Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 18.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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9er -ö-ep««kt des Nat1o«attt»t»schwi»del». Jeder Beffergefiunte, der fch ve>segru»Srttgt, »elche Freuet die SulsteVuvg de« Ratianalitätlbrgriff« und die Mtßlettuug de« Natiinalitüttgefühl« schon i« Erfolge bette, fragt fich tief beschämt, ob di« Grgeawart an »irNichem Kulturfortschritt dem Mittelalter übeileaeu sei, «ud v»r schwer bersch eucht er «»sagbar sä wer fische Empfindungen. Wie der Ratio»alttät«sch»iudrl in Preußen, »o selbst Dieurr der Religion der Lied« zu Wir>h«hausprrbige»u der Lehre de« Haffe« fich herab würdigte», Raffe»- und Klossensptheret uud Verfolguugssucht zum Schibboleth de« Deutsch. thum« und der Christlichkeit erhob, i» Dresden für fich Jutrruatiaualität erstrebte, in Rußland Ikausrnde in« Elend trieb, in Rumänien die astatische Barbaiei stärkte, in Trieft Bombenatteutate beging, in Marseiile Italiener mordete, in Irland agrarisch« Berdiechrn vollbrachte, selbst in Amerika wie in ander« Ländern eine Deulschenhetze insceuirte — dies« und niete ähnliche Crzrugniff« jene« Schreiudel« »erden der Cultnrgeschichtr de« »ruuzehute» Jahrhur der«« gerade nicht zur Zierde gereichen. Jene» beschämenden und betrübrrde» Erscheinungen gegenüber «»Herten »ir nv« kffeuillch: Fördert nur, feile Streber, Broschüre nspekulanteu und lliitiker, so weiter Begrtff«»er»irrvug, Liedlofigkeit «nd Borurtheil — euer Thnn wird wohl bald gerichtet; flrdrrt nur, wunderliche Heilige, die religiöse, politische und sociale Heuchelet so weiter, vergiftet nur so weiter die urtheiltlose Menge und di« unerfahre« Jagend, unterstützt'nur so weiter die wohubethörten Selbftuergütterer mit der Devise „Api£t nona le dringe“, bedient nur so «eiter di« jedem uotuiwahrrn Menschen »idrnoärligra Schranzen, denen euer Heudlangerdienst al« politischer Blitzableiter uud religiöser Sappeur genehm ist — bald kann kommen der Tag der Selbstbestiafuns, wo ihr die Geister, die ihr rief», gern »erdet los werdr-n wollen, aber nicht weidet (M »erden köuuen; schweigt nur so »eiter, feinborsichtige Pseudoliberale, bet dem Toben und Wüthru niedrigster Leidenschaften, nehmt uur so »eiter klcinlichst Rücksichten — bald kan« uahen der Tag, wo auch ihr, al« uichtechte, b. h. nichts! öckersche Christen oder al« »ickrechte, d. h.' nichthenrictsch« Deutsche, Ausnahmegesetzen unterworfen werden sollt. Dt« Giftsaat, die ihr alle, vnbesonneu li« zur Maßlosigkeit, gestreut, die ihr, lühl bi« an« H«'z hinan, geduldet — sie kann bald z» eurrm eigene» Bnderle» aufgehen. E« hat fich bereit« zu« graßen Theil erfüllt, »a« wir s. Zgeahnt; und auch, »a« wir nicht jpahut, ist, selbst zum Leidwesen der Meisten, welche jene unholden Geister riesen oder gewährea ließen, ereignet sch in nnsnn Tag,n: Der Ratioualitätgschwindel scheut fich nicht, bis zu dem erhabenstru Throne, für den die Cdrtfirn rller Rationen von ansrichtiger Ehrfurcht uud glühender Begeistnurg r,füllt sind, in seiner gewohnten Weise dorzvlrringn». Welche Schmach für un« Deutsche! Wer kann osve die tiesste Beschämvrq in hervorraginden Organen de« Anslardcs lesen, wir man dort über diesen Eyui»mu« urlheill! Wer de: mag u. a. de» bezügliche» Leitart.kel der Turirier »Gazetta del Popolo" vom 21. Aput zu lesea, rhve de» Stolz ans sein Drüischthnm gedemüihigt zu fühlen, ohne die Herd« Wahrheit schmerzdewegt und sprochlc« zu impfind«u. mit der j«ner Cynitmu« gekennzeichnet wird, »elchem sogar die hehre Majestät der rühnud pietätvollen und heroischen Gesährtrn Kaiser Friedrich«, di« hehre Majestät diese« übnwältigevd großen und edel» Helden u,d Märtyrer« nicht «ehr heilig seil War nicht da« Frldgrschrei ell jerer Cyuiker: Für Kaiser und Reich? Wollten sie picht Voterlivd«u>be. König». Irene, Förvernnz der Reich«,hie, Anstand n»d gut, Sitte