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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 21. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 21.
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Der Verband strebt an: 1. Bon Außen gegen dal Judenlhnm gerichtete Angriffe abzuwehreu; 2. Front zu machen gegen willkürl che Ausscheidung au« der «Gemeinde, mit welcher fein Domicil. Wechsel verbunden ist; 3. Gröuduug eine« israelitischen Waisenhauses für Oberschlefieu; 4. Regelung de« Religion» - Unterrichte« in Communal» Scholen und 8. Helanbildiiug von deutsche« ReligionSlehrem und Lultu«. beamten. In, Princip werden sich wohl alle Gemeinden damit einverstanden erklären, diese S hochbedeutsamen Anfgabcn ihrer zediegeuen endgiltigeu Lösung entgegeugedracht zu sehen. Wie sich aber die Gemeinden in vraui dazu stellen werden, ist eine andere Frage. Die Bewältigung aller dieser Aufgaben erfordert drei Ding«: Geld, Geld uud wieder Geld. Die Grüudung eine« israelitischen Waisenhauses für O rerschlefien ist ein äußeret dringende« Bedürfniß. Da« Breslauer Waisenhaus kommt nicht in Bedacht. Statutengemäß «iid Waisenkindern au« der Provinz die Aufnahme verweigert und so gi-bt e» für sämmtliche Waisenkinder der Provinz Schlesien (mit Ausnahme der Waiseukinder ^u Breslau) kein israelitische« Institut in Schlesien, welche« »huro seine Pforten öffnet oder ihnen gar eine liebreiche uud behagliche Heimstätte bietet. Schon um diese, ebeuso human» wie religiöse Absicht zur Ausführung zu briuger sollte kein« Gemeinde zögern, dem Berbaude beizutreteu und nach sträften ihr Scherfleu beizusteuern. Leider wird in den meisten > leine» Gemeinden der Etat so knapp und dürftig auSgeworsiu. daß für außergewöhnliche Leistungen meisten« Ebbe in der Haffe ist. — Sonderbar nimmt sich Punkt 2 der zu bewältigende» Aufgaben aut!. Sollten gerade in Obeischlefien uud speciell in seinem reichsten Thrile, in dem verkehrsreichen Berg» uud Hütteurevier, die Fälle sich gehLust haben, in welchen G>:- meiode-Mitglird'r willkürlich uud frivol au« brr Gemeinte -»«scheiden, ohne daß sie ihren Wohnsitz wechseln? Da« wäre ebenso traurig wie beschämend. — Heranbildung van ReligionSlehreru und EoltuSbeamteu ist gewiß eine schi:ie und lohnende Aufgabe. Warum verlautet aber lein Sterben»- wörtcheu von Bestrebungen, nach einem gewissen Provisorium die defiuitim Anstellung der EultuSbeamtru >u'S Auge zu faffe» und die Pe»fiou«verhäl«ntffe im Falle uaverfchnldeter, im Amte rrfrlgter Invalidität nach einem humane» Modu« zu regeln?*) Da« liegt in vitalsten Jutereffe der Gemeinten selbst. Da« wüste Nomad nthum der kleinen Beamten» w»runler auch di« kleinen Gemeinden so unsagbar viel zu leiten haben, wird »ud kann früher kein Ende erreichen.—ES hätte ferner sehr nahe gelrgeu, daß der Verband sich mit der Aufgabe befaßt hätte, drr Wanderbett-lei in irgend einer erfolgreichen Weise zu steuern. Gerade da« südöstlich« Ober» Ichlestcn ist da« Ein- und AuSfallthor für Galizien rmd Russisch.Polln. Die Waoderbettelet artet biSneileu zu eiaer uuerquiiklichea Ealamitöt aus. E« giebt hier in großer Zahl galizische uud russisch-polnische Typen, die Jahr »u« Jahr eiu w t jedem Neumond »drr Bollmond erscheinen uud ebenso zudringlich wie grwiffeulo« die Juden Oberschlefieu« brandschatze». Eine einheitliche stramme Organisation köimte hier manchen Segen stiften, so daß nicht — loa« oft genug vorkommt — der würdige durch deu Unwürdigen geschädigt uud verdräuzt würde. (Siehe unter ,Eassel".) — Sui Anlaß eine« Special-Falle« hat tonr Rrgienrrg«« prästdeut tu Oppeln tu Folge hvhereu Auftraz,«« alle Si-aagogeu-Gemeindeu seine« Bezirke« augewiese», den EultnS« beamten eiaz »schärfen, bei Ausstellung von Atteste», daß di« rituelle Scheidung jüdischer Ehegatten erfolgt sei, ioimer ausdrücklich zu bemerke«, daß die rituelle Scheidung ohne jede civilrechtliche Wirkung fei, um — ne e« i» drr Berfüguug heißt — nicht die Ehegatten oder Dritte »der gar den Standesbeamten in eiuen verhtuguißschrreren Jrrthum zu versetzeu. E« wäre iutereffant, festzuftellen, wie diese Mater e in unserem Nachbarstaat« Oesterreich - Ungarn *) BetauUtich hat der D. I. w. v. »ieseu