Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 18.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/5369809-5935050-5938329--6643-5372544- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 188 — 3Mcfc Maßregel wird zur Fol»« habe», dost ei» Drittel der Geschäfte zweiter und dritter Gilde geschloffen werde» «atz. Unter gewöhnlichen Umständen wird eine Generation daz« gehören, die leeraewoedenen Plötze derjenigen, welche an dem coronre-ziellen Aulblühen der Stadt riuei so bedeutende» Antbell hatten, wieder zu besetzen." Roch einer anderen Mittheilong sind auch die Jude« in Chers on, ungefähr 4000 an der Zabl. durch den General« Gouverrrnr berichtet worden, baß sie sich über di« Grenze zu verfügen hoben. Land«». Die Artikel de« Baron Ferdinand v. Rothschild in der »Rineteenth Century" unter dem Titel „Century for Century“ sind in mancher Hinsicht höchst beachtent nerrh. Daß rin geborener Wiener eine so hervor« rage» de «Stellung in der englisch-politischen Welt entnimmt, ist ein Beweis für dessen politische Routine. Daß aber ein gebotener' Wiener England in einem englischen Journal gegen die Angriffe eine- Franzosen in der „Bevae de* deux Mondes“ vcrthrid'gt, ist schon etwa- Seltrerr». Da» gewöhnlich Publikem weiß den Namen Rothschild nur mit »Geldmachen" in Berb ndvng zu bringen. Diejenigen» welche die Familie brfstr kennen, wissen auch, daß sie eben so hervonagt durch ibre Gesch ckli'chkeit im Geldspenden, «ine Eigrrschaf, die riel seltener ist. obschon man sie nicht für eine sulche Hallen will. Baron Ferdinand v. Rothschild macht sich unter den Gliedern siiner Familie besonder» durch seinen fein« Takt bemerkbar und dieser tritt vorzüglich in dem kxregten Artikel hervor, welcher nicht nur vortreffl'ch siylisirt, sondern auch wohl durchdacht ist. Er liefert den Beweis, daß für England da» 18. Jahrhunde't ein solche» de» Wachrihum», für Frankreich aber ein solch?» de» Verfall» gewesen ist. Nord England (Leedt). „Tempora mntantar et nes matamnr in illis“ kann auch von einer Zeitung gesagt werdr» und zwar von dem „Jewish Chrouicle“, dem bi»« herigeu Orzan der englischen Orthodoxie. Da« Blatt ist kühn genug Zrauenstiwme» in der Synagoge zu befürworten «nd «in»r lHufirmatien der Mädchen seine Autorität zu verleihen. Noch mehr, «iuer der sogenannten jüngeren Cha« fouim — oder wie sie sich hier zu Lande uennrn Ministers — Rrv. Drvid Fah. der unter der Oberaufsicht de» ver« ehrten Chief Rabbi Dr. Adler steht» hat beide» in einer Predigt vorgelchlage», ja noch mehr, er proponirt auch. Frauen ä« Minjan zu zählen. Herr Fay ist einer der jüngeren Männer, tu an» dem devisd College hervorgegangen find. In diesem Seniuar empfangen tie Studenten ein« Erziehung, die sie eii e seit» für da» Religionslehrerfach, audererfrit» für de« Prengerbernf vorbereitet. E» steht unter der Leitung de» Herrn Dr. Friedländer, «ine» tüchtige« deutschen Gelehr. en. *) Ob wohl nun ei» „anathema eit“ von «beu auf der sich so «eit hervorwageude» Fortschrittler Fay »«schleudert »Serben wird? Ja da» Rad der Geschichte geht vorwärts tro z Bett Din uud Chief Rabbi'». — Ein : äußerst interessante Geschichte ereignete sich kürzlich, die wohl auch sürDeotschlaud von Bedeutung sein dürfte. Mehrere Julien wurden zu einer Jury an einem Festtage als Juror» (Geschworene) zuge^geu. Die orthodoxen Minner hatt:n keinen Skrupel zu aehrn und als Geschworen« ihr« Funktion zu verübe», oder.rat» e» zum Ueterzrichnen lam, verweigerte» sie do«. Dagegeu trat nun Vir John Stwo», da» jüdische Parlamentsmitglied und ei» änßmt ae« diegener Jude, auf. Er »eint« nämlich, daß die» doch Ohillnl kasohem verrulafle. Er könne verstehe», daß Juden gar nickt an Saddot- und Festtageu hiagehe»,uud s»lche,dt« sich überhaupt weigrru. »erde» auch von den Richter« entschuldigt uud ihre rrlig öse» Skrvpel» geachtet, aber so halb und halb. 1 Jene Etndcarea, dt« da« Soll«-« verlassen, dürfen sich nnr wobotstar,, aber nicht RatbiR«r nennen. Da» zeigt« sich kürzlich bei ^aiaem