Freisein von eingepflanzten Ikrank- > heilen — dieser zwei von den oben erwähnten Bedingungen! ersreut sich auch noch der Jude unserer Zeit, denn er kann! da« Berwächtuiß seiner Erzeuger nicht zerstören. Ander« ist e« aber mit den Bedingungen, deren Erfüllung von seinem! eigenen Willen abhängt. Mäßigkeit — in dem weitesten I Sinne de« Worte« — ist der Inbegriff der moralischen und medizinischen Gesetze de« Jndenthum«, und hier ist Grund, zu befürchten, daß man dieser erhabenen, durch da« Religionsgesetz vorgeschnebrnen Richtschnur nicht mehr so willig folgen «erde, wie f.üher. Nimmt aber die Gleichgüttigkeit in! diesem Punkte zu. so wird die Lebensfähigkeit J«rael« für die j Folge immer mehr und wehr in Frage gestellt werden j muffen. Denn diese Ueberle,-.mheit hängt ganz entschieden I von der Befolgung der gesetzlichen Vorschriften ab. welche.! obschon sie mit der Religion fest zusammenhängen. nicht« | drstoweniger von m edizinischer Bedeutung sind. Will ' J«>ael fortlebe , so kann d-e« nur durch treu- Pflichterfüllung geschehen. Ein Wunder wird daffelbe nicht erhalten. Während Herr Dr. Richards»« diese die Lebensfähigkeit j begünstigenden Bedingungen eingehend erörtert schreibt ein j medizinische« Blatt, dcß unter den Nicht-Arieru der Jude 1 allein fähig ist, dem Drange nach berauschende» G-tränken! zu widerstehen, und sich derselbe» mäßig zu bedienen. E«! fuhrt hierbei da» Sprichwort de« Neger« an: Ich trinke! nicht, um zu trinken, ich trinke, um mich zu betrinken". : Die Abwesenheit dieser bestimmten Vorliebe zur Trunksucht > und das thalsächliche fast gänzliche Freisein von diesem Laster, wodurch die Juden sich kcuuzeichuen, find ohne Frage aut die alllgem cin >r ietlich.n Wirkungen de« jüdischen Gesetze« zurückzuführeu. Angewiesen. Selbstenthaltung in den meisten Dingen zu üben, übt der Jude sie in allen Dingen. Der Pentateuch schreibt nirgend« da« Gesetz der Enthaltsamkeit ausdrücklich vor, obschon er indirect! Warnungen gegen die Trunkenheit «klärt. Der moralischen! Erziehungskraft, welche den allgemeinen «harafter de« mosaischen Gesetze« ausmacht, ist e« übcrlaffeu. da« Hervortreten diese«! Laster« unmöglich zn machen. Dagegen kann da« gänzliche! Freisein von demselben nur durch die treue Beherzigung de«! Geiste« dies« Gesetzes garantirt »erden Ein Berrath an demselben würde nnvermeid'ich auch die Trunksucht und da«! großr Heer der mtt ihr in Verbindung stehenden Laster nebst? den traurigen Folgen in J«rael heimiich »eideu lassen.! (Emen Beweis für die Richligkert dieser Behauptung lUfert! auch die Thatsache, daß vor wenigeu Jahren in einer großen i Stadt am Rhein eine ganze jüdisch« Familie an der Trich». > nose erkrankte.) <).! Jfttlie» #«$ Ka« schreibt der Lorrespoudent des ,Jewi«h Lhronicle". Da« alte Ghetto ist gänzlich verschwunden. Die dedemeude jüdische Gemeinde zu Rom, die zahlreichste in Jtatteu» hat au Zahl sihr adgenonuueu, da viele Famllieu der hohen Miethe wegen, welch« fi« im Leutrum d-r Stadt "> zahlen hatten, nach Trastao.re verzogen sind I« Jauern £*r Stadt Verbleiben nur 5 nah« beisammen liegend« Synagogen für oeu ualirmscheu, spanischen, pvrtngiefischcn und dentfthen Rttn«; aber auch dies« sollen schon nach kurzer Zeit verschwinden. Man hasst, daß durch den Verkanf den verschiedenen Bauplätze, welch« voranSsichtlich eine Millio» Franc« einttageu werben, und durch eine Subvention der Staate« und der Stabt, welche sicher zu erwarten stehe« da beide nn« sehr gewogen find, eine Summe ukgebracht werden wird, die zum van eine« großen, unserer Stadt würdigen