ln Erbt >e»d'Ebner alpacht bade»? Erhchten sie sich nicht oft gewaltig über den fianrdfische» Ehemvintlmu»? Uebtrn sie nicht tugendstotz da« Sittenrichtereimt über die Jude« uud <« fich nicht lbkitrr an? Doch «nu Hot der Rotionolitätsschwiodel seine« Höhe» parkt erreicht, da« Licht der Erkeuntviß seiner Gemeingefährlichkit ringt sich immer mehr empor und dringt auch in diele Kreise, »e letze ihm ftüher offen oder heimlich huldigt». Um so weniger »ollen auch wir un« den Glauben au di, Heheit de« deutschen Geuiu« trüben, da« vertrau«« zu bnc Geradheit de« deutschen Bolk«grmüth« un» raube« lasse«. Wenngleich die tiestraurigen Erscheinungen, welche der Natioi alitätäsd Windel in Diuffchloud »achgerufe», im «»«lande noch marche» bitterr Spott errege» werden: wir verharrru unentwegt in unser»: Zuvnficht. Jo dcrselten bestärkt un« unsere Erfahrung, sowie der Rückblick auf den Entwickelung«» und Bildungsgang rnsere« deutschen Lolk>«. »nd nicht am wenigsten — wir scheuen ur« nicht, e« ouäzusprecheu — die innere Stimme. Und wa« die innere Stimme spricht, Do« täuscht die hoffende Seele nicht. Dr. PH. Kroner-Br. K-richte und C-rrespondenzrn. Deutschland. Magdelurg. Bei:,ff« der Aufnahme »on Juden in die Blrcinr vom Rothen Kreuz wird jetzt von dem Central« komitee di,s>r Verein - den Zcitungen mitglthrilt, daß da« Centralkomitre keine Bestimmungen über di« Aufnahme ia die Vneinr vom Rochen Kreuz zu tteffrn hat. Für Preuße« sei b> Organisation geordnet und durch da« auch jetzt noch zu Rechte besteh Z de. landesherrlich genehmigt« Statut vom 3. April 1866. welche« die Mitgliedschaft de« Bereir» an ein bestimmte« religiöse« B, kn »Iniß nicht knüpft. Thatsächlich seien denn auch zadl, eiche Juden Mitglieder der Zweigvi reine de» preußischen Ccniralkomit«-. Werkt«, SV. April. (Or.-Cor.) Die auf die Absovderung der Charlottenburger von der Berliner Gemeinde gerichtrtea Bestrebungen gehen nur von Einzelnen an«, ble gewiß von der besten Absicht geleitet werden. Trotzdem fich die jüd. Bevölkerung daselbst auf 450—500, im Sommer aber Wahl auf da« Doppelt beläuft, so eristirt doch «in eigentliche« Gemeindelrbcn gar nicht. Die Religiousschule bleibt ganz unbeachtet, die sehr klein«. Synagoge fleht nur sehr selten Miojan vereinigt. Da ist e« denn erklärlich unb erfreulich, daß einige Gemeinde-Mitglieder auf Mittel sinnen, den Bann de« religivscu Jndiffrrentilmo«. der die Judm Eharlottenburg» gefangen hält, zu läsen. Ob da« gelinge», ob da» gedachte Mittel fich al« ei« richtige« ,r«risen wird, fleht noch sehr dahin, besonder« wenn «an erwägt, daß die Geldfrage nicht sehr ins Gewicht falle« kan«, »eil dt« dort onsäsfige» Mitglieder der Berliner Gemeinde alle wahlhabend, zv« theil Millionäre find. Aber trotzdem findet fich kein einziger, der ein Uebrige« zur sargenfteien Anstellung eine« Cullu«beamten zu thun ein Herz hat. Die Berliner Verwaltung giebt 1400 Mk. zur Unter Haltung de« Lultu«. du hätte man, ehne brr Opseisreudigkrit zu viel zuzumutheu» erwarten küifcn, da» daselbst eine euSkömmliche einzige Lultutbeamtenfielle rri'lrt würde. Da« ist nun aber nicht der Fell. Da ist t* nicht zu verwund,ru, baß alle paar Jahr daselbst der ebnzig« Beamte wechselt. Durch die Grüße der Mitgliedzabl und der Stadt überhaupt, die ja jetzt auch kaiserliche Rrfidenz geworben ist, mag ja die selbstständige 'Errichtung einer Gemetnde grrrchtfrriigt sein, «kr der Geist und da« religiöse Bewußtsein tlnd nicht derartig, daß sie zu diese» Bargrhru ermulhigm könnte«. Die selbstständige Führung einer Gemeind« verlangt «ine ganz andere Hingebung und Opfryuilliakeit. Werks», dm 29. April (Or. Eor) „Eine gute That erzeugt di« andere." Ich heute Ihnen z. Z berichtet daß da« Beschließuug«'est (CTO) der S V-Ehrwra in ciuer der Seltenheit diele« Ereigaifle« würdig, n Wr,se begangen wurde. Dasjelbe scheint nun der Auügauglpunkt ciu.r neucn, zur Ev» .._r