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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 31. · p. Seite 237

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1888-01-01
Page
Seite 237 (sequence 3)
Language
German
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8m bcn anderen «brr, »ra btni, die da» Zeug da,« Hab«, Lehrer zu seiu t» »ave» Sinne de» Watte», welch« - Sttlnn» str auch tu der jüdische» Gemeinde einnehmr» möge», fvrder» mir et» volle» Eintreten für die heilige» , >»fgad«u der Gesammtheit — für die jüdischen uad Staude». Angele^uheiteu. Eollegialität, »arme» Jutereffe. Offenheit u»d Treue — finde» wir sie überall, »» wir ste zu suche» derechtigt find f Wir lege» dies« Gewiffeu»frage heute den geehrte» Lesern dieser Blätter, soweit fie dem Lehrerstaude angehören, vor. Mögen fie fie fich selbst beantwotten. Und damit schließen wir für diesmal. Möchte e» un» aergöaut sein, einsteu« auch »on Erfolgen, von befferru Zuständen berichten zu können. — IVA12VN"VVV1 l «riefe a»S Mähre». von eine« mährische» vaal»vajt». % (Schluh^) ‘ Im Gemeinde leben ging und geht e» nicht ander». Mau hat lang« da» Formeuwrfeu der alten Zeit beibehalter; al» e» nicht mehr den Gedankeniuhalt de» gegenwärtigen Geschlecht» erfüllte, so daß die jüngere Generation, welche fich nicht berücksichtigt sah, sich von dem Cultu» ganz ab- - wandte und darauf verzichtete, ihren Begriff vom Gottesdteuste überhaupt zur Geltung zu bringen und de» »eiteren [ da» religiöse Bedürfuiß fich überhaupt adzugewöhnen anfing. Mau hat von einer Seite hauptsächlich immer dahin agititt, r daß dir geringste Reuderung in der Form de» Tultu« al» > Umsturz de» Judeuthum» erklätt wurde. So wurde ‘h »ervludet. daß da» Aufhvrrn de» Schulklopfen» de» Untergang der Frömmigkeit bedeute, daß ein deutsche» Lied, bei F «ner Hochzeit gesungen, geradezu Heidenthum sei. und in ' Berriue mit der der Jugend anerzvgenen Sündenfurcht welche auch beim Befteu Willen der Gefahr nicht entgiug, eine Todsünde auf fich zu laden, brachte man e» dahin, daß ein jed.r fich sage» mußte: E»t«eder ist i« Gegensätze zu dem göttlichen »usspruch, welcher sagt, daß die Lehre Lotte» »uicht jenseits de» Meeere» und nicht'iw Himmel, sondern i» uuserm Herzen und unser« Munde ist", der «usprue, , der Religio» überhaupt uicht erfüllbar, »der er ist voi« Eiferern und überspannten Köpfen uns so falsch dargeftelll, i/ baß es nicht «ehr möglich ist, cho auf da» richtige Mm, znrückznfnhreu. Man glaub« ja »ich« daß diese Gedanken ganz uud gar i der Neuzeit eutfiamme», denn ich, der ich uicht mehr zu den 7... Jüugste» gehöre, eriuuere mich sehr wohl, wie ma» schau in alter Zeit, al» bet uu» noch niemand daran dachte, da» Jndenthum tu der Praxi» »»zugestalt«», an etuzelue» Lns- Kwchchse» de» Gesiche» Lu stoß »ahm. Da» »Lhomez". verkaufe» war schon vor 80 Jahre» der allgemein« «nsdnick für eine f ■' kindische Formalität. Schau damals kam e» nicht nur uns, X s—den, «user» Elter» uud Großeveru komisch vor, wem, V die Gchabbe-^ioj'»«. welch« uicht fünf Guldeu im «erwöge,, ^7. hatte, «Mtraete einging, wodurch fie sich zum Ei»ka»fr v«, Gegenständen, dir viele Tanseud« an Werth hatte», und zm Mietht von Localttüten, für die fie Hmiderte hätte bqahleri; . »üße». verpflichtete und, wenn e» z»m Schlaffe de» Fest«, 7/ kam, »0 st« de» Schlüffel znr Kmnnwr ädernd, i» welche, 7 die verkMfte» Gegenständ« verfpertt waren, oh« daß fie Xhätte glanze» kdnnen, »eil der fürsorgliche Hanävatri de» Gchlüssel, welch« die «Snfertn besaß, noch ein Bar- A7 Hängeschloß aulegt«, iß dem er selbst de, Schlüffel behielt »nt 7, wen» die Käuferin fco«, so wie ste abgerichtet war. sagt«: .ich 7- »mg dt« Sach« überhaupt »icht kanfim, da» ist mir viel zu . tdoner. und ma ihr da»» nicht »»r die Angabe »ou zehn Lreuger», sawdern »och et» kleine» Trinkgeld dnM znrückgab, , dann lächelten wttst muh di« Riten, «et sie figtea fich der - Ltzrannet de» religiöse» Gesetze», wie fie fich der Tyrannei de» bürgerliche» Gesetze» fügte». Ja, »«» der fromme