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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 15. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 15.
Date
1888-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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fl3nr wollo, d"t 9 jagt, durch H» fWtyW nBrt nt. Da» tö bet ist riu Msttel^ mser Denken auf Gatt zu richten. Demgiwäß wäre die Sprache, in der wir dere«. sowie, daß wirjt einer festgesetzt« Zeit b<ten, Nebensachen aber wir können uns nicht mit eine« Sprunge über da» alte Herkomme, binweasetze», u->d die »m-i Jahrtausende alte Uebnvg, bestimmt, Gebete ,u bestimmten TageSreitenj zu sprechen, hinwe-d>k'>tnen. Di« Eaiwickrluu» muß eiae^o langsame sein, daß man Zest gewinnt, sich mit dem Neue« zu bestrunden. Wir müssen danach streben, daß die Jugend den Gotte» »imst. wie er sich durch die Bedürfnisse der Gegen» wart;erau»gebildrt ebenso al» Bedürfnis! ansehe. wie da» bei dem älteren Geschlecht« der Fall war. Dazu ist e» nothweidig. daß di« Form de» Gottesdienste» nicht fortwährenden Schwankungen au«gesetzt werde, und daß man die Grindelemente de» alten Gottesdienste» beibebalte. soweit di>!« tbunlich ist, schon au» dem Grunde, damit neu e nlrelerde Gemeindemitglieder sich darin nicht völlig fremo füllen. Auf diesen Punkt muß um so mehr Bedacht ge» nommni werden, weil wir kein Band besitzen, welche» die Gemeinden eint und bei der durch gar kein demmende» Mittel beengten Willkür der Vorstände die Geiahr nah« liegt, daß in einer Gemeinde ein GolteSdienst bestehe, den die Mitaliedrr einer Nachbargemeinde gar nicht kennen. Dir Borwurf der Willkühr und Mißachtung de» Herkömml>ei«n ti sfr aber nicht nur die gottesdienstlichen Anordnungen, sondern eben so sehr den Unteiricht und die Erziehung. So veröffentlichte vor Kurzem eine jüdisch« Zeitung ein Gedicht, in welcher der Dichter dagegen loSzieht, daß man einerseits mit Gebetriemen und ZiziSquasten die Gleichgiltigkeit der heranwochsendin Jugend gegen die Religion heilen «olle, wa» ein Rückschritt sei, und andererseits gegen den Antrag, die Schule konfessionell zu gestalten. Stellung nehme. Ich weiß nicht, gegen wen sich die Worte diese» PegasuScriterS wenden, aber ich muß mich zu der angegriffenen Anschauung bekennen. Da» Judenchum ist nun einmal die Religion de» Gesetz,!». ol« solche hat rS sich der Umschlingungen der großen lLrltreligiouen erwehrt, sein Prinzip ist die Heiligung durch da» Gesetz, d. h. e» erzieht seine Bekenner zu« reli« giösen Lenken durch die religiöse Th «t. Diese Anschauung bedingt keineswegs, daß wir die Erfüllung der Gebote als äußerliche» Thun schon für beseligent halten. Da» war nicht einmal die Ansicht de» Talmud, der verschiedenfach betont, daß die Uebung de« Gebotes nur ein Mittel zur Weckung der religiösen Gesinnung sei, so h ißt «S. man soll die Gebot« nicht bündelweise abthun (8>sacho1h 49») oder dei» Gebet sei dir nicht lästige Pflicht, s rudern innige» Flehen zu de« Schöpfer (Math 2 13), und am lautlichsten in den Worten K. Simlai'S (lllakkoth 24»): „Alle seck »hundertunddrrizehv Gebote hat Habakuk (2—4) auf da» ,ine zu ückgcführt: „Der Gerechte lebt durch seinen Glauben*. Andersen« aber können wie un» nicht darauf beschränken, nach Mendelsohn'» dunkel angedeutetem Wunsche, der Jugend die religiöse Gesinnung beizubringrn, ohne da» «ns dem religiösem Gesetze beruhende Thun. Wir werden deshalb d m Eonsirmande» den Gebranch der Tesillia lehren müssen, wir werden ihn jedoch mtt den kleinlichen Einzel- Borschrtstm al» etwa wa» zu geschehe» habe, wenn Mau die VK1 TO |'?Cn zuerst ergreift, oder, wenn beim Anlegen der Lefilliu, der Knoten zerrissen ist, verschonen. Wir werden die Erziehung im traditionelle» Sinne schon deswegen leite«, weck dadrrch de» Eltern da« Bewußtsein erhalten bleibt, daß sie die Erziehung ihrer Kinder im hergebrachte» Sinne gelenkt sehe». Damtt steht c« nicht i» Wcherspruch, wen« «an Gegr er der conf ffionellru Schule ist. Wir wünschen