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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 33. · p. Seite 252

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 33.
Date
1888-01-01
Page
Seite 252 (sequence 2)
Language
German
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und <0 tarn ungefähr bi» jni Jahr« 78 ciac große von lZudrn Reserveoffiziere ^oordm find. Der Berf. «eint, daß „die Schnld an der wüttdlichkett der gegenwärtig« «erhäftmffe zum größt» Thttl au de« Juden felbf. tk«t." Haben fich die Jude» wirklich in dieser kurzen Zeit so zu ihre« Nachtheil geändert, seitdem der.Graf Saldersee der Stellvertreter Moltte'« «vd eine einflußreiche Person ge» morde» ist? Der Berf. schreibt auch »ust Dinge, di« schmerlich mit der Wahrheit übereinsttmmea »md die al« Zugeständmifle «tue« Inden den Antisemiten sehr Willkomm« find. „Bon dm Strafen, die über Einjährige »egen Urlaubdüberschreitungen, Wachvergchen, Respekt« «idrigkeftm u. dgl. verhängt «erden, fallen mehr als die Hälfte auf Juden." Wo ist di« Statistik, di« diese schier unglaubliche Thatsach« belegt? Wir lebm in e-ner Festung und habm nie von einer solch« «tsetzlichen Berwilderuug jüdischer Freiwilliger etwa« vemommeu. Weniger zu koutrollirm ist die andere Behauptung: »Auf jeden Juden, der sich die vollste Zufriedenheit seiuer Bor» gesetzt«, kommen immer fünf, die da« gerade Gegmtheil erlang«.' Die Frage ist nur: warum ist da« Ale« erst seit zehn Jahr« so schlimm gemordeu und warum erreich« tu andern Heer« Jud« hohe militärisch« Würd«? E« würde un» wie gesagt nicht wuude«, wenn viele Stell« au« dieser Broschüre mit großem Behag« in der „Sreuzzeituug" citirt würd«. Der Luror gehört offeubar zu denen, die nicht durch die religiöse Uebung, nicht durch religiöse« D«k«, kaum durch Sympathien, sondern nur durch die Abstammung «ft un« zusammeuhäng« und die natürlich, da ihm» da« Judmthum ganncht« bedeutet, dm Aotisemitt«mu« am schwerst« empfioden. Manche Behauptung, die Berwaltung-maxtm« in Prmß« betreffmd. ist leider nicht wahr, so z. B. »der getaufte Jude wird ja nicht ander« behandelt al« der ungetaufte'. ffiit erinrern daran, daß Simson und Friedberg Ritter de« schwarz« Adlerord«« find; wär« sie die« al» Jude» geword«? Wir lesm am Eingang dieser Broschüre: „Die antisemitische Bewegung ist vorüber; kein vernünftiger Mmsch im dmtsch« Laude dentt mehr daran, die Bersaffuug zu Gunsten irgend eine« Bekm»tr>iffe« umzuäuderu". Ob vernünftige Mmsch« daran dmkea, da« wollen wir uuerörtert lassen; daß aber wichtige und einflußreiche Organe der öffent» lichen Meiuunz daran dmken, die Recht« der Jud« eiuzuschränken, ist leider außer all:m Zweifel. Moutmffel hat da« auch gethau ohne die Bersaffuug zu ändern. Die zwarrzigfte S«hreSversa««l»»D der israelitische» Lehrer Hesse»S z« Hamm. '.Rach Beschluß unserer fteim Jahre«-Eo«fereuz vom 4. Juli 1887 war Haua« al« Ort der diesjährig« Zusamramkunst bestimmt ward«. Erforderte diese Wahl für ein« nicht geriuge Anzahl vo« Lvlleg« weg« der größer« Entsemuug diese« Platze« eine etwa« kostspielige Reise, so brachte «an die« Opfer »ern in de« Sedankm, fich auch dort «ft lieben Frmnd« zusamaieufiad« und in der stet« wieder erwachend« ftoh« Hoffumig, auch von da recht erklecklich« ideell« Gewiun a» erhaltener Belehrung, Anregung yv« und Ermunterung für da« Berufsleben damutrag« p, könne». So führt« devn di« vettchtOenftr» <Scht«e»weg«. besondor« die au« nördlicher Richtung, der frmwliche» Stadt «» Mai«' und Atuzi, «tue große Zahl von regelmäßig« Loüserenz- Besuche« zu. der« fich die an« de« Süd« de« HtätttaaB* bezftke« herbttgettit« Amtsdrüder hiuzegeseüle», welch letztes» mau durch Wahl