Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 19 (1888)
- Issue
- 19. Jahrgang Nᵒ 15.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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M Bnlpntfcmftfai Mcfcc Radwalgiffi^l« bei de» fcartfäo» Jnl» mwnaeftchm, da die Fra» Füritiu ja selber so »aber. Methltch sch«« sogt: »SytSubc hat «ine ratinratc K-'pa-ität für Potrimiüm»«! 3mi(alna ist sei» ideale« Baterlaab, " ade, dennoch ist <r fähig »it Hinzebnvg einem Etlichen Vaterland tu dienen." Wa« »erschlüz« r« da« Vorhand», sei, ewe» so ideale« Vaterland«« z» eoneediren? Aber wir W»«wr» »ilbt tmcediren, well e« sicht wahr ist. Der devtscheJnde trägt, selbst al« ideale? Vaterland, nicht Irr«. Allen m seine« Herren. E« liehe ih« vielleicht gar nicht schlicht; e« »Lr« doch immer ein Stück Idealismus I Aber M nicht ist. ist nicht. Der deutsche Jude hat keine» beson« deren-nationalen Idealismus, er schätzt sich glücklich, Sahn ein,» Volke« zn sein, dessen idealen Rational.Gebätze reich gen tg sind, v« auch den ideale» panolisch» Bedürfnissen de« jüdischen Herzen« zu genüge«. — Eine Besonderheit wmht der Jude nur al» <8 l a u de n «gemeinde ans; nur in seiner religiüseu Besonderheit n>.er Jude. Boa den «ichtjüdischrn Sühnen de« dmtkch» Vaterländer güt auch Uotl s. D. nicht der'Satz: „Der Jude dient Gott; die Goi» dienen M» Mammons via« kann wohl mcht, wie die sjfrau Füistin mit Recht sagt, 2 Herren dienen, aber man kann dem Mamma» dienen und mit dem lieber schuh au« de« Togelohn de« Mommondienstes (Sott zu dienen. Da« ist i«rr richte deutsch« und wenn man «dl jüdische Realie» a » «. Wie e« in der russischen Gesellschaft in dieser Hin» sich! outsieht, da« nun wird die Frau Ziürftin wohl wissen. — Aber so gewiß die Beobachtungsgabe der hohen Frau z» «wunder» ist, so hat sie doch auch darin wieder den Tribut der weibliche« Logik entrichten müsst». Di« hohe Frau sagt: „Wird der Jude Bürger einer anderen Ratio», so empfängt »nd erhält der Jode da« Siecht, aber nicht die Pflicht, sich seiner ursprünglichen Natirnalität zu entkleiden." Der Fra« Fürstin habe Recht; aber «!)» dann hat sie . . . Unrrcht. Wa« heißt Nationalität, in real-juridische« Sinn? — Die Negation des Rechts, einer andern nationale» Gemein, schnft al« Mitglied anzngehüren. L»er Deutsche, der in R»I stand Bürger werde» will, muß erst an« dem d mischen Unterthanen-Berbande entlaffen werden. So lange er Bür» grr seiner originellen Rationalität ist, t«t er nicht das Recht fich derstlben zu evtklnde» und in eine andere einzutreten. S»i»a1d er die« Recht erhält, hat er sich eben seiner originell.» Rationalität entkleidet. — Wo also dem Rechte einer belobigen Rationalität beizutreteu, auf der Seite des eine Rat uro lrsation Suchenden nichts im Wege steht, da hat die Eptstenz einer originellen Rationalität a» fgehvrt." Wende« wir das auf die Juden an, so ist es klar, daß schon das Vorhandensein de« Recht«, sich seiner «rsprüng» ,lich>» Rationalität zu entkleiden, welches der Jude mit de« Bürgerbriefe irgend einer bestehende« Ration erhält und emtchürgt, da« Borhaudensei» einer originellen Rattoualität negirt ist. lväre eine originelle jübiche Rattonalität vorhanden, so könnte der Jude gar nicht Bürger einer andern Ration wer»», weil er e« nicht dürfte. In-der Thal habe», bei dm ersten Lmancipa» timsbeftrebnngm die Anhänger de« kras eu jüdischen Ratioua» lttäi «»Prinzip anch gegen da« Erstreb» de« Bürgerrechte« bwrih die Juden geeifert. Wo in einen Kreise gege» die Am ahme irgend ctac» Bürgerrecht« keinerlei Hindernisse vorhaw'm sind, da ist gewiß Rationalität nicht da« Band, da« die Mitglieder de« betreffenden Kreise« z» einer Estchest um» schliagt. — Der Kreis de« Indenthnms wird eben anch nicht dnrch Band« drrRotionolität, sonder» durch da« Baud der Ret gion, besonderer religiöser Auschaumrgoy znsammengehaltm. Der Jude hat da« Recht, je »er