Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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—*181 — b:ci«< zugettand. al« önrfaffa derselben bezeichnet. Zur Verhandlung war eiue außerordemliche Sitzung de» hies. Zncht» Polizeigericht» für geste» Nachmittag 8 Uhr an beraumt. Der Gerichtshof war gebildet au» den HH. Wo lff, Präsident; Arendt, Wt&ta, und Advokat Elter, Ergänzung»richter. Öffentliche.» Ministerium: Hr. Lhor». Bei Lte^iun der Sitzung erklärte der Beschuldigte Weller: die beregte» Artikel seien einem amerika». Blatt« entlehnt, deren Brrüssmtlichnng habe er sofort al» die Ln klage erhoben wurde, eingestellt. — Hierauf nahm der Bertheidiger, Herr Avvokat-Arwalt Philipp Bech da» Wort und führte in einer läugere» Bertheidiqung»redt Folgende» au»: E» ist da» erste Mal. daß. ein ähnlicher Prozeß hierlond» verhandelt wird. Schon sei» Jahren «acht sich in der Presse aller Länder ein Kampf gegen da» Judenthum geltend. Der Kampf dauert schon Jahrhundert« fort. Mehr al» 8O0{?) Werke sind über diesen Kampf geschrieben worden. Da» Resultat dcffelbeu ist für di« Juden kein günstige» gewesen. Di« Moral, dir im .Talmud* und „Schulchan aruch* (kleiner Talmud, zu deutsch: gedeckter Tisch) enthalten ist, ist für die Gesellschaft eine sehr gefährlich« und «» legttimirt sich der Kampf gegen da« Jud'nthum vollständig. Die Mehr h»i>(?) der Gelchiteos?) hat erklärt, die den Juden vorgrworsenen Thatsachen seien im „Talmud* und „Schulchan aruch* enthalten. Die ganze Presie Europa'» beschäftigt sich mit t er Juden trage. Herr Wetter, der angeklagte Redakteur, hat geglaubt, auch die Leser de» „Luxemburger Wort* in der sog. „Jude »frage* auf dem Laufenden zu halten. Dabei hat er im guten. Glauben gehandelt. Die luxemburger Juden sch oft bat er jedoch nicht im Auge gehabt, sondern da» Judenthum im Allgemeinen. 'Die im „Lux. Wort* erschienenen 2 Artikel sind der amerikanischen „Lux. Gazette* (Dubuque) entnommen. Al» die Staatsanwaltschaft eiuschritt, hat der Angeklagte mit der Veröffentlichung der Artikel, die eine ganz« Serie bildeten» aufgehört. Der Herr Bertheidiger verliest arm die beiden iuemuinirtm Artikel: „Gefährlichkeit der Juden*; und „Die Juden, die Ktzniae nuferer Zeit*. Der erste Artikel handelt von de« im Talmud und Schulchan aruch uiedergelegten jüdisch« Doctrinen. Bor der ftaazösischea Revolnnoa war die Lage der Jude« eine schmähliche. I» Iah« 17V1 jedoch wurden sie, wie Recht«», den «der« Mensch« gleichgestellt. Weuo die Juden alle Rechte genießen, so habe» dieselben auch Pflicht«, aamrutlich di«, lei»« tmbra» religiös« und ökonomisch« Grundsätze zu befolg», al» solche, welch« mit dm Mcmüvorfchrtfte» der and««», i» Staate zu Recht bestehend» Grnoffenschaftra «ehr oder ivmiger übentnstimmen rmd die Grundlage der staatlichen Orb«»a bild«. Die tn d« tucrimtnirt» Artikeln »utbalt«« Theoneu befind« sich wirklich in da jüdischen Gesetzbücher» eiugeschriev» «uv werden von den Judm de« folgt. Wir find «so geuöchigt, die Diskussto» auf da» theologische und religiüse Gebiet hiuüderpllett» und erbiete» uu», d» Beweis zu bring», daß der „Talmud* und der „Echulchui «muh* jene Lehn» und Vorschrift» »tbält, di« « da lucrimiutrd» Anikelu näher bezähmt find. Da jedoch »«de,: der Gerichtshof, noch der Angeklagte, »och der Staotsauwalt «d der vertheid iger di« hebräische die sh. risch« nn» mamätsche Sprache leuu» und beide Bücher iti jetzt «old in keiner I ander» Sprach« übersetzt worden flnd^ so »ülftn wir wohl zu ander» Autorität» greift». Wir er dt'len »ns durch Expert» und Orientalist« zum voll« Bewrtse. Der L-itheidiger verliest Ansicht», u,!