Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 2)
- Language
- German
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bt« XatiffmiH«ant» haben fick, bisher zu« |r9§tM Theil al« solche entpuppt, die in« Z«chi:ha«< und nicht auf di« Kanzel der Mora! gehören, die durch eigene moralisch« Larrectur am nächsten zur Weltverbesserung beizutragen fähig wären. Aber mär« eS denn da« erste Mal. daß in d«r Geschichte ein unreine« Werkzeug ein reine« Werk vollbrächte? Die idealistische Anschauung de« Talmud:*) „Von Böse» wichtern entsteht nur Böse«, alle« Gute in der Welt wird nur durch Gute, da« Böse aber durch Böse veranlaßt* — »acht wohl der Deukung«art der talmudischen Weisen all« Ehre; aber » Wenn die Sonne Maden in einem todte« Hund« au«brütrt* (Hamlet) und wenn au« den tobten Räumen der Verwesung neue« Leben zum Dasein gelangt: warum sollte der >ntisemiti«mu« nicht, und, mußt und mit der entgegengesetzten Absicht» auch «in Werkzeug zum Guten sein können? Warum erregt der Tadel de« AutisemiliSmu« unsere Empörung und nicht unsere Beherzjgunz? Der Grund ist der: Der Antisemitismus tadelt nicht, sondern verdammt. Den Tadel muß jeder gewissenhafte Mensch mit einem Blick nach innen hinnrhmeu; Verdammung darf kein Ehrenmann über sich ausfprechen lasier. Der Tadel bezicht sich auf Aeußerungen der Person, auf Thaten und Hardluugen, und in diesen darf der Mensch irren — er darf e«, well sie bei verbesserter Einsicht abänderlich find. Verdammung bezieht sich nicht auf Aeußerungen der Person, sondern auf die Person selber; nicht auf Thaten, sondern auf die Gesinnung: wa» kann aber eia Mensch mll verdorbener Gesinnung anfangen? Sell'st der Weg zur Besiernng sit ihm verschlosien, denn bei wem die Möglichkeit zur Besserung vorliegt, den kann man nicht verdammen. Schon die Pädagogll warnt daher auf« eindringlichste, kein verdammende» Urtheil über ein Kind auszuiprechev. Sage nie zu einem Kinde: „Du bist eia Lügner" u. dgl. sondern höchsten«: „Du hast gelegen." Denn da« rrstere schneidet allen Trieb zur Besserung ab. und ist dem Kinde gegenüber sicher eine Ungerechtigkeit. Beim Linde ist noch keine Seite de« Gesite« so oerfestigt, daß ein bestimmte«, innerliche« Sein vorläge. Da« Kind ist jeden Augenblick ein andere», erst im Laufe der Jahre coustruirt stch die Person. Darum nur Tadel, kein Verdammen. Mll dem Tadel kann Nachsicht, kann dir Aussicht auf Verzeihung verbunden sein; Verdammung sit unerbittlich, unabänderlich« Berurtheiluug. ohne Nachficht, ohne Verzechung für Zeit und Ewigkeit. Der Tadel ist die Liebe, Verdammung sit der Haß; der Tadel kann den Kampf mit sich selber zur Folge haben, Verdammung kann nur nach außen die Fmsit balleu, und die Ohnmacht zur ingrimwigeu Resignation treiben. Mit Recht sagt darum auch der Psalmsit von Gott: „Bei dir, o Gott, sit Verzeihug, damit d« gefürchtet »erdest* (Psalm 130,4). Selbst Gott würde nicht gefürchlct »erd«« können, wenn er nicht verziehe. Die» ist paradox, aber psychologsich begründet. Al« Kind, angeregt durch di« Maschal-Blldung de« „Dnbooer Maggis', bezog ich darauf yn t mm iai rp rroi r^aS» jm wr owm t* eine etwas derbe Anekdote, die mir auch heute «och trefsmd erscheint und hier ihre» Platz finde« möge Ein Gntsbesitzer im Magyare* lande «achte «inst dw Jnsoect-ouSresie bei feinen Pächter«. Er kam nicht überraschend. die Pächter sollten rin gute« Mahl vorbereite« köunen. — Der erste Pächter hatte ein exguisitt« Mahl dem gnädige« Herr« geböte»; die »Seine waren duftig, di« a Eiqarrea famo« — — endlich fragt der gnädige Herr: „Pächter, gstbl'« kein Ei» zum Dessen?" — „Ei«, gnädigst« Herr? Nein, da» wurde vergefsrri, Bardoul" — „Nix Pardon-- Heiduck: 25!" Nämlich auf den Buckel.— Der brav« Pächter hat nicht» Eiligere» zu thnn, ol» de« zunächst wohnenden Pächter seine Erfahrungen mttzutheile« r „Laß nur um olle» in der Welt Ei» besorgenl Sonst 25* Richtig, beim nächsten Pächter wird als Deffert Ns aafgetragen. Der Gutsherr schmrmzrlt: „Das sit recht, Pächter. Jetzt nur noch eine Prise Anana»* — „Ananas, gnädigster Herr? Pardon, den haben wir nicht.* — Wa«? Kein Anana»? Heiduck: 25." Der zweite Pächter macht von seivem Abenteuer ' und von de« de» ersten Pächter« Mittheilung dem zunächst kommenden: „Um Gotte« Willen, turc nicht Ei» und Ananas vergessen!" Der gnädige Herr kommt beim dritte« Pächter an. „Pächter, giebt» wo« zu esien?" „Rein, Herr!" — Wie? Höre ich recht? — „Nein." — „Warte Kerl, wie kouutest du das wigru"? — .Herr" — sagte >»er Pächter — Mt erste von »n« hat dir alle« Möglich« vorgesetzt, da fielst dn auf N». Beim zweiten fehlte auch N« nicht; da vermißtest d« Anana«. Und wenn ich nun alle« Mögliche nebst Ns »nd Anana» und Gott weiß «a« noch vorbei eile, du wirst immer «och etwa« vermiflea können. D« willst doch unr unsere „Buckel" — da hast du ihn. Wenn ich deinem Heiduck doch nicht entgehe, wozu sollte ich mir erst Mühe und Koste» machen?* Wen» Gott nicht verziehe, dann wäre ja alle Anftrenguug de« süudhafteu Mensche», der Strafe zu entgehe», vergeben«. Berdammniß wäre ihin sicher: »er wäre so thöricht, and strebte erst. Gott zu gefallen? — . Bei dir ist Vergebung der Sünden, darum wirst du gefürchtet"' Der AntisemitiSmu« kennt keine Nachsicht, kennt kein Verzeihen, kennt keinen Weg zur Befferung — — sonst wäre er nicht der — , Antisemitiswn«." Er ist kein Imperativ, er ist di« «nerbittltchi absolute Negation. Sei» Prtacip ist kein „Soll", sondern ein „Soll nicht — „der Jude soll nicht sein!' nicht gitt. nicht tugendhast, nicht tüchtig und-überhaupt nicht. Daher die moralische Unfruchtbarkeit des Anttsewitismu«. . Berdammniß" ist sei» Prinetp; aber da« einzig« vor de« Forum der Humaaität verdammnngswürdige Priucip. _____ 9Utc# «H Mene* über Meligis«S«»terricht, LetzrertUd««g «txfe Lehverstell««-. Bo» g. Kltugeuftet» i» Ober-Jngrlhek«. VL Was soll in Seminare gelehrt »erbe»? Da« sachlich« Wtffeu, das di« Zö^in* in« Seminar - j untbrngen. muß hier vervollständigt und geklärt »erb«»,; .□ IM