Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 2)
- Language
- German
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Frömmigkeit ausg^eichneter Lehrer in Israel. Uad sei«' Maxime, so hart sie auch scheint, wird, ta seinem Sin« dei Andachttstörung« a»«g.füh»t, sicherlich nur Heil stiften. Wir betone»: in seinem Sinne ausgeführt. Was wir damit sagen wollen? Als «inst Rabbi Nechunsa von seinen Schülern gefolgt ward«, wodurch er ein so hohes Alter erreicht habe, antwortete er zuvörderst: .Nie fühlte ich mich durch die Erniedrigung mein«« Nächsten geehrt.* Diese Aubeutung dürste jenen eigev artigen Ge» meindepotentaten genügen» welch«, wenn sie sich ja irgend einmal aus dem Jndifferentismu- und Schlrndtion oustaffen, von einer Herrschsucht geleitet werden, die weder Maß noch Ziel kennt. Was uom diesen besonders die domins» novi, alias Gevatter Schnöder und Handschuhmacher oder dunkle Ehrenmänner, an Knltsinn, Gedankenlosigkiit. sogar Selbst» rühm ihre« AtheiimrS, andererseits an dummstolzem und be» fehlshaberischem Benehmen und ähnlichen Lächerlichkeiten zu lefften vermögen, loxt entschieden zur Lustspieldichtuug ein. Difüoile est satir&ti non soribere. Dr. PH. Kroner-Br. (Die Anregung unsere« grich. Kollegen und fleibige» Mitarbeiter« ist wstlich ein 21V ,12 V152 121, „ein trifflichr« Wort zur rechien Zeit" — da wir eben in den Ellul- Monat einxetreten und un« zum Einpfang der hohe» Fest» tage vorbereiteu. Jede „Shaagogenordnung* enthält, zumeist an der Spitze, einen lZaragrapheuüber ruhige«, würdevolle« Verhalten bei« Gottesdienst, und der <Schulchan Aruch ist reich au Paragraphen über die „Ehrfurcht im Gotteshause", heilige Andockt beim Gebet, leise« B-t-u, — schon in den Psalmen 65.2 heißt es: .11211 fTI (latu Dei ailentiom eet!) — Verbot de» Plaudern» (selbst während de« Aufrufen« und Hinaufgehea« der zur Thora Ausgerufenrn). de« RäuSpern« u. dgl. Würde Jemand A nstoß daran nehmen, wenn die bete. §§ trt Schulchou Aruch — in Uebersetzuna natürlich — an de« Eyoagogrnthüren angeschlagen würden? Vielleicht unterzieht sich ein jüngerer Kolleg« der Aufgabe, die betr. religiösen Bestimmungen zusammenzustelleu; wir wollen sie gern in dies Bl. verüffruUichen und durch Separat» abdruck zur Verbreit ang in den Gemeint«»» bestragen. Red.) Utbet Gottes'lSfterrmg ««th de« Straf» -efetzdml, de» deatfihe» Reich». Da» ReickSgericht hat nach dem jiiogft erschienenen 16. Bande seiner Entscheidungen in Strafsachen sich über da« Wese« oer Gotteslä'teruog nach dem deutschen Strafgesetz» buche in folgmder Weise ausgesprochen: Der Paragraph 166 Str.»«.»«.: Wer dadurch, daß er öffentlich in beschim» pfenden Aeaßeruugen Gott lästert, ei» Aergerniß giebt oder pp., wstd mst Gefängniß bi« zu drei Jahren bestraft. fordere zum »ollen Thatbestande de« 8lergehen« der Gottes» lästrruug, baß durch öffentliche Lästerung eia Aergerniß gegeben ist. <k« gtnüge nicht, daß die öffentliche Lästerung so beschaffen s«, daß sie Aergerniß zu erregen geeignet sei. Zur BegiÄudvog diese« Gruudsaize« führt da« Reichs» gericht nach den Motiven de« Gesetze« au«: Gott kann nicht als durch eine menschliche Handlung verletzbar gedacht »erden und darum noch nicht der Sicherung durch menschliche Sttafru dedüi'en, wie ein« btterdigle irdische Person. Jede Gotteslästerung eutlzält jedoch eine Brlrtzneg de« religiöse« Gefühl« Anderer, diese» Gefühl darf schon deshalb auf den Schutz det> Gesetzt« Anspruch machen, um uicht die Meinung oufloaurrn zu taffen, daß der Staat an der Erhaltung dieses religiöse» Gefühl« im Volke keine» Auchell nehme. Da« Gesetz straft also nach sei«» inner» Grnnde die ^.. Verletzung des religiöse» Gefühles derer, die Gott verehren, diesem