Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 23.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 174 bei tan sonst v»rurtheil»frei«n Sinn de« Herrn Dr. Philipp« son kaum denken, daß auch bei ihm der bei den orthodoxen Blättern k bliche Grundsatz Platz gegriffen: Oalnnrniar« »uänotar, oemA» aliqnid haeret. (.Immer drauf lo» geschimpft, etwa» bleibt davon kleben.-) Man htr» da» neueste Elaborat über die jüdischen Logen in Re. 22 der Allg. Z. d. I.: .In Nr. 20 spricht ein Correspondent an« Fra nkfn rt a. M. den au» Nordamerika verpflanzten Orden Bne Brich die leisten, berechtignng zu. sobald er dlguten Werke nachweist, welch« er an«führt oder hierzulande in An»» stcht genommen habe. Wir können un» Kiermtt nicht übereinstimmend erklären." Der Leser ist versucht, verschiedentlich nach dem Hopf der Zeünng zu sehen, um sich nicht in dem Herausgeber zu täuschen. In ollen Eorrespondrnzen übw den Orden wird ein besonderer Nachdruck auf da» Moment gelegt, daß der Orden au» Nordamerika verpflanzt ist. Da» hebt dieselbe Zeitung hervor, die schon in unzähligen Leitartikeln für die Idee de» Ko»mopolit.»mn» geschwärmt und Front gegen den ThauviuiSmn» gemacht hat. In seinen .Weltbewegenden Fragen", in seinen .Vorlesungen über dir Entwickelung der religiösen Nee" betont Dr. PH., daß der MosaiSmu» keine Verschiedenheit der Individuen, wohl aber die Verbrüderung aller Menschen kant, und nun finden wir fortwährend den H-nwei« auf Rordam'.nka, auf die überseeischen Glaubensgenossen, mit denen un» keine ge» meinsomm Interessen zu verbinden braucht. Wir haben von jeder tan Grundsatz gehuldigt, edle Bestrebungen zu den unseligen zu machen, von welcher Seite ste auch kommen mögen. Dieser Ansicht ist auch Dr. Pi>., wenn er in seinen .Weltbewegenden Fragen" sagt: .Wir scheuen un» nicht, eS anszuspiechen, daß die Nationalität, die den KoSwopolitiSmuS gänzlich verleugnet, ,rch selbst alS einige» Moment b*t Bildung, der Streben« und Z^le». als den ganz-n Inhalt der Pflichenwelr ausgiebt, emsritig, unnatürlich und rechtSwivrrg ist, ganz lxsonta» ab r der Religion wderspricht, welche gebolm: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst liebe den Fremdling wie dich selbst, alle Menschen haben einen Vater, « neu Schöpfer." Ganz ander» in der genannten Corresx.: .Mir haben. Sott sei Dink. sagt Dr. Ph., in Deutschland unter unseren GlaubenSgenoffen zahl lose Vereine, Veranstaltungen, Stiftungen sich wohlthätige Zwecke und wo irgend e» Roth chut, wird bald Rath geschafft. Wir brauchen deßhalb nicht erst au» Nordamerika einen Anstoß zu entlehnen und nun noch einen solchen, der sich mit Forma litt ten und Geheimntßk'ämerei bekleidet, die er von einem fremden Kreis«: dem Freimaurerthum, sich borgt." Jawohl, e» fehlt bei un» nicht an Wohlthäti,k>it»- anstalten; hat aber der Orden Bne-Brith nur den Grundsatz der Wohlthätigkeit auf sein Panier geschrieben? Au« welcher Quelle schipst hier Herr Dr. Ph.? Der Orden bekleidet sich mit Frrmalttäten und Geheimnißkrämeret! Da» sind bloße .Sch lag Wörter" von Seiten de» Herrn Dr. Ph., um den Lesein ein Schreckgespenst heivorzuzouvern. Wer die Tendenz de» Bne»Brith-Ocdeu» kennt, weiß, daß die Form zwar erforderlich ist. aber nicht da» Wesen der Sach« au»- macht; daß von e uer .GeheiwntßKämrrei" keine Rede sein kann, ebensow-nig wie man in dieser Weise vor der Freundschaft spricht. Dies« Formalitäten und dies« Geheimnißkrämerei soll nun von einerr fremden Kreise, dem .Freimaurerthum" geborgt sein! Unl> doch ist PH. seiner Zett .diese» fremden Kreise" in Leitartikeln mit aller Entschiedenheit «ntgegengetretrn, daß versthiedene Großlogen de» Fieimanrmhnm» nicht Neigung zeigten, Inden al» stimmberechtigt« Mitglieder aufzunehmen; banal» warnte Pb. unsere GlaRben»g«noff«n nicht, diesem .fremden Kreise" sich anznjchlteßen. ,D ese Ordent mummerei, und wenn sie noch so harmlo» ist, dürfte un» empfindlicher Schaden bereiten. Haben dir Antisemiten erst Kund« davon, so schreien sie: .Da sind di« geheimen Bünde der Juden, in welchen ste Mittel und Wege verabredeu, um die Welt zu beherrschen n. s. Auf