Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 3)
- Language
- German
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— s«r — tzwuuge» zu fiuge» und rtttffitfe Begeisterung Btt dte Wlf* dies»» gBca»»». Heut,!, Mt da» Siugeu de» Lhor verlaffeu ist. Mt für die Zähörer riu» der wesentlichsten RudachWerveckunggmtttel weg. Da» Stell oertrrtungssystrm Ci seine» We» v»a der Gesellschaft, i» Welcher oft xnr rch Delegirte abgestimmt Wird, tu di» Synagoge gemacht Mld wenigste«» mit demselben unglücklichen Erfolge. Der taltige Syuagogeubesucher ist ge«öh»t, den Lautor und di« Ehorsänger al» Personen «uzuseheu, welche dafür bezahlt werden, daß sie ihm dte Mühe der persönlich« geistige» Anstreuguug erspare», wir beten durch Stellvertretung — uud st»gen durch Stellvertretung; uud doch ist da» Schweig-Syste« oft ein schreckliche» Uebel. Wen» aber mm die ^Gemeinde wieder fingen soll so muß auch dte Mufif wieder einfacher werden. Al» Regel »uß gelte» »Lied", nicht Kunstgesaug — und diese Regel müßte mit goldene» Lettern zum Wohl de» Chor« dtrigeute» htugeschrtebeu werden. Wenn die Gemeinde» fich de» Singen» enthalten haben, lo geschah dir» wohl zu« Thetl d«»halb, weil die dmstvollen Chöre ste schon zum Schweigen zwangen. Wenn anstatt eine» einfachen Gesänge« opernartig« Compofitiouen schwierigster Struktur da» große Ganze der Syuagogenmustk anSmache», so ist e» kein Wunder, daß die Andächtigen fich in» Dunkel zurückzieheu. Wa» wissen dt« meisten auch von Hochgesang und wie ist e» thue» möglich, da» hohe 6i zu handhaben? Gebe man ihnen ei» Lied u»d fir werden e« mit dem besten Erfolg zum vortrag dringe». Gebe mau ihnen einen E a n t a t e n au»zug, sie werden ihn zurückweisev, ohne fich für die Gabe zu be- Hauken. Durch diese gesteigerten Ansprüche eben erlangt mancher Lhor auch nur den Erfolg — fich lächerlich zu mach«. E» steht ernstlich zu erwarten, daß die Verfasser de» ueue« Gesangbücher diese Umstände wohl erwogen haben werdeu. Der Ersolg ist mehr al« ein bloß ästhetischer. Die Richtbetheiltgung der Gemeinden an den gotieödienftlichen Ha, dluugeu schwächt de» Eindruck de» öffentlichen Gotte»» dieufte» zu« offenbare« Nachtheil der Religio» Außerdem aber ist dieser empotstrcbeude Lharakter moderner Synagogen« mufik auch veraMwortlich für die gewöhnliche Erscheinung der «ufikalischen Fiaöko's, welche den Zuhörer» oft so viä Umerhaltuug bereiten — Unterhaltung, welche durchaus verderblich wirkt, uud utchr dem Zwecke eutspricht, welchem di« öffentliche Andacht dienen soll. Di« durch gräßlich« Dissonanzen erzeugte Heiterkeit, di« manchmal der Synagogen« mufik entspricht, ist wahrlich nicht die geistige Freude, welche au» uuserrr Gemeinschaft mit de« höchsten Wespe entspringen soll. Solle» daher dte Vorwürfe, welche jetzt dem Tynagvgengesauge auhaflm, verscheucht werde», so muß ein gauz ueue» verfahre» eingesühtt werdeu. Wen» sorgfältig a»«- gearbeitetr Piecen au» dem Bereich« de» Kuuftgesange« al» uuadwei»ltch uothweudig ecachtet werdeu. s» «üffen e» solche sei», welchr die beschränkte» Fähigkeiten de« Lhore» nicht itbelstrtge»; doch müsse» diese mtx für Au»aah«efSlle uud bei testnderea Gelegeuhette» zur Verwendung komme». Der Stamm der Syuagogeumufik «uß au» einfachen Gesäuge» bestehe», w>lch« die Gemeinde — Männer, Frauen uud Kinder — stngeu kau» uud die der Lhor, entsprrcheud seinem rechtmäßige» Berufe, nur zu letteu hat." lWtr — und mü uns gewiß sehr Biele — stimmen de« hier Gesagten »ach de» tu tat Gemeinden gemachten Erfahrungen au» ganze« Herze« bei. Red.) Die -»«mzi-fte J»hresvers«rrml«»i der i-r«eUtische» Lehrer Hesse«» z« Hmea«. E» erhebt fich jetzt ei» Widerstreit der Meinungen über ei« aufznnehmend« Debatte, die bei „tat Gegnern darin gipfelt, daß dir Thesen nicht vor Begiu» der Versammlung veröffentlicht