Gedanken ist du«h deu iiesttzg-ber »ft dem Erfordernifie der Lrrgeruißerregnn, luittMt gegeben. »Zollte man da« E-forderuiß darauf beschränken, daß zur Bestrafung genüge, wenn die Aeoßeruag auch r«r geeignet sei, Aergerniß zu geben, so wäre nicht verstäulftich. weshalb der Geschgelwr dann las Erforderniß überhant-t aufzusdll« Veranlassung gehabt hätte. Denn jede Gott lästernd« Aenßerung ist au sich nochwendig geeignet, bei einem sittliche, Menschen Aergerniß zu errege«. Die Aenßerung muß ferner als beschimpfend auf» zufaffen sein. Hierüber sa^t dis Reichsgericht i» 16. Baude der Entscheidungen: Beim Beschimpfen keunzesthntt sich der Aagrff durch ein« Rohheit de« »öttlicheu oder symbalffche» Ausdruck«, wobei e« nicht genügt, daß eine Herabwürdigung, - welche nitt einen Mangel au Achtung bethängt, vorliege, der Angriff muß sich vielmchr insbesondere in Bestehung auf Wesen oder Verhältnisse. welch« Heilighaltuug fordern, als Verachtung de« Heili>en, dessen, was Achtung uud Berchrung fordert, kundgrben. Verspotten uad Blchtmpken stad uicht gleichbedeutend, «rstere» ist auf ein Lächerlichmachen. letztere« auf ein Berächttichmacheu gerichtet. Eine Handlung oder Aeußeruug erscheint noch uicht n othweudig als Beschimpfung. selbst wenn sie als Verspottung des Heilige« und , Verehrungswürdigen aufgefaßt werde» kan». (Hat vielleicht rin wenig beschäftigter theologischer Leser dies. Bl. die Güte, sich über da» Wesen der Gotteslästerung >- nach jüdische« Gesetz zu äußern?) k. Gerichte Csrrefpeuderrse». Dewtschlawd. Magdeturg. lieber den bekannten Nachruf, den Herr von Treitschke in de« „Preußischen Jahrbüchern* dem Kaiser Friedrich HI. widmet, haben wir bisher in dies. Bl. »ns nicht geäußett, er richttte sich selbst, wir. thesten heule das -. Urtheil eine« Blattes mst. dessen „Ehristlichkeit' Herr vou Treitschke wohl uicht bestcettea wird. Die „Protestautlsche Kirchenzestuug* schreibt darüber: Herr v. Treitschke widmet den beiden erste» deutschen Kaffrru, die binnen huudett Tage» ihrem ttauernde« Volke entnffen werden sind, im Julcheft seiner „Prenß. Jahrb* einen Nachruf, in welch«» sich folgende höchst befremdliche Kritik der Krouprin Duzest Kaiser Friedrichs findet: „Ja dem lauge« Stillebeu verlor der Kronprinz zuweilen die Fühlung mst der gewaltig aufftrebeadeu Zeit uud konnte ihren neuen Gedanken nickst «ehr recht folge». Die antisemitisch« Bewegung «einte » nU einigen Worten zornigen Tadel« abzuchuu uad die Königsberger Studenten warnt« er gar vor den G fahre» des Ehan» viuismu«.* Wir frage» »erwundett: rechnet H. v. Treitschke. deffru wohlfeiles Witzwett vou de» .bosraverkaitsrndrn Jünglingen* noch uuvrrgeffen ist, im Ernste dir Agitation des Stöcker, de» Herrn Böckel undseiner Genoffen vom „Deutschen Auüsenntendunde* zu den berechtigten „neuen Gedanken der gewaltig anfftredenden Zeit?* Und habe« ihn gewisse deutsche Studenteavereine dieser Zeü noch nie an jene« christliche Teutoneachum »ach 1815 erinnert, welche« er selbst in seiner Deutsch« Geschuht« also schildert: „Manch«« der lärmenden EhnftoGermineu diente die Religion nur al« ein politische« Schlagwort, da nun einmal Deuffchthum uud Ehristeuthum für gleichbedeutend galten» eipzrlne» gar nur al« ein Deckmantel füx den Judenhaß, der zu» guten Ton grhötte?* — Jedenfalls wollen wir» di« wir äl« preußisch« Gymnastastea „«»fern Fritz* im leuchtenden Siegerkranz von Köuiggrätz gesehen und al« deutsche Studenten 1876 in Frankreich unter König Wilhelm« Fehuen gestund«» haben, tansendmal lieb« «st unserem unvergeßliche» Kaiser . Friedrich zu de« „Zurückgeblieben«* aehüreeh al« «st de» „«neu* Fottschrittsgedanteu dtt Stöcker, Bickel und Kon- ’ r i sotten „Fühlung* halten!