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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 18.
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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r J Die Bewnlt«gspr»xis hält r» dieser Angelegenheit nicht gleich« Schritt 'mit dem Gesetze, sonder« hinkt müh» selig >»ch- Rmerdinzs hat sich «m Mau« unter dem Pseudonym ^Germanicu«' über die Juden frage »ernehme» laffe» in einer Flogschrift, »eiche i« Verlag von Richard Eckstein Rach, saiger erschien» ist.*) Der Berfasser giebt sich «14 eine« Deutschen vor warmer patriotischer Begeisterung und als einen warmen Freund der deutschen Juden. I» dieser doppelten Eigenschaft kann er uns nur willkommen sei». Aber wenn Germanien« wirklich unser Freund ist, so konnte e4 ihm kaum entgehen, daß der Kern seiner Vorschläge, sobald wir chn au4 der Hülle der sü önsn und liebenswürdigen Worte herausschäleu, uns höchst ungünstig ist, «nd wir meinen, sogar Lieber mann v. Sonnrnderg. Böcke! und all die «ndncn Helden werden mtt diesem Vorschlag ganz zufrieden sei». Aus S. 13 nämlich ist zu lesen: »Bewirbt sich ein Jude nm eine staatliche oder gesellschaftliche Stellung, so ist sh« «ls solchen! dieselbe weder rundweg abzuschlagm noch «nch «Lei« auf seine iotellecluelle Fähigkeit hin zu gewähren, sonder« es ist neben derselben nach moralischer Würdigkeit im höchsten Sinne des Wortes zu verfahren. Zu einer moralische» Würdigkeit dieser Art sehe ich den Vorwurfs» freien Ldenkwandel ollem nicht als genügend an, sondern »alange darübr: hinaus ein theiluehmendes Bersiändniß für die Idee und Aufgabe eines poli» tisch, social und religiös einheitlich en deutschen Vaterlandes.' Die gesperrt gedruckim Wort« stad auch sin Lezt des Germ«nkcus durch gesperrt« Druck hervor« gehoben. Wer kann ftellich e was gegen die Ansicht einwmdeu, daß für einen deutsche« Beamten es nicht ausreichend ist, wenn er rin gewisies Maß von Kenntnissen des. 1t und pollzeilich gut beleumundet ist? Wenn es schon für jeden Lentschln nothwmdig ist, daß er rin H.iz hat für Deutschlands Ehre und Ruhm, so vollends sür den, der an einer höhere» »der niedren Stell« eia verantwortliches Amt bekleidet. Aber in gewöhnlichen leben wird diese patriotische Empfindung bei £!A«n vorausgesetzt, der auf deutschem Boden gchoren ist und deutsches Bürgerrecht hat. Und warum pDe diese Empfindung nicht vorausgesetzt werden! Es liegt der menschlichen Natur, das Land zu lieben, in de« wnferr Wege stand, an besten Sprach« der Kiudesmund sich DMbt hat. Und diese-Regel, weicher die Menschen unterthau *30^ wird doch nicht gerade zu Ungunstrn Deutschlands ein« Ausnahme erleiden. Darum wird Niem«ud, der sich iu unserem Vaterland m ei» Amt bewirbt, eine« Examen betreffs seines alriotismu» uutnworfen; das heißt nicht, die Vaterlands» licke ist überflüssig sond-rn vielmehr, sie ist selbstverständlich. Zu dem ist ,nu derartiges Examen für eine», brr nicht »« Sott Herz und Nieren prüfen kann, eine ziemlich schwierige Sache. . Rn» aber soll nach de« Wunsche des Germauicus ein derarttges Hereinfieigeu in die Sefiuunag der Bewerber nur bei guden statlfinte»; diese allein find verdiichtig «ad zmar •) Die deutsche» Jude» iu