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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 28. · p. Seite 216

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1888-01-01
Page
Seite 216 (sequence 6)
Language
German
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10. AJlianoe Zar. Uwvaraaüa »it 79 Mitglieder«. 11. Die Eheleute Elia« Mryer'sche Stift««, bezweckt Unterstützu-g armer u»d würdiger Bräute der dortige« Ge- «eiode und Um^geud behufs deren Berheirathuug. Die jährliche Unterstütz«», beträgt 400 Mk. E« ist i» der Thal ei» erfreuliches Bild, da« ua« der Bericht von de« Wohlthätigleitsaustalte» der >ache»er Gew eis de entrollt; er liefert eise« glänzende» Bewet« de« hervorragende» WohlthätigkeitSfinve«, de« die dortige Geaet»d« beseelt. Möge fie dnmer herrlicher gedeihe« z«r Ehre und zum Gegen de» Judeuchumsl Z«s ssUederfchteKe«, S. Juli. Die Angelegeuheit de« jüdischen Lantor« Marcu« Ebel ist eudlich zum Adschlnß gelaugt. Der Berlauf die er oieldesprocheneu Angelegeuheit war bekanntlich folgender: Ebel, au« Oesterreich gebürtig, war »ach Löwenberg und darauf »ach Görlitz verzogen. Auf ei» Gesuch um Aufuahme in den preußische» Uuterthaueuverband hatte Ebel von der Görlitzer Polizeibehörde folgende« Bescheid erhalten: »Auf Grund einer diesbezügliche« Berfügiwg de« königlichen RegieruogSprSfidenteu zu Liegnitz wird dem Laukor Marcu« Ebel hiermit eröffnet, daß seiue Aufuahme i» den diesseitige» Stoatsverbaud erfolge» wird, sofern er seine Entlassung au« de» koiseilich königlich österreichischen Staate» für sich, seiue Ehefrau und seine drei Linder Moritz. Josef und Emil nachweist'. Lantor Ebel suchte hierauf seine Entlassung au« de« österreichische» Staatsverbaude nach, mußte aber bald darauf erfahre«, daß seine Aufnahme in Le» preußischen Staatsverbaud vom Minister de« Innern, von Puttkamer abgelehut worden sei. Batrr» landlos und Exifteuzlo« zugleich, da dir Görlitzer Synagoge». Gemeinde unter diesen Umstände» von einer definitiven Auftelluug de« Lantor« Ebel obsehe« wußte, wandte sich der Bedrängte au da« Abgeordneter-Hrn«. Dasselbe beschloß »ach langer, lebhafter Debatte über die grundsätzliche Frage, ob e« überhaupt da« Recht habe, fich auch mit Petitioueu von Ausländern zu beschäftige», besagte Bittschrift der Staat«- regierung .zur Erwägung" zu überweise». Die Session de« Abgeordnetenhauses war längst geschloffen, »nd Ebel blieb nach wie vor über sein weitere« Schicksal i« Uogewiffen, di« ihm endlich die Amtsniederlegung^) de« Miuifter« von Puttkamer die Erlösung brachre. Bald nach der De nisfiou deffrlben wurde er benachrichtigt, daß die Puttkamersch« E»tscheidnng aufgeboben uod er »oturalistrt und i» de« preußischen Uotecthaoe»verband aufgevomme» worden sei.*) Leipzig. Zu der Freisprechuug der antisemitischen Flugblätter de« Herrn Fritzsch durch da« hiesige Schöffengericht berichtet die »Leipziger Gerichtszeitung": In der Anklageschrift wird bervorgehobe», daß die Urheber der erwähnten Flugblätter, in welchen eine Berkummernn, der staatsbürgerlichen Rechte und eine geschäftliche Jsoliruug der Inden angestrebt »erde, dadurch Aergerniß «nd Unwille» »ach gernfeu und durch die hämisch« und heftige Ausdrucks weise die Erbüterung der Jude», wie auch da« Mißfalle» der vom aotisrmitischru Fanatismus nicht ergrtsfeuen christliche» Bevölkerung erregt hätten. Iu der öffentlichen Berhandlnng aber führte der Staatsanwalt au«, daß jeder anständige Mensch darau Anstoß nehmen müffe wen» in solcher Weise mit den größte» Schimpfworte» gegen Personen vorgegaugen würde, welche dieselbe» staatsbürgerlichen Pflichte» za erfülle« und daher auch dieselben Rechte zu genießen hätten, «ioolle übrigen Staatsbürger. E» sei entschiede» oothwendi^ daß ein derartige« Borgeheu bestraft werde. Der Gerichtshof erkannte zwar in sei«» Urihette an, daß t* Niemande« »erwehrt «erde» könne, iu Wort und Schrift gegen da« Inden thum zu kämpfen, aber er gab auch der Ueber^wgnng Ausdruck, daß jene Flugschriften strafbare beleidigende Aenßrrungeu enthalten hätte»; von einer Bernrtheünng wegen »groben Unfugs" müsse mau aber absehe», vielleicht *) »mH ob* «inan