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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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fidjt wie au Strenge de« llrtheil« zu dem Beste» und Ti'fste« in aller moralische» Litteratur gehöre« dürften.* Und wird der Eindruck diese« Urihell» n cht »och erhöht durch da« aufrichtig« vekeuntniß, da« sich fern« schließt: „Flachheiten und Enge». Falsche« und verwerfltche« findet sich freilich, wie überall, so auch hier"? (S. 10). — Juterisiant und Licht-verbreitend ist di« Eharakteristik de» Talmud nach Styl »nd Methode (?. 13 u. ff.). „Die Gemara betvibt Midrasch (Exegese), an den Büchern de« Kanon unl» der Mischna ... sie behaudelt ebenso die Rech ts» wie die Sittenlehre. Und diese beiden Gebiete sind nicht etwa in geänderte Traktate ringetheilt, sondern von einem keinen Traktate abgesehen, geht Haggada und Halacha im ganzen Talmud durcheinauixr.* „Darin« erklärt sich txr unklasstsch« Etil und die ruhelose Dialektik der Gemara. Die Gedanken werden nicht ia eigene» Problembiiduagen entworfen und entwickelt, sondern im Wege i>er Exegese prodveirt; — (richtiger wohl: drduzirt! Anm. d. ll!ed.); und zwar nicht al« sachliche Erläuterung de« gerade vorliegenden Texte«, sondern, wie dieser Text selber kein einheitlicher noch abgeschlossener ist, vielmchr bei »euer Begleichung ein neues Ansehen gewinnt, so spinnt und knotet sich die Erörterung, daher verläuft die Deduktion nickt immer sachlogisch, sondern sehr häufig formalistisch; wir ja oll, selbst gesundere, im Stoff einheitlichere Diollktik gerade in der Technik ihrer Regeln von der Gefahr de« formalistischen Selbstzwecke« bedroht wird. Diese Gefahr mußte hier um so größer sein, wo ebensosehr wie der Werth der streitigen Cache, der Werth de« göttlichen Worte«, der in seiner Präcision bestehen sollte, im Mittelpunkte de« Interesse« stard. Eine Entscheidung, wtlche eine Txtstelle .rgob, mußte, so rationell sie auch «schien, dennoch zueifelhast werden, wenn dadurch eine andere Texlstellr auch nur überflüssig zu werden scheinen konnte. Diese Buchstaben- Exegese mccht die Dialektik de« Talmud athemlos. Und i» sollen ja die biblischen Buchstaben nicht nur nach chrem Dlutungswerthe arSgeprrßt, sondern zugleich auch die einzelnen, sorrie die Arten der Mischna* (Mischua, Borattha, Tosiphta rc) „nach Möglichkeit harmonisirt «erd«».* — Wenn nun gar diese hermeneulisch« Technik durch dir üppige Haagada gekreuzt wird, so wird sie nicht immer von dieser augehalteu uud eingeschränkt, sonderu oft nm noch mehr gereizt. Ein Auöspruch, den irgend rin Lehrer »ach irgend einem Berichte in irgend einem Jahrhundert getban hat; eiue Handlung, welch« die Sage zu chrem eigenen Zwecke frs'zr hallen oder vrrändert; ein im Hi» uud Wider der Rede entlocktet Wort; der Aufschrei oft eine« über Gewalt oder Gev'ffenönoth empörten Märlyrn«, ebenso wie manche« Tictvm eines borvnten und iavatischen Glauben«; alle solche kkntenzen persönlichsten und individuellster Einsicht und Leidenschaft, für welche in ollen Litterature» sonst nur der citirle Autor verantwortlich rst, wurden hier, wenngleich niemlls al« Halacha. al« Entscheidung wirksam, so doch mit einer Art von Ansehen und fragwürdiger Glltung bllleidet, so daß iwmnhin der Reiz nahelag, auch solche Sprich« der Haggada dialektisch zu rechtfertigen und mit der Haggada coaform zu mache«.