Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5938332--6666-5372564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i» Talmud eine fcerorti|e Stelle steht, n»4 daß sie nicht steht.' — Gestehe» »ft U na» aufrichtig: Noch einige solcher Sieze und »ir find, in der öffentlichen Meinung, .... gerichtet. — Da Hilst fehl Beschönigen: ein preußischer Gerichtshof, dem die ganze deutsche Wissenschaft zu Gebote steht, konnte nicht constutiren, daß im Talmud keine Stelle enthalten ist, welche da« Betrügen und Bestehlen unsrer nichtjüdischeu Mitbürger erlaubt!- Darum konnte da« nicht constatirt «erden? Wer trägt die Schuld daran? Ls ist zwar nicht leicht nachzuweisen, daß etwas in einem Buche nicht stehe; aber es ist doch n-öglich, wenn unbeschränkte Hilfsmittel disponibel find. Warum sollte es beim Talmud nicht möglich sein? Der Talmud liegt in unzähligen Exemplaren vor; die Juden entbehren nicht der reichsten Hilst mittel; es kann also nur Bernachläsligung, Bersäumniß, Ungeschick u. dgl. sein, daß dies bei dieser Gelegenheit nicht constatirt wurde: wer trägt die Schuld? — Wir wollen die Antwort offen nach unserer lieberzeugung auSsprecheu, damit man in Zukunft »durch den Schaden klug werde.' In erster Linie ist das Provinzial-Rabbiuat von Marburg und die Familie des jetzigen Inhabers d'eseS Robbinats der SreiS der .Jüdischen Presse' und des H>l« deSheimer'schen Seminars daran schuld. Der jetzige Inhaber les Provinzial-Rabbinats von Marburg ist ein Better des Redact«urs der Berliner .Jüdischen Presse' — und lesen vir den Bericht der »Jüd. Pr.' Nr. 17 über diesen Proreß und denken dabei au den famosen in ein ähnliches Fiaso auslauferden Proceß »Hildesheimer—llömg', so macht es den Eindruck als ob diese AMisemiteu-Proceffe nur als eite Art von Sport und Zeirungs-Reclame. nur ad majorem orthodoxiae gloriam betrieben würden. Tas Provinzial-Rabbiuat hatte Fühlung mit der Staats» auwaltschw t, denn nicht nur schlug die Staatsanwaltschaft den Provinzial Rabbiner von Marburg als Sachverständigen vor, sondern lud denselben als Sachverständigen, auch nachdem derselbe vom Gerichtshof bereits als Sachverständiger abgelehnt nar, vor. Provivzial-Rabbiner Dr. Munk hatte auch auf verauassung de« Staatsanwalt» ein Gutachten ausgearbeitet, welches die »Jüd. Presse' als zum Proceffe gehörig, obgleich vom Gerichte ab gelehnt, getreulich registrirt. Dr. Munk wurde als Sachverständiger abgelehnt, weil er, rurch einen Antrag auf Discipliuar-Strafe gegen den Angeklagten Fcnner, als »nicht unbefangen' erschien. Dagegen erklärte die Bertheidiguug: Der Staatsanwalt hätte Herrn Landrabbiner Dr. Prager in Eassel als Sachverständigen Vorschlägen sollen; gegen diesen hätte der Bertheidiger nicht« einzuwenden gehabt-und sie (die Bertheidigung^ schlug als Sachverständige vor: Prof. Lagarde- Göt'iugen, Dr. Ecker-Trier, Prof. Gildemeister.Bonn, Abtü Bictor-Basel. Lic. Marx-Gnadenfeld und in letzter Linie Pros. Delitsch. Wem fällt es da nicht auf: warm» schlägt der Staatsanwalt nur den einen Sachverständigen Dr. Munk vor, »ährend der Bertheidiger sechs vorschlägr? Dr. Munk... wer ist Dr. Munk? Seine Tüchtigkeit und