Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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tao» ist ihr größter Ehrgeiz, ih« größt« Wonne? Der Mond z» sei», der von dem Gatt« einzig «nd allein sei« Licht empfängt! Und mm gar die Mutter! Sonnen und Sterne nnd, Perl« und Blume» de« Weltall» möchte ihre Lied« ans eine Schnur ziehen, um ihr Kind zu schmück«; ihr Herz möchte sie öffne», um ti in die Fluthe» ihrer Liebe einzutauchen. Wer die Lieb« einer Mutter nicht kennen gelernt hat, wem die Saite» de» Herzen» nie vom Zephyr mütterlicher Innigkeit in himmlische Schwingrmg geriethen — der kann es nur ahnen, nie empfinden, r-a» da» Judenthum verlangt mit den Worten: .Du sollst lieben de» ewigen deinen Gott"! Wer könnte seine» Nebenmenschen al» Bruder lieben, wenn er nicht uuter d:m Einflüsse mütterlicher Liebe seine» wirklichen Bruder, tat Sohn seiner Eltern, brüderlich liebe« gelernt hat? Da» Judenthum ist eine Religion de» Leben»; e» will da» Lebe« ta Menschheit in «in große» Familie »leben verwandeln: Wie wäre da die thätigste Mitwirkung der Frauen zu entbehren? Wie wäre da eine Grundlegung auch nur mözlich, ohne die regst« Heranziehung der Frauen? — „Unb so habrn auch im Judmthunie die Frauen stets al» die einflußreichsten Priester der Religion gegolten; die .Lehre der Mutter" stand gleichbrrechtigt neben der »Zucht de» Later»."•*) Dem Verdienste der »frommen Frauen" (Xaoodiw niäiranijotd) wird e» zusckreiben, daß Jiroel au« Egypten erlöst wurde, und daS erste Wort der finaitischen Offenbarung ist an die Frauen gerichtet: »So sollst du splechen zum Hause Jakob'» — da» sind die Frauen"! Vas neue I«dengesetz itt Heflerrrich. Durch die neue Phase, in welche die Regierungsvorlage getreten ist, hat da» neue Judengesetz au'gehört, ein specielle» Jnteresse der österreichischen Juden zu sein und hat allgemeine Bedeutung erlangt. De»hal>, ist e» auch nicht unbescheiden, zu öfteren Malen diesen Platz in diesem Blatte für diesen Gegenstand in Anspruch zu nehmen. Was über den von den Gemeindecrrständeu angefochtenen tz 9 z« Gunsten.der Rabbiner zi sogen war, hat Güdemann in seiner Petition so geistvoll und klar au»- eiuandergesetzt, daß gar nicht zu zweifeln ist, daß da» hohe Abgeordnetenhaus der Stimme der Logik und Einsicht Folge gedr» wird. Man sollte e» nicht für möglich halten, daß augesehrne Körperschaften, wie der Wiener und Prager Gemeindevorstand, dazu beitragen wollen, den Rabbiner von der Leitung der rituellen T u l t« » ang« egenheiten gradezu gesetzlich au»zuschlteßea. Eia Prager Benin bezeichnet di« Theiluahme der Rabbiner in solchen Flllen al» eine eminent« Gefahr (l sic) für die Gemeinden und versendet Petition-eutwürfe zu Gunsten der betrohteu Autonomie. Hingegen hat dir Repräsentanz der böhmischen Laude», jubenschaft durch ihren Borfitzend«« Herru De. Lichtenster» bi« Gemeinde» Böhmen» anfgefortat, de» Lbgeordnetenhau« zu ersuche», die Herreuhauövorlage an bloo anzunehme», um endlich zu geregelten Zuständen zr: gelangen. Dieser würdige «nd muthvollc Schritt hat bei: Repräsentanz uugemei» viel Sympathie» erworben «nl> wir meine», die Laudesreprösaüauz ist ei« gewtchttgereii Faktor der Be- »rttzeiluug, al» irgend ein .Eeutralverri»', tu dem wechselvoll« Stümuuugeu «uch ebenso wechselvolle Abstimmungen zu Wege bringe». Wie sehr diese Furcht vor Hierarchtt: und di« Mißgunst gegen die Rabbiner t» Stmebe stnb. da« ganze Juden- »hu« z» schädigen, beweist ei» Dict»n> de» Abgeordneten •ja* -cm -) --p* rmn *) Griewoöz in Ausschuß zur vorberachuug de» betr. Gr- «tze». Ans die Bemerkrng