waren. Rothfchild-Holzimasr» gear» Debatte, auch Oppeubetm-Tretzsa, der wegr» Nichtveröffeutlichung eine» Vorwurf erhebt, da er firh verhindert glaubt, et» klare» verstäuduiß zu gewinne». Blach-Gudeusberg für die Debatte, da die eben oe» hörte» These» an Klarhtit nicht» zu wünsche« übrig lasse». Lorneliu»-Rotenburgrechtfertigt diedie»maligeNichtveröffeuttichuug der Thesen. Gutkiod-Kassel: Thesen solle» für uu» Lehrsätze seiu. I« Jutereffe unserer Schult, für da» Wohl der Gemeinde ist r» wohl angebracht, au die verlesenen Thesen ouzuknüpfen. Dr. B ä r w a l d - Faulfutt hebt hervor, daß er al» Gast hierher gekommen sei, um zu lernen. Er halte tat Gegenstand fit überaus wichtig uud könne der Meiuung»- au»tausch, ob für ob gegen eine Debatte, gauz Wegfällen. E» sei ja schon sehr vertienitlich, daß da« Thema überhaupt gestellt sei, und da» mitfle sprechen. Er erinnert an die Zeiten, wo man von soz. Siddur-Lamdoaim sprach und sei e» in mancher Hinsicht erwünscht, solche in zeitgemäßem Gewände in unseren Kindern wieder erstehen zu sehe», da ja da» Gebetbuch die weseitliehste Mitgabe in da« Leben sei und eine bedeutende Fundgrube religiöser Belehrung enthalte. Häufiger wie au» anderen Büchern begegnen hier dem Kind« Stücke aus allen Theilen der heiligen Schi ist und auch au» dem talnmdtscheu Gebiete. Man habe von cen berühmtesten Männern daria: einen Gadriol -inen Maimoaides u. A. Da« G, betbuch sei im Unterrichte nicht bloö zu orrwertheu wegen de« religiösen, sondern auch wegen t«» lttterarischen uud geschichtlichen Inhalt«. Nachdem «och G u t k i n d - Kassel uud L e v i - Hosgeistr.ar dringend zur Debatte rathen. läßt der stelloerlreteade Borfitzende abstimmen und )ie Äufnahne derselben wird votitt. Dr. Stein dankt für diesen Beschluß. Jetzt wird die erste These nochmal» ,»er leien, und r» erhält da» Wart Provmzial-Rabbiuer Dr. Kares. E» sei ihm schwer, äußert der Redner, zu dieser These zr sprechen, aber e» sei doch wohl besser, schon mit Rückficht auf den göttlichen Echöpfung»- iodalt, nicht zu secirer. Jta Gebete sei t icht blo» biblischer und talmudischer, sondern vor allem jüdischer Geist. E» sei uicht zu sehr die verstauresrichttmg, sondern vielmehr die Erhebung von Herz uni Gemüth io» Auge zu fassen. Wir haben zehn Gebote, zehr! Witte. Warum? Weil da« Wette find, die fich Geltung verschafft haben. Nicht die dogmatische Färbung sei der Grundstein für die Sinai-Gesetzgebung, sondern all' die Pflichttteue, die Hingabe au die Ansübnug der göttlichen Gebote, die Selbstläuteruug zur Sittenreinheit. Redaer schlägt daher dÜ! Fassung vor: »Da» Gebetbuch ist der Spiegel de» jüdischen '»erste» durch alle Jahrhuudctte, sowohl au» den froheu, al» auch den trübste« Zeittu." Bloch- Gudensberg schließt sich der Meiuuug de» Borrrduer» an, glaubt ade: w ederum, daß dtt jüdische Geist auch tu gewisser Hinsicht der Spiegel de» Talmud» sei. Amrnm-Borkeu: Der .dogmatische Inhalt" de» Gebetbuch«» ist ja da» Thema, nicht da» ganze Gebetbuch. Plaut-Gredeusteu spricht fich dahin au», daß di« vorgeschlagene Fassung de» Dr. Kottf eine allgemetue, für die folgenden einleitende These eathaltt und sei solche iu dieser Form annehmbar. N u ß b a u m - Hettkeld erklärt fich mit dieser Meiuuug eiuverstandea. Eorueliu»-Roteubvrg wünscht Zusaunnenziehuug der erste» uud zweite» These uud hält die Faffuug Kvref für accrptabel, möchte oder da» Watt Talmud streiche«. Dr. Stein reDfertiist den talmudischeu Standpunkt iu der Sache, hebe di« besondere Teudeuz der beiden ersten These» hervor und ditttt mr Annahme derselben. B l a ch - Gaden«tei-, will davo» abratheu, den Talmud al» redaktionelle» Urtzeta hierin aazuseheu, well e» geschichtltch »och uicht klar sei, ob der Talmud diese Urhcherscktast Hab«. »Wir find eigmtlich auch uicht berufe» dazu, >««