Rationalität fich belt btg zu «sitmllirm, weil — Jndruthrm nicht Rationalität, sonlrr» Religio» ist.,— - - And erkennt nmn »ich«, sofort dir Inden Polens »nd Rnjilauds tu de« geistreich« Paradox«»: „Wann der Jude fich^ wie es nmnchmol scheint, znm Mawriolismns bekannt, indem er, wie der Gmitlos« des Psalmisten. sagt: „Wo ist Unser Gott"? spürt m„ et« andere Fieber, al« das moder« Hetdenthnm: man spürt dm Zorn der Ratio», die fich als die ««erwählte weiß und fich »ergeffm glaubt". — Ich darf «S wohl dreist fugen: «au könnte ruhig alle deutschen Judm Revü« pasfirm laffm; da« materialistisch«: .Wo ist ein Gott"? wird man »ohl von manchem oernehmm, na« mmtlich unter den hechmetsm Inngm Aesknlap's. »ach dem Räuspern und Spuikeu des Meister« Du Bois Rehmoud. der bekanntlich in sein«« geistreich» .Publicum": .lieber einig« Ergebniffr der unieru Naturwissenschaft'' unter audem stereotyp» Kaihrder-Witz» auch eia» solchen ans das* verjag» der Gottheit aus der Welt hatte; aber die Frage: .Wo ist unser ihtt"? in jüdisch-national» Sinne wird mau vergeb»« unter den d e »1 s ch e » Judm such». — Gettm aber die Ausfühmng» der Frau Gräfin spectell von den Jud» Polens und Rußlands, so ist diese Brochüre eine der erftmlichstm fipologtm für diese unsre Glaubensgenoff». gegm die selbst in unser« Kreis» so viel Antipathie und vornrthetlr vorhanden find, könnt» die Judm Polens m»d Rußland fich die Symvathl». ja dir Bewunderung einer Dame von dem Rang« und der Blldung der Fra« Berfasserin erwerb»-mm, was ist daun die seiner Zett so viel colporttrte Trmschle'fche Phrase von den .hosenverkaufend» an« Pol» ringevanderten jüdisch» Jüngling»" werth? Die Sympathien der hoh» Fra« Berfafferi» verlier» auch dadurch uicht ihr Gewicht, daß wir bei derselbm ei» gewiffes Faible für die großklingend« Phrase nicht in Abrede stell» können. Ist es mehr als eine großklingend« Phrase: Die jüdische Ration Hel »och nicht ihr letztes Wort gesprochen"? Oder: „Le jaif ne peat xao oo dAUoher de m nationalitA originelle, oono »bdiqaer, et il n’abdiqaer* j»inai»"? Oder ist: „Le jnif sert dien, le Golms eerrent Mammon" nicht offenbar eine Phrase Auch weitrihin wird sich die« Faible noch oft präsentiren. — Macht dieses Faible dem Espr>t der hoh» Dame nur olle Ehre, so zeigt es auL, daß da» Wes» derselb» in ganz ander» Rrg on» ihr HnmathSrecht hat, al« '» d» Wink«l-Gassen der Jud» Rußland« und Polms» und nun der ethisch« Gehalt deser Broölkemng trotzdem da« Herz der hohen Dame gewinn» konnte, so fällt da« für die Beurthrilurg diese« ethisch» Gehalts sehr in die Waage. _ Gerichte twfc S*rrefp*»d<iye». Deutschland. Mncki»,6. Aprii. Drr schon zweim il veitagteBeleidigMlg«. Prozeß des bekannt» Anrisemitmiührers Dr. med. König zu Witt» geq» dm Rrdacuur Dr. Hirsch Hildesheimer br-' schästigte gestern wieder mehrere Stund» hindurch die 97. Abthestung de» h efig» Schöffengerichts. Beide Partei«» warm diesmal persönlich erschien»; die Sache des Klägers veitrat Rechtsanwalt Llnveoberg, die des Verklagt» Rechtsanwalt Hugo Sachs. <Unter den ziemlich zahlreich erschimru» Zuhärcrn befand sich auch Herr Lrrbermarm vou Sonnen» berg^) E« handelt sich vekaaatlich um eia» in der jiioischm Presse »thaltmen Artikel, welcher die Entgegnung auf einm in der .Antisemitisch» Korrespondenz" veröffenttichten Artikel des Dr. König bildete. Darin wird Dr.' König ei» »trauriger Geselle" gwannt «nd unter Anderem die Wmduag gebraucht: .Ewer dieser StrauchrUter richtet immer dm Audem hin." König hat darauf die 'privattlagr augestrmgt, der Anzeklagte hat dagegm die Wiedcrklaqe erhob» und dieselbe auf oier Punkte begründet. Zunächst ist der Passus eines von Dr. *) Sei hier *os destfch«» Jude» behsuptet »trd, pilt »ohl «ch oo» de» stmiMsche», «ngttsch», öfter« lch-imaartsche», ttallentsche», Sbertzmip« alle» üs»d«r» ter tmaüieipotto». Ich speiche «er vo» de» verhöttnisseu, bte ich «r»»k.