Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Fachmann, sonder, Pnf. der Philos,«hi« ist. «d die t» seinem G»t«)t» Hervartretende Sachke»i»iß u»r »wWtt«. caqc*, tOtskntß d»rch mehrwmmtltche 6fctMc»is der letzte» Zeit »irder rechdqte Md «nbeletztt Remtni»cen««, '«» der Jogendzet sind. Man «ißverftehe elf» »nserrBebenken gegeu de» Bemf de« Hru. Prof. Lahe» «l» Sachverständigen Nicht. Ihm fehlt eigentlich nicht »bjectid« Sachkenntniß; er scheint sie sog« im »eiteren Umfange nnd höhere« Grab« 1» besitzen »l« mancher seiner Lollege» i« akidemischeu Lehramt, die sich so viel davon zntraue«, um ott ei« „Ctfa«* die ganze Et,ik de« Talwnd ans ihre Schnlter» zu laden »nd eine „Ltther-Rolle" im Indenthn« >» spiele«. Beherrschte Prof. Lagarde am entfernt in de« Maaß« den Talomd, wie Prof. Lohen, er hätte die Schnttzer nicht mache, kömreri. Bon solche« groben Schnitzer, kann bet Herrn Proi. Lohen« objectivrr Sachkenntniß nicht die Red« sei». Was ihm in unfern Lagen z«m Sachverständigen in dieser «ngelegenheit fehlt, ist — die bekannte und allseitig anerkannte Autorität ans diesem Gebiete, di« allti, geeignet ist, in der Beurtheilnng der öffentliche» Meinnng in« Gewicht zu fallen. Bei alle» Talmadkennrr, hat sich Prof Lohen durch sein Gntachte» als Talmudkeuner erwiesen; aber — eben nur durch sei» Gutachten. Ls handelt: sich aber hier nicht darum, daß da« Gutachten de« Renommee de« Prof. Lohe, al« Talmud kenner, sondern amgekehrt darum, daß da« Renommee de« Prof. L. al» Talmudkenner de« Gutachten ,,u Gut« komme. Kür den Talmudkeauer war da- Hutnchteu überflüssig; die R'chter find nicht Talmudkerner, darum wollten sie belehrt werden. E» mußt« also «in Lehier diese« Fache« sein. — Ich hoff«, man wird e« diese« Zeilen anmerkeu, daß sie dem $3. Prof. Loben volle Gerechtigkeit widerfahren za laflen lemiiht find. Herr Prof. Lohen ist also Sachkenner; er versteht den Talmud gu lese«. *, „lernen"; aber e« bewährt sich ar ihm da« alte talmudtsch« Wort nTT2? HMM mu BTiTT? NM nnn m. Seine Sachkenntniß reichte an«, die -weite Fragil de« Gerichte» richtig zu beantworten: „Steht im Talmud, da« Gesetz Most« gilt nur vom Juden zn« andern; auf Bojim'« hat e« keinen Bezug, die dürfe« sie bestehlen wid betrügen?" Aber nicht zm Beantwortung der ersten Frage „Sind die i« Talmud enthaltenen Vorschriften de« Glauben« und der Sitte al« bindende Gebote für die gläubigen Inden anzusehen"? Auf diese Frage hat. »ach dem Bericht der „Jüd. Presse", Hr. Prof. Lohen geantwortet: „Diese bejahe ich unbedingt. Für den gläubigen Juden ist Alle« i« Taluurd bindend al« die überlieferte Lehre, die Mose auf de« Sinai gegeben »nrde. Alle Einrichtungen der jüd. Gemeinde al« solcher beruhen auf dem Talmud, der al« eine Quelle und Grundlage de« jüd. Glanben« zu bezeichne» ist, ebenso wie die Bibel selbst." Wenn Hr. Prof. Lohe« da« wirklich gesagt hat, dann — maß dieser Theil seine« Gntachten« entschiede», im Interesse de« Judeathnm«, am antisemitische« Mißbrauche »orzubeugen, richtig gestellt werde». — Sir bea wke», daß da« Gntachte» »er Sachverständigen gar keine, Einfluß ans da« gerichtliche Urtheil hatte. Die verarthellung ist erfolgt „wegen Beschimpfung der jüd. Relig^ Gesellschaft" »ad da« Erknmtniß erklärt au«drücklich, „eia Bach, oder eia: Stelle estre« Buche« bilden keine Einrichtung einer «elig.. Gesttlschaft." Da ta« Gutachte» de« Prof. Lohen deuuuch nicht di« Bast« der «ernrtheilung de« «». gevagtea war, s, können wir »it kalte« Blute an demselben »bjektioe ftritif üben. Hr. Prof. Lohen, der begeistttte Interpret Suit«, wird ohue Zweifel selber de» Wegweiser zu« „Ding et sich" mit Freuden begrüßen. Er ist ja «nr ein Mittel, kein Haupt der ... . Orthodorie. — „Für die gläubigen ^fudea ist Alle« i« Talmud bindend." — Dieser Satz ist nach 2 Seit» hi, »»richtig. G«n, falsch ist er in vezng auf