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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 28. · p. Seite 213

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1888-01-01
Page
Seite 213 (sequence 3)
Language
German
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~ *nf religiöse« Wissensgebiete, baf »ir vorzugsweise im Au-« tzab'N, «iiffea be» »erbsnb«» Lehrer Gegenständ« mi< e-t »erden, dir seinen Gestchtskrei« ermeilern, seine» o, Fühle» trab Wollen einen höheren Dchmimg gebe» nnb zu ibeeler ikuffaffuuq de» Judenchwn» und unserer Auf. >abe m be»stlk,m al« Menschen, Juden und Lehrer führen. Wir beute« ballet an die Psalmen, an die Sprüche Saliimont« iMisohle), die so viele pädagogische (erziehliche) Lehr.» mib Grund »ätze enthalten, an den Propheten Jesaia» »ud zum Theil auch an Jeremias; diese natürlich in der Ursprach'. Eingehend« Lenntniß bann noch der ganzen heilige» Schrift, wenn auch nicht durch »eg in der Ursprache. ist für den Religionslehrrr unbedingte Rvthw.nbigkeit. Keine irgend wichtige S'elle derselben darf dem Lehrer unbekamlt sein. Will brr Lehrer mit Berstäudntß da« Walte» und Wi len Gotte« in der Erziehung de« südischeu Bolle« zu seinen, Beruse rrlrunen, will er durch rin einfichtsvolle« jübisüi-grschtchtlichr« Wissen seinen Gestchtskrei« erweitern, und die Lieb« zum Judentdume' bei seinen Schülern pflegen, so nuiß ihm dir jüdisch« Geschichte in großen Zügei und auch u» Einzelnen in plastischer Darstellung, in Einzelzügen, vorgetührt werdin. Die Geschichte unsere« Bolle« ist an fich ei» dtbeutenbe« Moment der Eharakterbilbnnq. Um sie zu verstehen und fich selbftstöudig fortbilden zu löunen. muß rer Lehrer mit oem rabvinischrn Schriftthum bekannt werben, so weit es verständlich und t« hebräischen Idiom faßbar ist. Diejenigen Theile der Misch- »ah und au« späteren Schriften, die eine allgemeine ethische and auch für uasrre Zeit noch rrliaiansgesetzliche Bedeutung habe«, find hervor,oheden. (r.B.koraooottr, /idotd rc.). weitere Lalmndstudien, iuädesondeie solche, zu welchen »eitergrheabe« Swbium auch in anderen Idiomen nöthig ist, soll der Lehrer nicht machen! Sie lenken ab vom Mittelpunkt seine« Wirk«»» und find da« Feld für die Nabdiae». Systematische Re ligioaölehrr? Wir gestehn», daß wir diesem Gegenstand« sehr wenig Sympathie eutgegenbringen und der Ansicht sind, daß er »ir der Eoafirmaüou, mtt dem 14. Lebensjahre abgeschlossen »erden soll. Die reliaionsphilosophischen Excurst, welch« manche Lehrer an Realschulen, Gymnasien und Seminarien zum besten geben und sür hochwichtig halten, stad für junge Menschen dieser Altersklasse absolut langweilig, weil zumeist zu individuell gefärbt und dadurch uuverstandlich. Und Langeweile ist l«r Tod alle« Unterricht». Die religiöse Beaeistmuop, die ein zündender Bortrog wach ruft, hält nicht Stand, wenn wochenlau . Monologe über denselben Gegenstand baudwururarlig fich fortspinnen. Die Katechetik. Sokratik — wie sie mstusonderr durch Drurer in die Schule eingeführt wurde u"d wie auch jüdische Lehrer sie kunstvoll pialt'cirieu, die da« daun e,a Aufnehmeu der Gotte«lehre in Grift und Gemüth uannten — war zur Zeit der Eotstehung de» neue» jüdischen ReliglonSuoterrichl» vo» hohem Werthr. Jetzt räume» wir chnm auch in der Schule nur einen «äßigen Raum ein. Wir würden sie au« dem Seminare Kiz forUasseu. Wer sich über die Ansichten unserer jüdischen ligioaüphüosrchhsu belehre» will, mag die« später au« ihren Schriften versuihen. Für da« Seminar ist nur wichtig, wa» einen realen Hintergrund hat Zu de«, wa« wir oben angegeben, kommt n»ch .Unterricht in der Liturgie." Wir wolle« durchaus nicht, daß der Unterricht im Eamorit t» Seminare einen allzu breiten Rau« «innchme. Wir bedauern e« tief, daß in unseren jüdische» Gantmdea seit einer Neihe von Jahrenein zu große« Gewicht aus die s. g. „schönen Ehasonim", auf Sangesvnülose» bei« Caotorat gelegt wird, «ad daß dies« Bf« tüchtige» Neligioa«lrh»« vorangestellt werde»; wir bedauern es nmsamchr, rveil wir oft grfnrben haben, daß birst Art von vorbetrrn die Würde und d« Weihe de« Gottesdienste« nicht mehre» Itdfnt »od auf t«e Dauer