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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 36. · p. Seite 281

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 36.
Date
1888-01-01
Page
Seite 281 (sequence 5)
Language
German
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ft tyl tat fftr (Me Berreffenben eine h«i totfcalvertte L“ UuftrstStzttna, fit Me .H4um" M« solche cmrchaus nicht, ibi MUH (jftg.-v». Lasse!) wirk der .Fais. ßeit" geschrftbeu: .Am 19. wnflnfl hat Mer Dr. Bücke! etne Wählcrvasammlnna abgebalftn mb eine feiner bekannten Hetzreden darin »tun Besten gegeben. Die Wählen,-rsammuwg »«de unter freiem Himmel auf de« Turnplatz der dortigen Turngemeinde sbgehalten. Die Einladungen waren öffentlich angeschlagen an vielen Gebäuden. Sehr viele Frauen und ein grotzer Theil der Schuljugend nabmen an der politischen Bersammlnug Theil. 8« letzten Montag sind nun in der Rmbt tu der im vorigen Jahre neu erbauten Synagoge fast sämmrliche Fenster demoliN worden. Jüdische Börger »«den abends auf der Straße gröblich ttisultirt. auch thatsächlich angegriffen. Die israelitischen Bürger haben sich beschwavefüdrend üder die Ortspolftri an die StaatsanwaUsi^ast in Marburg, sowie au die Regierung in Lasse! Darauf erhielt die Rch. des gen. Bl. ein Schreiben des dortigen Bürgermeister« mit einer sogen. Berichtigung, daß „nur ca. 26 Scheiben der unteren Fenster der neuen Synagoge etugelchlageu, die oberen Fenster dagegen gänzlich nnveührt geblieben seien*. — Ein schöner Trost! Der Umstund, daß überhaupt noch Fenster unberührt gchlieben sind, scheint für den Herrn Bürgermeister eine Anerkennung der öffentlichen Ordnung in seirem Polizeibezirk zu enthalten, ^charakteristisch aber sür die Auffassung des Bürgermeister« ist die nachfolgende Bemerkung in seinem Brief: .lftbrigen« kann »an noch nicht mit Sicherheit behaupten, ob die Thal nicht etwa von Israeliten selbst veranlaßt worden ist, um Gründe zu sammeln, mit denen sich gegen Ibhaltung weiterer Versammlungen protestirrn läßt." — Was man .nicht mit . Sicherheit behaupten kann", hütet sich sonst ein Bürgermeister auszusprecheu. zumal wenn daffelbe eine schwere Berdächti- «mg anderer Personen einschließt. Ebenso «eint der Herr ürgermeffter, es beruhe, »soweit ermittelt ist, die Angabe, daß jüdische Bürger Abends auf der Straße gröblich insnltirt und thatsächlich angegriffen worden seien, auf Ueber» treibuug." — Das kommt eben darauf an, was man unter gröblichen Jnsuüiruuaen und thatsächlichen Angriffen verficht. Rach der miloeu Auffassung, welche der Herr Bürgermeister in Bezug auf das Einschlagen von Fenstern zn hegen scheint, Stk däselbe vielleicht auch in dieser Beziehung etgenthümliche uffassuugev. In Bezug auf die etngnenhft Beschwerde bei der Regierung und da Staatsanwaltschaft meint da Herr Bürgermeister, daß die Beschwerdeführer damit »wohl nicht viel Glück haben*- werden. Da Har Bürgermeister scheint also die Erörtanng und Entscheidung üba Beschwaden für eine Art von »Glücksspiel* zu erachten — bemerkt die »F. Z.* Ilktu, 27. August. (Ans da Strafkammer.) Als am Abend des 22. vor. Mts. da leb. Viehhändler Louis Adler von Butten hausen zwei Stücke Lieh von Weile ha nach Blaukernen führte, wurde « in der Räpe des Bahnhofes daselbst von de» 18 Jahre alten Hausknecht Joseph Wilhelm, dem Lemeutarbeüa Johannes Hauff und de« Schloflergesellen Johannes Mauz, sämmtlich »an Gerhausen, verhöhnt, wodurch Adla daart zornig wurde, daß a dm Hauff packte und zu Boden warf. Hauff cntriß mm dem Adler seinen Peitschenstock, brach denselben ab und wollte sich mit dem größeren dicken Theil desselben entfernen. Adla gieng dem Hauff nach und suchte ihm den Stecken zu entreißen. Während diese beiden so mileinanda rausten, kam Wilhelm habei. da de» Hauff dm Pettschenstecken aus der Hand nahm und damit dem Adla einen Streich üba das Gesicht versetzte. Düs» Streich hatte die unglückliche, von Wilhelm «meswegs beabsichtigte Kol«, daß das link Auge des Adla dermaßen verletzt »«de, daß es entfrnt werden mußte. Diese schwere 8örpaVerletzung hat Wilhelm mit eina