Ehreriäastisteit als Rabbiner in Ehren-aber als Autor,t gegenüber Lagarde, Gtldemetster rc.? Den Kall gesetzt: Dr. Mnnk wäre nicht abgelehnt worben-wie leicht wäre sein Name geM die gegnerischen Namen in» Gewicht gefallen? Warn« hat Dr. M. nicht alle» Mögliche gethan, den Herrn Staatsanwalt zu veranlassen, neben chm noch Andere . . . . Dr. Hoffmann-Verltu. Vr. Levtz- Breslau. Prof. Graetz, Prof. Wünsche, Prof. Delitsch rc. als Sachverständige vorzuschlagen? warn« nicht wenigstens noch den Lasseler Landrabbiner Dr. Prager?*) Es ist doch immer eine ganz andere Antoritat! — Wir haben keinen andern Eommentar dafür, als daß den Herrn von der Orthodoxie nicht die Aufopferungsfähigkeit ihrer kleinlichen Partei-Interessen fehlt, wo es sich uM die großen, die gräßteu Fragen, die Ehre, die Makellosigkeit, der Moral des Judenthums, handelt. Diese Herren find von der Sorte Derer, die die Pstke Aboch so trefflich kennzeichnen: V9 D-WK wr K1?! {fr nnrm selbst das Gute, was fie stiften »ollen, soll wenigstens unter ihrer Firma geschehen. Zur Unterstützung des orthodoxen Seminars find fie toliwanter, da nehmen fie von Jedem Beiträge, nicht unr von den Ultra- Radi calen sondern stlbst von den ausgehungerten Gemeinden Rusflsch-Polens; aber wo etwas in der Oeffentlichftit geschieht. da soll die orthodoxe Fahne allein in den Lüften flattern. — Thun wir den Herren Unrecht? Man lese in Nr. 17 der »Jüdischen Presse', nachdem in 12 Spalten über den Mardurger Proceß berichtet ist, folgende Eorrespondenz: »Berlin. 28. April. In Anbetracht der hohen Wichtigkeit der gestern in Marburg stattgehabten Verhandlung glaubten »ir im Sinne unsrer Leser zu handeln, indem wir den vollen Wortlaut derselben schon in dieser Nummer ihnen übermitteln. Allerdings war es bei der stürze der Zeit, da die Verhandlung erst gestern Aberd gegen 8 Uhr chreu Abschluß erreichte, nur durch die persönliche Anwesenheit!>es Herausgebers unseres Blatte» und zweier Stenographen, sowie durch die nneingeschränkte Benutzung des Telegraph« zu erreichen, daß eine genaue Wiedergabe jener Verhandlungen schon heute Mittag fich ermöglichte' rc. — — Ich will meinen Zweifel bezüglich der Benutzung des Telegraphen unterdrücken, obgleich ich weiß, daß noch nach 9 Uhr Abends ein Schnellzug von Marburg via streiensen urchBerlin geht und daselbst schon Morgens eintrifft-das ist Nebensache. Aber glaubt man nicht bei dieser Stelle ... das »Berliner Tageblatt' vor fich zu haben? Die »Jüd. Pr." will es anerkannt wissen von ihren Lesern, daß ihr Nedactenr, zwei Stenographen und der Telegraph zusamwiuwirken mußten, um die Schnelligkeit der Berichterstattung zu ermöglichen! Die Ehre des Judenthums ist besudelt, die Reinheit der jüdischen Moral steht vor der stattlichen Gerichtsbarkeit zu erweisen; die jüdische Jonruaüstik thut alles Mögliche, um ihre Leser schnellsten au tait zu setzen —. —- was ist natürlicher und selbstverständlicher? Die »Jüd. Pr.* hat aber noch so viel Gemüthsruhe und geschäftliche Berechnung dabei, ihre Findigkeit und Leistungsfähigkeit ihre« Leserkreise marktschreierisch auzupieisen —-ich gestehe. ' 5 3 'i ..I**.«**?* «IHM mit 9tmtiit|niiMt Rfiuii pti