Gegenwart uud Zukuast. B»a Ger» «aulrua fB-rllir. »küsteiu. US L.) « «Le; nur wer «ls der Untrrsmhmtg. die Herr Sermonicn» vorschlägt, ret» hervorgeht, kan» «ine staatlich« oder gesellschaftliche Stellung «tnnchmm, als« hübst zu» Vorsteher eines interkonfessionelle, kegeMnbs zu »erde», bedarf es diese« Feuers der Läuterung. Sieht Germanicu« nicht ein, daß wir, falls eine solche Fordern»- Gesetz würde, weit hinter der« gegenwörtige» Nechtszustand znrückgeschlendert würden. Wir würde» von der Einsicht de« Germanica» einen nur mäßige« Respekt habe«, wen« er das nicht einsehe. E« ist ketar Frage, daß Böckel nicht »ehr »erlangt, nicht m.hr z» verlangen braucht, denn mit dieser Formel ist es ein Leichte« jede» Inden bei Seit« z, sthteben. wie es ein Leichtes wär-, mit ihr jede» Deutschen zucückzustatze«. Wer solche Mecepte verschreibt, di« gefährlicher stad als die Krankheit in ihrem gegenwärtigen Stadium der kann es «u» kaum verargen, wen» der Glaube «» die Ehrlichkeit seiner Absichten «as einigermaßen schm r wird. Wir wären, da wir mit ehrlichen Gegnern gern «ine Verständigung herbeiführen möchten, sehr erfreut, wenn Germanien« uns seinen Vorschlag, der so auf den schlimmste« Antisemitismus hinausläuft, einigermaßen «oudgeiecht mache« könnte. Di« Redaktion dieser Blätter wird gewiß nicht anstehen, dm Auseinandersetzungen des Germanien« Ran« zu geben. »Ein theilnehmmdes Berständniß für di« Idee und Aufgabe eine» politisch-social-religiös-eivheitlichm dmtschen Volksstaatrs.' Ganz klar ist uns die Sache nicht, am Ende hat sich auch Germanicu« in seinen eigmen schönm Worte« berauscht, wir Judm sollen dann dm Rausch büßm. Politisch ist ja Dmtschlaud schon geeint, social-etnheitlich ist es ja in gewissem Llnne auch schon, indem ei» Stand» eia Berns für dm andern wirkt, dem ander« hilft; Unzufriedene wird es immer gebm, wie es. wohl auch immer in einem so großm Land« etliche Drohnen gebm wird. Der polüisch« Verband kann noch fester, der f»citU Fried« kan» noch inniger w:rden. Giebt es Deutsch«, die über diese» Ziel sich streiten? Sit streit« sich nur über di« Wege zum Ziel«. Uud religiös einheitlich! Keiner glaubt, daß dt« große« religiös« Gegensätze, die Dmtschlaud spalte», von eine« läge zum andern zu überwind« find, ja dm Meist« werdea jjfe wenigstens in absehbarer Zeit als unüberwindlich gelte». Aber der moderne Staat, der di« Gewiss» nicht knechte« will, schränkt seine Beziehung« znr Religion ans« Roth- »mdigste eia und läßt Jeden nach seiner Fayou selig werde». Das ist für Dmtschlaud, best« volksthu« »ehr als jedes andere religiös gespalten ist und in dem eine groß« Zahl von Freidenkem lebt, ganz unabhängig von der Judm» frage, eine Gmndbediugnng seiner Existenz. Daß eine religiöse Srnndanschmmug de» Deutsch«, gemeinsam ist, ist, da Alle Judm, Protestant« «nd Katholik» ein heilige» Buch gemeivsa» haben, schon hente Thutsache. Wir können «ns nach alledem bet Herr» Germanicu» für seine Schrift nicht bedanke». Sie (rift «ech sonst Spn» rm einer Tmtomanie, dt« die Uniform selbst da erstreiN, wo sie nicht hingehört, und sie dar»» nicht «uh «lfm» <9k> schmack ist. ir .Kd. 'iriJJ'A.'

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