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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 31. · p. Seite 240

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1888-01-01
Page
Seite 240 (sequence 6)
Language
German
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Luü'trl wehrlaft 8«M« überfällt und mißhandelt. Wem, et» Jude Herr» Boeckel i» der «edaktton de« .«eichöherold- Überfall« und veihaueli «ürde. nnb der Jude würbe »«für de» Bestimmungen de« Gesetze« «tsprechenb verurtheitt «erde», so würde wahischeiulich Herr Boeckel der letzte sei», der dafür einträte, daß de« Jude« im Gefäugniß Glraf. rrleichtrruage» gewährt »erde» solle», Bezeichnend aber ist für da« Aufta»b«zeiühl der Herren Antisemiten, daß sie de» Kampf mit dem Knüttel oder dem Schlagring für gleichbedeutend machte» mit dem Geiste«kampf. Wen» in politische» Ätreitfragi» die Faust entscheiden soll, so zweifelu wrr keinen Augenblick darau, daß im Ern»falle Herr Boeckel jedem Danziger ZZackträger oulerliegeo würde. A. 2. Juli. (Or.-Corr.) Die Ruswauderuag uuter deu slavischru Jude». In Nr. 3 diese« Jahrgang« dieser geschätzte« Zeituua habe» wir bereit« auf bir gewaltige Au«wanderuug tx^r russischen und poloischeu Juden nach Amerika und ihre, uuau«bleidliche» traurigen Aolgen hingewiese», welch« gi gniwärrig unter ihnen in solch erheblicher Masse stattgreift, daß kaum eine Woche, ja wir möchten sage» ein Lag verstreicht, in welcher zahlreiche Familien »icht ihre Heimath, ihr Vaterland verlassen, um mit leerer Börse, ohne auch n»r ei. Wort englisch zu verstehe» in« ,8aud der Sehnsucht , in« Laub de« Glücke« hinauözuwandern — in« Glend zu »ander». Denn nun diese Auswanderung schon allein au« de» Standpunkte der Joden in Nußlaud und Polen ««mißbilligt verdeu muß, wie soll mau sie erst beurtheilen. wenn mau erfährt, daß der Strom der Emigration nicht nur tüchtige, arbeit«fähige Männer, welch« auch in ihrer Heimath chren Lebeusumerhalt im Schweiße de« Augefichtes ausfindig mache» könnte» au« ihrer Heimath fortgerrff« hat. sondern auch Schwächlinge und Greift, die sich daun tu Amerika ans« Beuel» ftgen» und jung« Mädcheu, au« deren Augen di« Lebenslust strc hlt, und die wahrlich nur an« purer Sucht nach Reichthu«, Luxus und Glanz ihrem Vaterland auf immer Lebewohl sagen, um in die Fremde zu ziehen, ohne zu ahnen, welchen Gefahren fi« sich aussetzeu. und »aß man auch in Amerika >>eu Kampf um« Dasein schwer und hart, ja schwerer sogar al« daheim kämpfen muß. Wenn wir aber auch dft Emigration durchaus mißbilligen und al« unheidritlgend bezeichnen müssen so können wir doch nicht «ochin zu gestehen, daß außer oben genannter Klaffe »er (Sari* grauten es noch eine andere, von der erster» weseuUich zu unterscheidend« giebt, der mau es wahrhaftig nicht verdenken kan», wen» fie ihr Heil in der Auswanderung suchet. E« find keine Jllnfioaeu, keine Lräumereteu. welche diesen Emigrant« da« vaftiiaud verleidet, e« find vielmehr Männer, dft durch drückend:L Elend eiuersett«, «oft auch durch andere Ursachen, dft ich nicht Willen« bin, hier aufzuführru, stch sorlgedräugt fühlen Diese Auswauderer sehen fich außer Sland gesetzt, ihr tägliche« Brod zu erwerben, und da dft jüdische» Millionäre i« Zarenreiche zu stolz find, um auf solch Lumperigefintel — ich fahr« hier dft Worte eine« solchen a» — Acht zu geben, sie zu unterstützen oder wenigste»« eine A»steüuag in chro, Fabriken auzubftte«. so sehen fie fich ge. zwunge», zu» Weuderstabe zu greife», und obwohl fie fich laug« der Auswanderung entgegensetzen, kommen fie »och zur Ueberzenguug. daß ihrer kein Glück in Rußland harrt, so schließe» fie stch der Mehrzahl an. vo» diese» Emigranten »Mrbe uns vor einige» Lage» da« Leid zu Theil, zahlreich« hier durchfahrend« Familie» kennen zu fern«. Da« Herz stand uns beinah still, al« wer dftser amerikanisch« Gesell» schaft ansichtig wurden. Lang«, hagere Gestatte», blaffe, skrltttartige Gestch:er, in zerlumpte» Kleider» steckend uud van einige» Dutzend Kinder» »mheult, so prtsrntirtrn fich »»« dies« au« iühaueu kommende Uuglücksbrüder. Ich w«ßtt wohl, daß da« Aend schrecklich t» Ltthaue» haust, aber dag es so fürchterlich aussteqt, wft e« fich mft i» diese» jaumrenideu