nüusesku« dem Gottesdimste nicht einmal förderlich sind. Wir wünschten, daß die Syaago,:>e n ie zum Couzertfaal herabgewürdigt mtfe. Wir verficheu aaier eine» erbaulichen Gottesdienste näht da« Hervordränge» glanz» ller Soli« und einzillner beiwrzugter Pieeee,. sonlrern da« eindrucksvolle, harmonisch« Aus gestalten de« Ganz««. Darum halten wir e« für dringend geboten, daß di e Leh rer ein tiefgehende« Brrstäadniß für alle Theile der Liturgie an« de« Seminare «itdringe» und dadurch in di« Stand gesetzt werde», sie einfach, laut und klar, verständ stßvsll und würdig vorzutragev. Wir derlangen die« ga«, iuslbesoudere für den Vortrag in der Tiwra. Di« Gen eindr «uh erkennen, daß der Mann, der dort vor der heiligen Lade steht, versteht und fühlt, wa« er sagt. Der 8, such« muß den Inhalt annähernd mitfülllen, wenn ihm auch die volle Lenntniß de« Hebräische« ab-eht. Im Uelirigm überlasse man da« Singen der G'mrrind« und dem einstimmigen Lhor. Zu diesem Eontorat ist auch der rriader sangesfähige Seminarist au«* zu bilden. W'r mrstehen e« darum nicht, wir man Jünglinge dem Lehrberufe entziehen kann, weil sie keine guten Siinaer sind. Eine laute, kräftige und llare Stimme brancht der Lehrer ebenfalls. L« liegt einmal in den Verhältnissen, das ein sehr großer Theil der jüdischen Gemeinden nur einen Beamten anstelle» kann und es ist zweckdienlich für den Lehrer und «"leichtcri seinen Leb m« weg. wenn er nach stder Sei«« für seiner Beruf gut vorgrbilder ist. Wir wünschten darum auch, daß etwa von 4 zu 4 Wochen über rin religiöse« Thema »in ganz einfacher Bortrag von den Seminaristen ausgrarbeitkt werde, damit sie auch zuweilen einen solchen in der Synagoge oder in besonderen Fällen zu halten vermögen; ti wird da« ihrer Stellung zur Gemeind« förderlich sein. Lb.r wir protestiren hier alsbald ge^rn die in unserer Zelt vielfach üblich gewordene Bertauschuug de« Lelfternawen« mit der Bezeichnung Prediger. Jedem da« Seine! E« erscheint na« wie eine ftivole Berlrugnung de« eigentlichen und erhabm ien Berufe«. E« giebt keinen Namen, der höher zu »üroigen wäre, als.der eine« tüchtigen Lehrer«, und wir möchten selbst die Bczetchanng Schulmeister - für einen hohen iichrentitel halten, wenn fie sich auf eine wiiklichr Meistersl!-ast ir. de: Schule stützt. Ja. der Lchrer sei anch Eontor; aber nicht, — der Cantot nebenbei auch Lek,rer! Wir glanbcn darum auch richt, daß der Eiustuß des Lehrer« ans kie Kir derherzen gemehrt «erd« durch da« Eaatorat, wie dst» vor riuizcr Zeit, von einem Mischen Seminardircctor behaufitrt wurde, daß e« seinem Unterricht eine höhere „priest, rUche" Weihe gebe, wenn -er vor dem Kind« al« Eantor odergar „in priesterlichem Gewände" er« fchi-iue. — Daß ober sc gar da« Schächterawt den Lehrer „würdiger" mach«, feinen Unterricht fördere, weil der Man» mit dem Schächluuffer anch al« „Priester" erscheint, da« gehört schon in da« Gebiet höheren Blödsinns einer für llaie Gedanken stumpfen Orthodoxie. Wir beklagen r!i tief, daß viele Lehrer, um leben zu können, Schächter sein m ü s s e n; wir halten jedoch das Schächtnamc für de« Lehrers lzawürdig. Da wir es aber leider nicht ändern können, so spv'chen wir nicht weiter darüber. Damit hätten wir sie Aufgabe des jüdischen Seminar» aezmchaet. Wir sind principiell Gegner dereoafrsstonrlle« Seninarien. Aber, nachdem wir leider gefunden haben, daß Jnien sogar in finrrltanen Seminarien zurückg «drängt - woi:d«n; daß unsere Zeit eben sehr oft verlangt, daß wlr mit den traurigen Anschauungen und Verhältnissen rechnen, und die fortschrittlichen Grundsatz«? wenn anch nicht verlru,)nrn, so doch zurückdräugea müssen, so müsse« wir »«gestehen. daß die Mischen Seminarien zur Zeit «in« Roihweildiqknt und darum z » erhalten sind. Aber wir dürfen de» auch verlaugca, duß sie in keiner Weise zniückstehe» gegm die übrigen Est»inan«n, daß st« sich in pädagogischen »ul Bildungs-Fragen auf der Höhe der Erkenntnisse stellen, die errungen wurde» mV daß fie im Jüdische» ganz «nd voll da« leiste», na« wir zu fordern berechtigt find. Für de» Rrligion«u»ler»t<^ beanspruchen wir überall « -L

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