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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 34. · p. Seite 260

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 34.
Date
1888-01-01
Page
Seite 260 (sequence 2)
Language
German
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de» Herrn A. deBarathy; aber «au fühlt doch, baß c« kic Politur der Musik sehr erhöhe« würde, wem» Damen mit guten Stimme» (und deren giebt e« viele) ermuutert und gemShnt werden könnte«, sich an dem gesanglichen Lheile de« Gottesdienste« zu beteiligen. Zu diesem Zwecke soll eine eigene Domenabtheilung gebildet und eine LKrzeig« in Jh.e« Journal veröffentlicht werden, wodurch befähigte Dame» ein» geladen werden sollen, an d'esem schönen Werke sich zu betheiligen und der UebuugSklaffe anzuschließen. E« wird dabei beatfichtigt. die Damen von ihrem Platze mitstugeu zu kaffen. Hoffentlich wird dieser Auffordei ung entsprocheu «erden und die Einrichtung auch in anderen Synagoge« Nachahmung finden. Harmony." Zweiter Artikel: Uusere Spalten in einer früheren Nummer brachte« eine Anzeige und einen »Harmony" Unterzeichneten Brief, «elch« für eine große Anzahl von Personen, die sich nach einer Bervolltommnung de« Synagogen gesauge« sehnen, erfreuliche Miltheilungen enthielte». T« solle» nach denselben an den Lhorgrsäugen in der Bay<water Synagoge sich auch Damen betheiligeu, um durch dieselbe» den musikalischen Theil de« Gottesdienste« an dieser AntachtSstätte Wirkung«- veller heroortreteu zu lassen. Die neue» Hilfstruppen sollen tu einer besonderen Lbtheilung zu diesem Zwecke heran» gebildet »erden, ober in der Synagoge ihre gewöhnlichen Plätze nicht verlasse», während fie mit dem Lhor finge», -ine angenehme Erscheinung würde also für den reizbaren, leicht io Versuchung geratheudeu Andächtigen heraufbeschworea werde» und schließlich die Andacht von dem zu hebenden Gottesdienst bedeutend ablenkcu. Ohne Zweifel würde auch die Einführung dieser Renerung in andern Orten, welche fie weit uöthiger hätten, Nahrung finden. Glücklicherweise ist aber in der Lhat die qoui religiöse Schwierigkeit wegen der Betheiliguu» der Damm längst gehoben-, da fie ja nicht al« orgouikrte Gruppen beim Gesänge sich tttheiligen solleu sondern nur al« Ä i t b e t h e i l i g t e, nicht al« Choristen, sondern gerade so, wie fie e« schon bisher ohne Eiusch, änkung und Beanstandung gethan haben werden. Der Unterschied würde nur darin bestehen, daß fie jetzt sich erst zu üben hätteu um ihre Betheiliguug wirksamer erscheinen zu lasse». Wir selbst waren dieser geschickten Beseitigung einer religiösen Erschwerung schon längst zngethan und haben die Aufmerksamkeit unserer Leser schon längst auf dieselbe hiugeleukt. Unglücklicherweise wurden aber die angenehmen Träum:, welche die Aufforderung „Harmouy'S" erzeugt hat, grausam zerstört. Unser Sorrespondent hatte die Rechnung ohne den Sirth gemacht — in uuse-m Falle ohne Diejenigen welch« in Alle«, waS der Synagoge mehr Anziehungskraft verleihen kann, einen Verrath am Judeuthum wittern. Der Vorschlag. Damen al« Aushülfe für de» Chor zu verwenden, wurde von denselben io einem in »origer Woche veröffentlichten (Schreiben al« unberechtigt zurückgewiesen. Natürlich, da« Gespenst, welche« die Jude» im Mittelalter erschreckte, hat anch i« 19. Jahrhundert die Kraft nicht verloreu, Angst «inzuflößen. Die Israeliten von Hyd« Park und Mutda HUl sind mit ihren Voreltern auS dem Ghetto in dem Glauben einig, daß die den Fraveu ertheilte Erlaubnis», öffentlich in iwr Synagoge zu fingen, de» Glauben und die Religion gefährde (!?Red.). Im Frsthalteu an Jrrthümer« übettreffrn in» thlttfächlich die h e u t i g e» vertteter de« Judenthum« ihr« mittelalterlichen Vorbilder. Sie wissen, daß heutzurage Krauen in der Synagoge finge»; fie wollen nur da« Faetum nicht me, kennen, weder dadurch, daß fie dtcfilben al«. Stützes de« Ehore« bettachtet wisse» wollen noch dadurch, daß fie ihneu den Mund förmlich schließen. Dt« gehet«« Geschichte dieser BaySwater Fehlgeburt würde, wie wir senuolhea, eine interessante Lectürr «chorben. War da« »unberechtigt" der Otzponenteu nur