wohl die religiös« Erziehung der Jugend, wir wisse» anch, daß riese» Ziel am dtste» in der confessionellen volk«schnle zu erreichen ist. ja nochmehr, wir wissen anch, daß für un» Inden Mi Gefahr nicht besteht, welch« für die christliche B^rölkernng an« der confeffionülen Schule erwachse» mag. die Gesah^ nämlich, bat de^SKrn« ein« wissen»fti»«che>r Etnstnss ans die Schnl« -«Mbe ab« eck habest sich t» * An^ndstck, Bcht n» Brtbrhaltckl,,. svndck, um Ei». führ«,, der conftffioncklen Schul», und »abei müsse, wir nu« »or Ragen halte», da» der »ortheil. de» dies« Schule der Erzieh«, unserrr Jn^nd brächte, ein DaunmgeschaK -. derjenige» ist, welche die k«tholische Kirche mt St»at«rrli^m '; erheben mb die Juden von allen Iffentliche, Remter, an«, schließen wolle». Diesen Zweck ersehe» wir schon daran«. : daß die Pfarrer die AgttMton für di« confrssionrlle Schul« damit begründen, daß fie de» Bauern sagen: ,We»u ihff < nicht wollt, daß Inden an unserer Schal« augestellt werdest, daun unterschreibt di« Petition für den iiechteustlin'sche» Antrag." Wir dürfen un« vo» Schlagwörter» nicht bleabch» lassen und dürfen auch nicht die Priazipie» zn uusrrea He», scher« erheben, wir müssen na« vielmehr immer fragen, ob nicht dnrch da« Festhalten de« Priacip« die Sache statt gefördert, geschädigt wird, wie der Talmud sagt. Besach. 43.». ■jn-nn ncn rn rrmh ns am .weil «« Heft ist z» «. beite, für Gott, haben sie dmnhbrocheu deine Lehr«'. <»d Lhrifte«." Bo» der Oräsi» Nntilt« Ouwarot ged. Fürstin Gortschakoff. m. Für d.n Ort und die Berhältnifle. wo die hohe Frau Verfasserin ihre Beobachtungen atigrstelft hat, ist jede» Wort derselben eine Wahrheit. Die Frau Fürstin hat ihre Beobacht»»- gen in Rußland und in Polen gemacht. Alle», wa« sie schreibt, ist eine Abstraktion, die stch ans dt« Juden Rußland» und Polen»- bezieht — da» ist da» Geheimniß. da» hinter allen Räthfkln diese« hochinteressanten Buche» steckt. — Boa den Juden Polen» und Rußland» ist r» wahr: „Jakob ist sein wah er Bater, die Thor« und der Thalmud sind seine Lehrer, die Wiege seiner Kinder; für sie Handeft e» sich nicht bloß »m Reli flau, sondern um Rationalität." Dean wo der Jade nicht die bürgerliche Gleichberechtigung genießt, da macht er, staatsrechtlich und psycho» logisch, eine eigene Rationalität an». Boa den Inden Polen» und Rußland» ist e» wahr: .Au» de« Studium dieser "Bücher schöpfen die Jute« ihre unveraichtbare Lebenskraft, ihr:» Glauben und ihre Hoffnung für die Zukunft, welche dir Brrwtrklichuag der Verheißungen dringen muß. deren Erfüllung sie bereit» seit st» vielen Jahrhunderten erwarten." Die Juden Dentschlnndä und zum größten Theil auch Oesterreich-Üngarn» stndire» ihre heiligen Bücher gar nicht mehr; sie erwarte» vo» der Zukunft keine Erfüllung von de« Verheißung«, die de» Joden bffonder» angehea. Der oberflächlichste Beobachter' würde von dm Inden Deutschland« nicht sagen: Jakob ist sein Bater. Thora und Thalmnd stad sein« Lehrer: Thora — — mell eicht 10 Kapitel aothdürftigr» Interlinear-Übersetzen I Und Thalmud: Wa» ist dm Judm Drnffchland» der Thalmud. »Hekuba" ist ihnen mehr, sie iviffm besser Bescheid über Hekuba und dm Homer und dir ganze griechische Mythologie, wie über den Thalmud! Rur «er die Inden Polen» und Rußland» t« Auge hat, kann s» schreib« und daun m»t Recht. Ist e» ein Wunder, kann mau e» verdenken, wmu der so «n «mnnilla dehaudilte Jude in einem entlegenen Wiokel seine» Herzen» noch Mo Hoffnung auf dm persönlichen Messias kultiviit? Rur von dm Jude» Polen» «nd Rnßland», gilt in der von der Frau Fürstin selbst gemachtm Einschränkung: „Ihr Baierland ist Jerusalem!" mb von dm ans Pole» rnd Rußland «ach ander« Ländern anägaoaudatm Jud« mag e» ja anch eine psychologisch begründet« Wahrheit fein, daß sie, trotz erlangt« Bürgerrechte», nicht ganz die so lange genährt u besonder« Narionalgefühle an» de« Hawrn rochen könne». Sir «ürdm nicht im gerrngstm Brbenwn trug«, '' ■ i

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