Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Die Armte» <« »t« Ech»»»«lS-ve<i«cht»II. von Londratbinn Dr. Golds chwtdt-vktmsrl». »So sollst du sprechen zum Hause Jakob«" — erscholl die Stimme ro« Sinai herab au Mose«, de« Gotte«« mann, al» da« erste und bedeutsamste Glied in der Kette göttlicher Offenbarungen» die »10 Gebote", geistige« Besitz' thum Jreael« und der Menschheit werde« sollten. »Zum Haus« Zakob's'' — erklären unsere Alten — »da« sind die Frauen.") Der Sinai ist die Höhe der göttli chen Offenbarung, und überall und immer, wo Göttliche« offenbart wird, ist gleichsam eine Sinai-Höhe; alle Stätten, wo da« Judenthum seine Lehren offenbart und verkündet, sie find heilige Sinai- Spitzen. »Alle«, wa« in irgend einer Zukunft die Propheten prcphe.eihen, alle« hoben sie vom Sinai empfangen" — meint R. Iizchak. Ist da» überraschend? Nein! Wie überall, too der Mensch Gott onbetet rin GotteShau« ist, so ist überall, wo da« Wort Gotte« verkündet, wo Göttliche« gevffenbart wird, eia Sinai. Solche Ein,«.Höhen find unsere Kanzeln. unsere Lehrhäuser und Schule:', ja solche Sinai- Höhen sind, ihrer Bestimmung nrch, die Schauplätze unsere» Familienlebens: da« Hau» Jakob'«. I', gerade und vorzugsweise da« Hau« ist eine solch« Sinai-Höhe, von welcher au« jede folgend« Offenbarung de« Göttlichen nst ihren Ausgangspunkt nimmt und ermöglicht wird. Ist die Mitwirkung de« Hause« lei jedem Unterrichts gegenständ für die Schule höchst wünscheniwerth, so kann der Religionsunterricht der Schule der Grundlegung durch da» Hau« gar nicht entbehren. — Man hat dem Judenthum, mit Rücksicht auf seine Speisegesetze von Seiten der Wortführer der äußersten Resrrm den Borwurf gemocht: e« sei eine »Küchen-Religion". Dieser Vorwurf ist nicht begründet; nicht eine Religion der Küche ist da« Judenthum, sonder», und damit unterscheidet r« sich allerdings von andern, eine Religion d<S Hauses. Dos; da« Judenthum eine Religion de» Hause« ist, da« erhebt r» um so viel mehr in den geläuterten Anschauungen unserer Zeit, el« die Bedeutung de« Hausü» und der Familie für di« Menschheit im Laufe der Jahrhunderte immer mehr und immer höher anerkannt wurde. Da« Judenthum spricht zum Hause Jakob«: zu Gatte und Gattin, zu Vater und Mutter, zu Lohn und Tochter, zu Brüdern und Schwestern; da« Judenthum spricht zu ihnen, j nicht als Besucher der Tempel, sondern als Glieder einer i Familie, eines Hause«, und am letzten Ente, wa« will da« udrathurr? Alle Söhne Israel«, und durch ihr Beispiel «ad ihre Vermittlung alle Menschen, sollen sich betrachten al« Mitglieder Eine« Hanse«, al» Anhänger Einer Familie, al» Söhne Tine» Vater«! Da» ist der wrsentlichste Inhalt de» Judenthum«, deffeu Verwirklichung da« letzt« und höchste Ziel der göttlichen Offenbarung ist: Gott ist unsrr Vater; wir sind seine Kinder; all« Menschen sind Brüder — nutz sollen sich wie Brüder zn einander verhalte«. Die Menschheit soll eine einzige groß« Familie bilden — »Gott an der Spitze"!