wichtigen Punk» auf bcm.ufttn'ltttUnetQkmeinbetagc an» de« Etat»» de»! »e»rtndel>ande< gestrichen u. duai» sich selbst de» Todedstoß -«geben. (>ted.) . '..7geregelt ist. Während da« österreichische Herrenh,«« zum Mißbehage» der für ihre Autonomie zitternde» omuipoteuteu österreichischen Gemeindevorsteher de» Rabbinern in Kalt»«- angelegeuhetteri gesetzlich« Competenz und einen gewisse» Grad von Unabhängigkeit,»spricht, hat die Regier»«« z»> Oppeln die Eommuuru angewiesen sämmtliche Rabbiuer Oberschlefieu« mit ihrem Gesammt - Einkommen zur Eommuual > Steuer heranzuz'ehm. Mau darf begirrtg sein, wie die Regierung die ihr vom Abgeorduetenhause al« Material überwiesenen Petitionen verschiedener Stmagogeu- Gemeinden um die Befreiung der EultuSbeamtea aut Elementarlehrer hinsichtlich ihre« Dieosteiukommeu« v»» der Eommunal-Steuer erledigen wird. — Di« in Nr. 20 unter .Sohra» DIB.0 gebrachte Notiz über de» humanen Zug de« Herrn Fürstbischof» Dr. stopp ist in der referirteu Berfiou unrichtig. Der Herr Fürstbischof hat bei seiner Rundreise durch Oberschlefieu Sohrau nicht berührt. Vielleicht hat da« iutereffante Intermezzo in der Nachbarstadt Loölau. woselbst der sympathische Sirchenfürst gegen Ende April feierliche» Einzug hielt, sich abgespielt. (N-ich and« er Version 'oll ed vor einipei: Zeit bei d-r Anw<sealrit des W ihbischof« Dr. Gleich sich er» eignet haben.) $4»ei*ewflff, 14 Mai. (Or.-Eorr.) In de»'letzte, Wochen hat man sich leider viel mit nur beschäftigt; da war der Prozeß grgen Schönerer in Wien, deffeu Nach klänge sich noch die,er Tag« in Pöbel-Exceffen zeigten, wir lasen von deu antisemitischen Debatten rm W teuer Abgeordneten- Hause, konnten un« über den Werth de« Talmud« von Marburg au« belehren laffenl Da hatten wir wahrl'ch genug Stoff, über die Verirrungen de» IS. Jahrhundert« »ächz», denke», al« uu« noch ei« anderer Prozeß daran erinnern mußte, wir viel uo« selbst noch zur Einkehr »ob Einigkeit fehlt. Wir meineu die Beleidigungsklage gegen den Bamberger Vorstand und deren Leraulafsnng, über welche in diesem Llaite in vorvoriger Nummer (IS) referirt wurde! — ES muß doch jeden ehrlich denkenden Jehudt bittere« Weh ergreifen, wenn er zustrht, wie derarttgr schmutzige Wäsch« vor Gericht uud in den Tageblättern gewaschen wird. Welche Meinung sollen Andersgläubige von uu« erhalten, wenn st« Zeuge« eine« Streite« find, ob «an de» Gebet,lautet über de» stopf ziehen darf oder nicht? Wahrlich, iu »cs meisten Fälle » kommt der Anstoß znr Gehässigkeit au« «usrrer Mittel In erster Reih« können wir ua« dafür nicht erwärmen, daß e« einem Gemeindemitglied nicht gestattet sein soll, sein« Gebete mit de« Talli« über den stopf zu verrichten, Im sollte e« jedem überlaffe« sei», »ach sriuer Fayon selig z» weich«, aber andererseits,,wen« einmal di« Anordnungen de« Borstände« »orliegen und die Gemeind« sich in diese Ordnung gefügt, da steht e« etuzelaen Personen wohl nicht au, t» rechthaberischer weise renitent zu sein. Da« Seelenheil de« betreffende» Manne« hängt doch wahrlich nicht vori dieser Krage ab und e« wir» stch doch wohl Niemand et,bilde», daß seiue Gebete von Allvater bester ausgenommen werde», wen» er den Gebetmautel dabei über deu stopf zieht! Jeder ordne sich in derartigen Ritualien de« Ganzen unter, und behaupte nicht eine« gegentheilige» Standpunkt, deffeu Lousequenz nnr ein« Gtörnu, de« Gemeindei^edeu« herbeiführt und Ander« ebenfalls znr Opposition errinntert. Wir find, entgegen den Gründen dr« Beunbetger Schöffengerichts, der Meinung, daß e« wohl in der Lc-mpetenz de« Gemeinde-Borst aude« liegt, derarlige Anordnungen zu treffe», da hierbei auch gute Sitte «nd Anstand, in Setracht kommen konnten, für deren Ausnchterhaltnng I«er Borst«»» zu sorge» hat, traurig und beschämend genug fftr nnt, wenn die Gericht« darüber erst entscheiden sollen, hoffe» »nd vcknschen wir an» vollem Herzen, daß sn« derartige Fälle niöjt »ehr beschäftige» mögen «nd die Gemeinde-Vorstände »itt de» richtigen Takt solch« Zerwürfnisse im Seim ersticke»! Letzterer Wunsch gab »u« dt« Feder in die Hand, dies« klngeligenheit heut« zu besprechen. Herz berliner.

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