Gefttilft» zetgtt, davon hatte ich auch keine Ahnung, u»d so barste fth »ohl aus dft Antwort gesicht sei», I welch« mft a»f »Kiac Anfrage, warn« fie eigentlich »ach Amerika »«gern, st« würbe» e« dort ja »och viel schlimmer habe», zu Theil wurde: .Nu» schlimmer al« »rit de» Lob« könne» wir aidM lim kommen, und wir hoffe», dft Erbe ' wird auch in Amerika unsere Mäuler oollstopft». Hoffentlich »erden dft reiche» amerikanische» Jude» dft Güte habe», einem Jede» von na« vier Ellen Erb« z» kaufe», e« ist ja nicht tdenrr damit wir wenigsten« »ach dem Tode dft Rübe genießen, dft uns immer geflohen-. — Ich schwieg, was # konnte ich »ohl auf solche Worte antworte«? Nach längerem Schweigen sedoch fragte ich einen alte», grandärtig«» Man»: was kau» ich für Euch augenblicklich thua? Der Att« zigertt einige Augenblicke mit »er Antwort, dann blickte er mich mft einem jammeroollen BUck an nad lprach leise: uu« zu esse» geben. Wir hungern seit gestern früh. — Ohne ein Won zu sprechen, legte ich fünf Rubel auf deu Tisch niedn uud entfernte mich schnell. Auf dem Hof« angekommen, stand ich einige Minute» still und lauschte dem Jubel zu, der dnrch da« offen stehende Fenster zu mft drang, doch mischft fich in »einer ob der goten Thar, die ich gethau Hab«, stiller Schmerz: wa« wird wohl aus den Armen werde»? fragte ich mich, wohin, wozu wandern fie? — ja aewiß in« Elend. - Obwohl wir, wie dargetha». die schwarze Seit« der Au««anderu»g wohl keane«, »i* auch ihre traurigen Folge», die bereit« aafangen, stch bemerkbar zu machen jo fi--d wir doch nicht in oer Lag«, Vorschläge mache» zu können, welche der Emigration einen Damm setzen könnte». Lielurehr ist uu« die Auswa«derung»luft »ohl bekannt, welchr den slavische» Jude» in den Beinen steckt, wie auch daß alle Vorschläge au dem unbeweglichen Felsen de« Elend« und der Armuth zerschellen werden, nur hoffen wir. daß bei eintretender Besserung der Geschäfte auch die Au«wanderuug fich dedeutend legen wird, hier jedoch wollten wir daraui aufmerksam machen: da die Auswanderung, welche zu. Zeit herrscht, »icht gelegt werden kann, so wäre r« wenigsten« zu wünschen daß man acht darauf gäbe, daß die immer mehr nach Amerika ein» treffenden Juden wenigsten« auf verschftdeue Länder fich vertheilen. Nach unserer Ansicht find Kanada uud Kaasa« dft geeignetsten Länder, damit fie die bereit« anfäsfigeu Juden nicht beeinträchtigen können, wie dft« leider in N»w-Aork bereit« der Fall ist. Unsere hebräische stresse, und besonders die »ielgeleseue „Hazefirah". wollte ich darauf aus» merksam machen daß fie fich mit der Emigra'iousfrage eingehender beschäftige und die Einwanderung in Amerika mehr in Betracht ziehe. Auch für die jüdisch-deutscheu Blätter ist dft Zeit gekommen, näher auf die Interessen der slavische» Jndeu eiuzugrheu, nennen sie fich doch alle Organe für alle« jüdische Interesse. p 9to**ffo. fflevesaub, 13. Juli Das große Errigntß dieser Woche war die Siaw ihung de« hiesigen neuen Aatseuhause«. Da« atte Gebäude war nicht nnr zu klein, sondern auch zu att geworden so daß von kundiger Grift behauptet wurde, da« Gebäude sei unsicher. Mft lobrn«werther Energie und mit festem Bertrauen auf die OpferfShigkrst und Opfenvilltßlett de« jüdischen Publikum«, faßte der Borstand den Beschluß, ein neue« Haus zu bauen; dft Be: re-Beruh. Logen ratifictrte» den Beschluß, da« Pudttkum gab die Geldmittel bereitwillig, her. und so wurde der Bau energisch in Angriff genommen und innerhalb zweier Lahre fertig gestellt. Der Neubau mit de« dazu gehörigen Schulhau« und Hospital, in zwei Separate ebäuden, ist da« zweitgrößte jüdische Waisen ha»« in der Welt (das größte ist in Ne» Aork) E« ist berachnet für funfhundett Waisenkinder und «»faßt aus eine« Grundstück vo« ea. 1000 Quadratfuß alle modernen Entrichtung« uud jede Bequemlichkett eine» fürstliche« Palast««. Dft Zahl der in dftser Anstatt erzogene» Waisen ist uns nicht bekannt, e« müffeu aber tausend sein» barunftr hervorragead« junge fttenct uud Frauen, mehrere Advokaten, zw« Rabbiner uud drei Kandidat« im Hebrew Union Eoll«e, welche ihre Studien noch «icht berndet haben. Diese Erstatt . gereicht' 1,

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