*) »Du sollst sprechen zu« «mori b* apr mh nattn ro i ■aamna m *? . Hanse Jakob" — da« kennzetchnet da« Wese» X« Judenchll«,. — H O Ihr Weisen unserer große» Vergangenheit, wie tief, wie 2 wahr habt Ihr diesen Geist de« Judenthum« erfaßt und l beleuchtet mit de« Zusätze: »Da« Hang Job,»'« — da» sind die Frauen" l Wer ist die Seele de« Fanilienlebenö? Etwa der Mann, der im Kampfe mit den Verhältnissen ans dem Markte de« Leben« wohl für den Unterhalt sorgt, aber "f ein Gast in seinem eigenen Hause ist? Oder näht vielmehr die Frau, die im Hause ihre Welt erkennt: w«lch>« I« Hanse für« Hau« thätig ist; die im Hanse ihre edelst:« Freude» * findet und für andere die edelsten Freuden anffflanzt und hegt? Da« Hau« Jakob«, da» sind die Frauen" — e« W ist da« schönste Erb« der iSrarlitischm Frauen von unserer Ä erstev Stamm-Mutter Sarah""), in der Pfleg« de« häu«- lichen Leben« ihrm Berus zu erblicken, und da» Judenchu«. dir Religion de« Hause«, an wen könnte e» sich in erster Reihe wenden, al» an seine Frauen? — wo die Religion bloß eine Religion de» Tempel« sein will; wo sie bloß »Gläubige" und für einige Stundm in der Woche »An- W dächtige" erziehen will; wo sie in dem bloßor Glauben *J die Quelle der Erlösung nbl'ckt. wo die Erlösung durch fremd« Kraft bewirft, und nicht ia einer göttlichen Gestaltung de« Leben«, sondern ia einer Art Selbstaufopferung de« 7 3 Göttlichen, ein nie verstandene» und nie verständliche« Mysterium, gefunden wird: wa» bedarf r« da der Mithilfe der W Frauen? Da ist die Arbeit der Religion in den Händen der Priester, und r» ist die Schwäch« der Frauen, die - L Leichtgläubigkeit, nicht ihre Kraft, die sie in den Augen H der Priester hochstellt. Andrr« im Judevthume: nicht die - $ Schwäch« der Frauen, sondern ihre Stärk, wird für die Religion in Anspruch genommen; ihre Kraft wird für die 'D Grundlegung der göttlichen Offenbarung in Thätigkrtt H gesetzt. »So sollst du sprechen zum Hause Jakob'«" — die Söhne Israel« sollen Eia Hau«, Eine Familie werden; 'jt wie wäre das uiözlich ohne die Mitwirkung der Frauen? Ä Die religiösen Gefühle, wie sie da« Judeathum in da« Leben wirksam verpflanzen will, find fast durchweg ■' weiblich« Gefühle, die einzig «ad allein durch.den' Einfluß edler Frauen al« Gattin und Mutter gepflegt, ja ,j£ erzrugt werden können. Wie sollte di« edelste Blüthe de« ■ Measchenherzen«: die Liebe zu Gott, sich entfalten» wenn nicht dir helligr Hand der Mutter da« himmlisch« Samenkörn in» Herz streute? Da« Mänuerherz. r» ist für dm ,; Kampf, für dm Trotz, für dir Gewalt geschaffen; selbst wa» eS begchrt. will e« unkerwerfm in Fesseln schlagen, an sich reißen. Nur dir Frau fft fähig sich hinzugebr», ia der >uschmiegung au fremde Größe sich zu erheben, die Kraft zu bewundem, «ad in dm fremdm Will« aufzv gehen. Der Manu ist ein gebormer Kritiker; wie sehr der Sohn de« BaKr« Gefft und Werk anstaunt, schon regt: stäj der Trieb, < nicht e« de» Later gleich, nein «» besser z>. muchm, größer zu wetdm und Größere» zu leistm. Hat ja die Wissenschaft v de« urunzchntm Jahrhundert», i« Uebrrschänmm ihrer aiäxtT» - lich« Kraft, sogar an da» Meisterwerk der Sthöpsnng, a« die höchst» organisch« Gebilde, mit ihrer Stritt! sich her»»- wagt. Nur die Tochter fft föhig, ganz «ah ungethelltIdie Größe deg Vater« z» bewundern, aizubete». Di, .Gatt«, Jmaran"*) „M