> Aenßmlnzr, von Napoleon, Porlolt», de la Trettllr, aocl> der» Menumg di« Jud» zu jaer Zeit wirklich als gefährlich zu betncht» waren. In «taem ähnlich» Prozefft, wie der «ckerig«, gal« Prof. Dr üicker au« «künfwr da hebräisch» »,d deutsche», Text bezüglich der verwerflich« Dogma. Dw» üstatt „kSchs. Merkur* hatte eim damals er< Bi ofttzbrr» betstelt: „Der Judaspiegel*, abgebrvckt. Ju dieser (Br,«schüre sind die iacriminirtta'Dogm« verzeichnet. Da« Blatt wurde frcigesprochm durch llrtheü vom 10. Dez. 1388 Der Bertheidiger verliest Auszüge au« de» Bericht de» Pr»f. Dr. cftker. Redner cittrte noch verschied«« Prozeffe, in den» die Angeklagten sämmtlich freigesp.ochm wurdm. Die Angekla,ftm halt» dasielb« oder Arhaliche» > bchauptet, wa« Herr Ltelter « sein» Artikeln erüttnt hat. Roch in dem lrtzt» Piozefle gegm Feoner in Marburg, gegm dessen Bemttheilrmg Berufung eingelegt sei. hat ein jüdischer Rabbiners) gesagt, die Lehren de« Talmud seien »i«d»d für ist» Jude«. Dr. Rahling hatte demjenigen, der beweisen würde, drß die incri«. Letrm sich nicht im Talmud befänden, 1000 Thaler verspraü»». Und bi« heute hat e» noch kein Jude «wagt, diese» (keld zu verdi«ra-*) Dir Besprechung dieser Frag» ist jedem Blatt« erlaubt. Greift nicht Rämn die Gottheit Ehristt an, oh« daß e» verfolgt wird? Wncd» nicht die katbokisibm tztogmm angeqrtff», ahne daß ihre Urheber vor Gericht gegogm »erd»? Also hat Herr Weiter auch kein Vergeh« degimg». al» er sein» Lese« von d» Dogm» der Juden Kenntniß gab. Ja dem 2. Artikel beschäftigte sich da» „Lax. Wort* mtt der social» Frage. Der Artikel iß überschrieb»: .Die Jud». die Köaige der Welt.* Jsi da» nicht ko? Der CAr»k.l ist nur Politik und Herr Wetter hatte voll» en Recht, ihn zu veröfftatlichea. Mau sehe einmal auf die zahlreich«« Werte und Publibttionea, die im Ausland gegen die Inder: erschienen sind So z. B. »La Franoa jaire“ par E. Drumout, 2 Bände, ein Werk, da« bereit» über 100 Auflagen etld>t Hot. Unser Land hat Recht, sich mtt der soc alen Frage bezüglich der Juden zu beschäftig». Sind di« Jud« uicht die Herr» auf unser» Märkte«? Ist unsere Bevülkerrag «ich, im beständig» Handelsverkehr mit d« Judm? Und e» sollt« ein vergeh« sein, die sociale Jud»frage in einem Blatte zu beleucht»? Die Beleuchtung der „3ab»ftagt" ist f»t unser Land speciell von große» Interesse. Redner citiitt da» im Jahr« 1887 von dem Verein für Sozialpolitik e^chimme Werk: „Der Wacher auf dem Laude (Leipzig 188k', Verlag von Dualer und Humbolt). Ich rrsumin:: Herr Wetter ist Journalist und er hatte Recht, die Artikel zu verösftntlichm; er hat i« gut» Glaub« gehandelt und bro Sch old trifft tha. Auch man von Aufreizung einer Klaff« von Bürge» gegm di« aade» nicht die Rae jriit. Kl» katholischer Redakteur hat Herr Wetter nur sein« Pflicht oeftwa und ich verlang« dessen gänzliche Frei, sprecht«-. Wan jttroch der Genchtshof au dem Inhalte de» „Talmud* und »SkPüchau aruch* zweifett, so erbiet« wir uu» zu» Beweise durch Expert«. Die Press« bierland» ist frei, Sie »eine Hern«, werdm dieselbe t» ihrer Freihett nicht schmäle» wollen. Der Gericht »hef unterbricht nach de» Plaidoyec de» Her» Bech die ikchuug auf rdriae Miaute«. Bei Sieder» aufuahm« der S>Snag lezitimitt sich Herr Advokat Brtucour für die Tivilportrc, al» reelch« die hiesige jüdische Gemeinde, derart» durch dr» Tonsistorium. aufqetrrttm ist. und bau» tragt, der Angeklagte möge zu 10000 Frau!» Schadenersatz vr»rtheilt werde«. Her: Bertheidiger Bech besttettet Her» Briucour da» Recht, sich n» Ram» de» jüdisch« Toast« stört um» al» Tiv'lpaaei zu stell», «ad die» zwar au» f«l» amd» Grüadm: 1. seien die Mitglieder v«H jüdisch« Ton» ststortum» nicht -ach den bestthmd« Gesetz« emauut und approdttt; 2. fftm die -ttuctiouen de» Loufistormm» bloß solche, für welche da» Gesetz diese» Toaststoriu» gefttzaffa. o. h. «m Berwoilungsralh der Svuagoge (toaqmeal) «ud weiter nicht»; di« Tomvttmz de» LouMorium» sei beschränkt auf b» Geaeaftenb seiner Eiusrtzuug; da» Toasistoriu« gleiche einer Kirchenfabick uad köuae deshalb tu Religion»« *) Aobttug ist Uingst vou jüd-Gelchtt« »i»«i«g^ und Ml^ggaoraM na» 8UUa •riinsiawBtt — »ach am kai christliche» «achgilwwea kkms.^SGh-,»o, <-gBwuw Ma^«r. Hw K« m&U#, tfltk)