falsch« Prämissen gründet Dr. Ph. seine» Schluß. Weiß denn Herr Dr. Ph. nicht, daßwir vor den Angriffen der Antisemitgt'« überhanpt nicht gefeit find und wenn nnsewn Brstrebange» - die kdelsreii Motiv? zu Gründe lieaea? Dr» soll der Appel ' an die «ntisemitea? Will Herr Dr. Ph. läeselbea auf di« , Existenz der jüfisch.i, Lo,-n jetzt tat aufne ksa» machen, daun dürfte er, wie ko vielfach xoot fettem ko» neu. tarn di« J«r. Wochenschrift, wie die Jüdische P ,ff« bringen schon M seit Jahren in ihren Spalten Mitthe'lnngen au» tan U. O. B. B. Ir sagt der Prtrta'ch dst Alli,»» i«r. naiv, ist auch von den Antisemiten ang griffen worden. .de doch im hellsten Licht« der Oeff-'ntlichke-t lebt, all ihr Thun, auch chre Finanzxbohnmq. veröffentlicht, um wievta mehr diese in thörichte Schleier sich hüllenden Orden »bände.". Wa» erheischt demnach die logische Konsequenz? E» wäre beffrr» wenn di« Alliance nie va» Licht der 2B.lt erblickt hätte, denn dann hätten doch di« Antisemiten diese Alliance nicht begeifern können. Da» klbrgt ähnlich, wie Börne einmal in seiner sarkastischen Weise liemerkt: .Wenn Atam in» Waffer gesprungen wäre, dann n»äre die französische Revolution nicht in» Dasein getreten. — Wir fürchten un» nicht var den Antisemiten, wir fürchten un» vir G».tt und dem König, sonst vor niemand. Und nm zun Schluß. Warum ignorirt di« L Z. d. I. den Ocden nicht, wie da» sonst so ihr Grundsatz ist? Sie kann e» nicht «ehr, weil der Orden imm.r m hr und mehr au Bode» gewinnt, weist . doch di» jüngste Loge — in Cvln — die stattlich« Anzahl von c. 100 Mitgliedern auf. Und haben nicht alle Logen doch anch Mäoaer anfzuweisen, di« sich nicht von nebelhaften Ideen lrten lassen. sondern sich ziel bewußt vereinigt haben, um edle«! Zweck« zu dien«. .Au« all« dies« Gesichtspunkten ist,» nozweifel» Haft, daß der Jade eine gioße und heilige Beipflichtung gegen. sein Jndenthnm bat. in deren eifriger und neuer Erfüllung für ihn ein hohe» Verdienst lügt, nnd daß er in diese» Bewußtsein den Borwurf de» Seoarati»mu< al« ganz anglrecht» ' fertigt aus den znrückwerfen kann, der ihn ihm «acht, von welchem allgemeinen Standpunkte au» dieser ea auch thue." So schreibt Herr D«. L. Philipps«" selbst. i>, srtoen .Weltbewegenden Fragen". Theil I S. 3Sv. Werkln. .Wer fich noch schämen kann, der sündigt nicht so bald", sagen uusere Weisen. Daß aber dt« Anu» semiten da« Schämen verlernt, haben fi« jünfft mehrfach de» wiesen. Ihr Hauptführer, Schönerer, überfällt fein« Gegner mit eine« Schlagring», (eis Wn»der, daß «t fich nicht de» Messer« bedient hat.) und wird dafür zu vier Monaten Zacht han» vernrtyeilt. Schämten fich nn»feine Genossen feiner? Im Gegen theil- Allerorten feiern fie ihn al» Helden und Märtyrer und feine That wird laut gepriesen. Men hat in Berlin die Leute anfgeftöbekt welch« systematisch die kraffesten Lügen über b n Kaiser und kU . Kaiserin erfunden und verbtatet und planmäßig da» Voll gegen ste anfzmviegeln bestrebt waren, es wrren die» Subjekt«. welche wegen Verbrechen i« Amte mit Gefängntß de» straft, arm« Leute durch falsche Vorspiegelungen uw da» Ihrige betrogen haben. Nebenher betrieben riese Leute, wie t§ zu diesem System gehört, die abgefeimteste Jndenhetze. Nachdem «an nun diese Leute und Alle bti! fich ihrrr de» dient, entlarot. und fie tm »dqeo-dneieuhansr mit de« rechirn Namen genannt hat, schämen fich dt« Autisewstei» etwa ihrer und verkriech«» fich in ihr« Schlupfwinkel? lirtueslall». G» wird weidlich auf Diejenigen, »elch« dies« Wespe an cster dloßgckegt, geschimpft, nnd so zn schimpft» »erst, Heu Klo» Anti» femrtcn, nnd da» wüste Treiben wird in noch roherer Weis« fortgesetzt, wie wir die» eine« Bericht« der Boss. Zig. entnehmen. Dort wird «itgetheilt: .Auf den Stroßm Berltn» wurde am Montag in Mafien ein Flugblatt verbretMt, da» unter der Ueberschrift: .Wern« wirb der Kronprinz Wtlyel» verlenmdet?" den Zweck, »erfolgte, den Kronprinzen^»!» den künftigen «ntisemittfchen Kaiser erschein«» zu lassen, in welche« , den .nnter nn« lebenden mternationalen Jnbm für ihr den .nnter nn« lebenden mternationalen Jnbm für ihr