Geplngnißstraft von 1 Jahr und 4 Monaten zu büßen. Daneben hat « dem Adla als Entschädigung für den Baluit seine» Auges vvv ML zu bezahlen und weitahin noch den demselben verursachte« Schaden ft'ftntafted und Erwerbsverfflumntfc) i« Betrag von 227 ML zu ersetzen. ZUgoöurg. Rach langen und schweren Leiden verschied im best« Manuesalte» da Lehar uusera Nachbar- Gemeinde Kischach. Hea Ephraim Wolf, tiefbetranert von seiner Familie, da a ein liebender Gatte, ein zärtlicher Lata, ein treua Brnd« wir, von sein» Gemeinde und daen Jugend, denen a 18 Jahre ein gewiffeuhafta und tüchtig» Lehar gewesen und von seine« Lollegen, Freunden und Bekannten in Slah und Kern die ihn als guten und bleber» Menschen liebten und hochachteten. Er gehörte zu den immer wenig» werdenden Lehrern, die «ft profanem Hüffen eine gediegene Keuntuiß des Talmud verbinden. — Die zahlreiche Betheiligung bei feine» Leichenbegängnisse von Heimischen und Fremden, voi: Glanbensgeuoffeu und Nichtjndeu, sowie die weihevolle Leichenrede des Rabbiner» Lohn aus Jchenhauseu an feinen Grabe und da darauf folgende in da Synagoge gaben beredtes Zeuguiß von da allgemeinen Werthschätzung, welche da ftxeMgte in Leben genossen hatte. G»«ßhl>1«pwlow London. »Eine Ehrenrettung der alten Rabbinen* — so betitelt sich da folgende Artikel des Herrn Schiller- Sztueffy in Nr. 22 des »Jewisl, Standard* vom 1. August d. I.: Die Kanzel von Et. M aria, da Univerfitätskirche zu Lambridge hat bei verschiedet«» Gelegenheiten dazu gedient, »ehr als bloße Beschuldig«» zen gegen dft alten Rabbinen in Me Massen zu schleudern. In vagangenen Jahren find von derselben blank und schaff geschliffene Pfeile mit ein» gewissen Gewandtheit auf ihre Gelehrsamkett abgeschoffen worden und zwar besondas von dem als Kanzelredna berühmten Weihbischof von Destmiusta, Dr. Farror, welch» versuchte, in seinen Predigten dft Rabbinen lächerlich zu machen. Natürlich gelang chm dies nicht im«». Zwar gestanden einige Zuhörer, daß die einzigen interessanten Stellen d» Predigt dftjenigcn wären, in »velchen die sogenannftn »Ttzorheiten* der Rabbinen gegeißett wurden; dagegen gaben auch wied» dft Geistlich« all» Grade, welche mit d» rabbiuischen Luteralm betrcutt waren, eine richtige Aufklärung - über diese »»weintlichen »Thorheiten* und bewiesen. daß dftse in Wirklichkeit nnr von ihr» anßergewöhnlichen Weishett Zeuguiß ablegten, von Zeit zu Zeit haben denn auch christliche Predige», welche des Rabbinischen kundig waren, ganz unbefangen und in edl» Sprache üb» dft Rabbinen geadet. Sem» hat dftses ab» »ntt «ehr Erfolg, weil nn»wartet, gechan, als Rev. A. 8. Williams vom Jesu-Lollege, Rectar von S mpton, Bnry St. Edmunds in der am 22. Juli von ihm gelaltenen Predigt. He» Willams »oar vor mehreren Jahren Re :tor des Moore Lollege. Liverpool, mußte ab» aus GesundhettUrückstchten diese Sftlle »»lassen. Während sein» akademischen Laufbahn »hielt » dft ersten Preise für Theologie und ist auch als einer d» gelehrtesten und einsichtvollsten Glied» des Klerus d» Landeskirche bekannt. Da » sich zugleich des Rufes rabbinisch» Gefthrsamkett erfreut, »»artete man mit Recht, tu» Laufe d» Predigt u. A. auch etwas filier dft Rabbinen und ihre Lehren von ihm zu hören. So geschah es denn auch. Er sprach vor ein» großes Zuhürersämst, von denen sehe vftft ohne Zweifel nur ans Neugierde sich eingefunden hatten. Hea Williams sprach ausführlich üb» dft große Gelehrsamkeit da Rabbinen, und beschrieb in glühend» Sprache ihren Scharfsinn, »ntt welche« sft den wahren S'uu des Schriftwortes anszulegen vermochten, ihre Wahrheitsliebe, dft Reinheit ihres Lebenswandels n. s. ». u. s. w. Man darf gestehen, das talmudische Judenthu» hat »n diesem Tage einen Triumph gefeiert den man mtt kurze» Worten ein,Kiddn»>h hMchem* (Heiligung des göttlichen Namens) nennen kam». 0. -London. In eine« Vorträge, den Hea Dr. Richards«!» i» Santtäts-Jtfftitut Großlirttcmnftns hielt, behauptete d« Redner, daß eine lange Lebenskraft von erblichen Eigenschaften, d» Tugend d» Emhaltsamkett, d» Anfrechterhalvwg

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