den Thetl de» Talmud, welcher „Agada" oder „Haggada" (XtrOK .»N» heißt: da« ist der nicht-gfAetzliche UhW. chpHtzer an« Homilie, siwqpMp« viiroinni^Qi tc. «t, ijejjm. * diese» ganze» DheEt, der eine» große» Brnchthäll da« Talmud« ««macht, ,«t der Grnnb^tz: rwMNtV PA. vo» den Agada-Bestandthrilr» de« Talmud ist kein bindende« Gesetz z» dednzire«. Aber „für de, glänbtge, Juden" l — «nn, der Talmud selder spricht fich an vielen Stal« über die praktische Bedeutungslosigkeit der „Agada" an« (»gl. Lhagiga 14, Syuhebrin 38b; Sadvath jer. XVI, 1; Herajoch jer. III. gegen Ende). Ist uan anch « diese» Stelle, nicht die „Agada" »nfert« „Talamd". sonder, di« „Agada al« .Lehrweise' gemeint, so ist e» materiell doch da«selde. G«z direkt ist die „Agadd" unsere« „Talmud" al« nicht «bsolnt hichzeftellt warben vom Gao» Niifim, vom R. A. b. D., Gloflator d. Maimonide», Htlchach Teschuba 3.7: stnsari 3, Ende; selbst Maimouide«. der phtlosophtsche Aarleger der Agada, deutet nicht verkenn bar an, da« ihm manch« Agada entbehrlich erschien; verql. More 189, wo er z, einer agadischen Stelle (Berachoth 38 die Bemerkung macht: .wollte Gott, e« glichen alle diese« Genre'« Vieser Stelle"! — Un« Steuern, die wir in hne» auch histo-, rische Denkmäler erblicken, ist keine einzige Agada-Stelle entbehrli»; aber ebenso sicher ist. daß >e» haggadtschen The»le de« „Talmud" niemal« „bindende" gkbndinag beigelegt wurde. Wie kann man nun gar sagen: „der Talwnd ist äne Quelle de« jtd. Glauben« wie die Bibel"? Der Talmud, der zum großen Theile an« „Agada" testeht? Wenn die „Jüd. Pnste", die ja ihren Redakteur und 2 Stenographen zur Slclle hatte, und dafür ausdrücklich Dank beansprucht, an dieser Stelle nicht acl majonm orthodoxiM aloritm Herrn Prof. Lohen unrichtig wtedergiebt, hat der Herr Prof, hier etwa« behauptet, was gar schr al« Wasser auf die Mühle der Antisemiten den atz! vecbea'kana. — Ich vermuthe: Dir „Jüd. Presse" hat geflunkert; und nicht Prof. Lohen, denn Prof. E. hat ja selder vorher und nachher zugegeben, daß sich im Talmud vielleicht einige „geschmacklose", vielleicht sogar vom modernen Staudpnnkte „verwerfl'che" Stellen finden. Aber die« erklärt sich daher, daß der Talmud Menschenwerk ist, daß indemselben Tausende von Gelehrten uncontrolirt ihre Ansichten niedergelegt haben". Wie reimt sich da« zusanuaen: „Menscheowerk" ist der Talmud, und „Alle« im Tolmnd ist ttn< dend für den gläubigen Juden"? Ehe ich anaebme, miß ein Prof. Lohen, der anerkannt« Eantianer, ein« solche Lontradictio sich zu schulden kommen lösten könne, verwathe ich, daß die reklamesüchtige „Jüd. Presto' de» Herr» Professor zum Sprachrohr diese« Dogma'« remachthat.") Wie gefährlich e» wäre, Alle« t« Talmud al« bindend für den gläubigen Juden" vor eine« preußischen Landgerichte «azuerlenne», möge Folgende« zeigen. Maimonideü a. o. O. Hilchoch Teschuba L. 8.7 nennt de« eine» Setzer („Min"), der sich Bott al« ein» Eürper «tt Gestalt begatt vorstellt. R. A. b. D. glosfirt: „Wie kan« der ei» Letzer genannt werden? Haben ja viele Große solche» geglaubt, stchem sie nicht nur me Anthropommwhiämen der. H. G. buchstäblich nahmen, sondern auch den Agada'« folgte», welche die Ansichten corrumpiren" (NWI NA fflVSV&n?) Wie? Venn nun alle diese „die Ansichten zn corrumpiren gectatfcR Agadoth" heran«gesucht und, al« für de« gllnbtgen Inden bindend anerkannt, al» der kanonische Lcheinhalt de» Indeachum« de« Gespött« vre «»gegeben würde? «it »elche» Rechte wL auch Herr Prof. Lohe», der „well ft mit seinen «istenschastttchm Anschannngm nicht übereinstimmt', einzelne "> «r bemerle, «wdrückN», um jede« «GveißGaMM MV* Mi der «Mm ArtUel aeschNebe» m» mdracki war, ehe da« Amawii» w« Herr» Prof. «M milag. Wr nfteUn .. enftWähembderLarrecenr diele» «rtttt». ObeaipNwmI »nr da» » ä » »ltch « «nwchte» (noch de» Ad«»t >«-SK-Ae^lAweint