R. Mosche de» Dienstlente« auftrug, beim Mett« der Kühe am Aeiettage tu de, Kübel «in Stück Barche» za legen, well mau sonst di« Mich nicht braucheu dürfe, oder wenn die fromme Riwka an Sabbath einen Topf mit Sappe nicht iu der Sou»« stehen ließ »eil er dadurch in« Koche« gerathe, so fanden da» schon unsere Großeltern »übertrieben", oh« zu bedenken, dai diese Uebertriebenheit im Grunde in dem Prinzip« wurzelie. auf welchem ihre große Frömmigkeit beruhte. Wenn nun gar ein junger Manu erzürnt darüber, daß R. Jtzig eine fette Gan», auf deren Genuß er fich schon sehr lange gefreut hatte, für tröpha erklärte und die Köchin mit derselben heimlich zu R. Joffes schickte, der fie al« koscher erklätte. so war wohl die Mutter darüber recht döse, weil man so etwa» nicht dürfe, aber fie sagte doch. ..die Thora steht auf Rädlech", d. h. sie läßt fich nach Belieben drehen. Die Empfindung also, daß das Gesetz eine tyrannisch bedrückende Lustehnung gewonnen habe, bestand auch schon in alter Zeit, nur zog man daraus nicht die Schlußfolgerung für da» praktische Leben, welche unsere heutige Jugend daraus zieht. Was aber!iem Judenthum für die Zukunft den schwersten Schade« zugefügt hat. ist, daß die gegenwärtigen Frommen wohl da» eifernde Wesen der Alten, aber nicht ihre sittliche« Tugenden geerbt haben. Ein Mann wie R. Mordecha, Benet hätte wohl auch gesagt, daß ein deutsches Lied, in der Synagoge gesungen, Götzendienst sei; derselbe Mann aber war von einer tieffitt! ichen, echt religiösen Ueberzeuguug, so daß mau an ihm die heiligende Wirkung jüdischer Frömmigkest erkannte. Sehr natürlich! Denn seine Frömmigkeit war der Ausdruck de» rel giösen Bewußtsein« seiner Zeit. Ander» aber ist e» de, >en Frommen, welche mit ihrer Zeit im Widerspruch stehen, und doch nicht da»Recht haben, da» Urtdeil ihrer Zeitgenosse» über ihr sittliche» Handeln herau»z«ford«r». Wo» soll man von eine« Mann denken, der eine Abhandlung darüber schreibt, ob es gestattet sei, au Feiertagen eine Petroleumlampe herabzuschranben, damit fie sparsamer brenne, uud fich ettoas darauf zu gute thut, daß er durch künstliche Auslegung einer weltvergeffrueu Stelle in Toiaphot es für erlaubt erklären kann, wenn derselbe Maun auf der auderu Sette die eiufachsten Gebote der Heiligung üdettcitt, wenn er au» persöulicheo Gründen der erbittertsten Rachsucht fähig ist. wenn er bestiebt ist. an jedem Meascheu da« Gute zu verkennen, und das Schlechie mit Eifer zu suchen, wenn er eine« friedlichen Lollegeu, wett derselbe gestattet hat, bet einer Trauerferrr Licht anzuzüuden, iu öffentlichen Blättern al» golllos verschreit, entgegen dem Gebote der hettigeu Schrift (Tpr. 3.29): »Du sollst nicht Böse» stauen gegen deine» Nächsten, der friedlich neben dir wohnt", und wenn er endlich in seinem persöulichea Jutereffe settreu Priucipie» am allerwenigsten getreu bleibt .. daun rst e» wahrlich kein Wunder, weun der beffere Theil der Bevölteruug fich von de», Judeuthume abkehrt, dessen Gottesfurcht »ach den Worte» de» Propheten »angelernte Menschensatzmrg" geworden ist. Für nufere Gemeinde ist darum die Frage der Wiederbefetzaug de» erledigte» Raübiuat» eine sehr schwierig«. Wir besäße» iu dem verstorbenen Rabbiner einen edlen Charakter und eine» frommen Mann, an deffe» religiösem Leben selbst di« heftigsten Eiferer nicht» auszosetzeu wußte». Was fie ihm nicht verzeihe» konnte», war seine milde Stimmung gegenüber de» berechtigte!« Forderungen der Neuzett uad er war bei seiner »ildeu Geistesrichtuug zu schwach, um fich off«» von denen loszasage», denen er doch nicht genügen konnte. Hütte er ihnen offen Trotz geboten, er würde de» größten Theil der Gemeinde hinter fich gehabt haben, uad selbst manch« schwaukeusen Elemente, die nur au« Schwäche de» Zeloten HeerrSfolge leisteten, für fich haben gewinne» Banex Wer da» oerftrfen wir», wird wohl noch immer ei« schwere, aber sehr danken»«etthe Amtsthätigkeit in., »nserer Gemeinde vorfiudea, er wird von sich sagen kiimen.

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