Gotterhause« vollständig ausreichen wird. Die Anzahl der veschtedenm Riten dürste alsdann am einen redncirt werden und zwar auf den ttaiieni'chu Ritus» der auch für Turin eingeführt ist. Mau sagt daß diese Reform in Rom zwar einer großen Oppofitiou begegne , wird; aber trotzdem wird sich ihre Durchführung mit der Zeit von selbst nothwendig erweisen und dann auch alle Hindernisse besiegen. Unterhalb dieser Hauptstadt „Ctpafc mundi“ sind noch 2 oder 3 andere Städte Au« dieier Ursache mui bei neuen Baunnternehmnngen oft 70—80 Meter tief gegraben «erden. Hierbei stoßen dann die Ardeiier nicht selten ans intereffant» archäologische Fun^e. So haben auch vie Ausgrabungen an der Stelle de« alten Gbe>t» zn einigen wichtigen Ergebnissen geführt. U ter anderm wurden hier Bruchstücke von Fenstern zu Tage gefördert, wovon einige sehr gut erhatten find und auf welchen man ganz deutlich einen Plan de« jerusalemische» Tempel« wiedererkennen kann. Sie find nicht so fein und sauber au«gemalt wie die vor kurzer Zeit in den Katakomben aufgefnndenen, haben aber wie schon bewerft, ein bedeutende« archäologische« Interesse. Der Tempel ist auf denselben al« ans einer Anhöhe stehend, dargestellt, hat an der Bvrderseile 4 Säulen, welche mit einem siebenarmigen Leuchter geschmückt sind. An beiden Sri'en de« Tempi'« eehebl stch se eine alleinstehende Säule und an der Font ist eine Halle, welche mit dem Ansgau, in ein Guter auSlä isl. Treppen führen zu dem Tempel hinauf. Auf einem andern Fenster steht man einen Tisch, auf welchem em sie >enarm,ger Leuchter steht, ferner einige andere heilt,e Gerätne und jüdische Emblemen. In erniger Enlsernnng vom Tempel sind 2 kleine Kuppeln von Palmbänmen umgeben. In diesen will rin gehehrtcr römischer Archäolog kleine Mausoleen »iederfinben. An dem Tempel selbst befinden sich 2 griechische Inschriften wovon die eine in der Uederiegung heßt: »Han« de« Frieden«". Fernere Auiichlüffe über diese Fenftergemäld« stehen noch in Au«ficht uuo Hai man dieselben emstweüen in dem Mus um der Heiligtümer im Vatikan aufgeftellt. Ich war auch bei verschiedenen gvtu«dienstlichen Acten anwesend Mit Vergnügen erwähne ich. daß beim Schluß de« SabdathauSgaugeSqedetele«, bei weichem moralisch« und relig ö e Bo, träge einen Haupttheil bilden, die Kinder der Thoraschule ein von dem Herrn Oderraddiner Farnati gedichtetehedräiiche« Lied mit ttalienischer llebersetzung fingen. Unter den vielen jüdischen Jnfiumiouen ,n Rom verdient die .Hadrath Sodesch" besondere Erwähnung. Ihr Zweck ist, die Anfficht darüber zu führen, daß bei allen r»Ugiösen Handlungen der äußei e Anstand gewahrt werde. Der' ehrwürdige Herr Samuele SUatii ist Ehrenpräsident und die Rabbi-ier und Beamten der verschiedenen Synagvgen st-d oclive Mitglieder diese« Verein». (Solche Vereine thäieu gar vielen dem scheu Gemeinden noth: Ordnung uns Anstnnb fehlen gor oft!) 0. Szesersjin. Der Aberglaube wird oft für di« vdschenlichsten Handlungen, welche in seine» Namen begangen werden, veramwortttch gemachl. Wenige aber dürften den Grad de« Abscheu'« Hervorrufen, wie dir, welche nn« an» dem abgelegenen russischen Flecken Szeder»zin gemeldet wird. KurzeZrtt nach dem Begräbnisse einesehr geOchteten Inden wurde drffen Grab offen gesunden. In geringer Entfernung von demselben lag sein Skelett, von welche» auch dir letzte Fleischspnr entfernt war. Diese furchtbare Entoecknng rief natürlich tu de» Ort« die höchste Entrüstung Hervar und die ,'osart ang.stellte Un>ersuchuug ergab, daß dir empörend« Thal ovn zme, ndrlderüchiigten Personen * :-1 JÜ