Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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soll trau »ch »it Borttügm jüdisch« Sefch'chtt uud Litte« ratur ver>fl»ickt werden. Dal scheret mir über deck Ziel hiuauägesihossm. Die „Abhaltung wissenschaftlicher Bor träge, die sich sowohl aus Bibel und Talmud, all auch auf die jüdische Beschichte und Litteratur beziehen" ist iu dies« Kreisen kein Bedürfuiß und sollt« daher billig unterbleiben. Er ist doch nicht mehr wissenschaftlich, von vornherein »Borträze, die den Grundsätzen de« überlieferte« Judenthum» widersprechen," ou-zuschließen. Wer soll darüber richten, ob diese oder jene Meinung dem überlieferten Judeuthu« widerspricht? Bedenkt man, daß e» sich um einen talmudischen Verein handelt, so ist e» geradezu rin nicht zu überbietendrr Hohn auf den Talmud selbst, in dem die verschiedenartigsten Anschauunrm über «in und dieselbe Sache nebeneinander friedlich ruhen, wenn man die freie An«spräche von dem — denn andere» scll doch nicht gemeint sein — religiösen Standpunkt: abhängig macht. Wozu sonst dm Grundsatz de» angeblich überliesertm Judmthum» so stark betonen? Solche Wissenschaft versteh« wer w ll, aber der gesunde Mmschmverstand nimmermehr. Die Wissenschaft ist frei und nicht Parteisache, sie läßt sich nicht in einm so schmalen Rahmen presicn, wie den de» sogenannten überliesertm Judmthum», zumal e» sehr schwer nachzuwe sm sein wird, wa» üb.rliefnt ist und wa» nicht in dem Sinne, in welchem die Herren eine Sache aufftfl.n. Auch die Jugend ist nicht vergessen wordm. Geeignete Lehrrr soll.« rciserm Schülern Unterricht in Bibel und Talmud rrtheilm. An jüdisch-wissenschaftlichen Bereinm ist in Berlin kein Ueberfluß, eher ein Mangel Vorhand:«, we»- w.'gm man diefm neum mit Frmdm begrüßen könnte, wmn wir die >.bm ausgestellten Brdmkea unterdrücke» dürften. Iu viel n Prov.nzialgemeindm «xistieren öffentliche Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur, in Berlin aber noch nicht, soll-« wirklich kein dankbarer Boden für diese Pflanze gründen werden in der mächtigen Reich-Hauptstadt? In drr Zeit, da der Berliner Antisemitismus seine tollsten B'ülhm zeitigte, kam e» zu einer Versammlung, in der die crsten jütischen Gelehrt«, wie LazaruS, Steinthrl, Crffel und die erst« Vertrelrr der jüdisch« Gemeinde erschimea warrn, urr über die Gründung eine« Bereiu» für jüd. Geschichte urd L tt ratur zu berathm. Die» wäre auch wirklich cln guter Weg, der panz uoglaublichru Uakmntniß auf diesem Gebllte zu stmern; einig« Borträge wnrdm auch vor zahlreicher au» den besten Kreisen sich rekrutiermder Zuhörerschaft gehilien. E» ist aber schon lange her, daß man kein Stnbenäwönchm von diesem Bereiu, der nur für die Zeit der h-ftigften Erregung der G:müther wie e« scheint, ge- Sündet wurde, zu hören bekam. Wahrscheinlich ist er auch on längst selig verschicdm. Dieser neue, kann eine» solchen natürlich nicht ersetzen, dmn der besteht au» Fachmänner», ist also kein öffmUicher, allgemeiner. Die Zustände Hab« sich wahrlich nicht iu dem Sw ne geändert, al» wärm solche ousklärenden Belehrungen über die rigm« Vergangenheit über flüssig, im G.-gentheil, eher habm sie sich noch v.ischlimmen und BrrsammluugSabmde mit dieser Tmdenz würden eine wirkliche sehr tiefe Lücke auSfüllm, wenn populäre anziehende Ramm sich der Sach« zur Verfügung stell« würdm. Zur Hlbung de» jüdischen Bewußtsein» »üffm solch« Institutionen in ungeahnter Weise beitrag«. Jüdische Leihbibliothek« damit verbunden, würdm von eminmr« Nutz« sein. Ich Hab« an dieser Stelle schon einmal eine Lanze für die Bibliothckr, gebrochen, es muß aber immer wiederholt werd«, vielleicht dringt es doch zu dm Kreis«, in deren Hand c» liegt, die Berwirklichung solcher für da» Judmthum unendlich segeuSreichea Einrichtung« herbeizusührm. 