ein Schreckschuß? Ober hat Jemand mit Kreide hiuetngemalt: .Keine Bigotterie f' und hat bau» Reiß-«« geuouuue»? Bou »elch«» GefichtSpuuktt >»« wtt die An^legenheit. auch betrachten, fie Ist so merynicklich, daß wtt -er» oou ihr Abschied nehme». Wtt verweilen daher lieber bei eiurr ander« Frage, »elche durch sie hervar^ruftn wirb «u» «ist» zum hundertste« Male auf btt dringende RothweM^rit hin, im Synagoger gesauge eine Beroollkommnnu, herbeizuführeu, sei e« auch auf welchem Wege e« «olle. Daß der gewöPt'- liche Synagogeacher wen» auch wohlgeschult und »irksaut, nicht i« Stande ist. ohne Unterstützung den mufikalische, Anforderungen zu genügen, ist eine Thatsache, welche der Betende, durch ttaurige Erfahrungen veranlaßt, ui« und nimmermehr hin wegleugnen kann. S« ist nicht möglich, daß einige Männer und Knabe», welche» in der Regel dtt Anfang» gründe der Mufik nicht bekamt find, in einem wette« Raume auch nur die einfachste» Gesänge mit Würde »ud Nachdruck vorttageu können. Wem. me diese« nur zu häufig der Fall ist, die Melodien zu gekünstelt und verwickelt find, so erreicht dtt Schwierigkeit de» vortragt« manchmal eine« so hohen Grad, daß der Chor in dtt Gefahr de« Stecken» bleiben« geräth. Wir würden erstaunen, wem unsere Leser nicht im Staude sein sollten, diese Behauptung durch Beispiel« au« den »ährend der jüngsten Feiertage (Peßach nutz Schabuoth. L.) in ihren Synagogen gemachte» Erfahruugm zu unterfwtzeu. Der Lhor wird zu oft für Fehler verantwortlich gemocht, dtt mm ihm eigentlich garnicht amechne» kam. Wtt fordern von einer höchst schwachen Maschine, daß fie eine Rieseulast bewege md dm» schmähen wir dieselbe, wenn der unvermeidlich« Krach erfolgt. Der Fehler lttgt in dem System. Wem der Synagogengesang mbefriedigt läßt, so lttgt die« darm. daß die Gemeind, glieder keine Schritte thun, ihn besser z« mache». Lhordirtgent und Sänger machen e« so gut fie kömeu; daher kam da« Geschrei über ihre Leistungen wem diese ohne de» gewüuschte» Erfolg bleiben, nur dazu beittagen, den Mangel m Harmouy «och zu steigern. Soll der Synagoge zesing verbessert werden, sa müsst» wir logisch verfahren. Da die schwache Seite im Chor liegt, so müssen wir dahin streben, diesen zu stärke» oder ihn eine« Theile« seiner Bürde zu enilafieu. Smn beide« zu gleicher Zeit geschehen, dam ist'« um desto beffer. Fr.twillige Hülfe ist hierzu unerläßlich M.inuer und Sorben würden für diesen Zweck sich nun vorzüglich eignen, wenn fie aefzu» treiben wäre» und. wenn einmal gewonnen, mm fie auch frsthalteu könnte. Aber unabhängige mämliche Ehoristen rechtfertigen diese» Titel dadarir, daß fie zeigen, daß fie auch nuabhäugtg sein wollen, d.h. daß man fich mf fie nicht verlassen kau», ebenso wie diese« bei den unabhängige» Mitgliedern politischer Vereine der Fall ist. Geschäfte uehmm fie zu sehr in Anspruch ml verhindern fie dm Uebmgeu, durch welche wesentlich der Erfolg de« Chor« bedingt ist, die gebührend« Aufmerksamkttt zu schenken. Da« zarte Geschlecht dagegen hat mehr iNuße und, wtt wtt hiuzusüge» dürfen, mehr Begeisterung nnd Ausdauer. Wenn daher irgend etwa« gethan we den soll, len Chor zu kristige» so müssen wtt un« nach weiblichen Kräften »msehen, um durch fie dm Lhor zu unterstützen. Dtt Rekruten brauchen weder Barett noch AmtSrock zn tragm; auch ist e« weder mbedtugt oöthig, daß fie ihren Platz ms dem Almemor haben, »der in einen besondere» Käfig hi ater der Bunde «lade eingeschloffm werden. Nur ihre Mitwirkung ist wünscheuSwerth, md trotz de« BaySwater Fiasko« wird mm die Nothwmdigkeit dieser Praxi« früher oder später anerkennen Ferner wirb der Syiiagopeuges ng ute dm ihm gebührrudm Grad der Bollkowmenhett erreichen, M» er gleichbedeutend mit Gemetndegesang gewordm ist. Der Jrrthnm, welchen wtt bi«h,w begaugm haben, besteht darin, ' daß wir dm Lhor al« die Sing Maschine m^sehm hadm,- »ährend er doch mr dtt leitende Maschiue de« Gesauge« sei» soll. Und dieser Fehlgriff hat ebensowohl di« Erbaum, al» dtt Aesthetik schädigend« Uebel erzeugt. In alten Zeiten, al« mm noch keine Lhitte hatte, war btt Gemeinde ge- .

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