* Man steht, daß sich die AuSsührunge» de» Prof. Eoheu ganz genau mit de« decken, wr« wir; al« wir nur ha« falsche Referat der „Jüd. Press,!* vor Lugen hatten/ gegen diese« letzter« entwandten. Prvf. Cohe« ist »eit entfernt Uaior, zu erkläre», daß Alle» im Talmud bindend sei, i» Gegentheile, zeigt er die ganze Schwäche, der von allen mögliche» Zufälllqtiite» der Geschichte abhängigen Methode« de« Talmud, »ut er legt gerade daraus den Nachdruck, daß nicht alle« im Talmud bindend ist, sonder« nur, im beste« Frlle, ' di« Entscheidung, da« an« der athew losen Dialektik herrorgehrnde Resultat. „Flachheiten und Engen, Falsche« und Verwerfliche«*, kommen im Talmud, di« gestcht Prof.Eehen offen zu. ia Folge der vorwaltenden, harmoaistrende« Tendenz, auch vor, aber diese sind eben nicht bindend, lbies sprstht Prof. Eohen so klar und ia gar nicht mißzuverftrheuder Weise au«, daß «» gar nicht zu begreift« ist, wie der Refermt der „Jüd. Presse*, der Redafteur ia höchsteigener Person, ein Lehrer am Berliner Rabbiaer-Srmiaar, die« ia gerade eotqegenaesetztem Sinne mißverstehen konnte. — Diese vom Prof. Sohen präcistrtr Auffassung, entspricht der wifleuschaftlichen Wahrheit, und da« ist auch, der einzig ua angreifbare Standpunkt gegenüber allen antisemitischen Berläumduugen: „dir tu dem Talmud enthaltenen Bo rschriften de» Glauben» und der Silben', d. h. d ie Le>>reu, welche nach de« dafür geltenden, lalmudischen Normen, „Vorschriften de« Glauben« und der «bitten* sind, „stnl, al« bdideade Gebot« für die gläubigen Juden auzuscheu;* aber eben nach diesen talwndischm Norme«, ist nicht alle« wa« i» Talmud sicht „Vorschrift de» Glauben« und der Sitten.* Klein!zketten, die wir etwa gegen Harn Prof. Eohen anmerkeu könnten,*) sind eben nur Klrinigkeilea. die dir Bedeutung de« Ganz en nicht breiuträchtigrn. — Die Brochüre de» Herrn Prof. Eohen ist ein wahrer Liäärwob llaorbow; möge sie durch einen weiten Lesnkrei» mekaddMoh HMohem borabbim sein! _ Wieder ei» Prozeß Wege» Beschimlchmg der jüdische» dieligio». Juni. Gegen die Nrdakteurr de« »Luxemburger Wort*, Weiter. Mo«» uni- Koppe«, wir auf Antrag de« hiesigen Rabbiner», Herrn Dr. Blum «aste in, die Anklage erhoben worden, in 2 Artikel» de« „Lux. Wort* ») die jüdische Religion, mithin einn, im Großherzogthu« Luxemburg emgeführten Cultu«, durch unmittelbare imd böswillige Angriffe dadurch verletzt zu habe», daß ffr in ge- Ätt, tendenziösa Weise die jüdffche» Blaubenslelirrn ent-; d) wissentlich falsche Thatsachen veröfftntlickt zu haben. Thatsachn», welch« in lügenhafter Weift »n Juden beigem essen werde« und welche geeignet sind, den -iftntlichen Fried«,, da» «erwögen und die Ehre einer ganzen Klaff« von Bürgern zu gefährde». — Bereit« in eina frühere« Sitzung hatte» dü Haren Moe« uud Koppe« die Verantwort! tchftit für dft incriminixten «rtiftl abgelchut «ui> Hrn. «eitec, «elcha *) 6o *. B. «ntn er ans «eit» U „Taunaim* mit „tttlierürfwrn* lwersttzt. Ct schetM dabet an die BuxyA finj «dt», «bnüeftrn, |« trakm, «ährend es et« Denonrinattvom von chaldäff,» KTHTttS, also „Lhrrr de, «tschna* bedeutet. — «nch t» der «dvostton kdnnte »an wünsche», daß auch schon bezüglich drr 1. Krage: ^Ob dir i» Talmnb enthaltenen vorschrtsten u. al» btodrnd» Gebo« «nznsehe» fiodk* die erst znr ».Frag« ^gede« «harakleristlr desDaln»» herangezogen wäre. Dort lonnni e« ja erst recht ans de» Untrrschted »on Halacha nnd Hag»«ba an. Doch da« sind ffltWtMim.

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