eine» Mtgliede», daß die Rabbiner n ihrer Stell»»» von« Staarr geschützt »erde» «üffe», er- «iedertt derselbe: diese Forderung sei unbillig, »da di« Rabbiner» keine Weihe empfange» habe» und daher gar keine Geistliche find". E« ist geradezu empörend, daß der polnisch« Herr »tcht augvrblickltch gebührend abgefertigt wurde. Geistliche »ach dem Lehrbegriff der katholische» Kirche stad die Rabbiner freilich nicht und damit hat der Herr Grtewobz nicht» Neue» vorgrbraiht, aber daß der Staat nur de» al» Geistliche» zu betrachten resp. zu schützen hat, der katholische Weihe» empfange» hat, da» wollte Herr G. vielleicht selbst Sar nicht sagen. Will er aber oon dem äußerlichen rituelle» Icte absehen, so bemühe er sich doch die Pirk« Abot (VI. 8) nachzuschlagen «nd er wird finden, daß der jüdische Rabbi statt der fieben katholischen sogar 48 Weihen besitzen muß. um der .Krone der Lehre" theilhaftig zu werden. Die Phrase: im Judeuthuu, gäbe e« keinen Unterschied zwischen Geistlichen und Laien ist eine abgedroschene Unwahrheit. Auch Mose» betete: „O wäre doch da« ginze Volk Propheten", so lange aber da» Volk die hohe Stufe seiner Erkeuntniß nicht erreichte, blieb er der einzige Prophet. Auch die Rabbinen wünschen sehnlichst, daß die Kenntniß der Gotteslrhre Gemeingut Israel» wäre, so lange aber die Rabbiner e» sind, die kraft ihres Wiffen« und ihre» Amte» die GotteSgelehrsamkeit. seelsorgerische Tugenden und da» zündende Wort der Lehre und Ueberzeugung besitzen und bethätigrn. so lange sind sie echte Priester, Geistliche in de» Worte» schönster und edelster Bedeutung. _ Earo-Pilsen. . Kerichte rmd Corrrsponderrxe«. Deutschland. Magdeburg. .Juden am Krankenlager de» Kaiser»"» unter dieser Spitzmarie bringt die neueste Nummer der Leipziger .Antisemitischen Lorrespondenz" eine Notiz, in welcher e» heißt, daß gegenwärtig der deutsche Kaiser, nachdem die deutschen Aerzte v. Begmann und Bramann die officiellen Bulletin» der letzten Tage nicht mehr unterzeichnet hätten, sich nunmehr ganz und gar in den Händen der Südländer und Undeutschen befinde, denn zu den bisherigen jüdischen Aerzten Mackenzie, Krause und Howell seien neuerding» noch die jüdischen Doctoren Senator und Leyden an da» Krankenbett ta> Kaiser» berufen worden. Mögen diejenigen, die e» so gut gefügt, auch die Verantwortung für die kommenden Ereignisse tragen" — da» ist der fromme Wunsch, mit welchem da» Leipziger Hetzblatt seinen Lügeubertcht über die durch da» Bertrauen de» deutschen Kaiser« an dessen Krankenlager berufenen Aerzte begleitet. (Bekanntlich find, außer d m Prof. Senator, sämmtliche oben aufgeführte Aerzte Ehristen; aber selbst wenn sie alle Juden wären, wahrlich in bessern Händen könnte sich Kaiser Friedlich nicht befinden!) Iterki», dm 16. Mai. (Or.-Co:r.) Da» Statut de» neuen talmudischeu Verein» liegt mir jetzt vor. Der Verein .Machasike Thora" hat dm Zw.ck .da» Studium der schriftlichen und mündlichen Lehre nach den Grundsätzm de» überlieferten I ldmthum» untec seinen Mitgliedern zu erhalte» resp. neu zu belebm und hiesige würdige jüd. Gelehrte zu unterstützen." Di« ordmtlichm Mitglieder habet! ein Pensum au» Bilel unb Talwud zu üvernehmm, die außerorvmtlicheu einen Beittag von 10 Stf. jährlich zu leisten. Aber auch .Zusammenkünfte der Verein-Mitglieder zur Besprechung bestimmter HT31C* oder anderer talmudischer »ad biblischer Theumt sollen abgehalten werten. Di« Grenzen eine» solche» dem .Lernen" gewidmet« Varia» wärm meiner Mein»»» nach damit weit gmug gesteckt. Aber damtt ist er nicht zufrieden. Da» Lr.rm frommer, schlichter Lawdanim