Net»»» Sh«r»ütel, da» Nev.V I ug«r t» „J«w. ChrociaU“ mit Jenraa» süh,««. (Cor.) »rria-p^Z , wurde t v -.4 ä e rn 3 4 4 da» fei doch zu pharisäisch. Da» sind die sogenanu Nruarthodoxeul — Im Parlamente kam letzte Woche dieBill der„ma «ertl» a deooaood wiko oiotor“ vor. Dir zweite Lesung wi genehmigt, wohl auch die dritte; aber da» Oberhaus oppoairt wohl wieder wie da» letzte mal. obwohl der Prinz von Wale», dafür stimmte. E» find hauptsächlich die englischen Bischöfe, im Oberhaus, welche on» vnkenntniß de» Hebräischen oppouire». Da« auSdr übliche N^N2 d. h. „beim Lebm der Frau" dt einem solch' kuoppe» Texte wie dem de» Pentateuch sollt»-' ihnen ja hinlänglich zeigen, daß die Heirath mit der Schwester-, der Frau nur bei der letzteren Lebenszeit verbolen. nicht ober, nach ihrem Tode. — Vir John Simon Hot i« Parlamente den jüdischen Standpunkt gut vertreten. Auch hat Dr. Strauau« Bradford in rtnem der givßteu Lokalblätter beu nochvielfach engherzigen englischen Lesern die wahre Sachlage auSeiaandergesetzt. - Nwßland. zzp Hketerrßnrg, den 21. Ap>il. (Or.-Corr.) Ein zwiefache» traurige» Ereigmß drückt mir heute di« Feder ir> die Hand, zwei durch Verwandtschaft und gemeinsame Besttebungrn innig befreundete Männer wurdcn durch den Tod getrennt ' * um nach wenigen Tooen durch ihn wieder für innrer vereinigt zu werden. — Montag, den 16. d. M. schied Abraha» Warschawtky plötzlich cu» dem Leben. Diese Tunde eriegte tief«, aufrichtige Trauer in alle« Schichtln der Petersburger Gesellschaft, denn niit W. war nicht allein eine in ollen Lreisi» populä.e und beliebte Persönllchkcit, sonder« auch ei» stet» bereitwilliger Helfer der Armen eine mächtige Stütze der Geben glen «nd Verfolgten ohne Unterschied der Consejsion, dahin. Dafür zeugte die vieltausendköpfige Trauervnsowmlurg, unter er wir nicht nur Brrtr-er vieler de» deutenden jüdischen Gemeinden, sondnn auch hohe Würdenträger de» Staate» bemerkten, dafür zeugten die schmerzbewegten Nachruie. die ibw von Rabb'nen") oller Kckattiruugen dorgebracht wurde». Neben den Abgeordneten verschiedener Vereine und wohlthätigen Anstalten, die der Heimgegangeue gegründet hatte, umstanden da» Grab di« Angehörigm de» Verstorbenen und siive intimsten Freunde: Baron Günz» bvrg und Geheimer Stootärath Samuck Poljakoff. — Eine innige Freundschaft tat namentlich den Letzteren «tt dem Lirstorb-nen Jahre lang verbunden, und angesichts der Bestattung de» treuen Freunde» wmde Poljakoff vom Schlag« gerührt und verlchi.d auf der Stelle. Die Feder eine» Publizisten ist außer Stande, die Tragik diese» Momente» zu schildern, ebensowenig den Berlvst zu schildern, dm wir durch da« plötz'ichr Ableben Poljokoff» erlitten hoben. WarschawSki und Poljakoff! Auf jeder Spende«, liste prangten ihre Ramm obenan, fiel die Größe ihrer Gaben auf; und namentlich in den letzte» Jahrm seine» Lebm». hotte sich Poljakoff den Jntereffm feiner Glauben», gmossm zugewondr mit demselbea phtlanlhropischm Eifer, wie WorschowSk'. P. entstamm«« einer arm« jüdischen Handwerkerfamilie. Diesem Umstande mag e» auch wohl zuzuschreibe« sein, daß fast oll« fine Vcköpfungm und die von ihm in» Lebm o-rvfenen oder snbvert^on'rtm Anstalten, Stätten für Pflege dr» feiuern Handwerk» sind. WarschawSki und Poljakcff bivterloffm etro unautsüllbore Lücke m der Reihe Hx th> «kräftigen Männer unserer GlaubenSgerosie», in ihnen hat Ruß'and zwei der besten Bürger, da» russische Judmthum zwei der schönstm Zierdm ovznstLh vrlorrnk W. war 67, P. V2 Jahre alt. Sie ruhen in Friedru! Hketirotznrg» 28. April. Die Zeit«»,; .Brashdaoiu" ist auf unbestimmt« Zeit der Einzrlvertanf ihrer Nummern »tzogm worden. Da» verbot erfolgt« loegm vciöffmt» lichnng einer Reihe gedässiger aulisemUischer Artikel, die Fürst. MeschtlcherSki geschrieben hatte. , -i» -ui 4 « a -4 3 H * ■ i -Ji 4» 4 M I d dl« ataWiMT DroSk io-St», 1It,N«I-,.«tn»r tu r»tsi'ch»r! G»sptr«-Dtp« »ad «,bd»n»wtp-M«r »- kMU scher «ed d« znsitlig «wesend« Dr. p. Tchw» ö»ch«r-0>essa. tu. ventscher Aproch«» ■■' - „wS ..r^OL