taten) Citf OterschlksteaS, warte ua* die Znck b « e «iaer voa Heem PaNstoaer an« binlich f»r d-a 1. Jali «cft. St ef.r «wvwiiinng ine« nndeschalawa gSmeüan wmtttet lAed.) haudel« e« sich eher — der Gerichtshof hcche barscher nicht zu entscheiden — um veleidignng oder .Retigtouslästernug* oder gar «m »Aufreizung', al« grobe» lUffug lasse stch aber da« Vorgehen der Angeklagten uicht bezeahwe». Ei» Lob für Herrn Fritzsch, de» Hera»«,eber der .IMttse». Lorrchp." — so führte der Herr Borfltzeude de« Glicht «Hofe« an« — enthalte die Kreffprechnu, nicht, durch «in derartig gehässige« und feindselige« Auftreten werde er et jedenfalls nur zu Strafprozessen, niemals aber zu seine« Ziele bringe». CeltetreUf tt«,«fi. Me«, 4. Juli. In der gestrigen Sitzung de« stäbt. Gemriuderath« (Borfitzender Bürgermeister-Stellvnstreter DL Prix) stellten gelegentlich einer Offertverhandlung von Schreib« »nd Zeicheurequisiten kür arm« Schulkinder einige Herren folgende« Antrag: „<H ist im Interesse de« Gemetudo» wohle« der Stabt Wien gelegen daß bei Bergebnng städt. Arbeiten und Unternehmungen, bet Anstellung öffentlicher Beamte», Lehrer. Diener u. s. ». einzig und all>i» auf nnsere heimische Bevölkerung Rücksicht genommen werde, da dieser vor Allem die Bortheile de« Gemeinwesen« zukomme» sollen. L» soll daher der Jude bei allen derartigen Bergedungen und Anstellungen auSgrschloffeu werden; nicht nur der ftemde, sonder« auch der eingeborene Jude. Ebenso ist dem Juden da« Heimathsrecht ohne Ausnahme, wo er auch herkomme zu verweigern. Die« fordert nicht religiöser Haß, sonder» der gesunde, auf geschichtlicher und täglicher Erfahrung beruhende Menschenverstand, die« fordert unser eigene« Wohl und die wahre Humanität." (Lebhafte Unruhe.) — Hierauf nimmt da« Wort Herr Dr. Richter: »Mein« Herren! Ich möchte Sie bitten, über diesen Antrag zur Lagrsorduung überzugehen, uod zwar au« eiuem ganz einfachen Grund«. E« ist Ihnen Alle» bekannt, daß e« seit 20 Jahre» i» Oesterreich Staatsgrundgesetze giebt. welche normirru, daß der Zutritt zu alle» öffentlichen Remtern den Staatsbürger» ohne Unterschied der Loufesfion sreisteht. Ich bitte, u»r zu bedenken, iu welcher Weise Sie stch. mit diesem Staats» gruudgesetze. da« die Signatur Sr. Majestät trägt, iu Widerspruch setzen würden, wem» Sie heute diese« Antrag auch nur iu Bettacht zu ziehen fich anschiüeu »ülbeu. (Zustimmung.) Ich glaube Sie. könuen also nicht« Andere« thun. als über diesen' Antrag den Uebergang z»r Tage«- orduuug beschließe» — und diesen Antrag stelle ich." — Der Uebergaug zur Tagesordnung wird mit großer Majorität zum Beschlüsse erhoben. fn|ht|, 4. Juli Heute Vormittag öcgann vor de« hiesige» Gerichtshöfe unter große« Andrange de« Publik»»- die Schlußverhaudlung gegeu zwölf de» Ber brechen« der. öffentlichen Gewaltthättgkett und d-r Verleumdung änqrklagte Person«, durch deren Umttiebe am 25., 26. und 27. Mai vorigen Jahre» hier ziemlich bed-nleode antisemitische Unruhen stattsauden, denen erst di« gesammtt Polizei »nd datz MilitLr ein Ende machten, wobei zwei Persone» sehr schwer verletzt wurde». Der Thatbestaud ist ia Kürz« wlgwcher r Der in der Borstadt Blummthal etablttt- Kaufma»» Fervinand Jellinek omrde beschuldigt, daß er die bei ihm dedienstet« M igd Antonia B u k i t«., «in achtzehojährige«, schwäch! chA, an« Brn-rck in Mähre« gebürtige« Mä^chm. »rituell* abaeschlachtrt habe. Diese« Geschwätz fand Berbreftuug und Glauben, w.ßhalb stch — wie die Lnklogr sagt — am 25. Mai Abend« wett mchr als 1500 Personen vor bkM Geschäfte Jelliuet'« ansammeltrn, diese« oolsstündig zerstürten und erst nach großer Anstrengung seilrv« der bewas^M» Macht von wettere« Unfug« abgchatteu werde» konnte». Da« angeblich abgrschlachtttt Mädchen wurde Lag« darauf versteckt t» der Wohnung der WcingLrtneri» Kollarik ge» lande». Im Verlaufe der heutigen Schlujverhandüwg rmrdr noch folgender Thatbestaud sestgeftellt: Di« Dienstmagdivukt« kam am 22. Mai ». I. in'« Geschäft de« hiesige» Hankmano« BwtorHolly »nd n zählte dort, daß ei» Vubeknrvter, " sie Abend» i» Magazin damtt beschäftig war, die

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