'Raa hätte «eia« soll«, daß da» so kl« auf der Hand liegt, so selbstverständlich ist, daß die Gemeinden, weuchjttnS die größer« und wohlhabmderea» selbst die Initiative iwzu rrgrnsm müßt«. Bo« welche« Sqm solch« Schätze ulißitffrr und wissenschaftlicher Belehrung, j-dem zugüugltch »emacht, bogkstet würde«, erwäge«. Var aSm würde wenigste»» die bet m» so wmig gekümte Beschicht« Unserer selbst au AuSbrrituug gewiuue», wa» die Erregung de«. Jatereffe» für da» Judeuthu» und sei« Verfechter und Held« Wrct zur Folge hal«n müßte. D« Zweck« de» Deutsch-J-raelitischm Gemebrde-Bunde» entspricht die Erfüluug einer solch« Aufgobr gauz voezüg. sich, jedoch stad seine moralisch« und materiell« Eroberung« allzu gering, al» daß er sich in solhe waghalsig« Ult** nehmung« stü-z« dürfte; wenigst«» bei der j-tztgm fiuauz'rllen Lage deffelb« wäre da» zu gewagt, wmn mau sich auch, off« gestand«, nicht verhehl« darf, daß ganz erhebliche Summ« von ander«, dm Gemeinden gai: nicht zu Gute kommend« .schwer" mlchrten Veranstaltungen veeschlang« werd«, die weit besser zu solchen populär« und die Gemeind« zum Abschluß gewinnenden Schöpjangkn verwandt werden würden. Birlleicht thut e» auch der Exclusioität der Li'neB'rith- Log« kein« Abbruch, — wa» ich al» Rchtmitzlttd nicht beurtheilen kann — wmn sie diesem Gegenstände ihr Augmmerk zulmkt«, sie könnten hierdurch ihr« Berdimstmum Iw» Jod«, rhum ein sehr gewichtige». dedmtungLvoller hinzosügen.*) vor allem aber sollt« gröber: Gemeind« — uib Belin seiner Stellung gemäß natürlich allen-voran — r» al* moralische Verpflichtung gegen die Interessen de» Judmthum» auffäff«, hierin Wandel' zu schiff n. Für eine Gemeinde wie Berlin ist die Gründung einer Leihbibliothek eine verhältaißmäßig verschwindend geringe Ausgabe, die in gar keinem Vergleich zu dm vou derselben zu erwartend« groß« moralischen Vortheil« stehen, vielleicht auch zu d« materiellen, die in Speud« und Slrstnngm ihr« Au-druck fänden. Jedmfall» würden solch« Bistrebungea allerseits mit lebhaftester Aaerkmuuag begrüßt weroe-. Stellt». Weg« Beleidigung de« NeichObauI Diree« torium« wurden am 4. d. vou der hiesige» Strafkammer der Redacteur der .Pemmrrschen ReichSpost", Maltewitz, zu einer Doch« Sefäugaiß und Herr Liebe, «aun ». Sonnenberg zu ISO Mk. Geldbuße vrrurthellt. Der letztere hielt am 9. Mai v. I. hier einen Bortrag über .T>t« Jnd»- ftage im Allgemein«" und einen zweittu, stch hieran auschließmdm Bortrag über .Dtt sogmaunte deatsth« Reich«- bank, eine priollrgirtt Aktimgesellschast von uad für Judm". Ueber dm ersten Borttag brachte die ,Pommersi!h« Reichspost" lioeu Bericht, nach welchem der Reduer ausgesührt habe, daß überall iu der Benoaltuug sich der uuhetlooll« Bafiuß d^» Judmthum» grltead mache. Selbst dtt Mtuister würdm durch die in den Ministttiea al» Räthr an* gestellten »getauften- Juden daran gewähnt, btt Dtuge durch die jüdische Brille zu betrachten. Anch der Justizminister Friedberg würde stch noch seiner Tanft erinnern könne«. De» Weiter« führt der Bericht noch schmähend« Bemerkungen de» Borttageadm über jüdische und nichtjüdtsch« ftrifiunige Abgeordnete an. — Der Staatsanwalt sMtte gegm Malkwitz eine Gefängnißstrafe von drei Wochen und gegen Lieberman» vou Sonnrnberg eine solch« von vi>:r Woch« beantragt. Der Gerichtthof führte in der Begründung de» obigm Urtheil« bezüglich de« Herrn Liebermanu an», es sei durch die Zengmaussagm nicht sicher erwttser, ob flch die von de« Sngeklagtm in ftrnen Barträg« gethanm Aeußernugm mit dem Bericht der.Pommerschen Reichspost" deckten, so daß es als» bei einer Geldstrafe sein Bewenden habm müsse. Krank fnrt n. M., 10. Mai. (Or.-Corr.) Al»- ob's noch nicht genug Berriae znr Uutersttitzung unfern arme» Brüder iu Palästma gilb?, al» ob Ealvrudi, und seine Helfershelfer in Mainz und Würzburg, in Berlin und Halberstadt, noch nicht amug Geld zusammmschmrrrttn und »ach ikrrz Jißroel expedrrtm, habm dtt Hirsch *»)> Hilde». *) Ditsr »n««m» ist «in« «cht dautenswerth«; in llmnü» hat dieser Orden ms diese« «eMett schon MM geletstu; sei nur »u »ke gnche M» Moridee-Bidliothek ertana». . («tftj