eine« ihrem Domtctle näher« Ortt» wreoeg. «tu Lutgegeukomm« beweis« wollte. In dir Präsenz! islft hattm fich mtt Einschluß der Säfte während der Confer«, ca. 60 Theiluehmer eingetragea. Am S. Juli cr., Marge,» 9 Uhr, fand «an fich in der .Emdmlhalle' ei», nud bald hatte die Glocke unsere« verehrt« Borsttzmdea, Her« Semiuardtrigeat« Dr. Stein, dt« Anwesend« zu« Platznehm« eiugelcch«. Dft Bersammluu, wurde eröffnet nud Suuächst zwei Srrophm de« vou Her« G «t k i» d - Aasstt itouirt« Choräle« .O, Gotte« Geist kehr' btt uu» ei," von allen Theilnehmer« gesungen. Hierauf richtete der Borsttz«d« ttn« freie, recht herzlich« Ansprache «, die versammtt« t«. Der Redner gedachte zunächst der jüngst« nationale» traurigen und erschütternde» Ereignisse. wttch« da« dentsch« Laiserhau« uud «ft bitte« da« gauz« Bott tftf detroff« Hab«: de« Heimgänge« Sr. Hochsel. Majestät Lasser« Wilhelm L, de« Siegreichen, de« Begründer« deutscher Einhttt «ad Machtstellung, sodann auch Sr. Hochstt. Majestät Kaiser« Friedrich IÜ. de« Standhaft«, M Mitbegründer« de« ttuigm dmtsoz« Reiche«. Wa« dt« Hoh« Entschlafen« de« Saiserhause, dem dentsch« Bot kr, j, der gauz» cnltioirtm Welt gewes«, sichere Hechdmselb« ttn ewige» Audenken: »Dem jung« Nachfolge ans dem Throne, Sr. Maj. Satser« Wilhelm II* möge der erflehte Mtttche Schutz und Segm bttchied« sei»!' Die Bersammluu« hatte sich zum . Zeichen der Ehrerbietung von dm Plätzm erhob«. Nunmehr auf die Thalsache übergehend, daß die heutig« Jahre«.Berf»mmlung der i«r. Lehrer Hess«« die zwanzigste sei, »erd« dt« verflossen« zwtt Jahrzchnte tu mtsprecheutzer und sachgemäßer Wttse eine« Rückblick« gewürdigt. Mit Befriedigung könne der Blick auf diese« Stücke BeredOaeschichte weil«. Auf da« Jahr 1868, wo zu« erst« Mal« ttu« äußerst steine Anzahl i«r. Lehrer Hess«« tu G«uter»haus«, dem stnotmpuufte mehrerer Eisenbahn», zns»mm«kamm, zurückgrhmd, war« dt« Bestrebuug» hervorzuheb», welch« zunächst di« Ausbesserung der materiell» Lage der tsr. Lehrer uothwmdig «achte. »Eben war«', so führt der Redner au«, »dft altm staatlich« Form« gebrochen, war uriser engere« Vaterland Provtuz eine« groß« Reiche« geword» Zwar hatte die Annexion «usere i«r. Justitutiou« fortbesteh« lass«; doch sie paßt« tu mancher Wttse nicht auf die verändert» Verhältnisse uud mußt« sich tu dm «neu Staat«k»rper ettt hiueiulebeu. Jwsbesoudere wurde vou au« drückend empfuud«, daß dt« früheren Bttolduug» von «eist nur hundert Thal««, die wohl zu d« patrtmchalssch« Ztttm de« altm Lurhessen«. wem, auch nicht ausreichend, so doch mit dem Ganz« «ehr harmoufteud waren, jetzt »ach dem groß« Amschwuuge «ft seiuer E»twerth«g de« Geld««, seuwr vertheneruug aller Lebe»«l>edKrfuifft fich «hg gäuzlich unzugänglich erwiesen." E< konnte dann weiter ausgesprach« »erd«, daß die tu dftser Hinsicht uuteruommene» Schrftte sicht ohne Erfolg gewesen sei« uud hält» wenigst«« doch dahin geführt, dm christlich« Amt«brüder» tu de» «tuimalm Bezüge de« Gehalte« glttchgeftttlt zu werden uud zwar D«ck der wohlwollerbeu Aufnahme uud Berücksichtigung wohlbegrüudtter Petttftam Sttteu« hoher Staat«- regtemug nud der Unterstütz«,, jmer Stt«he durch loyale Abgeordnete. Auch nmrd« für lft i«r. Lehr» 9000 Btt. tu dm Sraat»ha»«h«tt eingestellt zur Aufbesserung der jüdisch« Schul stell« Hess««, und dft gleichmäßig« Dienstatters. Zulagm ward« «ch für die i»r. Lehrer bewwigt. .Wenn einmal dft umfitn-re-cheu verhau dlaugeu hierüber »eröffeu». licht werden sOltm. dann wird man eiasetz«". s« durfte unser verehrter Vorsitzender mtt ifiecht sa^u, „daß nuferer, seit« dft Häad« nicht in d» Schooß gelegt worb« find.-

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